Nabelinge
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| Nabelinge | ||||||||||||
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| Datei:2012-11-18 Omphalina pyxidata.jpg
Rotbrauner Nabeling (Omphalina pyxidata) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Omphalina | ||||||||||||
| Quél. |
Die Nabelinge (Omphalina) sind eine Pilzgattung aus der Familie der Ritterlingsverwandten, deren Arten mit Moosen vergesellschaftet sind. Früher handelte es sich um eine artenreiche, polyphyletische Gattung, die auf Basis der unterschiedlichen Ökologie, Pigmentierung und Phylogenie ihrer Arten ausgedünnt wurde.<ref name="Redhead2002a" /><ref name="Redhead2002b" /><ref name="Norwell1994" />
Die Typusart ist der Rotbraune Nabeling (Omphalina pyxidata).<ref name="Quélet1886a" />
Merkmale
Charakteristisch sind kleine Fruchtkörper mit am Stiel herablaufenden Lamellen und weißem, nicht amyloidem Sporenpulver. In der Regel ist der Hut zentral tief eingesenkt. Das regenschirmartige bis trichterförmige Aussehen erinnert an einen Bauchnabel oder einen Bauch mit einem Nabel, was der Gattung ihren Vernakularnamen verlieh. Ähnlich geformte Blätterpilze werden im Fachjargon als „omphalinoid“ bezeichnet.
Ökologie
Omphalina im heutigen Sinn ist eine kleine Gattung von Moos besiedelnden Pilzen. Sie wachsen auf moosigen Brandstellen und in Habitaten mit ungestörten moosigen Bereichen in arktischen, antarktischen und alpinen Klimata. Unter den Habitaten finden sich sowohl ländliche als auch städtische Gebiete. Viele andere mit Moosen vergesellschaftete Pilze kommen in solchen Lebensräumen vor, haben aber abweichende Merkmale.
Arten
Für Europa sind folgende Taxa bekannt bzw. zu erwarten:<ref name="Strittmatter2011" /><ref name=":0">Sönke Lettau, Heinrich Lehmann, Marco Thines, Sebastian Ploch: Diversität der Gattung Omphalina (Tricholomataceae, Basidiomycota) mit Beschreibung einer neuen Art. In: Deutsche Gesellschaft für Mykologie (Hrsg.): Zeitschrift für Mykologie. Band 88/1, 2022, S. 3 ff.</ref>
| Nabelinge (Omphalina) in Europa |
Systematik und Taxonomie
Nomenklatorische Probleme
Omphalina<ref name="Quélet1886b" /> ist ein alter Gattungsname, der auf dem noch älteren Namen Omphalia basiert. Er kann aber nicht verwendet werden, weil es sich dabei um ein jüngeres Homonym handelt und der Name daher ungültig ist. Ursprünglich umfasste die Gattung alle weißsporigen, ähnlich großen und geformten Pilze. Aus diesem Grund wurden viele Arten als Omphalina oder Omphalia bezeichnet, obwohl sie keine echten Nabelinge sind. Erst die Konservierung des Rotbraunen Nabelings als Typus beendete die Jahrzehnte währende Instabilität.
Phylogenetische Neudefinition
DNA-basierte molekularphylogenetische Studien zeigen, dass der Rotbraune Nabeling und andere an Moosen wachsende Arten mit rötlichbraunen bis gelblichen Pigmenten, die die Hyphenwände inkrustieren, nah miteinander verwandt sind. Dagegen sind viele andere ehemaligen Nabelinge nur entfernt miteinander verwandt und wurden deshalb in anderen Ordnungen, Familien oder Gattungen klassifiziert.
Neuklassifikation und Splittung früherer Nabelinge
Lichenisierte Nabelinge sind mit Flechten vergesellschaftete Basidienpilze, die sich jetzt in der Gattung der Flechtennabelinge (Lichenomphalia) befinden. Dazu zählt beispielsweise der relativ häufige Heide-Flechtennabeling (Lichenomphalia umbellifera).
Moosbewohnende, graue bis schwärzliche Arten gehören nun in die Gattung der Adermooslinge (Arrhenia). Zwei bekanntere Vertreter sind zum Beispiel der Geröll-Adermoosling (Arrhenia rickenii) und der Rußige Sumpf-Adermoosling (Arrhenia oniscus).
Alle übrigen ehemaligen Nabelinge mit amyloiden Sporen landeten in anderen Gattungen, darunter Helmlinge (Mycena), Kohlennabelinge (Myxomphalia) und Glöckchennabelinge (Xeromphalina).
Kein echter Nabeling besitzt gelatinisiertes oder schleimiges Gewebe oder farbenfrohe Pigmente. Auch haben sie keine Zystiden. Arten, deren Abtrennung durch Molekularuntersuchungen gestützt werden, verteilen sich auf diverse Gattungen wie zum Beispiel Goldnabelinge (Chrysomphalina), Nabeltrichterchen (Gerronema) und Heftelnabelinge (Rickenella).
Der Weiße Nabeling (ehemals Omphalina mutila) wurde 2022 auf Grundlage phylogenetischer Untersuchungen und seiner morphologischen Merkmale (beispielsweise der kurze Stiel und die fehlende Pigmentierung) in die Gattung Clitopilus überführt und heißt aktuell Clitopilus mutilus.<ref name=":0" />
Bedeutung
Namensherkunft
Omphalina ist die Verkleinerungsform von Omphalia und leitet sich vom griechischen Wort ómphalos „Nabel, Buckel“ ab. Der Name bezieht sich auf das nabelartige Aussehen der kleinen gewölbten Hüte mit der typischen zentralen Vertiefung.<ref name="Genaust2005" />
Quellen
Literatur
- Frieder Gröger: Bestimmungsschlüssel für Blätterpilze und Röhrlinge in Europa. Teil I. In: Regensburger Mykologische Schriften 13. Regensburgische Botanische Gesellschaft, 2006, ISSN 0944-2820 (Hauptschlüssel; Gattungsschlüssel; Artenschlüssel für Röhrlinge und Verwandte, Wachsblättler, hellblättrige Seitlinge, Hellblättler und Rötlinge).
- Erhard Ludwig: Beschreibungen. Die kleineren Gattungen der Makromyzeten mit lamelligem Hymenophor aus den Ordnungen Agaricales, Boletales und Polyporales. In: Pilzkompendium. Band 1. IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-43-3 (758 Seiten, deutsch mit englischen Zusammenfassungen, 17 × 24 cm, enthält 20 neue Taxa und 13 Neukombinationen).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Genaust2005"> Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996). </ref> <ref name="Norwell1994"> Loreleia L. Norvell,: Omphalina sensu lato in North America. 1-2: 1: Omphalina wynniae and the genus Chrysomphalina. 2: Omphalina sensu Bigelow. In: Mycotaxon. Band 50, 1994, S. 379–407. </ref> <ref name="Quélet1886a"> Lucien Quélet: Omphalina pyxidata (Bull.) Quél. In: Enchiridion Fungorum in Europa media et praesertim in Gallia Vigentium. Octave Dion, 1886, S. 43. </ref> <ref name="Quélet1886b"> Lucien Quélet: Omphalina. In: Enchiridion Fungorum in Europa media et praesertim in Gallia Vigentium. Octave Dion, 1886, S. 42. </ref> <ref name="Redhead2002a"> Scott A. Redhead, Jean-Marc Moncalvo, Rytas Vilgalys, François Lutzoni: Phylogeny of agarics: partial systematics solutions for bryophilous omphalinoid agarics outside of the Agaricales (euagarics). In: Mycotaxon. Band 82, 2002, S. 151–168 (lutzonilab.net [PDF; 1,8 MB]). </ref> <ref name="Redhead2002b"> Scott A. Redhead, François Lutzoni, Jean-Marc Moncalvo, Rytas Vilgalys: Phylogeny of agarics: partial systematics solutions for core omphalinoid genera in the Agaricales (euagarics). In: Mycotaxon. Band 83, 2002, S. 19–57 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />lutzonilab.net ( vom 20. September 2009 im Internet Archive)). </ref> <ref name="Strittmatter2011"> Eric Strittmatter: Die Gattung Omphalina. In: fungiworld.com. Pilz-Taxa-Datenbank. 25. Juli 2011, abgerufen am 9. Januar 2013 (inklusive Update Nr. 100). </ref> </references>
Weblinks
- Michael Kuo: Omphalinoid Mushrooms. In: MushroomExpert.com. November 2008, abgerufen am 11. Januar 2013.
- Markus Wilhelm: Omphalina arctica – Arktischer Nabeling. In: Verein für Pilzkunde Basel. Abgerufen am 11. Januar 2013.
- Ivony Kautmanovej et al.: kalichovka fialovoružová – Omphalina discorosea. In: Nahuby.sk. Abgerufen am 11. Januar 2013.