Grand Hotel Pittner
Das Grand Hotel Pittner (auch Hotel zum rothen Krebs) war ein Grand Hotel in St. Pölten. Das aus einem seit dem 17. Jahrhundert bestehenden Gasthaus und ab 1896 unter Franz Pittner in seiner späteren Form errichtete Luxushotel bestand bis 1984. Heute beherbergt der Komplex neben Geschäftslokalen hauptsächlich ein Ärztezentrum.
Geschichte
An Stelle des heutigen Stammhauses an der Ecke Kremsergasse und Klostergasse lässt sich seit zumindest 1367 eine Bebauung nachweisen, der Gasthof „zum rothen Krebs“ wurde 1674 erstmals urkundlich erwähnt. Auch ein Großteil der heute in den Gebäudekomplex integrierten Grundstücke waren 1367 bereits bebaut.
Franz Pittner sen. erwarb den Gasthof „zum rothen Krebs“ 1837, kurz danach ließ er das Haus neu fassadieren. Pittner erwarb in den folgenden Jahren den gesamten Häuserblock: 1854 kaufte er das Haus Ecke Kremsergasse/Stiftgasse, ab 1869 folgten sukzessive die Gebäude zwischen Klostergasse und Stiftgasse an der Grenzgasse.
Sein Sohn Franz Pittner übernahm das Haus von seinem Vater und plante ab 1896 den Umbau des einfachen Hotels zu einem Grand Hôtel nach dem Vorbild großer New Yorker Häuser. Da ein Umbau des Stammhauses aufgrund eines neuen Bebauungsplanes nicht möglich war, ließ er sein Neubauprojekt auf der von der Kremsergasse abgewandten Seite an der Ecke Klostergasse/Grenzgasse errichten. 1907/1908 wurde der Neubaukomplex nach Süden und Westen erweitert, dabei wurde ein Teil der Stiftgasse verbaut. Eine Vollendung des Baus in der Kremsergasse, für die bereits eine Baubewilligung vorlag, scheiterte am Ausbruch des Ersten Weltkrieges.
Der Innenraum war im Zuge der Umbaumaßnahmen immer wieder angepasst worden. So ließ Pittner 1891 in den Altbestand den „Kaisersaal“, einen prunkvoll gestalteten Festsaal, einbauen. Danach wurde der Kaisersaal zum Kino umgebaut, das ab April 1914 in Betrieb war.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Als in St. Pölten die Bilder laufen lernten ( des Vorlage:IconExternal vom 16. Februar 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf cinema-paradiso.at</ref> Auch wurde im Grand Hotel die „erste Radio-Empfangstation“ in St. Pölten errichtet, 1924 wurden die ersten Musikvorführungen aus Wien vorgespielt.<ref>Siegfried Nasko, Willibald Rosner u. a. (Hrsg.): St. Pölten im 20. Jahrhundert. Geschichte einer Stadt. Residenz-Verlag, St. Pölten u. a. 2010, ISBN 978-3-7017-3155-8, Kapitel St. Pölten baut auf, S. 70.</ref> Am 14. März 1938, einen Tag vor seiner Rede am Heldenplatz, besuchte Adolf Hitler St. Pölten und aß mit Heinrich Himmler, Wilhelm Keitel und Martin Bormann im Hotel Pittner zu Mittag.<ref>Markus Schmitzberger: St. Pölten in der NS-Zeit 1938–1945. In: Siegfried Nasko, Willibald Rosner (Hrsg.): St. Pölten im 20. Jahrhundert. Geschichte einer Stadt. 2010, S. 96–121.</ref>
Das Hotel wurde Ende April 1984 geschlossen<ref>Siegfried Nasko: St. Pölten Jahrbuch. 1978/79, St. Pölten 1979. Kapitel Stadtchronik 1984, April, S. 87.</ref> und 1995 bis 1997<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Aus der Laudatio von Bürgermeister Mag. Stadler anlässlich der Verleihung des Ehrenrings der Landeshauptstadt St. Pölten an Univ.Doz. Dr. Franz Frühwald ( des Vorlage:IconExternal vom 23. April 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> zum Ärztezentrum umgestaltet. Für den Umbau war das Architekturbüro Dipl.-Ing. Wolfgang Pfoser ZT GmbH verantwortlich,<ref>Ziviltechniker Wolfgang Pfoser - Ehem. Grand Hotel Pittner</ref> das auch das mit einer Brücke verbundene Ärztezentrum in der Klostergasse, sowie die Sanierung und Erweiterung der Mary-Ward-Privatgymnasium in der Schneckgasse plante.<ref>Ziviltechniker Wolfgang Pfoser - Neubau Ärztezentrum Klostergasse</ref>
Stadtkino Pittner
Das Stadtkino Pittner war das erste fixe Kino in St. Pölten, es entstand durch Umbau des Kaisersaales. Das Kino eröffnete am 12. April 1914 mit einer Vorführung des Filmes Die Tochter des Leuchtturmwärters<ref>(Stadtkinoeröffnung im Hotel Pittner.). In: Oesterreichische Land-Zeitung / Deutschösterreichische Land-Zeitung, 18. April 1914, S. 4 (online bei ANNO).</ref> und bot 612 Zuschauern Platz.<ref>Niederösterreich – St. Pölten auf allekinos.com</ref>
1962 wurde der ehemalige Kinosaal in Geschäftsräume umgestaltet, das Kino wurde allerdings weiter betrieben. 1964 betrieb das Kino einen Philips DP70-Projektor,<ref>North American Philips Company, Inc., 1964: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Philips DP70 70/35 mm projector installations all over the world ( des Vorlage:IconExternal vom 5. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> der später an das Forum-Kino weitergegeben wurde.<ref>DP70s in Austria auf in70mm.com</ref>
-
Der Kaisersaal um 1900
-
Der Kinosaal kurz nach der Eröffnung 1914
Baubeschreibung
Stammhaus
Am Standort des Gebäudes Ecke Kremser Gasse/Klostergasse ist eine Bebauung erstmals 1367 nachgewiesen. Das heutige Bauwerk geht im Kern auf das 1674 erstmals erwähnte Gasthaus zurück. 1837 erfolgte im Zuge des Kaufes durch Franz Pittner eine Neufassadierung des Gebäudes, 1870 ließ Pittner eine Attikamauer errichten. 1886 wurde das Gebäude unter Aufsicht von Johann Wohlmeyer neu fassadiert, dabei entstanden die später entfernten Fresken zur Geschichte der Stadt St. Pölten an der Nordseite.
Das zweigeschoßige Gebäude wurde im Erdgeschoß durch Einbau einer Passage grundlegend verändert. Heute befindet sich im Erdgeschoß ein Geschäftslokal, das Obergeschoß dient Wohnzwecken.
-
Das Stammhaus zwischen 1886 und 1896
-
Das Stammhaus Ecke Klostergasse / Kremsergasse
Neubau ab 1896
Der Neubau wurde zwischen 1896 und 1913 in drei Bauetappen umgesetzt, das Konzept gestaltete Richard Frauenfeld, Architekt war Johann Zeilinger. Der fünfgeschoßige Bau auf U-förmigem Grundriss im Gründerzeit-Stil ist gegen die Klostergasse mit 14, gegen die Grenzgasse mit 15 sowie gegen die Stiftgasse mit 5 Achsen gegliedert.
-
Um 1900, nur der Trakt an der Grenzgasse fertiggestellt
-
Um 1914
-
Grenzgasse
-
Fassadendetail Grenzgasse
Literatur
- Manfred Wieninger: St. Pöltner Straßennamen erzählen. Loewenzahn, Innsbruck 2002, ISBN 3-7066-2208-4, S. 110: Eintrag zu Franz-Pittner-Gasse.
- Thomas Karl u. a.: Die Kunstdenkmäler der Stadt St. Pölten und ihrer eingemeindeten Ortschaften. Berger, Horn 1999, ISBN 3-85028-310-0 (Österreichische Kunsttopographie 54). Kapitel ehem. Grandhotel Pittner, S. 158–161.
- Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler Österreichs – Niederösterreich südlich der Donau, in zwei Teilen. Teil 2: M–Z. Verlag Berger, Horn 2003, ISBN 3-85028-365-8, Kapitel ehem. Grandhotel Pittner, S. 2001.
- Thomas Pulle, Thomas Karl u. a., Stadtmuseum St. Pölten (Hrsg.): Eine Stadt in Bewegung. St. Pölten 1918–1938, St. Pölten u. a. 2012, Kapitel Kino und Theater in St. Pölten, S. 211–241.
Weblinks
- Johann Zeilinger: Grand Hôtel Pittner, „zum rothen Krebs“, in St. Pölten.: Der Bautechniker, Jahrgang 1900, S. 185–186 (online bei ANNO).
Einzelnachweise
<references />
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:österreichbezogen
- Wikipedia:Weblink offline IABot
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Botmarkierungen 2018-04
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2019-04
- Wikipedia:Defekte Weblinks/Ungeprüfte Archivlinks 2025-05
- Bauwerk in St. Pölten
- Baudenkmal in St. Pölten
- Ehemaliges Hotel in Niederösterreich
- Unternehmen (St. Pölten)
- Unternehmensgründung 1896
- Aufgelöst 1984