Zum Inhalt springen

Ceija Stojka

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 21. Februar 2026 um 17:29 Uhr durch imported>Wi-luc-ky (Namen der Eltern und in PD ALTERNATIVNAMEN erg.).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Ceija Stojka Wien2008.jpg
Ceija Stojka (Wien 2008)

Ceija Stojka, bürgerlich Margarete Horvath-Stojka (* 23. Mai 1933 in Kraubath an der Mur, Steiermark; † 28. Jänner 2013 in Wien<ref>Roma-Künstlerin Ceija Stojka gestorben. Die KZ-Überlebende brachte mit ihren Erinnerungsbüchern und Bildern das Schicksal der Roma in der Zeit des Nationalsozialismus an die Öffentlichkeit. In: Der Standard. 29. Jänner 2013, abgerufen am 18. Februar 2026.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Sie hat das Schicksal der Roma öffentlich gemacht. Die Künstlerin und Schriftstellerin Ceija Stojka starb im Alter von 79 Jahren in Wien. (Memento vom 31. Januar 2013 im Internet Archive) In: kurier.at, 29. Jänner 2013.</ref>) war eine österreichische Schriftstellerin und Künstlerin. Sie gehörte den Lovara-Roma<ref name="OeML">Peter Stachel: Stojka, Familie. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 5, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2006, ISBN 3-7001-3067-8 (Stand: 14. September 2021).</ref> an, die besonders in Zentral- und Osteuropa leben, und überlebte als Kind drei nationalsozialistische Konzentrationslager.

Sie war die Schwester von Karl Stojka und Mongo Stojka und Tante von Harri Stojka und Karl Ratzer.

Leben

Als Kind wuchs Ceija Stojka in einer Familie auf, die als Pferdehändler durch Österreich reiste. Ihr Vater Karl „Wakar“ Horvath (1908–1942) wurde nicht – wie viele Jahre irrtümlich von ihr geglaubt – im KZ Dachau, sondern auf Schloss Hartheim ermordet.<ref>BildungsTV: Zeitzeugin Ceija Stojka auf YouTube, 25. Juli 2014, abgerufen am 18. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value); Laufzeit: 58:03 min).Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)</ref> Nach der Deportation ihres Vaters 1941 nach Dachau, wurde der Rest der Familie in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. 1943 wurde sie mit ihrer Mutter Maria Sidonie „Sidi“ Stojka (1906–72) und Schwester in das KZ Auschwitz-Birkenau verschleppt<ref>Sabine Glaubitz: Paris würdigt Roma-Künstlerin Ceija Stojka. In: Volksstimme. 28. Februar 2018, abgerufen am 20. März 2019.</ref>, wo Stojka in der Nähstube arbeiten musste. 1944 wurde sie zusammen mit ihrer Mutter und Schwester, getrennt von den jüngeren Brüdern, ins Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück gebracht.<ref>Cejia Stojka: Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer Rom-Zigeunerin. Hrsg. von Karin Berger. Picus, Wien 1988, ISBN 3-85452-206-1. Erweiterte Neuausgabe u.d.T.: Wir leben im Verborgenen. Aufzeichnungen einer Romni zwischen den Welten. Hrsg. und mit einem Essay von Karin Berger. Picus, Wien 2013, ISBN 978-3-85452-691-9.</ref> Kurz vor Kriegsende kamen alle drei in das KZ Bergen-Belsen, wo sie 1945 befreit wurden. Von der Großfamilie, die etwa 200 Personen umfasste, überlebten nur sechs Personen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lesung von Nuna Stojka. (Memento vom 11. Mai 2021 im Internet Archive) In: Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim. Mai 2016.
8. + 9. April: Lesung und Gespräch mit Nuna und Hojda Stojka. In: schloss-hartheim.at, 9. April 2024, abgerufen am 20. Februar 2026.</ref>

Nach dem Krieg ließ sich Stojka in Wien nieder, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.

1988 schrieb sie ihr erstes Buch Wir leben im Verborgenen und machte als eine der ersten auf das Schicksal ihres Volkes in den Konzentrations- und Vernichtungslagern aufmerksam. 1992 folgten mit dem Buch Reisende auf dieser Welt ihre Erinnerungen an die Zeit im Nachkriegsösterreich. 1989 fing sie nach einer Japanreise an, erste Bilder zu malen. Immer wiederkehrende Themen sind bunte Naturmotive, besonders der Roma vor dem Krieg, aber auch sehr düstere Darstellungen der NS-Gräuel. Ausstellungen ihrer Werke waren am häufigsten in Deutschland und Österreich zu sehen, aber auch in anderen Ländern, wie beispielsweise Japan und Tschechien. 2003 erschien ihr Gedichtband Meine Wahl zu schreiben – ich kann es nicht.

Im Rahmen des Projektes Die letzten Zeugen am Burgtheater war Ceija Stojka eine von sieben Überlebenden der NS-Vernichtungslager, deren Zeugnisse vorgetragen wurden und die auch selbst zum Publikum über ihre Erlebnisse im Rahmen der Judenverfolgung zur Zeit des NS-Staates sprachen, allerdings verstarb sie vor der Premiere im Oktober 2013, sodass sie nicht mehr persönlich teilnehmen konnte.<ref>„Die letzten Zeugen“ im Burgtheater. In: volksgruppen.orf.at. ORF, 21. Oktober 2013, abgerufen am 10. September 2014.</ref>

Ceija Stojka wurde in Wien auf dem Groß-Jedlersdorfer Friedhof in einem ehrenhalber gewidmeten Grab (Gruppe 13, Reihe 2, Nummer 10) bestattet.

Ceija Stojka International Association

Im Jahr 2018 wurde von einer Gruppe von internationalen Kuratorinnen und Kuratoren, Journalisten, Autorinnen und Autoren, einer Filmemacherin und einer Fotografin zusammen mit den Erben die Ceija Stojka International Association gegründet. Die nichtkommerzielle Stiftung ist Mitglied im European Roma Institute for Arts and Culture und verfolgt das Ziel, für die interessierte Öffentlichkeit Daten zu Werk und Person von Ceija Stojka bereitzustellen sowie über Ausstellungen, wichtige Presseresonanz und über die wissenschaftliche Rezeption des Werkes zu informieren.<ref>“I picked up a pen because I had to open myself, to scream.” Ceija Stojka, 1933–2013. In: ceijastojka.org. Ceija Stojka International Association, abgerufen am 20. März 2019.</ref>

Datei:Wien-Neubau - Tafel Ceija-Stojka-Platz.jpg
Tafel Ceija-Stojka-Platz in Wien-Neubau

Auszeichnungen

Datei:Grave Horvath-Stojka Margarete.jpg
Grabstätte von Ceija Horvath-Stojka

Werke

  • Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer Rom-Zigeunerin. Hrsg. von Karin Berger. Picus-Verlag, Wien 1988, ISBN 3-85452-206-1; 3. Auflage. Ebenda, ISBN 3-85452-206-1. Erweiterte Neuausgabe u.d.T. Wir leben im Verborgenen. Aufzeichnungen einer Romni zwischen den Welten. Hrsg. und mit einem Essay von Karin Berger. Picus-Verlag, Wien 2013, ISBN 978-3-85452-691-9.
  • Reisende auf dieser Welt (= Teil von: Anne-Frank-Shoah-Bibliothek). Hrsg. von Karin Berger. Picus-Verlag, Wien 1992, ISBN 3-85452-237-1.
  • Meine Wahl zu schreiben – ich kann es nicht. Gedichte = O fallo de isgiri – me tschischanaf les (= Am Herzen Europas. Band 7). Übersetzung: Ceija und Nuna Stojka EYE, Landeck/Tirol 2003, ISBN 3-901735-12-7 (Text teilw. dt., teilw. dt. und romanes).
  • Me Diklem Suno. (Ich Hatte Einen Traum) [s. n.], [s. l.] 2000, 2004 OCLC 144191276000 (Audio-CD).<ref name="OeML" />
  • Träume ich, dass ich lebe? Befreit aus Bergen-Belsen. Hrsg. von Karin Berger. Picus-Verlag, Wien 2005, ISBN 3-85452-492-7. Neuauflage: (= C.-Bertelsmann-Taschenbuch. Band 30394). 1. Auflage. cbt, München 2009, ISBN 978-3-570-30394-8.
  • Auschwitz ist mein Mantel. Bilder und Texte. Ein Projekt des Vereins Exil in Kooperation mit dem Verein Kulturzentrum Spittelberg. Hrsg. von Christa Stippinger. Edition Exil, Wien 2008, ISBN 978-3-901899-38-6 (Text-/Bildband).
  • Ceija Stojka (1933–2013) – Sogar der Tod hat Angst vor Auschwitz = Even death is afraid of Auschwitz = Vi o merimo daral katar o Auschwitz. Hrsg. von Lith Bahlmann, Matthias Reichelt. Übers.: Lindsay Jane Munro u. a. Verlag für Moderne Kunst, Nürnberg 2014, ISBN 978-3-86984-083-3 (Ausstellungskatalog; deutsch, englisch, Romani).

Filmische Rezeption

Literatur

  • Evelyn Steinthaler (Hrsg.): Frauen 1938. Verfolgte – Widerständige – Mitläuferinnen. Milena-Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85286-161-6 (enthält Gespräche mit Ceija Stojka, Dagmar Ostermann, Katharina Sasso und Elfriede Gerstl).
  • Stephanie Buhmann, Lorely French, Carina Kurta (Hrsg.): Roma Artist Ceija Stojka – What Should I Be Afraid of? Übersetzung: Lorely French. Hirmer, München 2023, ISBN 978-3-7774-4272-3 (englisch; Aufsatzband zu einer Ausstellung in New York mit Chronologie und Bibliographie).
  • Christa Salchner: Sonja, Elvira und die „Zigeuner“-Gretel. Die Geschichte einer Frauenfreundschaft, die schon viele Leben überdauerte. In: dROMa. Nr. 7, Oktober 2005, ZDB-ID 2148957-9, S. 3–7 (Artikel über Ceija Stojka; im Inhaltsverzeichnis des Heftes u.d.T.: Nipo ando kipo | Portrait. Lebendige Erinnerung. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Frauenfreundschaft. Dschivdo palgondolipe. Historija jeke dschuvlengere pajtaschagostar; <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />roma-service.at [Memento vom 31. Januar 2025 im Internet Archive; PDF; 697 kB]).

Weblinks

Commons: Ceija Stojka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein