Milla Baldo Ceolin
Massimilla „Milla“ Baldo Ceolin, auch Baldo-Ceolin, (* 12. August 1924 in Legnago; † 25. November 2011 in Padua)<ref name=":1">Giulio Peruzzi: Milla Baldo Ceolin, la signora dei neutrini. In: Scienzainrete. 8. Dezember 2011, abgerufen am 17. September 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> war eine italienische experimentelle Teilchenphysikerin. Sie war seit 1964 Professorin an der Universität Padua und damit deren erste Lehrstuhlinhaberin.
Leben
Milla Baldo Ceolins Vater war Besitzer einer kleinen Autowerkstatt. Wegen der Bombardements Nord-Italiens während des Zweiten Weltkriegs konnte sie erst nach Ende des Krieges studieren.<ref name=":0">John S. Croucher: Women of science. 100 inspirational lives. Amberley, Stroud 2019, ISBN 1-4456-8471-3, S. 30–31.</ref> 1952 machte sie ihren Laurea-Abschluss in Physik an der Universität Padua. Ihre von Nicolò Dallaporta betreute Laurea-Arbeit behandelte das Einfangen von Pionen.<ref name=":0" /> Im Anschluss arbeitet sie zunächst gemeinsam mit William F. Fry in Padua zu geladenen und neutralen Kaonen. Es gelang ihnen das Modell zu bestätigen, das der amerikanische Physiker und späteren Nobelpreisträger Murray Gell-Mann und der amerikanische Physiker und Wissenschaftshistoriker Abraham Pais vorgeschlagen hatten.<ref name=":0" /> Nachdem die Proton- und Neutron-Anti-Teilchen entdeckt worden waren, kollaborierte sie am Bevatron in Berkeley mit Derek Prowse, um diese Arbeit auf Hyperonen zu erweitern. 1958 entdeckten sie gemeinsam das Anti-Lambda-Teilchen,<ref name=":0" /><ref>Baldo Ceolin, Prowse Anti-Lambda Hyperon, Phys. Rev. Lett., Band 1, 1958, S. 179</ref> das erste Antiteilchen-Hyperon, das gefunden wurde. Außerdem untersuchte sie das Kaon-Antikaon-System.<ref>Milla Baldo Ceolin (1924-2011). In: CERN-Bulletin. 6. Dezember 2012 (cern.ch [abgerufen am 17. September 2022]).</ref> Damals arbeitete sie noch mit Kernemulsionen als Detektoren. 1958 habilitierte sie sich in Rom (Libera Docenza). In den 1960er Jahren untersuchte sie das Kaon-System und dessen Symmetrien mit Blasenkammern am Argonne National Laboratory, dem CERN und am ITEP in Moskau.<ref>R. P. Ely, W. M. Powell, H. White, M. Baldo-Ceolin, E. Calimani: Experimental Test of the Selection Rule $\ensuremath{\Delta}S=\ensuremath{\Delta}Q$. In: Physical Review Letters. Band 8, Nr. 3, 1. Februar 1962, S. 132–136, doi:10.1103/PhysRevLett.8.132 (aps.org [abgerufen am 17. September 2022]).</ref><ref name=":0" />
1963 bekam sie eine volle Professur an der Universität Padua und war damit die erste Frau mit einem Lehrstuhl seit 1222. Von 1965 bis 1968 war Baldo Ceolin Leiterin der Sektion des Istituto Nazionale di Fisica Nucleare (INFN) in Padua und von 1973 bis 1978 Leiterin der Physik-Fakultät.<ref name=":1" /> In den 1970er Jahren wandte sie sich der Neutrinophysik zu. Im NUE Experiment am CERN untersuchte sie mit der Gruppe von Helmut Faissner (Aachen) und mit Funkenkammern als Detektoren elastische Streuung von Neutrino und Antineutrino an Elektronen und ermittelte einen Wert für den Weinbergwinkel.<ref>Baldo-Ceolin u. a. Measurement of Muon-Neutrino and Antineutrino Scattering off Electrons, Phys. Rev. Lett., Band 41, 1978, S. 213–216</ref> Außerdem war sie Teil einer italienisch-französisch-niederländisch-norwegischen Kollaboration am Super Proton Synchrotron (SPS) des CERN, das neutrale und geladene schwache Ströme an freien Protonen und Neutronen untersuchte.<ref name=":0" /> 1976 schlug sie ein Experiment zur Beobachtung von Elektron-Muon-Neutrino-Oszillationen vor, das ein paar Jahre später umgesetzt wurde, aber keine Oszillationen entdecken konnte, für diese aber obere Schranken angab. Sie setzte die Suche als Leiterin der italienischen Gruppe der NOMAD Kollaboration in den 1990er Jahren am CERN fort.<ref>P Astier, D Autiero, A Baldisseri, M Baldo-Ceolin, G Ballocchi: Limit on νe→ντ oscillations from the NOMAD experiment. In: Physics Letters B. Band 471, Nr. 4, 6. Januar 2000, ISSN 0370-2693, S. 406–410, doi:10.1016/S0370-2693(99)01344-1 (sciencedirect.com [abgerufen am 17. September 2022]).</ref> Am Institut Laue-Langevin suchte sie nach Neutron-Antineutron-Oszillationen.<ref>Baldo-Ceolin u. a. A New Experimental Limit on Neutron-Antineutron Oscillations, Zeitschrift für Physik C, Band 63, 1994, S. 409–416</ref> Sie unterstützte die Entwicklung des ICARUS-Experiments und dessen Installation im Gran Sasso Labor.
1988 initiierte sie die Reihe internationaler Workshops zu Neutrinoteleskopen am Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti. 1998 emeritierte sie in Padua (Professor Emeritus).<ref name=":0" />
Sie war Mitglied der Accademia dei Lincei (1987),<ref>Accademici: Baldo-Ceolin, Massimilla. Accademia Nazionale dei Lincei, abgerufen am 22. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> der Accademia Galileiana di Scienze, Lettere ed Arti (1966), und des Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti (1977).
Auszeichnungen
- 1976 Antonio-Feltrinelli-Preis<ref name=":0" />
- 1978 Goldmedaille Benemeriti della Scuola, della Cultura e dell’Arte des italienischen Wissenschaftsministeriums<ref name=":0" />
- 1995 Goldmedaille Benemeriti della Scienza e della Cultura des italienischen Wissenschaftsministeriums<ref name=":0" />
- 2007 Premio Enrico Fermi<ref>"Enrico Fermi" Prize. Abgerufen am 17. September 2022.</ref>
Literatur
- John S. Croucher: Women of science. 100 inspirational lives. Amberley, Stroud 2019, ISBN 1-4456-8471-3, S. 30–31.
- Giulio Peruzzi: Milla Baldo Ceolin, la signora dei neutrini. In: Scienzainrete. 8. Dezember 2011, abgerufen am 17. September 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Weblinks
- Nachruf. CERN-Bulletin vom 6. Februar 2012 (BUL-NA-2012-043)
- Forschungsbeiträge von Baldo Ceolin, UCLA
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Baldo Ceolin, Milla |
| ALTERNATIVNAMEN | Baldo-Ceolin, Massimilia |
| KURZBESCHREIBUNG | italienische Physikerin |
| GEBURTSDATUM | 12. August 1924 |
| GEBURTSORT | Legnago |
| STERBEDATUM | 25. November 2011 |
| STERBEORT | Padua |