Zum Inhalt springen

Cadavre Exquis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 10. März 2026 um 11:44 Uhr durch imported>Mondra Diamond (Unvollständiger EN korrigiert).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Exquisitecorpse-birthday-2006-8.jpg
Beispiel einer Zeichnung „Cadavre exquis“

Cadavre Exquis (deutsch: vorzügliche oder köstliche Leiche) bezeichnet eine im Surrealismus entwickelte spielerische Methode, dem Zufall bei der Entstehung von Texten und Bildern Raum zu geben.

Definition und Geschichte

Definition von André Breton:

CADAVRE EXQUIS – Spiel mit gefaltetem Papier, in dem es darum geht, einen Satz oder eine Zeichnung durch mehrere Personen konstruieren zu lassen, ohne dass ein Mitspieler von der jeweils vorhergehenden Mitarbeit Kenntnis erlangen kann. Das klassisch gewordene Beispiel, das dem Spiel seinen Namen gegeben hat, bildet den ersten Teil eines auf diese Weise gewonnenen Satzes: Le cadavre-exquis-boira-le-vin-nouveau (frz. = „Der köstliche-Leichnam-wird-den-neuen-Wein-trinken“).<ref>André Breton, Paul Éluard: Dictionnaire abrégé du surréalisme. Éditions José Corti, Paris 1938.</ref>

Breton betont des Weiteren, dass man mit dem Cadavre exquis über ein unfehlbares Mittel verfüge, das kritische Denken auszuschalten und der metaphorischen Fähigkeit des Geistes freie Bahn zu verschaffen.

Das Verfahren funktioniert so: Man einigt sich auf ein festes Satzschema, z. B. Subjekt (Artikel, Adjektiv/Attribut und Substantiv) – Prädikat – adverbielle Bestimmung – Objekt (Artikel, Adjektiv und Substantiv). Jede(r) erhält einen Zettel und schreibt nun einen Satzanfang (also z. B. Artikel und Adjektiv), knickt das Papier so um, dass das Geschriebene verborgen ist, und reicht den Zettel weiter. In der folgenden Runde schreibt jede(r) ein Wort aus der nächsten vereinbarten Kategorie (im gegebenen Beispiel: ein Substantiv), knickt den Zettel um und gibt ihn weiter. Der Ablauf wiederholt sich, bis der Satz fertig ist; gegebenenfalls müssen kleine grammatische Anpassungen vorgenommen werden.

Übertragen auf Zeichnungen: Mehrere Personen zeichnen einen Körper; die erste zum Beispiel den Kopf, die zweite Oberkörper und Arme, die dritte den Unterleib, die vierte die Beine, die letzte die Füße. Damit niemand sieht, was der andere tut, wird nach dem Zeichnen jeweils das Papier gefaltet, nur die Ansätze für den nächsten Abschnitt sind sichtbar. Wird das fertige Bild ausgebreitet, so erscheint ein surreales, skurriles Körperbild, eine Art kollektive Collage.

Der Cadavre Exquis wurde im Oktober 1927 in der Surrealistenzeitschrift La Révolution surréaliste vorgestellt. Neben Bretón wirkten viele andere Surrealisten an Cadavres exquis mit, darunter Salvador Dalí,<ref>Cadavre exquis. In: museoreinasofia.es. Abgerufen am 5. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Paul Éluard<ref>Cadavre exquis. In: andrebreton.fr. Abgerufen am 5. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Joan Miró oder Man Ray.<ref>242. Untitled. "Cadavre Exquis" by Yves Tanguy, Joan Miró, Max Morise, Man Ray. In: successiomiro.com. Abgerufen am 5. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zu späteren Beispielen gehört etwa Jake Chapman.<ref>Cadavre exquis. In: Tate Gallery. Abgerufen am 5. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im November 1993 zeigte eine Ausstellung im Drawing Center in New York 600 Cadavres exquis zeitgenössischer Künstler.<ref>The Return of the Cadavre Exquis. In: drawingcenter.org. Abgerufen am 5. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="artforum"></ref> Das Verfahren findet auch weiterhin in zahlreichen Kunstformen Anwendung.<ref name="Pouzet-Duzer">Virginie Pouzet-Duzer: Review: The Exquisite Corpse. Chance and Collaboration in Surrealism’s Parlor Game. In: Papers of Surrealism. Nr. 9, 2011, S. 211–217 (manchester.ac.uk [PDF]).</ref>

Beispiele

Literatur

  • Alastair Brotchie, Mel Gooding (Hrsg.): A Book of Surrealist Games. Including the little Surrealist Dictionary. Shambala Redstone Editions, Boston u. a. 1995, ISBN 1-57062-084-9, S. 25 und 143 f.

Weblinks

Commons: Cadavre exquis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Exquisite corpse. In: Museum of Modern Art. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Kurzerklärung und Beispiele).

Einzelnachweise

<references />