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Hermann Haller (Bildhauer)

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Hermann Haller (* 24. Dezember 1880 in Bern; † 23. November 1950 in Zürich) war ein Bildhauer und gilt als einer der Begründer der modernen Plastik in der Schweiz. Haller war mehr Modelleur als Bildhauer.

Datei:Hermann Haller um 1940, Fotograf Hilmar Lokay.jpg
Hermann Haller um 1940, Foto Hilmar Lokay

Leben

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Hallers Atelier in Zürich

Hermann Haller entschloss sich als 14-jähriger Gymnasiast auf einer Ausstellung angesichts von Bildern des Malers Ferdinand Hodler, Maler zu werden. Hodler war es auch, der dem 17-jährigen Haller grosses Talent bescheinigte. Zuerst begann er in Stuttgart ein Studium der Architektur. 1901 schrieb er sich für die Malklasse an der Akademie der Bildenden Künste in München ein<ref>Akademie der Bildenden Künste München: Hermann Haller, 1901 im Matrikelbuch. Abgerufen am 21. Oktober 2019.</ref>. Dort traf er einen Mitschüler aus Bern, Paul Klee. Mit ihm reiste er von Oktober 1901 bis Mai 1902 durch Italien.<ref>Susanna Partsch: Paul Klee 1879–1940. Benedikt Taschen Verlag, Köln, ISBN 3-8228-0427-4, S. 94.</ref>

Ab 1901 besuchte er in Stuttgart die Akademie der bildenden Künste. In dieser Zeit begann auch seine Freundschaft mit dem Maler Karl Hofer und dem mit Hofer befreundeten Dichter Alfred Mombert, von dem er 1904 eine verschollene Bildnisbüste in Gips und danach 1905 eine weitere in Bronze schuf, die sich heute in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe befindet.<ref> Vgl. Susanne Himmelheber (Hrsg.): Alfred Mombert (1872–1942). Eine Ausstellung des Deutsch-Amerikanischen Instituts in Zusammenarbeit mit der Stadt Heidelberg, Alte Universität Heidelberg vom 27. Juni bis 31. Juli 1993. Wunderhorn, Heidelberg 1993, Nr. 21, S. 30 f.; Ulrich Weber: Alfred Mombert. Ausstellung zum 25. Todestag. 10. April bis 8. Juli 1967. Badische Landesbibliothek. C. F. Müller, Karlsruhe 1967, Nr. 49 f., S. 41 f.; Nr. 104, S. 65; S. 173 (zur Begegnung mit Haller und Hofer in Rom); Hans Bloesch: Hermann Haller. In: Das Werk. 3, Nr. 6, 1916, S. 81–89, hier S. 89 (Abb. rechts).</ref> Der Winterthurer Mäzen Theodor Reinhart, über seinen mit Mombert befreundeten Sohn Hans ebenfalls mit diesem in Verbindung, ermöglichte Haller, so wie auch Hofer, einen längeren Aufenthalt in Rom in der Villa Strohl-Fern, wo er sich der Bildhauerei zuwandte und nach einem Besuch Momberts die oben erwähnte Bildnisbüste in Gips von diesem schuf. 1907 wurde Hermann Haller durch eine Würdigung in einer Kunstzeitschrift bekannt. Im Januar 1909 heiratete er in Düsseldorf die Sängerin Gerda Agnes von Wätjen (1886–1965), Tochter des Regierungsrates Hermann von Wätjen<ref>Civilstand der Oberbürgermeisterei Düsseldorf: den 12. (Mai 1886), Gerda Agnes, T. d. Regierungs-Assessors Hermann Wätjen, Golsteinstr. In: Düsseldorfer Volksblatt. Nr. 132, 18. Mai 1886.</ref> und mütterlicherseits Enkelin des Malers Benjamin Vautier.

Von 1909<ref name="dürre">Stefan Dürre: Seemanns Lexikon der Skulptur. E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86502-101-4, S. 177 f.</ref> bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs lebte er mit seiner Familie in Paris,<ref name="dürre" /> kam dort durch seinen Schwager, den Maler Otto von Wätjen, und dessen spätere Frau Marie Laurencin in Verbindung mit dem Kreis der Künstler im Café du Dôme und schloss Freundschaft mit Ernesto de Fiori und Rudolf Levy. Die Sommermonate verbrachten die Hallers in Wätjens Haus am Meer in Cap Ferret, welches in der Nähe von Arcachon liegt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kurzbiografie Hermann Haller: 1909–14 im Winter in Paris, im Sommer in Cap Ferr(e)t bei Arcachon. (Memento des Vorlage:IconExternal vom 4. Mai 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bildindex.de, auf bildindex.de, abgerufen am 4. Mai 2016</ref> 1914<ref name="dürre" /> ging Haller zurück in die Schweiz und wirkte in Zürich als erfolgreicher Figurenplastiker. 1917 heiratete er in zweiter Ehe die Malerin Felicitas Trillhaase (1894–1961), genannt «Chichio», Tochter des Malers Adalbert Trillhaase. In Zürich befreundete er sich mit Hermann Hubacher und wurde später dessen Trauzeuge<ref>Hermann Hubacher: Erinnerung an Hermann Haller. Abgerufen am 21. Oktober 2019.</ref>.

Ab 1919 war er in neuer Lebensgemeinschaft mit seiner Schülerin, der Bildhauerin Hedwig Braus (1900–1989), die er im April 1945 heiratete. Zwischen 1921 und 1923 unternahmen Braus und Haller gemeinsam verschiedene Studienreisen nach Paris und Italien; die Wintermonate verbrachten sie in Berlin, zuerst beim Kunsthändler Paul Cassirer, dann bei Fritz Huf, in dessen Atelier Haller arbeitete.

Datei:Widmann-Brunnen 17.jpg
Jüngling mit Blaudrossel, Widmann-Brunnen, Bern

In den 1920er Jahren gehörte Haller zu den bekanntesten Bildhauern des deutschen Sprachraums. 1922 schuf Haller die Bronzefigur Jüngling mit Blaudrossel für den Widmann-Brunnen am Hirschengraben in Bern<ref>Bauinventar der Stadt Bern: Hirschengraben, abgerufen am 18. September 2018.</ref>. In Zürich wurde er in dieser Zeit zum bedeutendsten Figurenplastiker der Schweiz<ref>Warum ich in Zürich lebe. In: Zürcher Illustrierte. 1933, abgerufen am 29. Oktober 2019.</ref>. 1933 verlieh ihm die Universität Zürich den Ehrendoktortitel. Zusammen mit Cuno Amiet vertrat er 1934 die Schweiz an der Biennale von Venedig. Haller gehörte dem Deutschen Künstlerbund bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten 1936 als ordentliches Mitglied an.<ref>Ausstellungskatalog 34. Jahresausstellung Bonn: 1936 verbotene Bilder. Deutscher Künstlerbund e. V., Berlin 1986, S. 98.</ref>

1937 wurden in der Nazi-Aktion «Entartete Kunst» seine Skulptur Kniendes Mädchen (Terrakotta, bemalt, Höhe 33 cm, 1921/1922) aus dem Kronprinzen-Palais der Nationalgalerie Berlin beschlagnahmt, 1939 jedoch zurückgegeben.<ref>Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion «Entartete Kunst», Forschungsstelle «Entartete Kunst», FU Berlin.</ref>

1949 erhielt Haller den Kunstpreis der Stadt Zürich. Im gleichen Jahr nahm er zusammen mit seinem Freund Jakob Probst<ref>Rolf Wirz: Jakob Probst. Abgerufen am 2. August 2019.</ref> an der dritten internationalen Plastik-Ausstellung des Philadelphia Museum of Art teil.

Haller – dessen Neffe übrigens der Komponist gleichen Namens war – hielt sich immer wieder in Ascona auf.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hermann Haller (Memento vom 21. Dezember 2014 im Internet Archive) auf ticinarte.ch.</ref> An der Abdankungsfeier im Fraumünster hielt Ernst Morgenthaler die Ansprache<ref>Ernst Morgenthaler: Hermann Haller †. In: Schweizer Kunst. Nr. 1, Januar 1951, abgerufen am 21. Oktober 2019 (Trauerrede).</ref>. Haller fand auf dem Privatfriedhof Hohe Promenade seine letzte Ruhestätte.

Werk

Hallers Thema, die erotische Spannung zwischen den Geschlechtern, zieht sich durch sein ganzes Werk, das vor allem (teils lebensgrosse) weibliche Akte und Porträt-Büsten umfasst. Seine tönernen Frauenfiguren strahlen Heiterkeit und Wärme aus.

Sein selbst entworfenes und 1932 erbautes Atelier an der Höschgasse 6 in Zürich,<ref>Atelier an der Höschgasse.</ref> direkt gegenüber dem Centre Le Corbusier, früher Heidi-Weber-Museum, ist jeweils in den Sommermonaten zur Besichtigung geöffnet und zeigt zahlreiche Originalwerke des Künstlers. Das Holzatelier ist einer der letzten Zeugen der Bauhaus-Architektur in Holz Europas.<ref>Atelier Hermann Haller.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Atelier Hermann Haller (Memento vom 10. April 2013 im Internet Archive) auf museen-zuerich.ch, abgerufen am 23. April 2016.</ref>

Hallers Werke befinden sich heute in vielen in- und ausländischen Museen und Standorten wie dem Kunsthaus Zürich und dem Museum of Modern Art in New York.

  • Hans-Waldmann-Denkmal in Zürich: Der bedeutendste Zunftmeister der Zunft zum Kämbel war Bürgermeister Hans Waldmann (1435–1489). Am 6. April 1937 wurde das von seiner Zunft auf dem Münsterhof vor dem Fraumünster gestiftete und von Hermann Haller geschaffene Reiterstandbild eingeweiht. An jedem Sechseläuten, bevor sie sich zum Umzug begeben, legen die Mitglieder der Kämbel feierlich einen Kranz nieder.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kranzniederlegung (Memento vom 9. Oktober 2006 im Internet Archive). Zunft zum Kämbel, abgerufen am 29. März 2013.</ref>
  • Mädchen mit erhobenen Armen,<ref>Rolf Lambrigger: Zeitgenössische Kunstwerke im Freien. Orell Füssli Verlag, Zürich/Schwäbisch Hall 1985, S. 41.</ref> Landiwiese, Zürich. Zu dieser Skulptur stand Sibylle Tobler Modell, Tochter des Schweizer Kinderarztes Ludwig Tobler, mit dem Haller zeitlebens befreundet war. Das Gipsoriginal wurde für die «Landi» 39 kopiert, blieb aber im Besitz des Künstlers. 1968 wurde sie von den Erben Hallers der Stadt Zürich geschenkt. Die Statue wurde in Bronze gegossen und an der heutigen Position aufgestellt.<ref>Buchhandlung Hauser (Hrsg.): Auszug aus dem Protokoll des Stadtrates von Zürich. Zürich 8. Februar 1968, Stadtarchiv.</ref>
  • Die Schwebende, Rosengarten beim Seehof in Küsnacht. Die filigrane Statue wurde der Gemeinde 1967 vom Industriellen Emil Spoerri-Moos geschenkt und in der neuen öffentlichen Grünanlage im Küsnachter Horn aufgestellt. Nach wiederholten Vandalenakten, bei denen die Figur unter anderem am Fussgelenk vollständig weggebrochen wurde, stellte sie die Gemeinde 2008 neu in der Seehof-Anlage auf. (Eine ähnliche Figur mit gleichem Namen steht seit 1955 in der Seeuferanlage in Rorschach.)
  • Oskar-Bider-Denkmal, Bern
  • Bronzefigur Jüngling mit Blaudrossel (1922) des Widmann-Brunnens (1914) am Hirschengraben in Bern
  • Baigneuse, Brunnenfigur in Luzern

Literatur

Weblinks

Commons: Hermann Haller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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