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Ulrike Malmendier

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Ulrike Malmendier, 2026

Ulrike Malmendier (* August 1973 in Köln) ist eine deutsche Wirtschaftswissenschaftlerin und Politikberaterin. Sie ist Professorin für Finanzmarktökonomik an der Haas School of Business der University of California, Berkeley.<ref name=":1">Prof. Dr. Dr. Ulrike Malmendier. Abgerufen am 16. Februar 2023.</ref><ref>Ulrike Malmendier's Homepage. Abgerufen am 16. Februar 2023.</ref> Von August 2022 bis Februar 2026 gehörte sie dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung an.

Malmendiers Forschungsschwerpunkt ist die Verhaltensökonomik – sie untersucht kognitive Verzerrungen im Kontext von Unternehmensführung und finanziellen Entscheidungen.<ref name=":2" /><ref name=":3" /> Sie kommentiert regelmäßig politische Themen wie Wirtschafts- und Geldpolitik,<ref>Nina Bärschneider: Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier: „Ich bin enttäuscht von der mangelnden Zielgerichtetheit der Hilfsmaßnahmen“. 24. Januar 2023, abgerufen am 16. Februar 2023.</ref> künstliche Intelligenz<ref>Wirtschaftsweise Malmendier: KI bringt tiefgreifenden Wandel der Arbeitswelt. Abgerufen am 16. Februar 2023.</ref> und Migration.<ref>Fachkräfteengpass könnte „die nächste Wachstumsbremse werden“ | Börsen-Zeitung. Abgerufen am 16. Februar 2023.</ref>

Laut IDEAS/RePEc zählt sie zu den bedeutsamsten Ökonomen weltweit.<ref>Economist Rankings | IDEAS/RePEc. Abgerufen am 16. Februar 2023.</ref>

Leben

Von 1991 bis 1993 absolvierte Malmendier eine Ausbildung bei der Deutschen Bank. Anschließend studierte sie als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes Volkswirtschaftslehre und Jura. Mit einer rechtshistorischen Arbeit zur Societas publicanorum, einer Art Pachtgesellschaft im römischen Recht, mit der private Unternehmer staatliche Wirtschaftsaktivitäten übernehmen konnten, wurde sie 2000 an der Universität Bonn zum Dr. iur. promoviert. Sie promovierte 2002 ein zweites Mal an der Harvard Business School über Verhaltensökonomik in der Unternehmensfinanzierung und Kapitalmarktforschung. Ihr Betreuer in Harvard war Andrei Shleifer.<ref>RePEc Genealogy page for Ulrike Malmendier. Abgerufen am 16. Februar 2023.</ref>

Von 2002 bis 2006 arbeitete sie als Assistenzprofessorin an der Stanford University. Seit 2005 unterrichtet sie an der Universität Berkeley, zunächst als Assistant Professor, seit 2008 als Associate Professor und danach auf einer Stiftungsprofessur. Ihr Hauptinteresse gilt der Verhaltensökonomie, Unternehmensfinanzierung und Vertragstheorie.<ref>Eine patriotische Mission, In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. August 2022</ref>

Malmendier war Redakteurin des Fachmagazins Journal of Economic Perspectives<ref>AEAweb: Journal of Economic Perspectives. 28. Januar 2014, abgerufen am 22. Februar 2024.</ref> und hat dort zahlreiche Artikel veröffentlicht. Sie sagte 2013 in einem Zeitungsinterview, sie sehe in den USA eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf; so könnten dort mehr Frauen Karriere machen als in Deutschland.<ref>Olaf Gersemann: ”Meine Söhne haben mir beruflich sogar geholfen“. In: Welt. 27. Januar 2013, abgerufen am 29. November 2022.</ref>

Im August 2022 wurde sie auf Vorschlag des Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) von der Bundesregierung (Kabinett Scholz) in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (den Rat der „fünf Wirtschaftsweisen“) berufen.<ref>Prof. Dr. Dr. Ulrike Malmendier. In: www.sachverstaendingenrat-wirtschaft.de. Abgerufen am 29. November 2022.</ref> Nach dreieinhalb Jahren wurde ihre Amtszeit im Februar 2026 – anders als bei Mitgliedern der Wirtschaftsweisen üblich – nicht verlängert. Insbesondere Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) sprachen sich gegen die Verlängerung aus.<ref>Malmendiers Rauswurf – Es braucht Reformen statt Entmachtung. 24. Februar 2026, abgerufen am 28. Februar 2026.</ref><ref>Reuters: Ulrike Malmendier: Wirtschaftsweise steht offenbar vor dem Aus. 23. Februar 2026, abgerufen am 28. Februar 2026.</ref> Die übrigen Mitglieder des Sachverständigenrats – mit Ausnahme von Veronika Grimm – nahmen das Ausscheiden Malmendiers „mit großer Verwunderung und allergrößtem Bedauern“ zur Kenntnis.<ref>Grimm distanziert sich von anderen „Wirtschaftsweisen“. In: Frankfurter Allgemeine, 2. März 2026.</ref> Gabriel Felbermayr wurde ihr Nachfolger.<ref>Tagesspiegel: Nachfolge von Ulrike Malmendier: Österreichischer Ökonom Felbermayr soll Wirtschaftsweiser werden., abgerufen am 4. März 2026.</ref>

Im Oktober 2022 zählte Malmendier zu den Experten der Internationalen Konferenz zum Wiederaufbau der Ukraine.<ref>Diese Expertinnen und Experten beraten über den Wiederaufbau der Ukraine. In: g7germany.de. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, abgerufen am 29. November 2022.</ref> 2023 wurde ihr in Würdigung ihrer wissenschaftlichen Leistungen die Ehrendoktorwürde der Universität Lüneburg verliehen.<ref>„Wirtschaftsweise“ Prof. Dr. Dr. Ulrike Malmendier ist neue Ehrendoktorin der Leuphana. Abgerufen am 4. März 2026.</ref>

Im April 2025 gehörte Malmendier zu einer Gruppe führender Wissenschaftler aus Deutschland, die angesichts des wissenschaftsfeindlichen Handelns der Regierung Trump II ein Aufnahmeprogramm namens Meitner-Einstein-Programm für US-Forscher vorgeschlagen haben. Unter dem Motto „Hundert kluge Köpfe für Deutschland“ solle man Spitzenpersonal anlocken und so Deutschlands Innovationskraft stärken. Lise Meitner und Albert Einstein mussten in den 1930er Jahren wegen der Repressionen den NS-Staat verlassen.<ref>Gebt Amerikas Spitzenforschern eine neue Heimat. In: Der Spiegel. 1. April 2025, abgerufen am 6. April 2025.</ref><ref>Deutsche Wissenschaftler fordern Aufnahmeprogramm für US-Forscher. In: Zeit Online. 1. April 2025, abgerufen am 6. April 2025.</ref><ref>Wirtschaftsweise ruft zur Anwerbung von Spitzenforschern aus den USA auf. In: Der Spiegel. 20. März 2025, abgerufen am 6. April 2025.</ref>

Malmendier ist mit Stefano DellaVigna verheiratet und hat mit ihm drei Kinder (* 2008, 2010, 2012).

Forschung

Malmendiers Forschung konzentriert sich auf Verhaltensökonomik, besonders im Kontext der Unternehmensführung und finanzieller Entscheidungen. Sie hat umfangreiche Untersuchungen zur Selbstüberschätzung von Geschäftsführern durchgeführt, bei denen sie herausfand, dass CEOs mit Selbstüberschätzung zu viel Geld in ihre Unternehmen investierten und häufiger als andere Manager destruktive Übernahmen durchführten.<ref name=":2">U Malmendier, G Tate: Who makes acquisitions? CEO overconfidence and the market's reaction. In: Journal of Financial Economics. Band 89, Nr. 1, Juli 2008, S. 20–43, doi:10.1016/j.jfineco.2007.07.002 (elsevier.com [abgerufen am 16. Februar 2023]).</ref><ref>Ulrike Malmendier, Geoffrey Tate: CEO Overconfidence and Corporate Investment. In: The Journal of Finance. Band 60, Nr. 6, Dezember 2005, S. 2661–2700, doi:10.1111/j.1540-6261.2005.00813.x (wiley.com [abgerufen am 16. Februar 2023]).</ref>

Sie hat auch untersucht, wie kognitive Verzerrungen die finanzielle Entscheidungsfindung in anderen Kontexten beeinflussen.<ref name=":0">Stefano Della Vigna, Ulrike Malmendier: Paying Not to Go to the Gym. In: American Economic Review. Band 96, Nr. 3, 1. Mai 2006, ISSN 0002-8282, S. 694–719, doi:10.1257/aer.96.3.694 (aeaweb.org [abgerufen am 16. Februar 2023]).</ref> Sie stellte fest, dass Menschen, die die Weltwirtschaftskrise erlebt haben, ihr ganzes Leben lang sparsamer bleiben.<ref name=":3">Ulrike Malmendier, Stefan Nagel: Depression Babies: Do Macroeconomic Experiences Affect Risk Taking?*. In: The Quarterly Journal of Economics. Band 126, Nr. 1, Februar 2011, ISSN 0033-5533, S. 373–416, doi:10.1093/qje/qjq004 (oup.com [abgerufen am 16. Februar 2023]).</ref> Außerdem überschätzen Menschen systematisch, wie oft sie das Fitnessstudio besuchen werden.<ref name=":0" /> Des Weiteren stellte sie fest, dass Finanzanalysten zu optimistische Profitempfehlungen geben.<ref>Ulrike Malmendier, Devin Shanthikumar: Do Security Analysts Speak in Two Tongues? In: Review of Financial Studies. Band 27, Nr. 5, Mai 2014, ISSN 0893-9454, S. 1287–1322, doi:10.1093/rfs/hhu009 (oup.com [abgerufen am 16. Februar 2023]).</ref>

Malmendier hat auch die Herkunft von Aktiengesellschaften erforscht. Sie entdeckte dabei eine frühe Form der Aktiengesellschaft im antiken Rom namens societas publicanorum.<ref>Ulrike Malmendier: Law and Finance “at the Origin”. In: Journal of Economic Literature. Band 47, Nr. 4, 1. Dezember 2009, ISSN 0022-0515, S. 1076–1108, doi:10.1257/jel.47.4.1076 (aeaweb.org [abgerufen am 16. Februar 2023]).</ref>

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

Weblinks

Einzelnachweise

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