Ingrid von Reyher
Ingrid von Reyher (* 30. Mai 1908 in Riga;<ref name="HS-Mittweida">Helmut Hammer: Aus der Medienvilla wird die Ingrid-von-Reyher-Villa. Ein Gebäude macht Karriere. Die Hochschule Mittweida ehrt ihre erste weibliche Lehrkraft Ingrid von Reyher. Ingrid-von-Reyher-Preis 2019 vergeben.. In: hs-mittweida.de. Veröffentlicht am 12. November 2019; abgerufen am 11. März 2026.</ref> † 24. Juni 2004 in Freiberg<ref name="HS-Mittweida" />) war eine deutsche Chemikerin, welche als erste weibliche Lehrkraft an der ehemaligen Ingenieurschule Mittweida unterrichtete.
Leben
Ingrid von Reyher stammte aus einer deutschbaltischen Adelsfamilie und wurde als Tochter von Carl Joseph Leo von Reyher (1878–1947) und Edith Julie Adele, geb. Schönefeldt geboren. Als sie drei Jahre alt war, zogen ihre Eltern nach Lodz, das zu ihrer Heimat wurde. Sie studierte an der Universität Wien Chemie und wurde 1933 zur Dr. phil. promoviert.<ref>Osobiste. In: Ilustrowana Republika vom 16. März 1933, S. 11, abgerufen am 24. August 2014</ref> Danach arbeitete sie am staatlichen Hygieneinstitut in Lodz. Auch während der deutschen Besetzung Polens 1939–1945 führte sie diese Tätigkeit fort. Sie unterrichtete beispielsweise Brunnenbauer in der Technik der chemischen Wasseruntersuchung.<ref>Zur Besserung der Wasserversorgung. In: Litzmannstädter Zeitung vom 25. Februar 1943, Beilage, S. 4, abgerufen am 24. August 2014</ref>
Im Februar 1945 kam sie als Kriegsflüchtling nach Mittweida. Nach Kriegsende wurde sie nach verschiedenen Nebentätigkeiten Neulehrerin am Gymnasium.<ref name="HS-Mittweida" /> Im November 1947 wurde sie als erste weibliche Lehrkraft an der Ingenieurschule Mittweida eingestellt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ehrenkolloquium der Hochschule Mittweida ( vom 27. Februar 2015 im Internet Archive), Mittelsachsen-TV, 9. Juni 2008, abgerufen am 28. August 2014</ref> Bis 1968 unterrichtete sie in den Fächern Chemie, Physik und Werkstoffkunde. 1946 trat Ingrid von Reyher in die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands ein. 1977 bis 1989 war sie Stadträtin in Mittweida. Als ehrenamtliche Standesbeamtin nahm sie über 400 Trauungen vor. Ingrid von Reyher führte ehrenamtlich Beobachtungen und Messungen für den Meteorologischen Dienst der DDR und nach der Wiedervereinigung auch in der Bundesrepublik durch. Damit trug sie zur Erforschung der Wetterauswirkungen mit deren Einfluss auf die Biosphäre bei. Für diese Tätigkeit erhielt sie 1992 das Bundesverdienstkreuz.<ref>Horst Kühnert: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zum Weltfrauentag: Der „Engel von Sibirien“ und der „bunte Hund von Mittweida“ – Erinnerungen an Elsa Brändström und Ingrid von Reyher ( vom 26. August 2014 im Internet Archive). In: Mittweidaer Stadtnachrichten vom 13. März 2013, S. 13–14, abgerufen am 24. August 2014</ref>
1998 wurde ihr für ihre Mitwirkung bei der Gestaltung des öffentlichen Lebens, für ihr Engagement für Lehrtätigkeit und für ihre ehrenamtliche kommunalpolitische Aktivität als erster Frau die Ehrenbürgerschaft der Stadt Mittweida verliehen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ehrenbürger der Stadt Mittweida ( vom 19. August 2014 im Internet Archive)</ref>
Ingrid-von-Reyher-Preis
Zu Ehren von Dr. Ingrid von Reyher wird seit 2012 der Ingrid-von-Reyher-Preis an der Hochschule Mittweida zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern vergeben. Mit diesem Preis wurden u. a. Regina Fischer und Mandy Lange-Geisler im Bereich Mathematik und die deutschen Filmproduzenten Erik Hilse und Andreas Hiekel ausgezeichnet.<ref>hs-mittweida.de: "Ingrid-von-Reyher-Preis" zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern an der Hochschule Mittweida. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 17. Dezember 2012; abgerufen am 13. Oktober 2012.</ref><ref>Ingrid-von-Reyher-Preis. Abgerufen am 5. Oktober 2025.</ref>
Ehrungen
- 1992: Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Sächsische Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, Ordensträger von T-Z, sachsen.de ( vom 23. Dezember 2014 im Internet Archive)</ref>
- 1998: Ehrenbürgerschaft der Stadt Mittweida
- 2008: Verleihung der Goldenen Ehrennadel der Hochschule Mittweida (in memoriam)
- 2019: Benennung des Hauses 19 der Hochschule Mittweida in der Leisniger Straße 9 als Ingrid-von-Reyher-Villa<ref name="HS-Mittweida" />
Werke
- Wskazówki dla dezynfektorów (Hinweise für Desinfektoren), Litzmannstadt, 1944, mit Walther Pohl
- Lehrbriefe für das Fachschul-Fernstudium. Grundlagen der Elektrotechnik, 1953, mit Werner Tiedemann
Literatur
- Jan-Peter Domschke: Lebensbild der Ingrid von Reyher – einer Lehrerin Mitweidaer Ingenieure. In: Deutsch-Baltisches Jahrbuch, Jg. 57 (2019), S. 93–110.
- Horst Kühnert: Zum Weltfrauentag: Der „Engel von Sibirien“ und der „bunte Hund von Mittweida“ – Erinnerungen an Elsa Brändström und Ingrid von Reyher. In: Mittweidaer Stadtnachrichten vom 13. März 2013, S. 13–14, abgerufen am 24. August 2014.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Reyher, Ingrid von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Chemikerin und Hochschullehrerin |
| GEBURTSDATUM | 30. Mai 1908 |
| GEBURTSORT | Riga |
| STERBEDATUM | 24. Juni 2004 |
| STERBEORT | Freiberg |
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