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Luigi Blau

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Ludwig „Luigi“ Blau<ref name="Kapfinger-Abschiedsrede-20230913" /> (* 3. Jänner 1945 in Mistelbach; † 20. August 2023<ref>Wiens Außengestalter Luigi Blau ist tot. In: wien.ORF.at, 22. August 2023, abgerufen am 8. April 2026.</ref>) war ein österreichischer Architekt, Möbeldesigner und Ausstellungsgestalter.

Ausbildung und Wirken

Luigi Blau studierte von 1966 bis 1973 Architektur an der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz in Wien-Innere Stadt und besuchte dort die Meisterklasse des renommierten Architekten Ernst Anton Plischke. Sein von Plischke gezeichnetes Diplomzeugnis der Akademie ist mit 24. Jänner 1974 datiert, darin heißt es:<ref name="Kapfinger-Abschiedsrede-20230913">Otto Kapfinger: Rede für Luigi Blau, zum Abschied am 13. September 2023. (PDF; 194 KB) Website der Ernst A. Plischke Gesellschaft, 26. Juni 2025, abgerufen am 8. April 2026.</ref><ref>Gabriele Kaiser, Friedrich Achleitner, Alessandro Alverà, Luigi Blau, Hermann Czech, Hubert Egger, Heinz Frank, Georg Friedler, Roland Hagemüller, Helmut Hemperl: Ernst Anton Plischke, Architekt und Lehrer. Salzburg 2003.</ref>

„Herr Ludwig Blau zeichnet sich als sehr intelligenter und gebildeter Mensch aus. Seine visuelle Begabung und Geschmack macht es ihm möglich, mit diesen Voraussetzungen zu einer sehr kultivierten Architektur zu gelangen. Bei all seinen Arbeiten zeigt er auch für die Durchbildung des Details viel Liebe und Verständnis. Aufgrund seiner historischen Bildung kommt er zu einer selten guten Beziehung zur Wiener Tradition in der Architektur …“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Ernst Anton Plischke: zitiert nach Otto Kapfinger in dessen Abschiedsrede am 13. September 2023 auf Luigi Blau<ref name="Kapfinger-Abschiedsrede-20230913" />

Schon während seiner Ausbildung konzipierte Blau Möbel, Bauwerke und Inneneinrichtungen,<ref>Möbel von Luigi Blau. In: Wien Möbel – Vienna Furniture. Ausstellungskatalog, Wien 1989.</ref> die auch teilweise realisiert wurden. Anknüpfend an die Konzepte der klassischen Moderne, entwickelte er schon früh eine eigene Formensprache, die in seinen späteren Werken – trotz einiger Erweiterungen – wieder erkennbar wurde. Beeinflusst wurde er dabei insbesondere von seinem Lehrer Plischke, von Adolf Loos und Josef Frank, dem Mitbegründer des Österreichischen Werkbundes. Seit den 1980er Jahren lockerte er seine strengen, geraden und runden Formen bisweilen, vor allem bei seinen Möbelentwürfen, durch spielerische, postmodern inspirierte Details auf.

Blau wurde bald als einer der wichtigsten zeitgenössischen Architekten Österreichs betrachtet und gewann zahlreiche Ausschreibungen. Viele Jahre lang war er am Projekt der sogenannten Wiener Stadtmöblierung beteiligt; er entwarf und realisierte nicht nur Wohnhäuser, renovierte auf den jeweiligen Stil abgestimmte Geschäftshäuser, Kulturbauwerke und städtische Einrichtungen, sondern er gestaltete auch Plätze und Straßen, beispielsweise durch Telefonzellen, Straßenbahnwartehäuschen, Sitzbänke und Blumenkübel. Auch Abfallbehälter, Kleidercontainer, Kioske, ja sogar eine Toilettenanlage im Wiener Rathauspark, entstanden nach seinen Entwürfen.

Bis September 2005 gestaltete er einen Abschnitt der Fußgängerzone Favoritenstraße in Favoriten (10. Wiener Gemeindebezirk) neu.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Stadt Wien: Favoritenstraße. Die neue Fußgängerzone (Memento vom 22. März 2014 im Internet Archive) (PDF; 427 KB). Favoriten-Folder. In: Website der Stadt Wien, 2005.</ref> Auch in der Wiener Innenstadt finden sich an vielen Stellen Spuren seines Wirkens. Blau nahm keine großen Eingriffe in das gewachsene Stadtbild vor, setzte aber deutlich sichtbare Akzente, die das Alte harmonisch mit Elementen der Moderne verbinden.

Seit Ende der 1970er Jahre organisierte er mehrere Ausstellungen in Wiener Museen, zuletzt 2004 im Wien Museum Schiele & Roessler. Der Künstler und sein Förderer.<ref>Tobias G. Natter, Ursula Storch (Hrsg.): Schiele & Roessler. Der Künstler und sein Förderer. Kunst und Networking im frühen 20. Jahrhundert. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2004, ISBN 3-7757-1479-0.</ref>

Für Blau war eine Wohnung kein Kunstwerk. Er hielt es jedoch für wesentlich, den Wohnraum sorgfältig und funktional zu gestalten, da er einen Teil der Kultur des Einzelnen darstelle und zur Kultivierung beitragen könne.<ref>Matthias Boeckl (Hrsg.): Architekt Luigi Blau – Häuser, Intérieurs Stadtmöbel – Beiträge zu einer Baukultur 1967–2002. Wien 2003, ISBN 3-211-83896-1.</ref> In der Liste seiner Werke wird die Vielschichtigkeit seines von künstlerischer Intention getragenen Wirkens deutlich.

Luigi Blau lebte seit circa 1987 mit der ehemaligen Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann zusammen, seit circa 2008 waren die beiden verheiratet.<ref>Andrea Schurian: „Ich hatte einfach Sehnsucht nach Schönheit“. Karin Bergmann, Ko-Direktorin des Burgtheaters, geht so, wie sie 18 Jahre an der Burg gewirkt hat: unaufgeregt, versöhnlich, ohne Aufhebens. In: Der Standard, 30. Juni 2010 (Print: 1. Juli), abgerufen am 8. April 2026. Darin: Standard: „Ihren Mann, den Architekten Luigi Blau, kannten Sie schon 21 Jahre, aber erst vor zwei Jahren haben Sie geheiratet.“ – Bergmann: „… Die letzten 23 Jahre haben wir uns nicht so oft gesehen, jetzt beginnt ein neuer Abschnitt …“</ref>

Am 20. August 2023 ist Luigi Blau überraschend an einem Herzinfarkt verstorben.<ref>Hans Rauscher: Luigi Blau, Wiens „Stadtmöblierer“: Der nun verstorbene Architekt war Teil des Avantgarde-Aufbruchs der 70er-Jahre. In: Der Standard. 23. August 2023, abgerufen am 8. April 2026.</ref> Die Verabschiedung fand am 13. September in der Feuerhalle Simmering statt.<ref name="Kapfinger-Nachruf-OEGFA">Otto Kapfinger: Architekt Luigi Blau 1945 - 2023. Nachruf auf der Website der ÖGFA–Österreichischen Gesellschaft für Architektur, August 2023, abgerufen am 8. April 2026.</ref> Sein Archiv befindet sich seit 2015 im Bestand des Architekturzentrum Wien (Az W).

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

Radetzkyplatz von der S-Bahntrasse in Richtung Nordwesten gesehen
Radetzkyplatz, gestaltet von Luigi Blau (1995)
  • Stehlampe mit Tischchen, Hocker und Satztische
  • 1970: Tisch, Stahl und Glas
  • 1970–1971: Renovierung und Innenausstattung der Galerie Klewan in Wien
  • 1972–1973: Neubau und Einrichtung eines Wohnhauses in Zell am See
  • 1976: Funktionsmöbel für eine Arztpraxis in Wien
  • 1979: Organisation der Ausstellung Die unbekannte Sammlung im Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien
  • 1980: Holzsessel (einer der rot gebeizten Holzsessel ist im Wiener Hofmobiliendepot ausgestellt)
  • 1979–1981: Umbau und Einrichtung eines Wohnhauses am Attersee
  • 1981: Renovierung und Innenausstattung des Demmers Teehaus an der Mölker Bastei 5 in der Wiener Inneren Stadt
  • 1984: Fauteuil
  • 1984: Filiale der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien am Radetzkyplatz in Wien 3. (Landstraße)<ref>Siehe dazu Fotos von Margherita Spiluttini in: spiluttini.azw.at.</ref>
  • 1985–1987: Künstlerische Realisierung der Ausstellung Zauber der Medusa. Europäische Manierismen im Künstlerhaus Wien
  • 1987–1988: Renovierung und Innenausstattung der Dorotheum-Filiale in der Währinger Straße 134 in Wien 5. (Währing)
  • 1988–1989: Künstlerische Realisierung der Ausstellung Merkur und die Museen über Leipzig im Künstlerhaus Wien
  • ab 1989: Arbeiten im Rahmen der „Stadtmöblierung Wien“, darunter: Wartehäuschen für Autobus- und Straßenbahnhaltestellen der Wiener Linien; Telefonzelle für die Telekom Austria; Mistkübel für die Stadtverwaltung (MA 48 – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark); öffentliche WC-Anlage im Wiener Rathauspark; Kiosk, Sitzbank, Altkleidercontainer, Blumenbehälter; u. a.<ref name="Kaup-Hasler-Nachruf-20230822" />
  • 1992–1993: Renovierung und Innenausstattung des Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Theaters Ronacher in Wien
  • 1994–1995: Renovierung und Innenausstattung der Café-Bar Lapinski in Wien
  • 1994–1996: Neugestaltung des Kassenraums im Schloss Schönbrunn (Wettbewerb, 1. Platz)
  • 1995: Umgestaltung des Radetzkyplatzes (einzelne Vorplätze mit Grünflächen und Pflasterungen, zwei Haltestellenkaps)<ref>Siehe: Verkehrsmaßnahmen. Archivmeldung der Rathauskorrespondenz vom 8. September 1995:„Umbau des Radetzkyplatzes Wien, 8.9.(RK-KOMMUNAL). Im 3. Bezirksoll der Radetzkyplatz gemäß Plänen von Architekt Luigi Blau umgestaltet werden. Die umfangreichen Arbeiten laufen am Dienstag, dem 12. September, an und sollen im Dezember noch vor Weihnachten abgeschlossen werden. Es erfolgt eine Gestaltung der einzelnen Vorplätze mit Grünflächen und Pflasterungen; außerdem werden zwei Haltestellenkaps in den Einmündungsbereichen der Löwengasse und der Radetzkystraße angelegt.“</ref>
  • 1997–1998: Neugestaltung des Siebenbrunnenplatzes in Wien 5. (Margareten)
  • 1999: Adaptierung von Räumlichkeiten in der Schleifmühlgasse 1A im 4. Bezirk Wien-Wieden für die Galeristin und Bauherrin Christine König. Darunter eine Holztreppe in das Untergeschoß: „Wir haben ein Ding vor uns, das viel zugleich ist – Treppe, Schrank, MiniHaus, Möbel“ (Otto Kapfinger)<ref name="Kapfinger-Abschiedsrede-20230913" />
  • 1999–2000: Gestaltung und Innenausstattung der neuen Tourist-Info Wien des WienTourismus, 1., am Albertinaplatz (Ecke Tegetthoffstraße / Maysedergasse) in der Inneren Stadt-Wien (2014 von anderen Architekten neu gestaltet)
  • 1999–2000: Umbau des Eingangs und Innenausstattung des Restaurants Vestibül im Wiener Burgtheater
  • 2002: Gestaltung des Bühneneingangs im Burgtheater
  • 2002–2004: Planung der Ausstellung Schiele & Roessler. Der Künstler und sein Förderer im Wien Museum
  • 2004–2005: Neugestaltung der Fußgängerzone Favoritenstraße zwischen Columbusplatz und Südtiroler Platz im 10. Bezirk Favoriten
  • Neubau, Umbau, Renovierung und Innenausstattung zahlreicher Wohnhäuser und Villen in Wien und anderen Städten.<ref>Luigi Blau. In: archINFORM; abgerufen am 13. Januar 2010.</ref>

Publikation:

  • Mit Gabriele Kaiser, Friedrich Achleitner, Alessandro Alverà, Hermann Czech, Hubert Egger, Heinz Frank, Georg Friedler, Roland Hagemüller, Helmut Hemperl: Ernst Anton Plischke, Architekt und Lehrer. Salzburg 2003.

Literatur

  • Ernst-A.-Plischke-Preis. Pustet, Salzburg 2008.
  • Wien Möbel – Vienna Furniture. Ausstellungskatalog, Wien, 1989, ISBN 3-900803-22-6.
  • Matthias Boeckl (Hrsg.): Architekt Luigi Blau – Häuser, Intérieurs Stadtmöbel – Beiträge zu einer Baukultur 1967–2002. Springer, Wien 2003, ISBN 3-211-83896-1 (mit Textbeiträgen von Friedrich Achleitner, Matthias Boeckl, Francesco Collotti, Otto Kapfinger, Dietmar Steiner und Liesbeth Waechter-Böhm). In erweiterter Neuauflage: Matthias Boeckl (Hrsg.): Luigi Blau. Architekt. Müry Salzmann Verlag, Salzburg und Wien 2018, ISBN 978-3-99014-172-4.
  • Tobias G. Natter, Ursula Storch (Hrsg.): Schiele & Roessler. Der Künstler und sein Förderer. Kunst und Networking im frühen 20. Jahrhundert. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2004, ISBN 3-7757-1479-0.
  • Otto Kapfinger [Hrsg.]: Luigi Blau. Architekt. Mit Texten von Otto Kapfinger, Friedrich Achleitner, Matthias Boeckl, Francesco Collotti, Dietmar Steiner, Lisbeth Waechter-Böhm. Müry Salzmann Verlag, Salzburg 2018.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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