Gisacum
Gisacum [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] ist die Ausgrabungsstätte einer religiös geprägten gallo-römischen Ortschaft in Frankreich. Ursprünglich war die Ausgrabungsstätte nach ihrem Standort in der Nähe des Weilers Cracouville benannt, der südwestlich vom Ortskern von Le Vieil-Évreux liegt. Besiedelt war Gisacum von Eburoviken. Es lag nur etwa 6 Kilometer von deren Hauptstadt Mediolanum entfernt<ref name="cliquetfuffzig"></ref> und liegt heute auf einer mittleren Höhe von 133 Metern über dem Meeresspiegel auf dem östlichen Teil des Gemeindegebiets von le Vieil-Évreux und erstreckt sich bis auf die angrenzenden Gemeindegebiete der Ortschaften Miserey, Cierrey und Le Plessis-Hébert.<ref name="problem">Marcel Baudot: Le problème des ruines du Vieil-Evreux (Eure). In: Gallia Band 1. 1943, S. 191–206, abgerufen am 28. Dezember 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Gisacum und Mediolanum waren verbunden. Mediolanum diente als weltliche und Gisacum als religiöse Hauptstadt.<ref name="euredreif">Dossier pédagogique Visite du site archéologique de Gisacum. (PDF; 4,0 MB) In: l’Eure en Ligne. Conseil Général de l’Eure, 2010, S. 3f, abgerufen am 7. September 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Geschichte
Gisacum wurde im ersten Jahrhundert erbaut und in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts abgerissen, um eine neue Stadt zu erbauen. Gisacus war einer von drei Stadtgöttern, die in den Tempeln der Stadt verehrt wurden. Er wurde unter der römischen Herrschaft mit Apollon gleichgesetzt, muss also ähnliche Attribute gehabt haben. Apollon ist der Gott der Sonne, der Kunst und der Medizin. Es war bei den Eburoviken üblich, Dreiergruppen von Göttern an einem Ort zu verehren.<ref name="statuetaur">Dossier pédagogique Visite du site archéologique de Gisacum. (PDF; 4,0 MB) In: l’Eure en Ligne. Conseil Général de l’Eure, 2010, S. 5+17, abgerufen am 19. Dezember 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts war die Blütezeit der Ortschaft, dann wurde sie verlassen.<ref name="euredreif" /> Gisacum war nicht befestigt und daher schutzlos den Überfällen germanischer Stämme ausgesetzt. Die Einwohner zogen nach Mediolanum und nutzten die Gebäude von Gisacum als öffentlichen Steinbruch zum Bau der Stadtmauer von Évreux. Teile jener Stadtmauer werden heute im Museum von Évreux ausgestellt.<ref name="eureachtelf">Dossier pédagogique Visite du site archéologique de Gisacum. (PDF; 4,0 MB) In: l’Eure en Ligne. Conseil Général de l’Eure, 2010, S. 8–11, abgerufen am 7. September 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Große Heiligtum wurde ab dem 6. Jahrhundert als Nekropole genutzt.<ref name="Cliquet_S175f"></ref>
Im 17. Jahrhundert verfasste Louis de Boislambert, der damalige Pfarrer von Le Vieil-Évreux, eine Denkschrift über die Ruinen von Gisacum. Von 1765 bis 1770 wurden die Ruinen für den Bau der Straße von Paris nach Lisieux ausgeschlachtet.<ref name="evreux"></ref> Die ersten Ausgrabungen bei Cracouville führte François Rever von 1801 bis 1804 durch.<ref></ref> Er veröffentlichte 1827 seinen Grabungsbericht.<ref name="evreux" /> Durch eine in den Ruinen gefundene Inschrift mit dem Namen des Gottes Gisacus (Deo Gisaco)<ref>Theodose Bonnin: Antiquités gallo-romaines des Eburoviques: Publiées d’après les recherches et les feuilles dirigées. J.B. Dumoulin, Paris 1860, S. 13 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. – Inschrift der Marmortafel, französisch/lateinisch).</ref> kam Auguste Le Prévost 1828 auf die Idee, dass der Ortsname der in Le Vieil-Évreux gefundenen Ruinen dem ehemaligen Ortsnamen von Gisay (im Pays d’Ouche) entsprochen haben könnte. Dieser Ortsname war Gisacum. Die Ortschaften sind auch durch die Verehrung des Heiligen Taurinus von Évreux verbunden.<ref></ref><ref name="evreux" /> In der Legende des Taurinus wurde eine „Villa des Lucinius in Gisacum“ erwähnt.<ref name="statuetaur" /> Es gibt noch eine dritte Gemeinde im Département Eure, deren Name mit der Gottheit Gisacus verknüpft ist, Gisors.<ref></ref> Die Ruinen in Le Vieil-Évreux hatten die Bildung lokaler Legenden gefördert. Dazu gehört die Erwähnung in der fiktiven Biografie des Taurinus, verschiedene Ortsbezeichnungen und die Sage der Druidinnen von Cracouville.<ref name="problem" />
1829 führte De Stabenrath, der Prokurator von Évreux, eine Ausgrabung durch und veröffentlichte seinen Bericht 1831. Von 1838 bis 1841 unternahm Theodose Bonnin wichtige Ausgrabungen. Er nannte die Ruinen in seinem Bericht 1860 erstmals offiziell Gisacum. Bonnin fand unter anderem eine Statue des Jupiter und eine des Apollon, die heute im Museum in Évreux ausgestellt werden. Von 1911 bis zum Ersten Weltkrieg (1914–1918) führten Émile Espérandieu (1857–1939) und Henri Lamiray Ausgrabungen durch. Weitere Ausgrabungen fanden 1933 bis 1939 statt.<ref name="Cliquet_S153"></ref> 1936 entdeckte Marcel Baudot (1902–1992) an den Thermen das „Fanum der Quelle“, von dem man annahm, dass dort eine Quelle verehrt wurde.<ref name="evreux" />
1951 wurde das „Fanum von Cracouville“, das Große Heiligtum, offiziell als Monument historique (‚historisches Denkmal‘) klassifiziert.<ref>Eintrag Nr. PA00099625 in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)</ref>
1976 wurde das Gelände mit Hilfe von Luftbildarchäologie erneut untersucht und kartografiert.<ref></ref>
Im Jahr 2002 wurde der 2,5 Hektar große archäologische Garten der Thermen eröffnet. Er ist vom 1. März bis 15. November für Besucher geöffnet.<ref>Gisacum, ville enfouie. Le Jardin Archéologique des thermes. In: l’Eure en Ligne. Conseil général de l’Eure, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 5. November 2012; abgerufen am 1. Januar 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Aufbau der Tempelanlage
Die Gesamtgröße von Gisacum wird auf über 400 Hektar geschätzt.<ref name="Cliquet_S153" /> Der generelle Plan entsprach dem klassischen Aufbau Thermen – Tempel – Theater. Die Gläubigen reinigten sich zuerst in den Thermen, bevor sie den Tempel betraten.
Ein breiter Weg verlief von Nordosten nach Südwesten durch die Tempelanlage und verband die verschiedenen Gebäude. Im Südwesten lagen die Thermen, nördlich davon das Fanum der Quelle. Nordöstlich davon stand das Große Heiligtum. Es hatte eine Fläche von 6,8 Hektar und war etwa 25 Meter hoch. Darin standen drei Gruppen von kleinen Tempeln aus dem 1. und 2. Jahrhundert und drei große Tempel vom Beginn des 3. Jahrhunderts. Nordöstlich des Großen Heiligtums stand das Theater, nördlich davon das Forum, nordwestlich davon ein weiterer Umgangstempel. Umgeben war der Tempelbezirk von Wohnhäusern.<ref name="eureachtelf" />
Das halbkreisförmige Theater fasste etwa 7000 Besucher. Es war etwa fünf Meter hoch und sein Durchmesser war 106 Meter.<ref name="eureachtelf" />
In einem halbkreisförmigen Gebäude mit 35 Metern Durchmesser, das bei den Thermen stand, wurden zahlreiche gallische Münzen gefunden, die zumeist aus der Zeit nach der römischen Besetzung (nach 52 v. Chr.) stammen. Es wurden keine Objekte aus der Zeit nach dem Prinzipat (Ende des 3. Jahrhunderts) gefunden.<ref name="cliquetfuffzig" /> Das Gebäude wurde lange Zeit für ein Nymphäum gehalten. Die Wände bestanden aber zum Teil aus Holz, was gegen eine Nutzung als Nymphäum spricht. Das Gebäude war wohl ein Marktplatz, durch den ein kleiner Kanal lief. Es wurde in der Mitte des 3. Jahrhunderts zerstört und diente danach noch eine Weile als Schlachthaus. Im 19. Jahrhundert war es ein Acker. Beim Pflügen wurden regelmäßig Knochen freigelegt, die der Parzelle den Namen Champ des os (‚Knochenfeld‘) gaben.<ref>Dossier pédagogique Visite du site archéologique de Gisacum. (PDF; 4,0 MB) In: l’Eure en Ligne. Conseil Général de l’Eure, 2010, S. 12+25, abgerufen am 19. Dezember 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Ein etwa 25 Kilometer langes Aquädukt verlief ober- und unterirdisch bis Damville.<ref name="evreux" />
Artefakte
Insgesamt wurden Statuen der Götter Apollon, Herakles, Jupiter, Mercurius und Minerva gefunden.<ref name="eureachtelf" /> Die beiden bedeutendsten Kunstwerke, die in Gisacum gefunden wurden, sind zwei bronzene Statuen aus dem 1. Jahrhundert, die Jupiter beziehungsweise Apollon darstellen. Die Jupiterstatue ist 91 Zentimeter hoch. In den Händen hielt der bärtige nackte Gott wohl eine Waffe, eine Lanze oder einen Blitz, was immer er gehalten hat, es ist verloren. Die bronzene Statue des Apollon ist 68 Zentimeter hoch und konventioneller als die Jupiterstatue. Apollon ist ebenfalls nackt dargestellt, allerdings ohne Bart. Die Arme der Statue sind beschädigt. Auf dem Haupt trägt er eine Krone, die ihn als Stadtgott ausweist.<ref name="statuetaur" /> Beide Kunstwerke wurden in lokalen Werkstätten hergestellt und geben Zeugnis von der Handwerkskunst der Eburoviken. Außer diesen Statuen wurde noch eine Statuette des Silenos sowie diverse Schmuckstücke und Münzen gefunden.<ref name="evreux" />
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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