Čechit
| Čechit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Nummer |
1980-068<ref name="IMA-Liste" /> |
| IMA-Symbol |
Čec<ref name="Warr"></ref> |
| Andere Namen |
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| Chemische Formel |
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| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Phosphate, Arsenate und Vanadate |
| System-Nummer nach Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VII/B.27-040 8.BH.40 41.05.02.04 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | orthorhombisch |
| Kristallklasse; Symbol | orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | Pnam (Nr. 62, Stellung 6)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 7,61 Å; b = 9,44 Å; c = 6,10 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 4<ref name="StrunzNickel" /> |
| Häufige Kristallflächen | {110}, {010}<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 4,5 bis 5<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 5,88; berechnet: 5,94<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | fehlt<ref name="Lapis" /> |
| Bruch; Tenazität | uneben bis muschelig; spröde<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Farbe | schwarz<ref name="Fleischer-et-al" /> |
| Strichfarbe | schwarz<ref name="Fleischer-et-al" /> |
| Transparenz | undurchsichtig (opak)<ref name="Fleischer-et-al" /> |
| Glanz | Harzglanz bis Halbmetallglanz<ref name="Fleischer-et-al" /> |
| Magnetismus | magnetisch<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | leicht löslich in HCl und HNO3 (l:l)<ref name="Fleischer-et-al" /> |
| Besondere Merkmale | magnetisch<ref name="Fleischer-et-al" /> |
Čechit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung Pb(Fe,Mn2+)[OH|VO4]<ref name="StrunzNickel" /> und damit chemisch gesehen ein Blei-Eisen-Vanadat mit zusätzlichen Hydroxidionen. Bei natürlich entstandenen Čechiten ist allerdings meist ein Teil des Eisens durch Mangan ersetzt (substituiert), jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals.
Čechit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt meist körnige Massen von wenigen Zentimetern Größe, bestehend aus schwarzen, rauen und gerundeten Kristallen bis etwa drei Millimetern Länge, die nach [001] gestreckt sind. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen sichtbarer Kristallflächen einen harzähnlichen bis schwach metallischen Glanz.
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde Čechit in alten Abraumhalden der „Grube Alexander“ bei Vrančice im tschechischen Okres Příbram. Die Erstbeschreibung erfolgte 1981 durch Zdeněk Mrázek (1952–1984) und Zdeněk Táborský, die das Mineral nach Geochemiker František Čech (1929–1995) benannten. Dieser war von 1976 bis 1990 Leiter der Abteilung Mineralogie an der Karls-Universität Prag, in der auch Typmaterial des Minerals aufbewahrt wird.<ref name="IMA-Typmineral" />
Trotz der in der Erstbeschreibung korrekten Schreibweise des Mineralnamens mit Hatschek entsprechend den Vorgaben zur Mineralbenennung der International Mineralogical Association (IMA)<ref name="IMA-Guidelines" /> erfolgte die Bekanntgabe des neu anerkannten Minerals 1982 im American Mineralogist zunächst ohne Hatschek in der Form Cechit (englisch Cechite).<ref name="Fleischer-et-al" /> Die auch in der Fachliteratur uneinheitliche Schreibweise des Namens wurde mit der 2008 erfolgten Publikation „Tidying up Mineral Names: an IMA-CNMNC Scheme for Suffixes, Hyphens and Diacritical marks“ bereinigt.<ref name="IMA-Tidying-up" />
Klassifikation
Da der Čechit erst 1980 entdeckt und von der IMA als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz nicht verzeichnet. Einzig im zuletzt 2018 aktualisierten „Lapis-Mineralienverzeichnis“, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser klassischen Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VII/B.27-40. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate, mit fremden Anionen F,Cl,O,OH“, wo Čechit zusammen mit Arsendescloizit, Descloizit, Mottramit und Pyrobelonit die „Descloizit-Gruppe“ mit der System-Nr. VII/B.27 bildet.<ref name="Lapis" />
Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Čechit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der weiteren Anionen zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und meist großen Kationen; (OH usw.) : RO4 = 1 : 1“ zu finden ist, wo es zusammen mit Descloizit, Mottramit und Pyrobelonit die „Descloizit-Gruppe“ mit der System-Nr. 8.BH.40 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Čechit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“, dort allerdings in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Wasserfreien Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er allerdings ebenfalls als Mitglied der „Descloizit-Gruppe“ mit der System-Nr. 41.05.02 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserfreien Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)2(XO4)Zq“ zu finden.
Kristallstruktur
Čechit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pnam (Raumgruppen-Nr. 62, Stellung 6) mit den Gitterparametern a = 7,61 Å; b = 9,44 Å und c = 6,10 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Eigenschaften
Das Mineral ist leicht löslich in Salzsäure (HCl) sowie Salpetersäure (HNO3) (Verdünnung 1:1). Außerdem zeigt Čechit magnetische Eigenschaften.<ref name="Fleischer-et-al" />
Bildung und Fundorte
In seiner Typlokalität, der alten Abraumhalde der „Grube Alexander“ mit Pb-Zn-Ag-Cu-U-Mineralisation trat Čechit in Paragenese mit Calcit, Hedyphan und Hämatit auf. Der bisher einzige weitere bekannte Fundort in Tschechien ist der ebenfalls bei Vrančice liegende Pošepný-Gang, wo im Ausbiss vanadiumhaltige Sekundärmineralien gefunden wurden.
Weitere bisher bekannte Fundorte sind Isallo in der norditalienischen Gemeinde Magliolo, die Grube Maria Magdalena bei Ulldemolins in der katalanischen Provinz Tarragona im Nordosten Spaniens sowie die „Silver Coin Mine“ bei Valmy im Humboldt County von Nevada in den USA.<ref name="Fundorte" />
Siehe auch
Literatur
Weblinks
- Mineralienatlas: Čechit (Wiki)
- Čechite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- Čechite search results. In: rruff.info. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Cechite. In: rruff.geo.arizona.edu. (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).
Einzelnachweise
<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="Fleischer-et-al"> </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Čechit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="IMA-Guidelines"> </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="IMA-Tidying-up"> </ref> <ref name="IMA-Typmineral"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Cechite. (PDF 130 kB) In: docs.wixstatic.com. Commission on Museums (IMA), 12. Dezember 2018, abgerufen am 30. Mai 2019. </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Cechite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 30. Mai 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>