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Fettelit

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Fettelit
Datei:Fettelite-Proustite-d05-74a.jpg
Fettelit mit Proustit aus der Grube „Imiter“ bei Djebel Sarhro, Marokko (Größe: 7,6 × 5,4 × 5,2 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1994-056<ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

IMA-Symbol

Ftt<ref name="Warr"></ref>

Chemische Formel Ag24HgAs5S20
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/E.06-040

2.LA.30
03.02.06.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-sphenoidisch; 2<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe (Nr.) C2<ref name="AMCSD" /> (Nr. 5)
Gitterparameter a = 26,030 Å; b = 15,059 Å; c = 15,524 Å
β = 90,45°<ref name="AMCSD" /><ref name="Webmineral" />
Formeleinheiten Z = 8<ref name="AMCSD" /><ref name="Webmineral" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte ≈ 4 (VHN20= 158 (138–174))<ref name="NewMineralNames" />
Dichte (g/cm3) berechnet: 3,29<ref name="NewMineralNames" />
Spaltbarkeit Bitte ergänzen!
Farbe orangerot, dunkelviolett bis dunkelrot (scharlachrot)
Strichfarbe dunkelzinnoberrot
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Diamantglanz bis Halbmetallglanz

Fettelit ist ein vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Ag24HgAs5S20<ref name="StrunzNickel" />, ist also chemisch gesehen ein Silber-Quecksilber-Sulfosalz.

Fettelit ist durchscheinend bis undurchsichtig und entwickelt meist pseudohexagonale Täfelchen und Flocken bis etwa 0,2 Millimetern Größe, die oft in parallel geschichteten oder rosettenförmigen Aggregaten angeordnet sind. Die Farbe der diamant- bis halbmetallisch glänzenden Kristalle variiert zwischen Orangerot und Dunkelviolett bis Dunkelrot (auch Scharlachrot). Die Strichfarbe wird als Dunkelzinnoberrot beschrieben.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Etymologie und Geschichte

Datei:Fettelite-459640.jpg
Fettelit aus der Typlokalität Glasberg (Sichtfeld: 4 mm)

Erstmals entdeckt wurde Fettelit in einem Steinbruch am Glasberg bei Nieder-Beerbach im hessischen Odenwald. Wissenschaftlich beschrieben wurde er 1996 durch N. Wang und A. Paniagua, die das Mineral nach seinem Entdecker M. Fettel benannten.

Klassifikation

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Fettelit noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/E.06-040. Dies entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze (S : As,Sb,Bi = x)“, wo Fettelit zusammen mit Arcubisit, Selenostephanit und Stephanit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/E.06 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Fettelit in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze (Sulfide, Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenide, Sulfantimonide, Sulfbismutide)“ und dort in die Abteilung „unklassifizierte Sulfosalze“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „ohne Pb“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.LA.30 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Fettelit die System- und Mineralnummer 03.02.06.02. Das entspricht der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis z/y = 4 und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 03.02.06, in der auch Arcubisit eingeordnet ist.

Kristallstruktur

Fettelit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2 (Raumgruppen-Nr. 5)Vorlage:Raumgruppe/5 mit den Gitterparametern a = 26,030 Å, b = 15,059 Å, c = 15,524 Å und β = 90,45°<ref name="AMCSD" /> sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle<ref name="Webmineral" />.

Bildung und Fundorte

Datei:Fettelite - Chanarcillo, Copiapo Province, Atacama Region, Chile.jpg
Gruppe winziger Fettelit-Kristalle (ca. 0,6 mm über alles) aus Chañarcillo, Atacama, Chile

Fettelit bildet sich in niedriggradigen, hydrothermalen PrehnitCalcitQuarz-Adern. Als Begleitminerale treten unter anderem Cinnabarit, Safflorit, gediegen Silber und verschiedene Silber-Sulfide bzw. -Sulfosalzen wie Proustit, Pearceit und Xanthokon auf.<ref name="NewMineralNames" /><ref name="Handbookofmineralogy" />

Als seltene Mineralbildung konnte Fettelit bisher (Stand: 2012) nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden. Außer an seiner Typlokalität Glasberg bei Nieder-Beerbach trat das Mineral in Deutschland noch in der hydrothermalen Ganglagerstätte zwischen Schlema, Alberoda und Hartenstein (bzw. Schneeberg, siehe auch Lagerstättenbeschreibung bei der SDAG Wismut) auf.

In Chile fand sich Fettelit in mehreren Bergwerken nahe dem Bergarbeiterdorf Chañarcillo in der Region Atacama und in Marokko konnte er im Bergwerk „Imiter“ bei Djebel Sarhro in der Region Souss-Massa-Draâ nachgewiesen werden.<ref name="Mineralienatlas" /><ref name="Mindat" />

Siehe auch

Literatur

  • N. Wang, A. Paniagua: Fettelite, a new Hg-sulfosalt mineral from Odenwald, in: Neues Jahrbuch für Mineralogie, Monatshefte (1996), S. 313–320
  • Luca Bindi, Frank N. Keutsch, Carl A. Francis, Silvio Menchetti: Fettelite, [Ag6As2S7][Ag10HgAs2S8] from Chañarcillo, Chile: Crystal structure, pseudosymmetry, twinning, and revised chemical formula, in: American Mineralogist, Band 94 (2009), S. 609–615 (PDF 2,56 MB)

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="AMCSD"> American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database - Fettelite (2012) </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Fettelite, in: Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 61,5 kB) </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Mindat - Fettelite </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Mineralienatlas:Liste der Fundorte für Fettelit </ref> <ref name="NewMineralNames"> John L. Jambor, Jacek Puziewicz, Andrew C. Roberts: New Mineral Names, in: American Mineralogist, Band 82 (1997), S. 620–624 (PDF 78,8 kB; Fettelite S. 2) </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 127. </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral - Fettelite </ref> </references>