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Kamillen

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Kamillen
Datei:Matricaria recutita.jpg

Echte Kamille (Matricaria chamomilla)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Anthemideae
Gattung: Kamillen
Wissenschaftlicher Name
Matricaria
L.

Die Kamillen (Matricaria) bilden eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die etwa sieben Arten sind hauptsächlich in Europa, Kleinasien, gemäßigten Klimagebieten Asiens, Nordafrikas und Nordamerikas verbreitet. Einige Arten sind in vielen Gebieten der Welt, auch auf der Südhalbkugel, invasive Pflanzen.<ref name="FoNA" />

Beschreibung

Datei:Matricaria recutita Sturm13045.jpg
Illustration der Echten Kamille (Matricaria chamomilla)
Datei:Matricaria rectita 0.5 R.jpg
Laubblatt der Echten Kamille (Matricaria chamomilla)
Datei:Matricaria discoidea 2630.JPG
Gestielte Blütenkörbe der Strahlenlosen Kamille (Matricaria discoidea) mit Involucrum; Strahlenblüten fehlen, daher der Trivialname
Datei:Matricaria discoidea by Danny S. - 002.JPG
Längsschnitt durch Blütenkorb der Strahlenlosen Kamille (Matricaria discoidea) mit typischen hohlen Korbboden

Erscheinungsbild und Blätter

Matricaria-Arten wachsen als einjährige krautige Pflanzen und erreichen je nach Art und Standort Wuchshöhen von meist 10 bis 25 (1 bis 80) Zentimeter. Sie bilden Pfahlwurzeln. Die Pflanzenteile sind oft aromatisch. Je Exemplar werden ein bis mehr als zehn meist selbständig aufrechte oder aufsteigende, selten liegende, kahle bis spärlich behaarte Stängel gebildet, die verzweigt sein können.<ref name="FoNA" />

Anfangs werden grundständige Laubblätter gebildet, die schnell verwelken, und später wechselständig am Stängel verteilt angeordnete Laubblätter. Die Laubblätter sind höchstens kurz gestielt.<ref name="FoNA" /> Die Blattspreiten sind im Umriss spatelförmig bis länglich oder eiförmig, selten einfach, meist zwei- bis dreifach fiederschnittig<ref name="FloraEuropaea1976" /> oder -lappig<ref name="FoNA" /> mit zahlreichen linealen Abschnitten<ref name="FloraEuropaea1976" />. Der Spreitengrund kann stängelumfassend oder geöhrt sein. Die Blattabschnitte sind linealisch und oft am oberen Ende gebogen und stachelspitzig. Der Rand der Blattabschnitte ist ganz und mehr oder weniger zurückgebogen. Die Blattflächen sind kahl bis spärlich behaart.<ref name="FoNA" />

Blütenstände, Blüten und Früchte

Die gestielten, körbchenförmigen Blütenstände stehen einzeln oder in offenen, schirmtraubigen Gesamtblütenständen zusammen.<ref name="FoNA" /> In den bei einem Durchmesser von 4 bis 14 Millimeter kniescheibenförmigen Korbhüllen (Involucrum) stehen 25 bis 50 Hüllblätter<ref name="FoNA" /> in mehreren<ref name="FloraEuropaea1976" />, meist drei oder vier (zwei bis fünf)<ref name="FoNA" /> Reihen. Die haltbaren, fast gleichen, häutigen Hüllblätter sind länglich, eiförmig bis spatelförmig oder linealisch-spatelförmig und besitzen trockenhäutige Ränder und trockenhäutige (durchscheinende = hyline) gerundete bis stumpfe obere Enden.<ref name="FoNA" /> Auf dem kegeligen bis im Umriss länglich-eiförmigen und hohlen Korbboden sind keine Spreublätter vorhanden.<ref name="FoNA" />

Die Blütenkörbchen enthalten immer 120 bis über 750 Röhrenblüten und meist auch 10 bis 22 Zungenblüten (Zungenblüten fehlen bei Matricaria discoidea<ref name="FloraEuropaea1976" />).<ref name="FoNA" /> Die Zungenblüten (Strahlenblüten, Randblüten) sind zungenförmig, rein weiblich, fertil und weiß mit elliptisch-eiförmiger Zunge.<ref name="FoNA" /> Die Röhrenblüten (Scheibenblüten) sind alle zwittrig, fertil, röhrig und oft etwas asymmetrisch. Die gelben bis grünlich-gelben oder gelblich-grünen Blütenkronen der Röhrenblüten besitzen eine mehr oder weniger geweitete Kronröhre und einen krug- bis glockenförmigen Kronschlund, der in vier oder fünf ausgebreiteten Kronzipfeln endet.<ref name="FoNA" />

Auf den Achänen sind die haltbaren Blütenkronen vorhanden, die dann manchmal sitzende, goldene Drüsen besitzen. Die verkehrt-konischen Achänen sind seitlich zusammengedrückt und meist asymmetrisch mit schiefen oberen Enden.<ref name="FoNA" /> Die Achänen besitzen drei bis meist fünf weiße Längsrippen auf der Innenseite<ref name="FloraEuropaea1976" /> und dazwischen kahle, glatte Flächen. Die Außenseite ist konvex<ref name="FloraEuropaea1976" />. Die Achänen werden feucht schleimig<ref name="FloraEuropaea1976" />. Der Pappus ist ein kleines Krönchen oder er fehlt<ref name="FloraEuropaea1976" />. Auf den Achänen, die sich aus den Strahlenblüten entwickeln, sind manchmal Öhrchen vorhanden.<ref name="FoNA" />

Chromosomensätze

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9.<ref name="FoNA" />

Systematik und Verbreitung

Die Gattung Matricaria wurde durch Carl von Linné aufgestellt. Der botanische Gattungsname Matricaria („Mutterkraut“), ein bis in die Frühneuzeit neben Kamillen auch einige Chrysanthemen (Mutterkraut) und Artemisia-Arten (Beifuß)<ref>Hermann Fischer: Mittelalterliche Pflanzenkunde. München 1929 (= Geschichte der Wissenschaften. Geschichte der Botanik. Band 2); Neudruck (mit einem Vorwort von Johannes Steudel) Hildesheim 1967, S. 260 und 264.</ref> bezeichnender Pflanzenname,<ref>Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 146.</ref> stammt vom lateinischen Wort matrix für Gebärmutter, da die Echte Kamille (Matricaria chamomilla, älter auch Chamomilla recutita <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Rauschert) als altes Mittel bei Frauenkrankheiten genutzt wurde. Ein lateinischer Name für Kamille (mittelhochdeutsch auch Camille und Gamille<ref>Gundolf Keil Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). S. 361.</ref>) war Camomilla (vgl. französisch camomille<ref>www.dfsm.elan-numerique.fr.</ref>), womit die Echte Kamille, im Mittelalter aber auch verwandte Korbblütler wie die Färberkamille und die Hundskamillen-Art Anthemis rosea bezeichnet wurden.<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 166 „(Camomilla – camillen blomen […] arthemis, antimus, bucantimos .. melantemon“).</ref> Ein Synonym für Matricaria L. nom. cons. ist Chamomilla <templatestyles src="Person/styles.css" />S.F.Gray. Die Gattung Matricaria gehört zur Subtribus Matricariinae aus der Tribus Anthemideae in der Unterfamilie Asteroideae innerhalb der Familie Asteraceae.<ref name="GRIN" />

Es gibt etwa sieben Matricaria-Arten (Auswahl):<ref name="GCompositaeCheck" />

  • Matricaria aurea <templatestyles src="Person/styles.css" />(Loefl.) Sch.Bip. (Synonym: Chamomilla aurea <templatestyles src="Person/styles.css" />(Loefl.) Gay ex Cosson & Kralik): Sie ist in Südeuropa, Nordafrika, Westasien, in der Kaukasusregion, in Zentralasien und auf dem Indischen Subkontinent weitverbreitet.<ref name="GRIN" />
  • Echte Kamille (Matricaria chamomilla <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Syn.: Matricaria recutita <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Chamomilla recutita <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Rauschert, Matricaria courrantiana <templatestyles src="Person/styles.css" />DC.): Sie ist in Eurasien und Nordafrika weitverbreitet und in vielen anderen Ländern der Welt ein Neophyt.<ref name="GRIN" />
  • Strahlenlose Kamille oder Strahllose Kamille (Matricaria discoidea <templatestyles src="Person/styles.css" />DC., Syn.: Matricaria suaveolens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Pursh) Buchenau; Chamomilla suaveolens <templatestyles src="Person/styles.css" />(Pursh) Rydb.): Sie ist in Ostasien sowie Nordamerika verbreitet und in vielen Ländern der Welt (auch in Europa) ein Neophyt.<ref name="GRIN" />
  • Matricaria occidentalis <templatestyles src="Person/styles.css" />Greene (Syn.: Chamomilla occidentalis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Greene) Rydb.): Sie gedeiht in Höhenlagen von 0 bis 2400 Meter nur in den US-Bundesstaaten Kalifornien und Oregon.<ref name="FoNA" />

Nicht mehr zur Gattung Matricaria, sondern zur Gattung Tripleurospermum gehören beispielsweise:<ref name="GRIN" />

  • Matricaria caucasica <templatestyles src="Person/styles.css" />(Willd.) Poir.Tripleurospermum caucasicum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Willd.) Hayek
  • Geruchlose Kamille (Syn.: Matricaria inodora <templatestyles src="Person/styles.css" />L., Matricaria perforata <templatestyles src="Person/styles.css" />Mérat) → Tripleurospermum inodorum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Sch.Bip.
  • Matricaria maritima <templatestyles src="Person/styles.css" />L.Echte Strandkamille (Tripleurospermum maritimum <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) W.D.J.Koch)

Quellen

  • Luc Brouillet: Matricaria Linnaeus. - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: . (Abschnitte Beschreibung und Systematik)
  • Q.O.N. Kay: Chamomilla S.F.Gray. In: Thomas Gaskell Tutin et al.: Flora Europaea. Band 4, 1976, Seite 167. Cambridge University Press, ISBN 0-521-08717-1.
  • Wendy L. Applequist: A reassessment of the nomenclature of Matricaria L. and Tripleurospermum Sch. Bip. (Asteraceae). In: Taxon, Volume 51, Issue 4, 2002, S. 757–761. abstract.

Einzelnachweise

<references> <ref name="FoNA">Luc Brouillet: Matricaria Linnaeus. - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: .</ref> <ref name="GRIN">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="FloraEuropaea1976">Q.O.N. Kay: Matricaria L., Seite 165–166 In: Thomas Gaskell Tutin et al.: Flora Europaea. Band 4, 1976. Cambridge University Press, ISBN 0-521-08717-1.</ref> <ref name="GCompositaeCheck">@1@2Vorlage:Toter Link/compositae.landcareresearch.co.nzTaxon in Suchmaske eingeben bei The Global Compositae Checklist. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im November 2022. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot</ref> </references>

Weblinks

Commons: Kamillen (Matricaria) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien