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Craig Venter

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Craig Venter (2007)

John Craig Venter (* 14. Oktober 1946 in Salt Lake City, Utah; † 29. April 2026 in San Diego, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Biochemiker und Unternehmer, dessen Firma Celera Corporation als Erste ein gesamtes menschliches Genom sequenzierte<ref>Genforschung: Genetisches Selbstporträt. In: Tagesspiegel. 3. September 2007 (Online).</ref> und dem es als Erstem gelungen ist, ein Erbgut selbst herzustellen und in eine Zelle einzupflanzen, sodass ein lebensfähiges Bakterium entstand.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig J. Craig Venter Institute creates first synthetic life form.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 21. Mai 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Leben

Die Familie des in Utah geborenen Craig Venter zog in seinen frühen Jahren nach San Francisco, wo er aufwuchs und die Schule besuchte.<ref name="Britannica">J. Craig Venter. In: Britannica. 30. April 2026, abgerufen am 1. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Während des Vietnamkrieges diente J. Craig Venter dann im U.S. Naval Medical Corps.<ref>Nell Greenfieldboyce: Craig Venter, pioneering human genome decoder, dies at 79. In: National Public Radio. 30. April 2026, abgerufen am 1. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nach der Rückkehr studierte er an der University of California, San Diego zunächst Biochemie (Bachelor 1972), gefolgt von Studien in Medizin und Pharmakologie, die er 1975 mit einem Doktorgrad abschloss. Ab 1976 forschte er zur Neurochemie an der State University of New York. Er wechselte 1984 zu den National Institutes of Health, wo er mit der Genforschung begann.<ref name="Britannica"/>

Venter starb im Alter von 79 Jahren in einem Krankenhaus in San Diego. Er befand sich dort wegen Nebenwirkungen einer Krebserkrankung.<ref>Florian Pütz: Genforschungs-Pionier Craig Venter ist tot. In: spiegel.de. 30. April 2026, abgerufen am 30. April 2026.</ref>

Venter und das Human Genome Project

1998 gründete er das Unternehmen Celera Corporation, um auf Basis privater Finanzierung die Gene des Menschen durch automatisierte Sequenzierung zu kartieren. Damit wurde Venter zum direkten Konkurrenten des seit 1990 laufenden Human Genome Project (HGP), das als internationales Forschungsprojekt aus öffentlichen Mitteln finanziert wird.

Im Gegensatz zu diesem kam Celera Genomics zwar in Teilbereichen wesentlich rascher voran, arbeitete aber nicht so systematisch wie HGP. Die von Letzterem publizierten Forschungsergebnisse kamen zwar (auch) der Forschung Venters zugute, umgekehrt allerdings kaum.

Die relativ früh gelungenen Sequenzierungen einiger Gene ließ sich Venters Firma mit dem Ziel neuer Pharmaprodukte patentieren. Im April 2000 kündigte Venter die gesamte Entschlüsselung an, beantragte im Oktober 2000 etwa 6500 Patente und publizierte einen Teil seiner Ergebnisse.<ref>Tom Reynolds: Pricing human genes: the patent rush pushes on. In: Journal of the National Cancer Institute. Band 92, Nr. 2, 19. Januar 2000, S. 96–97, abgerufen am 1. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Seitdem gilt er in Teilen der Weltöffentlichkeit als Vertreter der Biopiraterie, andererseits wird ihm auch die wesentliche Beschleunigung dieses Forschungsbereiches an vielen Instituten zugutegehalten.

Synthetisches virales und bakterielles Genom

Im Jahr 2003 berichtete die Gruppe von Craig Venter, dass sie als erstes ein Virusgenom – das von Enterobakteriophage PhiX174 (ΦX174) – vollständig in vitro aus synthetisierten Oligonukleotiden zusammengesetzt hatten.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref> Das Viruspartikel (Virion) von ΦX174 wurde ebenfalls in vitro erfolgreich zusammengesetzt.<ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Im Jahr 2005 gründete Venter zusammen mit Mitgliedern seines Forschungsteams das Unternehmen Synthetic Genomics Inc., um mit veränderten oder künstlich hergestellten Mikroorganismen Biokraftstoffe herzustellen.<ref>syntheticgenomics.com: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />History (Memento vom 12. November 2016 im Internet Archive) (englisch).</ref>

Einer Forschergruppe am J. Craig Venter Institute (JCVI) gelang es 2007 erstmals, das Erbmaterial eines Bakteriums komplett synthetisch herzustellen. Vorbild für den Nachbau war das Bakterium Mycoplasma genitalium mit einem der kleinsten bekannten Genome von 582.970 Basenpaaren; als Name des synthetischen Nachbaus wurde Mycoplasma genitalium JCVI-1.0 gewählt.<ref>Niels Boeing: Venter-Institut baut Bakteriengenom zusammen. In: Heise online. 25. Januar 2008, abgerufen am 1. Mai 2026.</ref><ref>Venter Institute Scientists Create First Synthetic Bacterial Genome. In: jcvi.org. 24. Januar 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 9. Februar 2008; abgerufen am 1. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Daniel G. Gibson et al.: Complete Chemical Synthesis, Assembly, and Cloning of a Mycoplasma genitalium Genome. In: Science. Band 319, Nr. 5867, 2008, S. 1215–1220, PMID 18218864, doi:10.1126/science.1151721.</ref>

2010 gaben Forscher um Craig Venter die Herstellung des künstlichen Bakteriums Mycoplasma mycoides JCVI-syn1.0 bekannt. Zuvor hatten sie erfolgreich das 1,08 Millionen Basenpaare umfassende Erbgut eines Laborstammes des Erregers der Lungenseuche bei Rindern, Mycoplasma mycoides, aus chemischem Rohmaterial synthetisiert und in ein zuvor von der DNA befreites Bakterium von Mycoplasma capricolum übertragen.<ref>Daniel G. Gibson et al.: Creation of a Bacterial Cell Controlled by a Chemically Synthesized Genome. In: Science. Band 329, Nr. 5987, 2010, S. 52–56, PMID 20488990, doi:10.1126/science.1190719.</ref>

Am 24. März 2016 veröffentlichte Venter Ergebnisse, wonach er ein synthetisches Bakterium Mycoplasma mycoides JCVI-syn3.0 mit 473 Genen, beziehungsweise 531.000 Basenpaaren, geschaffen hat, die es benötigt, um alle lebenswichtigen Prozesse durchzuführen (Minimalgenom).<ref>Michael Lange: Leben auf niedrigster Stufe: Genforscher Craig Venter erschafft künstliche Minimalzelle. In: Deutschlandfunk-Sendung „Forschung aktuell“. 24. März 2016, abgerufen am 1. Mai 2026.</ref><ref>Matthias Matting: Was das Leben braucht. In: Telepolis. 26. März 2016, abgerufen am 1. Mai 2026.</ref><ref>Die Originalarbeit über das Mycoplasma mycoides JCVI-syn3.0 erschien als: Clyde A. Hutchison, Vladimir N. Noskov, J. Craig Venter u. a.: Design and synthesis of a minimal bacterial genome. (pdf; 1,7 MB) In: Science. Bd. 351, Heft 6280, 25. März 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 15. Oktober 2022; abgerufen am 1. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), doi:10.1126/science.aad6253).</ref>

Auszeichnungen

Venter wurde im Jahr 2002 in Wien mit einem der privat vergebenen World Awards ausgezeichnet („World Health Award“). Zum Schutz der Artenvielfalt des Tangwaldes untersuchte Venter die Gene der Algen und des Tangs in der Sargassosee, woraus er dort über 1000 unentdeckte Arten vermutet. Demnach könnten sich weltweit in Tangwäldern noch mehrere Tausend bislang unbeschriebene Arten befinden, vor allem im ökologisch wichtigen Phytoplankton.

Im Jahr 2000 erhielt Venter den Gabbay Award, 2001 den Biotechnology Heritage Award. 2002 wurden ihm der Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis<ref>Paul Ehrlich-Stiftung Hauptpreis 2002-Venter. In: uni-frankfurt.de. Abgerufen am 1. Mai 2026.</ref> und ein Gairdner Foundation International Award verliehen. Zudem war er seit 2001 gewähltes Mitglied der American Academy of Arts and Sciences, seit 2002 der National Academy of Sciences und seit 2013 der American Philosophical Society.<ref>Member History: J. Craig Venter. American Philosophical Society, abgerufen am 7. Dezember 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), mit biographischen Anmerkungen).</ref> Im Oktober 2009 erhielt er vom US-Präsidenten Barack Obama die National Medal of Science für das Jahr 2008, die als höchste Wissenschaftsauszeichnung der USA gilt. 2011 wurde er mit dem Dickson Prize in Medicine ausgezeichnet, 2012 mit dem Dan-David-Preis. 2015 erhielt Venter die Leeuwenhoek-Medaille.

Veröffentlichungen

  • Der Mensch in der Genfalle. Der Tag wird kommen: Die vollkommene Erkenntnis der Lebensprozesse steht in diesem Jahr bevor. In: FAZ. 8. April 2000.
  • A Life Decoded: My Genome: My Life, New York, Viking Adult 2007, ISBN 978-0-670-06358-1.
    • Dt.: Entschlüsselt: Mein Genom, mein Leben, aus dem Englischen von Sebastian Vogel. S. Fischer, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-10-087030-8.
  • Leben aus dem Labor. Die neue Welt der synthetischen Biologie, deutsch von Sebastian Vogel. S. Fischer, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-10-087202-9.

Siehe auch

Literatur

  • René Scheu: Lebenseigentümer. In: Schweizer Monatshefte. Zeitschrift für Politik Wirtschaft Kultur. Zürich 2007, Heft 07/08 (Juli/August), ISSN 0036-7400, S. 10.
  • Simone Rödder: Der Wellenmacher muss kein Schaumschläger sein : Der Mann mit dem Genom: Craig Venter ist ein Medienstar, aber für seine Fachkollegen ist er trotzdem kein „Feuilletonwissenschaftler“. Über Reputation auf den Vorder- und Hinterbühnen der Forschung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Juni 2010, ISSN 0174-4909, Seite N5.

Weblinks

Commons: Craig Venter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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