Ballastkohle
Ballastkohle ist eine Steinkohle,<ref name="Braunkohle" /> die einen hohen Anteil (20 % und mehr<ref name="Braunkohle" />) an „Ballast“, das heißt nicht brennbaren Bestandteilen (Wasser und Asche), enthält.<ref name="SKP" /><ref name="GVSt" />
Ballastkohle fällt als „Mittelgut“ und als Staub und Schlamm bei der Aufbereitung der Kohle (Kohlenwäsche) an.<ref name="Brauer" /> Der Schlamm aus der Kohlenwäsche (Schlammkohle) wurde zeitweise in Schlammkohlebecken gesammelt.<ref name=":0">Horst Hensel: Salz & Eisen. Roman. Band 1. IFB Verlag Deutsche Sprache, Paderborn 2024, ISBN 978-3-949233-14-2, S. 178 f.</ref> Die Ballastkohle stammt aus den Übergangsbereichen eines Flöz, wo die Kohle stark mit dem angrenzenden Gebirge (Zwischenmitteln) verwachsen ist.
Ballastkohle zählt zu den minderwertigen Kohlen, sie ist für die Herstellung von Koks oder Briketts ungeeignet. Anfangs verwerteten viele Zechen diese Kohle in direkt an das Bergwerk angeschlossenen, häufig zecheneigenen Kraftwerken und Kesselhäusern für die Energieversorgung. Auch in Feuerungen verhält sich Ballastkohle jedoch wegen der Verschlackungsneigung und wegen hoher Schadstofffracht (insbes. Schwefel) problematisch.<ref name="Nichler" /> Eine Verschärfung der Umweltschutzauflagen für Feuerungsanlagen führte ab den 1980er-Jahren zu einer drastischen Reduzierung des Ballastkohleanteils an der elektrischen Energieerzeugung; ein größerer Anteil musste auf Bergehalden verworfen werden. Heute wird Ballastkohle nur noch in Kraft- und Zementwerken mit speziell dafür geeigneter Feuerung (beispielsweise Schmelzkammerfeuerung), Kohlemühlen und mit entsprechender Rauchgasreinigung verfeuert. Kraftwerke, die in der Lage sind, Ballastkohle mit >25 % Ballast zu verfeuern, erhalten nach dem Dritten Verstromungsgesetz einen finanziellen Bonus.<ref>Gesetz über die weitere Sicherung des Einsatzes von Gemeinschaftskohle in der Elektrizitätswirtschaft. 1990 (§ 3).</ref>
Literatur
Horst Hensel beschreibt in seinem 2024 erschienenen Roman Salz und Eisen eine Szene, die 1920 an einem Schlammkohlebecken im Ruhrgebiet spielt. Zahlreiche Bewohner eines Armenviertels holen triefende Schlammkohle aus dem Becken und fahren sie in Handkarren nach Hause, um später damit heizen zu können.<ref name=":0" /><ref>Horst Hensel: Am Schlammkohlebecken. In: salz-und-eisen.de. 15. September 2025, abgerufen am 18. September 2025.</ref> Nach Auskunft des Autors beruht die Szene auf einem zeitgenössischen Foto. Erich Grisar hat solche Szenen fotografiert.<ref>"Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt". In: Der Spiegel. 19. März 2016, abgerufen am 18. September 2025.</ref>
Einzelnachweise
<references> <ref name="GVSt">Glossar – B. Gesamtverband Steinkohle, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. November 2012; abgerufen am 2. September 2012.</ref> <ref name="Braunkohle"> Seltener wird der Begriff auch für Braunkohle verwendet; wegen des naturgemäß höheren Asche- und vor allem Wassergehaltes gilt eine Braunkohle erst ab einem Aschegehalt (wasserfrei) von etwa 30 % als Ballastkohle. </ref> <ref name="Brauer"> Heinz Brauer: Produktions- und Produktintegrierter Umweltschutz (= Handbuch des Umweltschutzes und der Umweltschutztechnik. Band 2). Springer, 1996, ISBN 3-540-58059-X. </ref> <ref name="SKP"> Bergbau-Lexikon. SteinkohlePortal.de, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 2. September 2012. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ) </ref> <ref name="Nichler"> Kurt Nichler: Staubkohle – ein hochwertiger Energieträger. In: Thyssen Schachtbau Gruppe Report. 1998 (Volltext [PDF; 7,1 MB]). </ref> </references>