Zum Inhalt springen

Heidelbeer-Weide

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 6. November 2022 um 22:28 Uhr durch imported>PerpetuumMobil (Weblinks: Toten Link entfernt. Ersatzlink auf Webarchiv wegen unklarer Urheberrechte nicht möglich.).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Heidelbeer-Weide
Datei:Salix myrtilloides.jpg

Heidelbeer-Weide (Salix myrtilloides)

Systematik
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Weidengewächse (Salicaceae)
Gattung: Weiden (Salix)
Art: Heidelbeer-Weide
Wissenschaftlicher Name
Salix myrtilloides
L.

Die Heidelbeer-Weide<ref name=deutsch/> oder Moor-Weide<ref name=deutsch2/> (Salix myrtilloides) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Weiden (Salix). Sie besitzt niedergedrückte, wurzelnde Ästen und kahle Laubblätter. Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in Europa und Asien.

Beschreibung

Die Heidelbeer-Weide ist ein sparrig verästelter Strauch oder Zwergstrauch und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 50 Zentimetern. Die niedergedrückten, wurzelnden Äste besitzen eine graue Rinde. Die Rinde der dünnen, aufrechten Zweige ist im ersten Jahr gelb oder rotbraun, anfangs behaart und später verkahlend. Die Knospen sind eiförmig und kahl.

Die relativ kleinen Laubblätter sind Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist 2 bis 4 Millimeter lang. Die Blattspreite ist bei einer Länge von 1 bis 3,5 Zentimetern sowie einer Breite von 0,7 bis 1,5 Zentimetern elliptisch oder lang-elliptisch mit gerundetem oder stumpfem oberen Ende und gerundeter oder selten breit keilförmiger Spreitenbasis. Der Blattrand ist ganzrandig oder sehr fein gezähnt. Die Blattoberseite ist kahl, sattgrün oder leicht rötlich, die -unterseite ist deutlich netznervig, ebenfalls kahl, blaugrün und färbt sich beim Trocknen schwarz. Die Nebenblätter sind lanzettlich oder eiförmig.<ref name=Fitsch/><ref name=FdG/><ref name=FoC/>

Der relativ lange Blütenstandsschaft besitzt vier bis sechs kleine Blätter. Die Tragblätter sind kahl, einfarbig gelblich grün mit purpurroten Saum, spärlich behaart und bärtig. Der zylindrische, kätzchenförmige Blütenstand ist 1 bis 2,5 Zentimeter lang. Die Blüten haben eine Nektardrüse. Männliche Blüten haben zwei kahle Staubblätter mit roten Staubbeuteln. Der Fruchtknoten weiblicher Blüten ist zylindrisch, kahl und lang gestielt. Der Griffel ist kurz, die Narbe ist kurz und ungeteilt. Die Heidelbeer-Weide blüht mit dem Blattaustrieb im Mai, die Früchte reifen im Juni.<ref name=Fitsch/><ref name=FdG/><ref name=FoC/>

Die Chromosomenzahl beträgt 2n=28.<ref name=FoC/>

Vorkommen und Standortansprüche

Das natürliche Verbreitungsgebiet reicht von Nordeuropa (Finnland, Norwegen) über Mitteleuropa (Österreich, Tschechien, Slowakei, Deutschland, Polen, Schweiz) bis nach Rumänien und Russland.<ref name=GRIN/><ref name=FoC/> In Asien gibt es weitere Vorkommen in der Mongolei, auf der Koreanischen Halbinsel und in den chinesischen Provinzen Heilongjiang, Jilin, Liaoning und der Inneren Mongolei.<ref name=FoC/>

Die Heidelbeer-Weide wächst in Mooren und Sumpfgebieten auf nassen, mäßig nährstoffreichen und mäßig basenreichen, mäßig sauren mesotrophen Torfböden an sonnigen und kühlen Standorten. Sie ist eine Charakterart des Betulo-Salicetum repentis aus dem Verband Salicion vinereae und kommt meist zusammen mit Bleichmoos (Sphagnum)-Arten der Sektion Subsecunda vor.<ref name="Oberdorfer2001" /> Das Verbreitungsgebiet wird der Winterhärtezone 4 zugeordnet mit mittleren jährlichen Minimaltemperaturen von −34,4 bis −28,9 °C (−30 bis −20 °F).<ref name=FdG/>

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Salix myrtilloides erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum.<ref name=GRIN/> Der Gattungsname Salix stammt aus dem Lateinischen und wurde schon von den Römern für verschiedene Weidenarten verwendet.<ref name=Gen_Gat/> Das Artepitheton myrtilloides leitet sich von myrtillus für die „Heidelbeere“ und der griechischen Endung -oides für „ähnlich“ ab und bezieht sich auf den kriechstrauchartigen Wuchs und die Form und Farbe der Laubblätter.<ref name=Gen_Art/>

Von Salix myrtilloides gibt es zwei Varietäten:<ref name=FoC/>

  • Salix myrtilloides var. mandshurica <templatestyles src="Person/styles.css" />Nakai mit weiß oder gelb seidig behaarten jungen Blättern.
  • Salix myrtilloides <templatestyles src="Person/styles.css" />L. var. myrtilloides mit kahlen jungen Blättern.

Verwendung

Die Heidelbeer-Weide wird sehr selten als Zierstrauch verwendet.<ref name=FdG/>

Naturschutz

Nach Dörr und Lippert ist die Heidelbeerweide im Allgäu ein sehr seltenes Glazialrelikt, das sich in letzten Resten erhalten hat. Sie ist durch menschliche Eingriffe, durch Verbuschung und durch Hybridisierung mit Salix repens in ihrer Existenz bedroht. Ihre Vorkommen verdienen Schutz und Pflege.<ref name="Dörr und Lippert" />

Nachweise

Literatur

  • Cheng-fu Fang, Shi-dong Zhao, Alexei K. Skvortsov: Salix myrtilloides, S. 240 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In:
  • Andreas Roloff, Andreas Bärtels: Flora der Gehölze. Bestimmung, Eigenschaften und Verwendung. Mit einem Winterschlüssel von Bernd Schulz. 3., korrigierte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5614-6, S. 583–584.
  • Jost Fitschen: Gehölzflora. 12., überarbeitete und ergänzte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2007, ISBN 3-494-01422-1, S. 764.
  • Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996).

Einzelnachweise

<references> <ref name=deutsch> Deutscher Name nach Roloff et al.: Flora der Gehölze, S. 583. </ref> <ref name=deutsch2> Deutscher Name nach Roloff et al.: Flora der Gehölze, S. 583 und Fitschen: Gehölzflora, S. 765.</ref> <ref name=FdG> Roloff et al.: Flora der Gehölze, S. 583–584 </ref> <ref name=Fitsch> Fitschen: Gehölzflora, S. 765 </ref> <ref name=FoC> Cheng-fu Fang, Shi-dong Zhao, Alexei K. Skvortsov: Salix myrtilloides, S. 240 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: </ref> <ref name=GRIN> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name=Gen_Gat> Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, S. 552 </ref> <ref name=Gen_Art> Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, S. 407 </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Dörr und Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 417.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Heidelbeer-Weide (Salix myrtilloides) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien