Evocatio
Evocatio, von lateinisch e-voco oder e-vocare,<ref>evocare : Deutsch » Latein : PONS.eu. (JavaScript) PONS GmbH, Stuttgart, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. Dezember 2013; abgerufen am 11. August 2012.</ref> bezieht sich auf ein „Heraus-, Herbeirufen“ der lokalen Götter eines Gebiets, insbesondere auch die Toten der Unterwelt herbeizurufen, um sie zum Erscheinen zu veranlassen.<ref>Wolfgang Schaffler: Kultische Reaktionen auf Misserfolg und Versagen in der Griechischen Antike. (PDF) Das Verhältnis der Menschen zu den Göttern. Karl-Franzens-Universität Graz, 29. September 2011, S. 6 ff., archiviert vom Vorlage:IconExternal am 10. Juli 2016; abgerufen am 11. August 2012.</ref> Ferner bezeichnete der Begriff Evocatio die Rückberufung ehemaliger, bereits entlassener Legionäre in den Dienst der Legion des Römischen Reiches, siehe dazu Evocatus. Die Evocatio als „Vorladung“ war auch ein Begriff römischen Rechts ohne offensichtlichen Bezug zu ihrem magisch-religiösen Aspekt,<ref>Theodor Mommsen: Römisches Staatsrecht. Band 3. Cambridge University Press, 2010, ISBN 1-108-00993-X, S. 1197 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> der bis heute in der Rechtswissenschaft als Fachbegriff eine Rolle spielt.
Religiöse Bedeutung in der Antike
Der Ausdruck „einen Gott herbeirufen“ ist vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 6. Jahrhundert belegt.<ref>Titus Livius: 1.55, 5.21, 5; Plinius der Ältere: Naturalis historia 24.160; 28.18; Sextus Pompeius Festus: De verborum significatione, s.v. Peregrina sacra, Novae curiae, Tauri ludi; Servius: Aeneis 2.244, 351; 9.446; Macrobius: Saturnalia 3.9</ref> Vornehmlich bezeichnete dieser Brauch die antike Praxis, die Schutzgottheit einer belagerten Stadt durch eine magische Beschwörung heraus zu locken, um ihr eine neue Unterkunft in Rom anzubieten, und die belagerte Stadt damit sozusagen ihrer Existenzgrundlage zu berauben.<ref>Thomas Köves: Plinius über den Untergang der Stadt Pometia. (PDF; 6,8 MB) Nat. Hist. VII, 68/69. Universität Köln, 29. Februar 2008, S. 24 ff., abgerufen am 11. August 2012.</ref> Aus diesem Grund wurde der Name der Schutzgottheit der Stadt Rom sowie der tatsächliche, eigentliche Name dieser Stadt in der Antike geheim gehalten, um den Feinden die Verfluchung unmöglich zu machen.<ref>Angelo Brelich, Die geheime Schutzgottheit von Rom. Zürich, 1949.</ref>
Als Taktik der psychologischen Kriegsführung untergrub die Evocatio das Selbstbewusstsein des Feindes, bedrohte die Heiligkeit seiner Stadtmauern (→ Pomerium) und andere Formen des göttlichen Schutzes. Gewöhnlich war die Evocatio jedoch nur eine Methode, die ansonsten frevlerische Plünderung sakraler Gegenstände zu legitimieren.<ref>Volker Michael Strocka: Kunstraub in der Antike. (PDF; 3,5 MB) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 5. Mai 2008, S. 9 ff., abgerufen am 12. August 2012: „Beim Beutemachen waren die römischen Feldherrn und ihre Heere also nicht durch religiöse Rücksichten gehemmt.“</ref>
Literatur
- Jörg Rüpke: Domi militiae. Franz Steiner Verlag, 1990, ISBN 3-515-05679-3, S. 16, 70 ff., 120, 155, 164, 259 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
Siehe auch
Einzelnachweise
<references />