Evocatus
Deutsch: Quintus Cassius Publius, Sohn von Galeria Valens Pisis, diente 18 Jahre in der 4. Kohorte der Prätorianer. Für 2 Jahre zurückberufen. Lebte 40 Jahre an diesem Ort. Dies ist sein Grabmal.
Evocatus („der Berufene“, pl. Evocati) war die lateinische Bezeichnung für einen Legionär in den römischen Legionen der Antike, der seine reguläre Dienstzeit (16–25 Jahre) absolviert und eine ehrenvolle Entlassung (honesta missio) erhalten hatte, sich aber auf Anforderung eines Konsuls, eines anderen ranghohen militärischen Befehlshabers oder auch des Kaisers erneut freiwillig zum Dienst in die Legion gemeldet hatte.
Bedeutung und Aufgaben
Es gab eine beträchtliche Zahl von Evocati in allen Legionen. Wenn der ranghöchste Befehlshaber einer Legion, meist ein Legatus legionis, manchmal ein Praefectus legionis, unter den Legionären beliebt war, wuchs die Zahl der Veteranen, die sich unter seinen Befehl zurückmeldeten. Auch das Ansehen des Oberbefehlshabers konnte zu einem starken Zulauf von Altgedienten führen: So veranlasste Pompeius viele Veteranen,<ref>Joachim Ott: Die Beneficiarier. Franz Steiner Verlag, 1995, ISBN 3-515-06660-8, S. 41 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> die unter ihm in früheren Jahren gedient hatten, sich unter seinem Banner beim Ausbruch des Bürgerkriegs zwischen ihm und Cäsar zu versammeln.<ref>Siehe Caes. bell. civ. 1,3,2f.; 1,27,5; 3,53,1; 3,88,5. Suet. Vesp. 1; vgl. Daniel Bühler: Macht und Treue: Publius Ventidius: Eine römische Karriere zwischen Republik und Monarchie. Allitera-Verlag, 2009, ISBN 978-3-86906-044-6, S. 73 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche – Dissertation); William W. Batstone, Cynthia Damon: Caesar’s Civil War. Oxford University Press, 2006, ISBN 0-19-516510-1, S. 49 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).</ref> Die Evocati wurden wie die Vexillarii von gewöhnlichen militärischen Aufgaben, wie Lager, Straßen und Wege zu befestigen (→ Befestigung) und ähnlich kräftezehrende Aufgaben, freigestellt und hatten aufgrund ihrer Erfahrung einen höheren Rang und ein größeres Ansehen in der Legion als gewöhnliche Legionäre. Sie wurden oft mit der gleichen Hochachtung wie die Equites Romani erwähnt und besaßen mitunter die gleiche Autorität (→ Auctoritas) wie ein Centurio, standen aber im Rang unter denselben. Evocati wurden innerhalb der römischen Armee mal als eigene Elite-Einheit eingesetzt,<ref>Siehe Cic. ad fam. 15,4,3; Caes. bell. Alex. 53,1. Appian. bell. civ. 3,40.</ref> mal auf die übrigen Truppenkörper aufgeteilt.<ref>Siehe Caes. bell. civ. 1,27,5; 3,88,5.</ref> Marcus Tullius Cicero erwähnt einen Praefectus Evocatorum, einen für die Evocati verantwortlichen Offizier.<ref>Siehe Cic. ad fam. 3,6,5; vgl. Wolfgang Kunkel, Roland Wittmann: Magistratur. C.H.Beck, 1995, ISBN 3-406-33827-5, S. 377 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).</ref>
Evocati wurden häufig für besondere Aufgaben eingesetzt, so zum Beispiel als Richter der Militärtribunale, die aber auch bei den Zivilgerichten in den Provinzen eine signifikante Funktion bei Auseinandersetzungen mit der Bevölkerung hatten.<ref>Erich Sander: Das Römische Militärstrafrecht. (PDF; 6,6 MB) S. 8–9, abgerufen am 29. Juli 2012.</ref> Die Evocati spielten als Honestiores eine bedeutende Rolle im Machtgefüge der ländlich geprägten Provinzen des Imperium Romanum.
Besoldung
Sie erhielten denselben Sold wie ein Centurio, das war etwa der doppelte Betrag, den ein Legionär erhielt. Im Unterschied zu den Legionären, deren Besoldung Stipendium genannt wurde,<ref></ref> hieß diese bei den Evocati Salarium („Sold, Gehalt, Salär“, ursprünglich „Menge Salz“).<ref>Oliver Stoll: Römisches Heer und Gesellschaft. Franz Steiner Verlag, 2001, ISBN 3-515-07817-7, S. 311 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref><ref>Ludwig Ramshorn: Synonymisches Handwörterbuch der lateinischen Sprache. Baumgärtner, 1835, S. 240 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
Evocati Augusti
Herausragende Aufgaben übernahmen besonders verdiente Veteranen der Prätorianer-Garde in Rom, die nach Ablauf ihrer regulären Dienstzeit mit einem höheren Rang als sogenannte Evocati Augusti in den Dienst zurückkehrten.<ref>Yann Le Bohec: Die rõmische Armee: Von Augustus zu Konstantin d. Gr. Franz Steiner Verlag, 1993, ISBN 3-515-06300-5, S. 62 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Als ehrenvolle Auszeichnung soll ihnen ein Goldring und ein stilisierter Rebstock verliehen worden sein.
An der Via dell'Abbondanza (deutsch: Straße der Fülle oder des Überflusses) in Pompeji wurde die Domus Lucii Satrii Rufi (deutsch: Haus des Lucius Satrius Rufus) gefunden,<ref>Peter Lichtenberger: imperium-romanum.com - Geografie - Städte. Wohnhäuser der 1. Region in Pompeji. Abgerufen am 7. August 2012.</ref> die als einzige in dieser Stadt über ein Namensschild an einem der Flügel ihrer Eingangstür verfügte.<ref>Jackie & Bob Dunn: Pompeiiin Pictures. I.19.3 Pompeii. This entrance may have provided access to House of L. Satrius Rufus. Abgerufen am 7. August 2012 (englisch).</ref> Der Bewohner war ein Evocatus Augusti, die kleine Bronzetafel trägt die Inschrift:<ref>AE 1934, 143 (online).</ref>
„L. SATRI RVFI, EVOCATI AVG(VSTI) A COMMENTAR(IIS)“
„(Haus des) Lucius Satrius Rufus, des vom Kaiser erneut Einberufenen als Berichterstatter“
Siehe auch
Literatur
- T. Mommsen, Evocati Augusti, in Gesammelte Schriften, VIII, Berlin, 1913, S. 446–461.
- Alfred von Domaszewski: Die Rangordnung des römischen Heeres. Abgerufen am 6. August 2012.
- Marcus Junkelmann: Die Legionen des Augustus. Der römische Soldat im archäologischen Experiment. In: Kulturgeschichte der Antiken Welt. Band 33. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1986, ISBN 3-8053-0886-8.
- Johannes Schmidt: Die Evocati. DigiZeitschriften. In: Hermes: Zeitschr. für klassische Philologie. Emil Hübner, 1879, S. 33, abgerufen am 28. März 2020.
- Max Weber, Jürgen Deininger: Die Römische Agrargeschichte in Ihrer Bedeutung Für das Staats- und Privatrecht. Mohr Siebeck, 1986, ISBN 3-16-844982-2, S. 121 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).
- Hans Dieter Stöver: Die Prätorianer. Kaisermacher – Kaisermörder. Langen Müller, 1994, ISBN 3-7844-2519-4.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />