Panguana
Koordinaten: 9° 36′ 49″ S, 74° 56′ 8″ W
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Panguana ist eine 1968 gegründete, biologische Forschungsstation und ein privates Naturschutzgebiet im tropischen Primärregenwald von Peru.
Lage und Biodiversität
Es handelt sich dabei um ein 13 km²<ref>„Damals hat mich der Regenwald gerettet, jetzt rette ich ihn!“ - Panguana. In: Panguana. 2. Februar 2018 (panguana.de [abgerufen am 6. Juni 2018]).</ref> großes, im andennahen Tiefland-Regenwald von Peru gelegenes Areal, das den einheimischen Namen des Wellentinamus, eines für die Region charakteristischen Steißhuhns trägt. Die nur per Boot und zu Fuß erreichbare Station liegt in 260 m Höhe am Río Yuyapichis, einem Nebenfluss des Río Pachitea.<ref name="BdW" />
Das Forschungsgebiet am Fuß der peruanischen Cordillera Oriental ist leicht hügelig, enthält verschiedene Gewässerarten, einen überschwemmungsfreien Hochwald, Sumpf-, Au- und Sekundärwälder sowie auch einige Plantagen und Viehweiden in den westlichen Randgebieten.
Im Osten grenzt das Areal an das Gebiet des indigenen Volkes der Asháninka, das sich bis zu dem etwa 40 km entfernten, über 2500 m hohen Sira-Gebirge erstreckt. Das Gebiet der Asháninka wird nur sehr extensiv genutzt und ist weitgehend von ursprünglichem Regenwald bedeckt. In etwa 4 km Entfernung zur Station befindet sich ein Zentraldorf des Volkes mit Schule, in der sich die Asháninka-Kinder aus der Umgebung zum Unterricht einfinden. Die Wissenschaftler von Panguana unterstützen diese Schule um den Einheimischen den Wert des Regenwaldes nahezubringen.
Das Klima entspricht mit 24,5 °C Jahresdurchschnitt der andennahen Lage, jedoch sind in der Trockenzeit Mittagstemperaturen von über 40 °C und mehr durchaus häufig.<ref name="Römbke">J. Römbke, M. Verhaagh: About earthworm communities in a rain forest and an adjacent pasture in Peru. Amazoniana 1992, 12:29-49, zitiert nach Rainer Hutterer, Manfred Verhaagh, Juliane Diller, Richard Podloucky: An inventory of mammals observed at Panguana biological station, Amazonian Peru Ecotropica 1995/1</ref> Die Jahresniederschläge betragen bei rund 180 Regentagen 2000 bis 3000 mm.<ref name="Römbke" /><ref name="ZSM"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Seite der Zoologischen Staatssammlung München ( des Vorlage:IconExternal vom 20. Januar 2012 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Die Regenzeit erstreckt sich meist von Oktober bis April, gefolgt von einer Trockenzeit.<ref name="Römbke" /> Im Waldesinneren herrscht über das ganze Jahr eine permanente Luftfeuchtigkeit von etwa 90 %.<ref name="ZSM" />
Große Teile des Schutzgebiets Panguana sind noch von primärem Amazonas-Regenwald bedeckt und weisen folglich eine sehr hohe Biodiversität auf, die bisher jedoch nur bruchstückhaft erforscht ist. So wurden auf einer Fläche von 2 Quadratkilometern allein 500 Baum- und 16 Palmenarten festgestellt und über 670 verschiedene Wirbeltiere, darunter 360 Vogel-, 115 Säugetier-, 78 Reptilien- und 76 Amphibienarten dokumentiert.<ref name="Schlüter">Andreas Schlüter, Javier Icochea, José M. Perez: Amphibians and reptiles of the lower Río Llullapichis, Amazonian Peru: updated species list with ecological and biogeographical notes Salamandra, 2004, 40(2): 141-160 online Version</ref><ref name="Hofpfisterei">Panguana Forschungsstation und Schutzgebiet, Broschüre der Hofpfisterei, gedruckt im Eigenverlag, Stand: 04/13</ref><ref name="BdW" /><ref>Panguana - Forschung - Biodiversität. Abgerufen am 16. Juli 2017.</ref> Die Stationsleiterin erforschte in den 1980er Jahren die in Panguana vorkommenden 52 Fledermausspezies. Inzwischen sind 58 Arten bekannt. Zum Vergleich: Im großen Europa gibt es nur etwa 27 Fledermausarten, und in ganz Deutschland mit einer Fläche von rund 357.000 km² leben 254 verschiedene Brutvögel. Die Insektenfauna ist unüberschaubar artenreich und erst ansatzweise bekannt. Manfred Verhaagh vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe konnte etwa 500 Arten von Ameisen in Panguana finden, was eine der höchsten Artenzahlen weltweit darstellt.<ref name="Verhaagh">Verhaagh, M. 1986 Panguana - Wald und Wasser im tropischen Südamerika, ISBN 3-925631-05-4 </ref> Von tagfliegenden Schmetterlingen wurden bisher etwa 250 Arten gefunden. Die bisher noch kaum erforschten Klein- und Nachtschmetterlinge werden auf 10.000 bis 12.000 Arten geschätzt.<ref name="BdW" /> Die Fische sind bisher noch kaum untersucht, jedoch wird vermutet, dass auch diese eine hohe Artenvielfalt haben.
Beschreibung der Station und wissenschaftliche Bedeutung
Ziel der Einrichtung ist die Erforschung der Biodiversität der Tier- und Pflanzenwelt und ihr ökologisches Beziehungsgefüge. Darüber hinaus soll ein einmaliges Ökosystem geschützt und erhalten werden.
Durch kontinuierliche wissenschaftliche Arbeit lassen sich die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt erforschen, systematisch zuordnen und mit Namen belegen und die verschiedenen Lebensweisen und biologischen Beziehungen untereinander dokumentieren. Zahlreiche Diplom- und Doktorarbeiten wurden in Panguana angefertigt und viele, auch internationale Expeditionen dorthin durchgeführt. Bis heute erschienen über 180 wissenschaftliche Publikationen über die in diesem Areal zusammengetragenen Forschungsergebnisse<ref name="aviso" /><ref>Panguana - Forschung - Biodiversität. Abgerufen am 16. Juli 2017.</ref>. Nach Absprache mit der Leiterin der Station, Juliane Diller, können Wissenschaftler auf der Forschungsstation Panguana arbeiten.
Zur besseren Beobachtung wurde der Urwald mit einem ca. 20 km langen Pfadenetz versehen. Die Station besitzt zwei Gästehäuser mit einem Labor für etwa zehn Personen,<ref name="BdW" /> mehrere Boote und eine Photovoltaikanlage für die Stromerzeugung und die Betreibung einer Brunnenpumpe. Sie wird von dem Besitzer der benachbarten Farm, Carlos Vásquez "Moro" Módena, und dessen Familie verwaltet, bewacht und betreut.
Geschichte
Die Biologische Forschungsstation „Panguana“ wurde 1968 von den Biologen Maria Koepcke und Hans-Wilhelm Koepcke gegründet<ref name="conservacionprivada">Seite der Privaten Naturschutzgebiete Perus</ref> und war ursprünglich nur für einen Zeitraum von 5 Jahren Feldforschung ausgelegt.<ref name="BdW">Gunnar Heinze: Paradies Panguana, bild der wissenschaft, 8/2011</ref> Als Unterkunft diente ursprünglich eine von Einheimischen verlassene, auf Pfählen stehende Holzhütte mit Palmwedeldach und zusätzlicher Küchenhütte. Später wurde es durch ein größeres Haus ersetzt und ein weiteres kam hinzu.<ref name="Hofpfisterei" /><ref name="Verhaagh" /> Seit dem Jahr 2000 leitet ihre Tochter Juliane Diller die Station<ref name="BdW" />, in ihrer Abwesenheit ist der Verwalter Moro ihr Vertreter vor Ort.<ref>Juliane Koepcke, Als ich vom Himmel fiel Malik, München 2011, ISBN 978-3-8902-9389-9, S. 287</ref> Seit 2003 besteht eine Kooperation zwischen der Zoologischen Staatssammlung München, an der Juliane Diller arbeitet, und dem Naturhistorischen Museum in Lima, Peru (Museo de Historia Natural de la Universidad Nacional Mayor de San Marcos).<ref name="aviso">Juliane Diller, Ernst-Gerhard Burmeister, Panguana – ein peruanischer Vogelname für eine bayerische Urwaldforschungsstation, aviso 2007-01, S. 46–49</ref> Durch Förderung der Hofpfisterei München konnte das Gebiet der Station in den letzten Jahren mehrfach durch Zukäufe von angrenzendem Land von ursprünglich 187 Hektar auf etwa 873 Hektar vergrößert werden.<ref name="Hofpfisterei" /><ref name="conservacionprivada" />
Nachdem es bereits in den 1970er Jahren erfolglose Bestrebungen von Hans-Wilhelm Koepcke gab, Panguana als Naturschutzgebiet anerkennen zu lassen<ref name="BdW" /> und das Gebiet seit 1972 zum offiziellen Wissenschaftlichen Forschungsgebiet (zona de estudio científico del Ministerio de Agricultura, Direccíon forestal, de caza y tierras) erklärt wurde<ref name="Hutterer">Rainer Hutterer, Manfred Verhaagh, Juliane Diller, Richard Podloucky: An inventory of mammals observed at Panguana biological station, Amazonian Peru Ecotropica 1995/1</ref>, ist Panguana Ende 2011 vom 2009 neu geschaffenen Peruanischen Umweltministerium zum Privaten Naturschutzgebiet (Área de Conservación Privada)<ref name="conservacionprivada" /><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />RESOLUCIÓN MINISTERIAL N° 300-2011-MINAM ( des Vorlage:IconExternal vom 15. Januar 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 2,3 MB)</ref> erklärt worden und ist damit nun dauerhaft vor Rodung, Jagd und Besiedelung geschützt.
Literatur
- Juliane Koepcke und Beate Rygiert: Als ich vom Himmel fiel. Malik, München 2011, ISBN 978-3-8902-9389-9.
Weblinks
- Webpage der Forschungsstation
- Seite der Zoologischen Staatssammlung München
- Broschüre der Hofpfisterei
- Seite der Privaten Naturschutzgebiete Perus (spanisch)
- Beitrag auf Phasmatodea.com (englisch)
Einzelnachweise
<references />