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Tazacorte

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Gemeinde Tazacorte
Datei:Mirador del time la Palma.jpg
Wappen Karte der Kanarischen Inseln
90x140px|alt=|Wappen von Tazacorte
Tazacorte (Kanarische Inseln)
Tazacorte (Kanarische Inseln)
Einwohner Zahlenformat
Basisdaten
Land: SpanienDatei:Flag of Spain.svg Spanien
Autonome Gemeinschaft: Kanarische InselnDatei:Flag of the Canary Islands.svg Kanarische Inseln
Provinz: Santa Cruz de Tenerife
Insel: La Palma
Comarca: Vorlage:Metadaten Comarca ES
Gerichtsbezirk: Vorlage:Metadaten Gerichtsbezirk ES
Koordinaten: Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Provinz zu ISO Code_type:city 28° 39′ N, 17° 56′ WKoordinaten: Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Provinz zu ISO Code_type:city 28° 39′ N, 17° 56′ W
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Einwohner: {{#property:P1082}} (Stand: Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1686: attempt to index field 'wikibase' (a nil value))<ref>Instituto Nacional de Estadística Municipal Register of Spain</ref>
Bevölkerungsdichte: Fehler im Ausdruck: Unerkanntes Wort „strong“ Einw./km²
Gründung: 1925
Postleitzahl(en): 38770
Gemeindenummer (INE): 38045 Vorlage:Infobox Gemeinde in Spanien/Wartung/cod_ine
Nächster Flughafen: Flughafen La Palma auf der Ostseite der Insel
Verwaltung
Amtssprache: Kastilisch
Bürgermeister: Manuel González (PSOE)<ref name="Alcalde">Manuel González, nuevo alcalde de Tazacorte. In: El Apurón. 17. Juni 2023, abgerufen am 5. Juli 2023.</ref>
Adresse der Gemeindeverwaltung: Calle Primero de Mayo, 1
Website: www.tazacorte.es

Tazacorte (offiziell: La Villa y Puerto de Tazacorte) ist eine der 14 Gemeinden auf der Kanarischen Insel La Palma. Sie liegt am mittleren Teil der Westküste dieser Insel.

Im Gemeindegebiet begann 1492 die spanische Eroberung La Palmas. Aufgrund der guten klimatischen Lage und Wasserversorgung haben die Eroberer frühzeitig Zuckerrohr anbauen lassen, was über mehr als drei Jahrhunderte lang in der Gemeinde erfolgreich möglich war. Die heute noch existierenden Herrenhäuser zeugen von dieser Entwicklung. Die wesentlichen Erwerbsgrundlagen der Gemeinde sind heute ausgedehnte Bananenplantagen und der sanfte Tourismus. Besonderheiten der Gemeinde sind das historische Treppenviertel in Villa de Tazacorte und der Fischerei- und Yachthafen.

Geographie

Geographische Lage und Geologie

Datei:La Palma - Tazacorte + Los Llanos + Montana de La Laguna + Todoque volcano (Mirador del Time) 01 ies.jpg
Villa de Tazacorte, Montaña La Laguna, Montaña Todoque, Faro de Punta Lava

Die Gemeinde liegt im Wesentlichen auf einer Ebene oberhalb einer Steilküste zum Atlantischen Ozean. Sie erstreckt sich parallel zur Küste über etwa 9 Kilometer und ins Inselinnere über etwa 2 Kilometer leicht ansteigend (von etwa 50 bis 300 Meter über dem Meeresspiegel). Unterhalb der Steilküste befinden sich an wenigen Stellen Badestrände. Ausnahmen davon sind der alte und der neue Hafen im Norden und eine große ins Meer vorspringende, beim Vulkanausbruch 1949 entstandene Lavaplattform<ref>Die San-Juan-Eruption 1949, Website von Rainer Olzem, Diplom-Geologe (abgerufen am 1. Dezember 2019).</ref> im Süden, auf der nach einer Rekultivierung neben Bananenplantagen die Siedlung La Bombilla und der Leuchtturm Faro de Punta Lava errichtet wurden; ein weiterer Strand dort (Playa Nueva) wurde 2021 beim Vulkanausbruch verschüttet.

Im Norden grenzt Tazacorte an die Gemeinde Tijarafe und im Osten und im Süden an die Gemeinde Los Llanos de Aridane. Die nördliche Gemeindegrenze verläuft ab der Landzunge Punta de Juan Graje im alten Hafen zunächst über deren Spitze El Bine am Grat des Time oberhalb der Steilwand des Barranco de Las Angustias, um dann auf etwa 300 msnm bis zum Weiler Amagar zu führen. Dort biegt sie nach Südwesten ab, führt durch den Barranco und hinauf bis zum Grat der Hochebene von Argual; am Grat verläuft sie zum Atlantik, dann entlang der Küste und des Barranco de Tenisque, um kurz hinter der LP-2 westlich der Montaña Triana (353 Meter) nach Süden östlich von Montaña La Laguna (339 Meter) und Montaña Todoque (348 Meter) zu führen. Die Vulkankegel stehen unter Naturschutz und bilden mit der Montaña de Argual das Monumento Natural de los Volcanes de Aridane.<ref>Monumento Natural de los Volcanes de Aridane.</ref><ref>Monumento Natural de los Volcanes de Aridane (Documento Informativo).</ref> Auf der Höhe von La Bombilla erstreckt sich die südliche Grenze der Gemeinde vom Atlantik im Westen bis zum Camino el Tablao im Osten.

Von den mehr als hundert Lavaröhren auf La Palma befinden sich fünf auf dem Gebiet von Tazacorte: die Cueva de Hércules, die Cueva de Los Caracoles (beide nördlich der Montaña La Laguna), die Cueva de El Perdido (mit vier Öffnungen in der Steilküste), die Cueva La Muralla und die Cueva de la Terraza de Verano (beide im Süden der Gemeinde).

Die Cueva de El Perdido ist mit einer Ausdehnung von 1288 Metern die nach der Cueva Honda del Bejenado (Gemeinde El Paso, 1362 Meter) am weitesten verzweigte Lavaröhre von La Palma.<ref name="DUMPIÉRREZ">Las cavidades volcánicas de los términos municipales de Los Llanos de Aridane y Tazacorte (La Palma, Islas Canarias), F. Dumpiérrez, M. Fernández, O. Fernández, R. García, A.J. González, F. Govantes, J.M. Hernández & M. Muñoz, Website Memoria digital de Canarias. Enthält auch die Lage und Schnittzeichnungen der Röhren. (abgerufen am 30. November 2014).</ref><ref name="Olzem">Tubo Volcánico de Todoque, Website von Rainer Olzem, Diplom-Geologe (abgerufen am 30. November 2014).</ref>

Gemeindeteile

Datei:Barrios de Tazacorte.png
Gemeindeteile (barrios) von Tazacorte
Datei:La Palma - Tazacorte (Mirador del Time) 03 ies.jpg
Panorama Villa de Tazacorte (rechts im Hintergrund Marina und San Borondón)

Die Gemeinde Tazacorte besteht aus den Gemeindeteilen (von Nord nach Süd) El Puerto (auch genannt: Puerto de Tazacorte), Tarajal, Cardón, Tazacorte (auch genannt: Villa de Tazacorte), San Borondón, Marina und La Costa. Nur in den Gemeindeteilen Villa de Tazacorte, San Borondón und Puerto de Tazacorte bestehen geschlossene Dörfer, in allen anderen Gemeindeteilen nur Weiler oder verstreute Häuser.<ref name="inebase" />

Villa de Tazacorte

Der Ort Tazacorte ist der Verwaltungssitz der Gemeinde und der infrastrukturelle Kern. Hier vermischen sich traditionelle Baustile mit moderner Architektur. Alte Häuser, in kanarischem oder kolonialem Stil, mit engen Gassen zeichnen überwiegend das Bild des Ortes, der auch „Paris chiquito“ (Klein-Paris) genannt wird. Das Viertel El Charco war das ursprüngliche Zentrum, an dem die Familie Monteverde eine erfolgreiche Zuckerfabrik ansiedelte. Der Ort wuchs durch Wohnungen für Angestellte, durch Mühlen und Werkstätten und andere Wirtschaftsgebäude.

Puerto de Tazacorte

Datei:Strand von Puerto de Tazacorte 2005-11.JPG
Strand von Puerto de Tazacorte
Datei:Puerto de Tazacorte Mai 2018.jpg
Fischerei- und Yachthafen, Mai 2018

Der Ort El Puerto liegt am Ende des Barranco de Las Angustias. Der heutige Fischerei- und Yachthafen wurde von 1976 bis 1981 südlich des alten Hafens, an der Mündung des Barranco de Tenisca (im benachbarten Gemeindeteil Tarajal) gebaut und ist der größte Hafen der Insel. Von 1999 bis 2003 wurde der Hafen erweitert und die alte Hafenmole zum Schutz des Strandes weiter ausgebaut. Hier befindet sich eine Marina. Die neue Mole schützt insbesondere den Strand vor den zum Teil mehrere Meter hohen Wellen.<ref name="Bananenmuseum" /> Eine weitere Hafenerweiterung wurde für den Fähr- und Kreuzschifffahrt-Verkehr ausgelegt, wird jedoch derzeit nicht genutzt.

An der Stelle des Deiches war 1936 bereits ein Wellenbrecher zum Schutz des ersten Hafens von Tazacorte, von dem aus der Export der Bananen erfolgte, gebaut worden. Eine geeignete Straßenverbindung zum Hafen der Inselhauptstadt Santa Cruz de La Palma existierte damals noch nicht.<ref name="Lorenzo">El puerto de Tazacorte en los años de la autarquía, Website La Palma, Isla Adentro von Juan Carlos Díaz Lorenzo, Eintrag vom 8. November 2009 (abgerufen am 30. November 2014).</ref>

El Puerto und Tarajal verfügen zusammen über einen etwa zwei Kilometer langen Badestrand aus schwarzem Lavasand mit einer entsprechend langen Promenade. Mit 3500 Sonnenstunden im Jahr ist Puerto de Tazacorte der sonnenreichste Ort der Insel.<ref name="Baedeker" /> Der Strand Los Tarajales in der Nähe des Hafens ist seit 2014 für Nudisten geöffnet.<ref>Neuer FKK-Strand auf La Palma erfreut sich großer Beliebtheit, Website privateHOLIDAY, Eintrag vom 30. Juli 2014 (abgerufen am 30. November 2014).</ref>

Bedeutung des Ortsnamens

Die ersten Einwohner La Palmas, die Benahoaritas, dürften aus dem Südwesten Marokkos zugewandert sein. Der Name Tazacorte wird auf den berberischen Begriff askar, azaġar o. ä. (dt. „Ebene“, „flache Weide“) oder auf tizekkar: „Parzelle“ zurückgeführt.<ref>Dominik Josef Wölfel: Monumenta Linguae Canariae. Graz 1965, S. 741. Zum Vergleich: Der Name der marokkanischen Stadt Zagora war früher Tzagurt, Tazakurt oder Tazagourt (ⵜⴰⵣⴰⴳⵓⵔⵜ). Tazaghart ist ein 300 Meter hoch flacher Berg in Marokko, siehe Lage auf mapcarta.com.</ref> Angeblich haben die ursprünglichen Bewohner des Ortes den spanischen Eroberern gesagt, dass der Ortsname „die taza von Corte“ (unbekannte Person), bedeutete, wegen der Form des Platzes, aber es könnte auch „der Hof vom Taza“ sein, ein vermutlicher (nicht nachweisbarer) König der Benahoaritas,<ref>Joaquín Caridad Arias: »Tenerife«: Überlegungen zur Herkunft des Namens. In: Almogaren 31 (2000): 19-43.</ref> was sich leider bis heute als „Hof des Tazo“ in einigen Reiseführern findet.

Geschichte

Am 29. September 1492, dem Tag des Heiligen Michael, begann unter der Führung von Alonso Fernández de Lugo im zugänglichen Küstenabschnitt des heutigen Puerto de Tazacorte die spanische Eroberung und Inbesitznahme von La Palma. Zu Ehren des Heiligen Michael wurde von den Spaniern die erste Kapelle am Ort der heutigen Kirche San Miguel Arcángel in Tazacorte errichtet. Der Heilige Michael gab der Insel auch ihren ursprünglichen Namen, Isla de San Miguel de La Palma.

Errichtung großer Landgüter

Das Land des Aridanetals wurde unter den Besetzern aufgeteilt, ebenso wie die Wassernutzungsrechte in der Caldera de Taburiente. In der Folgezeit errichteten Familien aus der Hauptstadt und flämische Kaufleute, die im Zuckergeschäft den wirtschaftlichen Wohlstand sahen, große Landgüter in Tazacorte. Die Zuckerfabriken der Familien Monteverde, Van Dale, Sotomayor und Massieu, denen das gesamte, klimatisch sehr geeignete Land samt Wassernutzungsrechten gehörte, wurden zur wirtschaftlichen Antriebskraft der Insel. Die Hacienda de Abajo war das größte Zuckerrohrlandgut Tazacortes. Es wurde von Juan Fernández de Lugo, dem Neffen des spanischen Eroberers Alonso Fernández de Lugo, errichtet. Das Handelshaus der Welser kaufte es im Jahre 1509 mit großen Teilen des Aridane-Gebietes und veräußerte es 1513 wieder an den Kölner Kaufmann Johann Byse (Byss oder Biesen) und dessen Neffen Jakob Groeneberg, der ganz nach La Palma zog. Er ließ sich in Tazacorte unter dem spanischen Namen „Don Jácome de Monteverde“ nieder.<ref>Comunidad de Aguas Privadas: Estatutos del Heredamiento de las Haciendas de Argual y Tazacorte. Barcelona 1967, S. VI.</ref> Später übernahmen die Familien Sotomayor und die aus Lillo, Berendrecht und Zuidland (Flandern) das Gut. Über die Jahrhunderte verschwägerten sie sich miteinander; bis heute halten wenige dieser Familien die Wasserrechte. Im 16. Jahrhundert wurden der kleine Palast des Vizconde del Buen Paso, die Casa Monteverde und das Herrenhaus des Vaters des späteren Generalkapitäns des spanischen Flotte, Francisco Díaz Pimienta, der 1594 in Tazacorte geboren sein soll,<ref>José Wangüemert y Poggio: El Almirante Don Francisco Díaz Pimienta y su época. Tazacorte 1990, S. 55 f.</ref> errichtet. Im nächsten Jahrhundert folgte die Casa Massieu.<ref name="Tazacorte 1492-1975" /><ref name="Monumentos y Edificacioneso" /> Der wesentliche Teil der flämischen Kunstsammlung dieser Familien befindet sich heute wieder in Tazacorte in dem historischen Gebäude des Hotels Hacienda de Abajo.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Ursprünge (Memento vom 6. Juni 2014 im Internet Archive), Website des Hotels Hacienda de Abajo (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref>

Zur Abwehr von Piratenüberfällen errichteten die Besitzer der Landgüter im 16. Jahrhundert zwei heute nicht mehr existierende Schutzanlagen in Puerto de Tazacorte, die Schanze El Reducto de Juan Graje und das Castillo de San Miguel en Tazacorte. Sie waren mit jeweils fünf Kanonen aus Eisen bestückt und mit 50 Soldaten besetzt. Damit konnten in den folgenden drei Jahrhunderten mehrere Piratenangriffe abgewehrt werden.<ref>Juan Tous Meliá: La Artillería de La Palma (1528–1860). In: Arte y Sociedad Revista de Investigacion. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. Dezember 2014; abgerufen am 8. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nach einer historischen Karte der Bucht des heutigen Puerto de Tazacorte befanden sich in ihrem nördlichen Teil die Schanze (oberhalb der Mündung des Barranco de Las Angustias) und im südlichen Teil das Castillo (an der Mündung des Barranco de Tenisque, wo sich der heutige Hafen befindet).<ref name="Militärgeschichte">La historia militar en La Palma. In: Palmeros en El Mundo. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 10. November 2014; abgerufen am 8. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="Bananenmuseum" />

Eine verhängnisvolle Erfahrung mit den Piraten machte im Juni 1570 eine vierzigköpfige portugiesische Jesuitengruppe unter Leitung des Provinzials Inácio de Azevedo, die auf dem Seeweg von Lissabon nach Brasilien war. Eine Gedenktafel an der Casa Monteverde in Tazacorte weist auf eine Begegnung mit der Familie Monteverde hin. Bei der Weiterfahrt wurde das Schiff von französischen Piratenschiffen unter dem Kommando von Jacques de Sores angegriffen, um in den Besitz der für Brasilien vorgesehenen reichhaltigen Waren zu gelangen. Die Jesuitengruppe wurde dabei umgebracht. 1854 wurde die Gruppe als Vierzig Märtyrer von Brasilien seliggesprochen.<ref name="Märtyrer"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die sagenhafte Erzählung von den Märtyrern von Tazacorte (Memento vom 22. September 2010 im Internet Archive) auf der Website Buen Viaje (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref><ref name="tazacorte-martyrs" />

Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs lebte der Großteil der Bevölkerung von Tazacorte, Bauern- und Fischerfamilien, unter armseligen Bedingungen in einem Viertel oberhalb der Herrschaftshäuser, das lange vom benachbarten Los Llanos de Aridane verwaltet wurde.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ländlicher Ort mit seemännischem Geist (Memento vom 22. September 2010 im Internet Archive) auf der Website Buen Viaje (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref>

Zuckerrohranbau

Datei:Tazacorte El Charco Molino Abajo 2014-11.JPG
Ortsteil El Charco, oben im Bild: Casa Monteverde, Molino Abajo, Los Lavaderos, Aquädukt (v. r. n. l.) unten im Bild: Hotel Hacienda de Abajo
Datei:Tazacorte Molio Abajo 2014-11.JPG
Molino Abajo mit Kanalzuführung und Fallschacht zum Wasserrad der Mühle, rechts im Bild, Weiterführung des Kanals zum Aquädukt
Datei:Puerto Tazacorte Lager & Zuckerrohrmühle 2014-12 01.JPG
Lagerhaus, dahinter die zerfallene Zuckerrohrmühle

Im Jahre 1513 begann Jacome de Monteverde die Zuckerproduktion in Tazacorte. Zum Aufbau der Zuckerrohrtechnologie griff man auf die Erfahrungen der Portugiesen zurück, die bereits um 1452 auf Madeira mit der Zuckerrohrverarbeitung und dem Betrieb der ersten Wassermühle begonnen hatten. Hierfür wurden portugiesische Ingenieure und Handwerker angeworben.<ref name="Morera Vol-1">El azúcar y su cultura en las islas atlánticas, 500 Años de La Palma y Flandes (1513–2013), Vol. 1, Jesus Pérez Morera auf der Website Memorial Digital de Canarias (abgerufen am 8. Dezember 2014).</ref>

Neben dem Anbau in den Plantagen waren wesentliche Teile der Fabrikation zwei Zuckerrohrmühlen, in denen der Saft aus dem Zuckerrohr herausgepresst („Pressextraktion“) wurde. Im oberen Teil von El Charco befand sich die „alte Mühle“ (Molino Viejo oder Molino de Arriba) und später im unteren Teil die „neue Mühle“ (Molino Nuevo oder Molino de Abajo), deren Wasserräder vom Wasser aus der Caldera angetrieben wurde. Dafür wurde ein Kanalsystem geschaffen, das aus einem offenen Kanal und einem noch vorhandenen Aquädukt im Ortsteil El Charco bestand. Der offene Kanal im Ort, wo heute der Brunnen mit der Büste von Manuel Morales Pérez steht, diente auch als Waschplatz für die Anwohner.<ref name="Morera">El azúcar y su cultura en las islas atlánticas, 500 Años de La Palma y Flandes (1513–2013), Vol. 2, Jesus Pérez Morera auf der Website Memorial Digital de Canarias (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref>

Unterhalb der Molino nuevo befand sich das Kesselhaus (Antigua ingenio), in dem der in der Presse extrahierte Saft in offenen Kupferkesseln gesammelt und raffiniert wurde. An das Kesselhaus schloss sich ein offener Platz an (Gabacera), auf dem die faserigen Überreste des Zuckerrohrs (Bagasse) zur Trocknung in der Sonne ausgelegt wurden, um sie als Brennstoff zu verwenden.<ref name="Gabacera"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />europlatano, Las Gabaceras (Memento vom 15. Dezember 2014 im Internet Archive) (abgerufen am 13. Dezember 2014).</ref> (Der Ortsplan von El Charco mit den Lagen der Mühlengebäude und Herrenhäuser enthält<ref name="Morera" />, S. 18)

Die auf La Palma produzierte Zuckermenge betrug 1520 bereits 240 bis 300 Tonnen.<ref name="VIEIRA">Alberto Vieira: Sugar Islands: The Sugar Economy of Madeira and the Canaries, 1450–1650. (PDF) In: Secretaria Regional Da Educação e Recursos Humanos. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 4. Dezember 2014; abgerufen am 8. April 2023.</ref> Im Jahr 1914 wurde die Produktion auf etwa 290 Tonnen in Argual und Tazacorte und 250 Tonnen in San Andrés y Sauces und Barlovento geschätzt.<ref name="Morera" />

Die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen führten eine große Anzahl niedrig bezahlter Tagelöhner und 80 Sklaven (im Jahr 1567) durch.<ref name="Morera Vol-1" /> Die Zwangsarbeit der Sklaven endete erst mit der Abschaffung der Sklaverei am 13. Februar 1880.<ref name="VIEIRA" />

Für die Fabrikation des Zuckers waren große Mengen Wasser und Feuerholz für die großen Öfen erforderlich sowie eine Infrastruktur mit Hafen und Straßenverbindungen für den Versand des Zuckers. Zum Lasttransport wurden 1567 in Tazacorte 30 Rinder, 70 Kamele und Pferde eingesetzt.<ref name="Morera Vol-1" /> Dem Feuerholzbedarf fielen große Waldgebiete, insbesondere mit der heimischen Kiefer, zum Opfer. Innerhalb zweier Jahrhunderte wurde der ursprünglich die ganze Insel bedeckende Wald auf 40 Prozent der Inselfläche reduziert. Im Vergleich zu den anderen Kanarischen Inseln ist La Palma dennoch die waldreichste Insel. Das benötigte Wasser musste in den Anfangsjahren noch mühselig in Ziegenbälgen auf Lasttieren aus der Caldera herbeigeschafft werden. Ab 1557 erfolgte der Bau von Aquädukten nach Argual und Tazacorte und die Versorgung über ein weites Kanalsystem. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts konnten die Holzkanäle, die das Wasser aus den entfernten Quellen leiteten, durch Kanäle aus Stein und Mörtel ersetzt werden.<ref name="Morera Vol-1" /><ref name="Goetz" /><ref name="San Miguel">Historia de San Miguel de La Palma. In: Palmeros en El Mundo. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. November 2014; abgerufen am 8. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Ende des 19. Jahrhunderts erfuhr die Zuckerproduktion in Tazacorte erneut einen Aufschwung. Zurückkehrende Emigranten aus Kuba brachten ihre Erfahrungen bei der Bewässerung der Plantagen und dem Betrieb der Zuckerfabrikation in Kuba mit.<ref name="Tazacorte 1492-1975" />

Nach drei Jahrhunderten Einsatz wurde 1830 der Betrieb der „alten Mühle“ beendet. 1851 wurde die „neue Mühle“ mit einem vertikalen Mühlenrad und vier Mahlsteinen versehen. Bis auf das Gebäude der Mühle ist die Mühlentechnik nicht mehr erhalten, die als die älteste Industriearchitektur der Kanaren angesehen wird.<ref name="Morera" />

Die am Hafen von Tazacorte noch existierenden, z. T. verfallenen Wirtschaftsgebäude sind noch Zeugen des vergangenen Handelsplatzes von Tazacorte. Für den florierenden Export von Bananen, Tomaten, Mandeln und Cochenille baute 1925 Armando Yanes Carrillo<ref name="Yanes"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Familia Yanes Carrillo (Memento vom 29. November 2014 im Internet Archive), Website Palmeros en El Mundo (abgerufen am 18. Dezember 2014).</ref> ein großes Lagerhaus am Ende des Barranco Tenisca, gegenüber der alten Burg von San Miguel (am Eingang des heutigen Hafens). 1941 erweiterte er den Bau um eine Zuckerrohrmühle zur Destillation von Rum und Branntwein. Nur noch der Schornstein überragt heute das zerstörte Mühlengebäude.<ref name="Morera" />

Arbeitslosigkeit und Emigration

Immer wiederkehrende Arbeitslosigkeit, Armut und Krankheit (Gelbfieber, Cholera und Pocken) waren seit Beginn der Eroberung der Kanarischen Inseln bis ins 19. Jahrhundert die begleitenden Lebensumstände der Bevölkerung. Sie hatten wiederholte Auswanderungswellen hauptsächlich nach Kuba, Venezuela und Argentinien zur Folge. Der Einbruch der Zuckerwirtschaft infolge der Kontinentalsperre (1806–1813) verstärkte erneut die Auswanderung nach Amerika. Die Zuckerrohrfabriken wurden 1830 in Tazacorte und 1844 in Argual geschlossen.<ref name="Bananenmuseum" />

Von 1830 bis 1855 brachte die anhaltende Dürre (verstärkt durch Heuschreckenplagen) die Landwirtschaft von Getreide, Kartoffeln und Wein zum Erliegen. Hungersnot in der Bevölkerung verstärkte die Auswanderung. Auch die Aussicht, in Amerika zu Reichtum zu kommen, trug zu dieser Entwicklung bei. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts belebten Cochenille und Zucker die Wirtschaft zwischenzeitlich neu. Mit dem vermehrten Anbau von Rübenzucker in Europa stand der Anbau von Zuckerrohr auch auf La Palma vor dem Aus. Diese Lücke wurde durch den Anbau von Bananen geschlossen, der seit 1890 systematisch betrieben wurde. In der Zeit von 1880 bis 1925 kehrten viele der palmerischen Emigranten mehrmals in ihrem Leben von Amerika zurück (Schwalbenwanderung) und investierten das Ersparte in Landbesitz. So stieg der Anteil der kleinen und mittleren Grundbesitzer im Aridanetal. Die Krisen von 1925 bis 1935 in Kuba und in Südamerika unterbrachen die Auswanderung der Palmeros, die in den folgenden Jahren jedoch wieder zunahm. Die Wirtschaftskrise in Venezuela 1970 beendete den Auswanderstrom.<ref name="Bananenmuseum" />

20. Jahrhundert

Datei:2015-10 10 Tazacorte erstes Rathaus 1924.JPG
Tazacortes erstes Rathaus von 1925, Calle Diaz Pimienta
Datei:2015-10 11 Tazacorte erstes Rathaus 1924.JPG
Schrifttafel vom ersten Rathaus

Seit 1898 rang Tazacorte um seine Unabhängigkeit von der Gemeinde Los Llanos de Aridane. 1923 wies der Ort mit über 2000 Einwohnern die stärkste wirtschaftliche Entwicklung im Aridanetal auf. Am 16. September 1925 wurde Tazacorte per Dekret die Unabhängigkeit verliehen. Im selben Jahr, am 6. Dezember, erhielt Tazacorte seine eigene Kommunalverwaltung. Erster Bürgermeister (span. Alcalde) war von 1926 bis 1928 der Lehrer und Präsident der Unión Patriotica, Miguel Medina Quesada (nach ihm wurde in Tazacorte die Straße Alcalde Medina Quesada benannt). Er gehörte der dreiköpfigen Delegation an, die in Madrid die Unabhängigkeit Tazacortes aushandelte.<ref name="Tazacorte 1492-1975" />

Datei:Manuel Morales Perez - Tazacorte 2014-10.JPG
Büste von Manuel Morales Pérez

Im August 1928 brach in Tazacorte die Pest aus. Lagerarbeiter des Unternehmens Fyffes in Puerto de Tazacorte entdeckten hunderte von toten Ratten in einem Lagerhaus, in dem Stroh zur Verpackung von Bananen gelagert wurde. Die Arbeiter warfen die Ratten unachtsam ins Meer, wobei sich sechs Arbeiter infizierten und zwei von ihnen verstarben. Der Tod der beiden löste in der Bevölkerung Panik und Flucht aus. Der Arzt Manuel Cornelio Morales Pérez (1902–1986) aus Tazacorte setzte sich intensiv zur Bekämpfung der Pest ein, der die Bevölkerung hilflos gegenüberstand. Insbesondere mussten die bislang unzureichenden sanitären Verhältnisse im Unternehmen verbessert werden.<ref name="Tazacorte 1492-1975" /><ref name="Bananenmuseum" /><ref name="San Miguel" />

Unter dem Eindruck der herrschenden sozialen Missstände im Land gründete der Schriftsteller und Lehrer Esteban Beltrán Morales (1854–1920) 1910 in Tazacorte eine säkulare Schule, in der das freie Denken und ein Bewusstsein für Kultur gefördert werden sollte. In der seit 1910 herausgegebenen Wochenzeitung „Tazacorte“ setzte er sich für ein neues soziales und ethisches Denken ein und machte Vorschläge für einen sozialen Wandel zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft. Die Zeitung war nach seiner Auffassung bereits ein Zeichen der Kultur und ein hoher Nutzen für das Volk.<ref name="Blas Sánchez">Heterodoxia Ideologica y Accion Politica: Los Luchadores, de Esteban Beltran Blas Sánchez Dueñas, Universidad de Córdoba, 2011 (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref><ref name="periódico Tazacorte">Centenario del periódico Tazacorte: 15 de octubre de 1910, Website elapuron.com, Eintrag vom 14. Oktober 2010 (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref>

Die kulturelle Entwicklung von Tazacorte setzte sich ab 1931 mit der Herausgabe der weiteren Zeitungen „Tribuna“ (später umbenannt in „Tribuna Libre“) und „El Mundo“ fort. Sie wurden von Händlern und Eigentümern mit liberalen und republikanischen Ansichten gegründet.<ref name="Vázquez" />

Die Zweite Spanische Republik des Jahres 1931 hatte im gesamten Land eine Welle von Vereinigungen der Arbeiter und Bauern zur Folge, die insbesondere Gewerkschaften, Sozialisten und Kommunisten stärkten. Der Lebens- und Bildungsstand der arbeitenden Bevölkerung in Tazacorte erhöhte sich mit dieser Entwicklung deutlich, es wurden höhere Löhne gezahlt und Schulen eröffnet. In fünf Jahren sank der Analphabetismus um die Hälfte. In Tazacorte profitierten insbesondere die Parteien der Linken davon, die sich zu einem Block der Frente Popular gegen die Rechten (La Unión de Derechas) vereinigten. 1933 gewannen sie bei den Kommunalwahlen die absolute Mehrheit, 1936 erzielten sie mit 72 Prozent erneut die absolute Mehrheit im Stadtrat. Die Rechten erzielten 15 Prozent und die Palmerischen Republikaner 13 Prozent Stimmenanteile.<ref name="Tazacorte 1492-1975">Salvador González Vázques: Historia de Tazacorte 1492–1975, Villa y Puerto de Tazacorte 2000, ISBN 84-89692-20-3, S. 12f., 186–296, 404–409.</ref><ref name="Vázquez" />

Am 18. Juli 1936 berichtete die Zeitung „El Tiempo“, dass General Franco, Kommandant auf den Kanarischen Inseln, den Befehl ausgegeben hatte, gegen die spanische Regierung, die als Links-Koalition aus den Parlamentswahlen im Februar 1936 hervorgegangen war, einen militärischen Aufstand zu initiieren. Auf mehreren Kanarischen Inseln opponierten Anhänger der Zweiten Republik gegen diesen Befehl. Der Widerstand der Linken gegen die Unión de Derechas war in Tazacorte und Santa Cruz de La Palma besonders ausgeprägt und dauerte sieben Tage, was ihm den Namen „Semana Roja“ (Rote Woche) gab.<ref name="Vázquez">Salvador González Vázquez: Tazacorte durante el siglo XX. In: Biblioteca digital. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. November 2014; abgerufen am 8. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref name="salvador">Salvador González Vázquez: La Semana Roja en La Palma. In: Biblioteca digital. Abgerufen am 1. Dezember 2014 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Mehrere Lokalpolitiker wurden erschossen oder starben im Gefängnis. Die Kommunistische Partei existierte in getarnter Form weiter; die Mitglieder trafen sich zum Dominospiel auf dem Platz vor der Kirche.

Während des Franco-Regimes wurde ein Auswanderungsverbot erlassen, da die Großgrundbesitzer unter Arbeitskräftemangel litten. Dennoch kam es zu einer weiteren illegalen Emigrationswelle – teils auf Fischerbooten – nach Südamerika.<ref name="Märtyrer" />

Im Verlauf der 1920er und 1930er Jahre wuchs trotz der Weltwirtschaftskrise und des Spanischen Bürgerkrieges die Bevölkerung in Tazacorte aufgrund wirtschaftlicher Aktivitäten in der Landwirtschaft und im Hafen. Durch Zuwanderung Arbeitssuchender aus anderen Orten La Palmas erhöhte sich die Einwohnerzahl von 2284 im Jahr 1925 auf 3728 im Jahr 1940.<ref name="Bananenmuseum" />

Als im Zweiten Weltkrieg der Seeweg zum spanischen Festland blockiert war, kam die allein auf dem Bananenexport beruhende Wirtschaft erneut in die Krise. Deshalb wurden Anbauflächen auf La Palma stillgelegt.<ref name="Bananenmuseum" />

Zwischen 1950 und 1980 erlebte der Handel wieder einen Aufschwung, der neue Anbauflächen auf der gesamten Insel entstehen ließ. Der beginnende Einsatz von Maschinen in der Bau- und Landwirtschaft sowie von Lastkraftwagen zum Warentransport belebte diese Entwicklung nachhaltig. Investitionen von Emigranten aus Amerika in den Jahren 1963 bis 1973 trugen zusätzlich zum Wirtschaftsaufschwung bei. In der Folge wurden das Rathaus in Tazacorte, Schulen und Wohnungen in El Puerto sowie Wasserversorgungsnetze gebaut.<ref name="Bananenmuseum" /> In Tazacorte wuchs die Anbaufläche von 311 Hektar im Jahr 1950 auf 684 Hektar im Jahr 1986 und blieb bis heute mit 710 Hektar etwa konstant.<ref name="los Territorios" />

Parallel zum Wirtschaftsaufschwung entwickelte sich in den 1960er Jahren ein reiches kulturelles und soziales Leben. Zwei Chöre und ein Orchester entstanden, es gab zwei Kinos, eine Gemeindebibliothek, eine Theatergruppe mit 65 Laienspielern und eine Akademie, die Jugendliche und Erwachsene zum Abitur führte. Viele junge Menschen suchten Kontakt zu den Widerstandskämpfern der Nachkriegszeit. González Vázquez zufolge entwickelte sich in dieser Zeit eine neue Identität des Ortes, die durch das Ende der franquistischen etapa azul gefördert wurde. Zwar wurden die Aktivitäten von der Guardia Civil überwacht, aber von den Bürgermeistern toleriert. Die Abwanderung der besser gebildeten und mobilen Einwohner seit den 1970er Jahren führte jedoch allmählich zum Ende dieser Kulturblüte.<ref name="Tazacorte 1492-1975" />

Seit dem Eintritt Spaniens in die Europäische Gemeinschaft 1986 erhält die Region Subventionen zur Verbesserung der Bewässerung und zum Bau von Gewächshäusern für den Bananenanbau. Mit zunehmendem Tourismus auf den großen Kanarischen Inseln wanderten um 2003 Arbeitssuchende auf die Nachbarinseln Teneriffa und Gran Canaria aus.<ref name="Bananenmuseum" />

21. Jahrhundert

Der Fischerei- und Yachthafen, der Bananenanbau und der sanfte Tourismus stehen heute im wirtschaftlichen Fokus der Gemeinde Tazacorte.<ref name="Märtyrer" />

Alle diese Branchen – Tourismus, Bananenanbau (im Ortsteil La Costa) und Fischerei – wurden jedoch durch den Vulkanausbruch auf La Palma 2021 stark geschädigt, nachdem der Tourismus schon 2020 bereits unter der COVID-19-Pandemie gelitten hatte.

Bevölkerungsentwicklung

Der Verlauf der Bevölkerungsentwicklung in Tazacorte im 20. Jahrhundert folgt im Wesentlichen der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region. Der Bevölkerungsanstieg begann Ende des 19. Jahrhunderts mit dem erneuten Aufschwung der Zuckerproduktion, in den 1920er bis 1940er Jahren durch verstärkte wirtschaftliche Aktivitäten in der Landwirtschaft und ab den 1950er Jahren mit dem Beginn des Einsatzes von Maschinen in der Bau- und Landwirtschaft, der bis Ende der 1980er Jahre neue Landwirtschaftsflächen entstehen ließ.

Seit Beginn der 1990er Jahre lassen die zunehmende internationale Konkurrenz und fallende Preise auf dem Bananenmarkt den Bananenexport von La Palma schrumpfen. Die Unternehmen reagieren zunehmend mit Rationalisierung der Bananenproduktion und Verringerung der Belegschaft; vermehrte Arbeitslosigkeit und Binnenmigration sind die Folgen. Der Tourismus als der Wachstumsmotor des kanarischen Archipels kann diesen Bevölkerungsrückgang in Tazacorte nicht kompensieren, da Tazacorte – wie La Palma insgesamt, anders als beispielsweise Gran Canaria – nicht Ziel des steigenden Massentourismus ist (siehe auch Abschnitt 20. Jahrhundert).<ref name="los Territorios" /><ref name="Tazacorte-1986">Poblaciones de derecho desde 1986 hasta 1995, 38045 Tazacorte, Website des Instituto Nacional de Estadística (abgerufen am 30. November 2014).</ref><ref name="Tazacorte-1996"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Series de población desde 1996, 38045 Tazacorte (Memento vom 5. Dezember 2014 im Internet Archive), Website des Instituto Nacional de Estadística (abgerufen am 30. November 2014).</ref>

In Tazacorte lebten 2020 über 800 Immigranten aus Europa und Lateinamerika, darunter 315 aus Deutschland.<ref>Demografia de Tazacorte. In: Foro-Ciudad.com. Abgerufen am 8. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Bevölkerungszahlen 2013<ref name="inebase">INEbase Datenbank des Instituto Nacional de Estadística (abgerufen am 30. November 2014).</ref>
Gemeindeteil Bevölkerung
Tazacorte 2481
El Puerto 1230
La Costa 500
Marina 309
San Borondón 270
Cardón 90
Tarajal 31
<timeline>

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Wirtschaft und Infrastruktur

Bananenanbau

Der Bananenanbau wurde erstmals 1613 erwähnt; die Ernte wurde aber zunächst weitgehend lokal konsumiert. Als sich nach Ende des Ersten Weltkrieges unter anderen das englische Unternehmen Fyffes Limited auf La Palma niederließ, blühte der Bananenhandel auf. In Tazacorte wurden hierfür große Plantagenflächen gepachtet. Das Aridanetal mit seinem warmen Klima, dem Wasserreichtum aus der Caldera sowie dem nahen Hafen von Tazacorte zum Abtransport war bis in eine Höhe von 300 Metern am besten für den großflächigen Bananenanbau geeignet. Als geeignete Bananensorte wurde die aus Südostasien stammende Dwarf Cavendish gewählt, die klimatisch anspruchslos, aber ertragsreich ist und gegenüber anderen Arten nur eine Pflanzenhöhe von 2,7 bis 3,4 Metern erreicht, was sie gegen Wind widerstandsfähiger macht.<ref>Wulf Göbel, Gerald Alfred Scott: »Cavendish Enana« – Die kanarische Zwergbanane. Zur Geschichte der Landwirtschaft auf La Palma. In: Simone Eigen, Claudia Gehrke (Hrsg.): Literarisches La Palma Lesebuch. Konkursbuch-Verlag, Tübingen 2021, ISBN 978-3-88769-647-4, S. 264–275.</ref><ref name="Bananenmuseum" /><ref name="Goetz" /><ref name="Tazacorte 1492-1975" />

Datei:Bananenplantage in Tazacorte 2014-11.JPG
Bananenplantage in Tazacorte

Von der Bepflanzung bis zur Ernte der Staude vergehen zwölf bis 18 Monate. Aus dem Wurzelstock wachsen wieder neue Triebe. In Tazacorte gibt es (noch) über ein Jahrhundert alte Pflanzen, die sich immer wieder erneuert haben und von den Engländern zu Beginn des 20. Jahrhunderts gepflanzt wurden. In Tazacorte erreicht die Staude ein durchschnittliches Gewicht von 45 kg, sie trägt 150 bis 300 Bananen. Die Pflanzen können über das ganze Jahr geerntet werden, da jede ihren eigenen Lebensrhythmus hat.<ref name="Bananenmuseum" /><ref name="Goetz" /><ref name="Tazacorte 1492-1975" />

Für die Bewässerung der Bananen reicht die Niederschlagsmenge in Tazacorte mit etwa 300 mm pro Jahr nicht aus, erforderlich wäre die vierfache Menge. Zur künstlichen Bewässerung wurden in den 1930er Jahren zur Gewinnung des Quellwassers aus der Caldera Brunnen und mehrere Kilometer lange Schächte gebaut. Die Ausdehnung der Anbauflächen nach 1950 hatte eine erhöhte Wasserentnahme und damit ein Absinken des Grundwasserspiegels zur Folge, was wiederum zu einer Erhöhung des Salz- und Karbonatgehalts im Wasser führte und die Böden von Anbauflächen zerstörte. Noch in den 1980er und 1990er Jahren erfolgte die Bewässerung über die Flutung der Felder. Heute kommt die wasserschonende Sprühbewässerung zum Einsatz, die den Wasserverbrauch um bis zu 60 Prozent senkt. In Tazacorte werden für die Bewässerung von einem Hektar Anbaufläche zwischen 16.000 und 23.000 m³ Wasser pro Jahr benötigt.<ref name="Bananenmuseum" />


Die Bananenproduktion auf La Palma betrug im Jahr 1951 23.300 Tonnen, 1960 39.900 Tonnen und 1970 90.000 Tonnen.<ref name="Vázquez" /> Im Jahr 2000 verfügte Tazacorte mit 710 Hektar Bananenanbaufläche über etwa 25 Prozent der gesamten Anbaufläche La Palmas, die bei 2808 Hektar liegt. Die Bananenproduktion auf La Palma betrug 2003 140.532 Tonnen, was 31,5 Prozent der Gesamtproduktion der Kanarischen Inseln entsprach.<ref name="Bananenmuseum">Museo Historia del Plátano Tazacorte: Aufzeichnungen über die Geschichte der Bananenanpflanzungen in Tazacorte. Loseblattsammlung, verfügbar im Museum.</ref> Im Jahr 2012 waren es nur noch etwa 60.000 Tonnen (etwa 28 % der gesamten kanarischen Produktion), von denen etwa 95 Prozent für das spanische Festland bestimmt waren.<ref>Cooperativas Unidas de La Palma Website CUPALMA (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref><ref>Producción de Plátanos de Canarias comercializados, Website der Asociación de Organizaciones de Productores de Plátanos de Canarias (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref>

Der hohe Wasserbedarf von bis zu 1000 Litern Wasser für ein Kilogramm Früchte, der Einsatz von Pestiziden und die ausgedehnte Monokultur sind die Negativseiten dieses Erwerbs.<ref name="Goetz">Rolf Goetz: La Palma Aktivurlaub, Peter Meyer Reiseführer, 5. Auflage 2000, ISBN 3-922057-32-2, S. 53–59.</ref>

Durch den Vulkanausbruch auf La Palma 2021 wurden auch die im südlichen Ortsteil La Costa liegenden Bananenplantagen betroffen.

Hafen

Datei:Puerto Tazacorte 2018-11.jpg
Yachthafen von Tazacorte, im Hintergrund links der Fischereihafen (2018)
Datei:Puerto Tazacorte 2019-11-13.jpg
Fischereihafen von Tazacorte, Thunfischfang
Datei:Fischzucht Puerto de Tazacorte 2007-03.JPG
Aquakultur vor Puerto de Tazacorte

Die Gemeinde besitzt in Puerto de Tazacorte den größten Fischerei- und Yachthafen der Insel mit 340 Liegeplätzen für Boote bis zu 20 Meter Länge und einem Fähranleger. Außer durch Fischer- und Sportboote wird der Hafen auch von Forschungsschiffen, Booten von Fischzuchtbetrieben sowie von Ausflugsbooten genutzt. Mit einer Flotte von etwa 30 Fischerbooten (Stand: 2011) hat die Fischerei in Tazacorte für die Wirtschaft La Palmas nur eine lokale Bedeutung. 1997 hatte die Fischereiflotte mit 40 Schiffen den höchsten Bestand. Die Anzahl der aktiven Fischer ging mit 44 im Jahr 1996 auf 24 im Jahr 2000 zurück. Auch aufgrund sich erschöpfender Fischbestände in der Region sank der Fischfang von 1200 Tonnen im Jahr 1995 auf 150 Tonnen im Jahr 2000.<ref name="los Territorios">El Desarrollo de los Territorios Locales: El Municipio de Tazacorte, en La Palma, José-León García Rodríguez auf der Website der Universidad de La Laguna (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref>

2003 wurde zur Förderung der Fischereiwirtschaft die Aquakulturzucht von Seebarsch (Lubina) und Goldbrassen (Dorada) in großen Schwimmkäfigen vor der Küste ins Leben gerufen. Die 1600 Tonnen gezüchteten Fischs im Jahr 2006 gingen zum Großteil auf das spanische Festland sowie in die USA, nach Kanada und Russland.<ref name="Baedeker">Baedeker Reiseführer La Palma, El Hierro, online (abgerufen am 30. November 2014).</ref><ref name="Análisis">Análisis de la potencialidad de las ayudas del IFOP y FEP Puerto pesquero de Tazacorte, Analyse des Potenzials des Fischereihafens von Tazacorte auf der Website des Ministerio de Medio Ambiente y Media Rural y Marino (abgerufen am 21. Dezember 2015).</ref>

Bei der Fischzucht ereigneten sich zwei nennenswerte Zwischenfälle: Im Februar 2010 entwichen bei schwerem Sturm aus drei Netzkäfigen vor dem Hafen von Tazacorte etwa 200.000 junge Seebarsche, die im Falle ihres Überlebens angeblich die heimischen Fischbestände (Makrelen, Sardinen und Stöcker) in ihrem Nahrungsangebot gefährdet hätten. Zur Entschädigung der heimischen Fischer soll der Zuchtbetrieb den Fischern eine Prämie von 26 Cent für jeden gefangenen Seebarsch zahlen.<ref name="Wochenblatt">200.000 Fische aus Fischzucht entkommen, Website Wochenblatt, Eintrag vom 23. April 2010 (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref>

Im Oktober 2012 rissen sich mehrere verankerte Fischzuchtnetze vor der Küste von Tazacorte los und wurden zur Gefahr für Fischer- und Touristenboote. Als Ursache wird die mangelnde Wartung der Netze infolge des Wegfalls der Subventionen für die Fischzucht angenommen.<ref name="Teneriffa-forum"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gefahr für Schiffe: Verlassene Fischzuchtbecken (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), Website Teneriffa-Forum, Eintrag vom 24. Oktober 2012 (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref>

EU-Förderung

Im Rahmen des EU-Programms für die Kanarischen Inseln wurde der Hafen von Tazacorte in den Jahren 2000 bis 2006 mit Fördermitteln aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von 8,2 Millionen Euro mit einer 176 Meter langen Hafenmauer versehen. In einem zweiten Bauabschnitt von 2007 bis 2013 wurde eine zweite Hafenschutzmauer mit einer Länge von 400 Metern, bei Gesamtkosten in Höhe von 54 Millionen Euro und einem EU-Förderbeitrag von 27 Millionen Euro, errichtet.<ref name="EU-Anfrage Mai 2012">Parlamentarische Anfragen, 9. Mai 2012: EU-geförderte Projekte auf der Kanareninsel La Palma auf der Website des Europäischen Parlamentes (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref><ref name="EU-Anfrage Juni 2012">Parlamentarische Anfragen, 25. Juni 2012: Antwort von Herrn Hahn im Namen der Kommission auf der Website des Europäischen Parlamentes (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref>

Als Begründung für den zweiten Bauabschnitt wurde angeführt: „Wegen schlechter Witterungsbedingungen war der Hafen nach Abschluss der Bauarbeiten nur eingeschränkt funktionsfähig. Daraufhin wurde der Bau eines zusätzlichen Damms zum Schutz des Hafens und zur Erweiterung der Gewerbezone beschlossen.“<ref name="Petitionsausschuss">Mitteilung des Petitionsausschusses zur Unterstützung für Gebiete in äußerster Randlage (Kanarische Inseln) vom 2. September 2010 auf der Website des Europäischen Parlamentes (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref>

Der Hauptzweck des Hafenausbaus von Tazacorte bestand gemäß einer Mitteilung des Petitionsausschusses des Europäischen Parlamentes in der Entfaltung von Wirtschaftstätigkeit als Beitrag zum Abbau der hohen Arbeitslosigkeit von 25 Prozent. Insbesondere sollte der Export der auf der Insel angebauten Bananen, die nur aufgrund von EU-Subventionen wettbewerbsfähig sind, gefördert werden. Mit der Hafenerweiterung könnten auch neue Verkehrsverbindungen zwischen Tazacorte und den Inseln La Gomera und El Hierro geschaffen werden. Bisherige Versuche, Fährverbindungen zu den Nachbarinseln aufzubauen und Kreuzfahrtschiffe anzuziehen, missglückten jedoch.<ref name="Petitionsausschuss" /> Auch ein Bananenexport über den Hafen fand nie statt. Stattdessen läuft er über die Straße und den Hafen Santa Cruz.

Die EU kritisierte 2012 den überdimensionierten, nur teilweise genehmigten Hafenausbau aus EFRE-Mitteln.<ref>20 Monate für Ausbau des Hafens von Tazacorte auf der Website Kanarenexpress, Eintrag vom 28. September 2008 (abgerufen am 1. Dezember 2014).</ref> Ursprünglich forderte sie den Rückbau, was aber nicht durchgesetzt wurde.<ref>La UE obliga a eliminar la ampliación del puerto deportivo de Tazacorte, Website El Día, Eintrag vom 4. Januar 2012 (abgerufen am 21. Dezember 2015).</ref> Die Hafenerweiterung mit einer Freifläche von über 26.000 m² für über 1000 parkende PKW ist bei einer Kailänge von nur 150 m für Kreuzfahrtschiffe uninteressant und wurde bis heute (2026) bis auf eine Handvoll Ausnahmen (kleinere Kreuzfahrtschiffe, z. B. 2018: MS Island Sky; Fähreinsatz für Besucher des seit 2017 mit Unterbrechung jährlich auf dem Hafengelände stattfindenden Love-Festivals) nicht genutzt.

Ausbau und Erweiterung des Hafens von Tazacorte ab 1999:

Straßennetz

Das Straßennetz im Gemeindegebiet von Tazacorte ist gut ausgebaut. Zwei Buslinien verbinden Tazacorte im Takt-Verkehr mit Los Llanos und mit den Gemeinden im Nordwesten der Insel.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Horarios (Memento vom 4. Dezember 2014 im Internet Archive) auf der Website Transportes Insular La Palma (abgerufen am 30. November 2014).</ref>

Wiederherstellung vom Lavastrom verschüttete Straßen

Datei:Vulkan-Lava überquert Strasse LP2131 (2022) (Annamarie Ursula) P1400208.JPG
Carretera La Costa (LP 2131) in Tazacorte, Ortsteil Marina, März 2022
Datei:Mirador coladas Tajogaite.jpg
Bau der Lavastraße (LP-213), Januar 2023

Durch den Vulkanausbruch auf La Palma im Jahr 2021 wurde die Straßenverbindung von Tazacorte nach Süden in Richtung Puerto Naos, die Carretera La Costa (LP-2132), zwischen La Costa und El Pampillo unterbrochen. Dadurch waren kleinere Ortsteile bis Mai 2023 vom Ortskern abgeschnitten.

Die hierzu parallel verlaufende Straßenverbindung von La Laguna nach Puerto Naos, die Carretera La Laguna-Las Norias (PL-213), war ebenfalls über einen 3,9 Kilometer langen Abschnitt vom Lavastrom verschüttet. Der größte Teil dieses Abschnitts (2.460 Meter) verläuft über die verschiedenen Lavaströme. Der Rest führt über landwirtschaftlich genutztes (600 m) sowie über unbebautes Land (502 m). In diesem, vom Lavastrom nicht betroffenen Abschnitt wurde ein 243 Meter langes Viadukt gebaut, das die Querdurchlässigkeit für den landwirtschaftlichen Verkehr ermöglicht.

Die Herstellung der Fahrbahn über dem Lavafeld war eine besondere Herausforderung, da dort noch Temperaturen zwischen 40 und 180 Grad Celsius herrschten. Der Straßenbelag, eine besondere Bitumenmischung, muss an seinem Untergrund Temperaturen standhalten, die weit von jeder Norm entfernt sind. Entsprechende Straßenbauarbeiten über Lavafelder wie die der Amerikaner (Hawaii) scheiterten bislang. Der Erfolg dieser Bauarbeiten gilt als Präzedenzfall des Ingenieurwesens. Zur Sicherheit der Arbeiter waren eine Zugangskontrolle und die Messung giftiger Gase notwendige Maßnahmen. Die Straßenverbindung von La Laguna nach Puerto Naos, die Carretera La Laguna-Las Norias (PL-213), wurde am 25. Mai 2023 nach 14 Monaten Bauzeit und 36,5 Millionen Euro Kosten wieder in Betrieb genommen.<ref>La Palma: Die Straße von La Costa wird in Betrieb genommen. 25. Mai 2023, abgerufen am 30. September 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Entra en funcionamiento la nueva carretera de la costa entre Tazacorte y Puerto Naos (Die neue Küstenstraße zwischen Tazacorte und Puerto Naos wird in Betrieb genommen), El Apurón 25. Mai 2023.</ref><ref>Salvador Lachica: Una carretera "única en el mundo" une la costa del Valle de Aridane en La Palma (Eine „weltweit einzigartige“ Straße verbindet die Küste des Aridane-Tals auf La Palma), La Provincia, 19 August 2024.</ref>

Bau einer Ortsumgehung von Tazacorte

Der 2012 begonnene Bau einer Ortsumgehung von Tazacorte (LP-2) sowie die Anbindung des Hafens soll das Stadtgebiet vom Schwerlastverkehr befreien und damit Lärm und Umweltverschmutzung reduzieren sowie die wirtschaftliche Entwicklung des Aridane-Tals und die des Hafens von Tazacorte fördern, in der Perspektive auf Kreuzfahrtschiffe,<ref>La circunvalación de Tazacorte es una obra fundamental para la isla de La Palma (Die Ringstraße von Tazacorte ist ein grundlegendes Bauwerk für die Insel La Palma), La Palma24, 5. Mai 2018.</ref> für die der Hafen jedoch viel zu klein ist. Der Bau der Ortsumgehung mit mehreren Stützmauer- und Brückenbauwerken wurde aus Finanzierungsgründen bald wieder eingestellt, jedoch 2018 wieder aufgenommen und nach dreizehn Jahren, im Mai 2024 fertiggestellt. Zur Überwindung des großen Höhenunterschiedes zwischen dem Ort Tazacorte und Puerto Tazacorte war eigens der Bau eines 200 Meter langen, „falschen Tunnels“, mit einer Betongewölbestruktur aus vorgefertigten Betonteilen notwendig. Die Kosten für die dreispurige 2,2 km lange Straße beliefen sich auf 16,5 Millionen Euro.<ref>Apertura de la carretera de acceso al Puerto de Tazacorte, RTVC-Redaktion, 8. Mai 2024.</ref><ref>Bau der LP-2 Los Llanos-Tazacorte Umgehungsstraße, La Palma Travel, 28. Juni 2023.</ref><ref>Die Umgehungsstraße von Tazacorte wird am 1. Februar mit Einschränkungen geöffnet (mit Abbildungen der Straßenführung), La Palma24, 25. Januar 2024.</ref>

Kommunalpolitik

Bei den Kommunalwahlen 2019 wurde die Unión Bagañete, die u. a. die Interessen der Bananenproduzenten vertritt, als stärkste Kraft in der Gemeindevertretung von der Nueva Canarias abgelöst. Sie erhielt vier von elf Sitzen (29,1 %), gefolgt von der PSOE mit drei Sitzen (29 %), der Unión Bagañete mit drei Sitzen (22,9 %) und der Izquierda Unida Canaria mit einem Sitz (10,2 %).<ref>Kommunalwahlen 2019 El País (abgerufen am 25. Dezember 2021).</ref> Nueva Canarias und Unión Bagañete bildeten eine Koalition. Bei den Kommunalwahlen 2023 trat anstelle der populistisch agierenden Unión Bagañete die Coalición Canaria an. Stärkste Kraft wurde nun die gleichfalls populistisch agierende Nueva Canarias mit 5 Sitzen (43,4 %), gefolgt von der PSOE mit drei Sitzen (23,7 %), der Coalición Canaria mit zwei Sitzen (17,8 %) und der PP mit einem Sitz (10,4 %).<ref>Kommunalwahlen 2023 El País (abgerufen am 3. Februar 2025).</ref> PSOE, Coalición Canaria und PP bildeten eine Koalition.<ref>PSOE, CC y PP se unen en Tazacorte para apartar de la Alcaldía a Nueva Canarias El Día, 9. Juni 2023 (abgerufen am 3. Februar 2025).</ref>

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Feste

Wie in vielen Orten Spaniens wird auch in Tazacorte am Ende der Karnevalszeit die Beerdigung der Sardine durch eine Prozession „wehklagender Witwen“ und „Trauergäste“ zelebriert.

Jährlich am 16. Juli halten die Seeleute eine Prozession zu Ehren der Schutzpatronin Virgen del Carmen ab.

Am 29. September findet das große Fest zu Ehren des Erzengels Michael, des Kirchenpatrons, Schutzheiligen der Stadt und des Hafens von Tazacorte und aller Einwohner La Palmas statt. Höhepunkt ist der einzigartige Tanz der Caballos Fufos, der fauchenden Pferde. Zwanzig Pferde – mit farbigem Papier verkleidete Rohrgestelle – tanzen durch die Straßen, angeführt von einer Giraffe.

Sehenswürdigkeiten

  • Die Kirche San Miguel Arcángel in Tazacorte wurde 1513 an der Stelle der ersten Wallfahrtskapelle der Insel von 1492 erbaut. 1922 wurde das Gotteshaus zur Pfarrkirche. In ihr werden unter anderem die Reliquien des Martyriums der 40 Jesuiten aufbewahrt (siehe Abschnitt Geschichte).<ref>Kirche San Miguel, Website des Ayuntamiento de La Villa y Puerto de Tazacorte (abgerufen am 18. Februar 2018).</ref><ref name="tazacorte-martyrs">The Tazacorte Martyrs, Website La Palma Island, Eintrag vom 9. März 2015 (abgerufen am 21. Dezember 2015).</ref>
  • Eine große Bronzestatue des Erzengels Michael, eingerahmt von einem Springbrunnen, befindet sich vor dem Rathaus von Tazacorte. Sie wurde im Jahr 2007 von den Künstlern Luis Morera und Natan Teutsch geschaffen. Der Erzengel Michael, der Schutzheilige der Insel, ist auch als Verteidiger der Kirche, das Schwert tragend, im Wappen von La Palma enthalten.<ref name="Schutzpatron" />
  • Historisches Treppenviertel von Villa de Tazacorte.
  • El Charco, das Viertel unterhalb der Kirche mit den historischen Herrschaftshäusern Casa Massieu<ref name="Obra Pública">Casa Massieu Tazacorte, Publicado en Edificios Públicos, Website Obra Pública La Palma (abgerufen am 3. Januar 2015).</ref> (hier finden häufig Kunstausstellungen statt), Casa Monteverde und Casa Díaz Pimienta sowie der Molino Abajo, Los Lavaderos und dem Aquädukt (siehe Abschnitt Geschichte).<ref name="Monumentos y Edificacioneso">Monumentos y Edificaciones, Website des Ayuntamiento de La Villa y Puerto de Tazacorte (abgerufen am 5. Dezember 2014).</ref><ref name="Los Lavaderos">Los Lavaderos, Website des Ayuntamiento de La Villa y Puerto de Tazacorte (abgerufen am 5. Dezember 2014).</ref>
  • Das 2004 eröffnete Museo del Plátano im El Charco, umgeben von einer Bananenplantage, zeigt anhand von Bildtafeln die Geschichte der Bananenanpflanzungen auf den Kanarischen Inseln und insbesondere in Tazacorte. Eine Vielzahl historischer Aufnahmen von Tazacorte und zu diesem Gewerbe dient der Veranschaulichung.<ref name="Museo del Plátano" />
  • Das Museo del Mojo, im Parkbereich des Museo del Plátano, zeigt die heimischen Gewürze und deren Verwendung.<ref name="Museo del Plátano">Museo del Plátano y Museo del Mojo, Website des Ayuntamiento de La Villa y Puerto de Tazacorte (abgerufen am 18. Februar 2018).</ref>
  • Die Casa Museo Doctor Morales ehrte den Arzt Manuel Morales Pérez (1902–1986), der sich Ende der 1920er Jahre in Tazacorte um die Pestbekämpfung verdient gemacht hatte und später eine Stiftung ins Leben rief. Es befindet sich an der Plaza La Vica nahe der Kirche und beinhaltet neben dem Museum (im Kellergeschoss) eine Seniorenresidenz.<ref>Treinta años de vida de la Fundación Canaria Doctor Manuel Morales. Diario de Avisos, 12. Februar 2023.</ref>
  • Paseo del Litural ist ein – aus zwei kurzen Abschnitten bestehender – noch unfertiger Küstenwanderweg entlang der Steilküste von Tazacorte. Man erreicht den einen Abschnitt unterhalb von El Charco durch die Bananenplantagen, wo sich ein weiter Blick auf den Hafen von Puerto Tazacorte bietet. Von hier führt eine steile Treppe zu einem abgeschiedenen Lavakiesstrand, der Playa Nueva - Mangón. Der andere Abschnitt, Mirador Roque de Don Pedro ist in San Borondón zu erreichen.<ref>Küstenwanderung, La Palma Travel, Visita al pueblo Villa de Tazacorte y paseos por los alrededores, 17. Juni 2016 (abgerufen am 23. Dezember 2018).</ref>

Sonstiges

Das nach Tazacorte benannte Motorfrachtschiff Tazacorte wurde 1952 von der in Hamburg beheimateten Oldenburg-Portugiesische Dampfschiffs-Rhederei GmbH (OPDR) in Dienst gestellt und wurde bis 1971 im Frachtdienst zu den Kanarischen Inseln eingesetzt.<ref>OPDR y el frutero alemán “Tazacorte” (1951–1971), De la mar y los barcos, Juan Carlos Diaz Lorenzo, 1. August 2017 (abgerufen am 23. Dezember 2018).</ref> Danach wurde es an die Guam-Guam Shipping Co. verkauft und fuhr als Golden Sea unter der Flagge Singapurs.<ref>MS Tazacorte, The Ships List (abgerufen am 18. Februar 2018).</ref><ref>Juan Carlos Díaz Lorenzo: Tazacorte: Un puerto entre dos siglos. Gobierno de las Canarias 2003, S. 170f.</ref> 1973 wurde es zum Abbruch nach Taiwan verkauft.

Literatur

  • Salvador González Vázques: Historia de Tazacorte 1492–1975, Villa y Puerto de Tazacorte 2000, ISBN 84-89692-20-3
  • Misael Pulido Acosta: Tazacorte, un pueblo, un mar, un amor, Villa y Puerto de Tazacorte 1992, ISBN 84-7926-102-1
  • Miguel Medina y Quesada, Francisco A. Ossorio Acevedo: La independencia de Tazacorte, Villa y Puerto de Tazacorte 1992
  • Ana Viña Brito: La cultura de azucar: Los ingenios de Argual y Tazacorte, Santa Cruz de La Palma 1994, ISBN 84-605-0710-6
  • Luis Chacón Ortega: Tazacorte, La Palma, Villa y Puerto de Tazacorte 1969
  • Juan Carlos Díaz Lorenzo: Tazacorte: Un puerto entre dos siglos. Gobierno de las Canarias 2003

Weblinks

Commons: Tazacorte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

<references responsive> <ref name="Schutzpatron">La Palma hat den Schutzpatron in Bronze, Kanaren-Express, Tazacorte, Eintrag vom 20. Oktober 2007 (abgerufen am 30. November 2014).</ref> </references>

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