Alfons Riedel
Alfons Riedel (* 31. Juli 1901 in Wien; † 1. April 1969)<ref name="Wie" /> war ein österreichischer Bildhauer.
Leben
Alphons Riedel wurde mit 15 Jahren Lehrling des Bildhauers Carl Philipp. Von 1918 bis 1925 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Josef Müllner.<ref name="Wie" />
In Lehmanns Wiener Adressbuch<ref>Lehmann Online. eine Website der Wienbibliothek im Rathaus</ref> ist er erstmals 1926 eingetragen, mit der Adresse 13., Künstlersiedlung Gruppe V. Es handelte sich um neue Häuser am Südrand des Hietzinger Bezirksteils Speising (Riedelgasse [nicht nach Alfons Riedel benannt], Griepenkerlgasse, Rußgasse). Zwischen dieser Siedlung und dem damaligen südlichen Stadtrand Wiens lag bis 1938 nur mehr das Freigelände der Rothschildschen Nervenheilanstalt. Mehrere Jahre hindurch war Riedel dann im Adressbuch mit dieser Schreibung seines Vornamens und zusätzlich als Alfons Riedel eingetragen. 1930 lautete die Adresse Künstlersiedlung 17.
1927 war er gemeinsam mit Wilhelm Frass drei Monate in der Türkei (Ankara und Istanbul), wo dieser an einer Statue arbeitete.<ref name="Wie" /> Riedel wurde 1935 in das Wiener Künstlerhaus aufgenommen, 1936 erhielt er den Österreichischen Staatspreis für Bildhauerei für die Statue der Danae. Im gleichen Jahr wurde seine Statue Der Boxer bei den Olympischen Sommerspielen im Berlin der NS-Zeit gezeigt, an denen Österreich teilnahm.<ref name="Wie" />
1937 beteiligte er sich am ersten Wettbewerb für ein Kahlenberg-Denkmal mit dem Relief Meßopfer vor der Schlacht gegen die Türken.<ref>Hildegard Schmid: Steinernes Bewußtsein I. Die öffentliche Repräsentation staatlicher und nationaler Identität Österreichs in seinen Denkmälern. Hrsg.: Stefan Riesenfellner (= Grenzenloses Österreich). Böhlau, Wien/Köln/Weimar 1998, ISBN 3-205-98797-7, S. 494.</ref> (Auf dem Kahlenberg wird bis heute dessen gedacht, dass das Entsatzheer, das Wien im Herbst 1683 von der zweiten Türkenbelagerung befreite, von dort Richtung Stadt gestürmt ist.)
Riedel gehörte in der Zeit des diktatorischen Ständestaats den damals illegalen Sozialdemokraten an, beantragte aber dann am 17. Dezember 1940 die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Januar 1941 aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.467.571).<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/34811804</ref><ref name="Wie" /> 1941 scheint Riedel in Lehmann in der Künstlersiedlung als Alphons mit der Adresse Rußweg 6 auf, zusätzlich als Alfons mit der Adresse 2., Krieau, Staatsatelier,<ref>Praterateliers. Bildhauerateliers des Bundes. Dossier des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, Wien 2010 (PDF; 102 kB)</ref> wo seit 1936 Wilhelm Frass eines der Künstlern vom Staat zur Verfügung gestellten Ateliers nutzte.<ref>Almuth Spiegler: Wer waren die Bildhauer Frass und Riedel? Website der Tageszeitung Die Presse. Wien, 20. Juli 2012.</ref> Im letzten Erscheinungsjahr von Lehmanns Adressbuch, 1942, scheint Alfons Riedel nur mehr im Staatsatelier auf.
Von 1942 bis 1945 war er an der Ostfront eingesetzt und nach Kriegsende ein halbes Jahr in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Ende 1945 verbürgte sich der damalige Künstlerhaus-Direktor Karl Maria May für ihn und gab eine eidesstattliche Erklärung ab, dass Riedel der NSDAP „nur aus wirtschaftlichen Gründen beigetreten“ sei. Ein Entnazifizierungsverfahren fand offenbar nicht statt. Riedel wurde auch nicht aus dem Künstlerhaus ausgeschlossen.<ref name="Wie" />
Nach 1945 erhielt Riedel den Preis des Unterrichtsministeriums, den Professorentitel und das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.<ref name="Wie" /> (Das Verleihungsdatum ist, obwohl in Wikipedia und in einer Anfragebeantwortung des Bundeskanzlers umfangreiche Listen im Web verfügbar sind, elektronisch nicht zu klären.)
Riedel arbeitete hauptsächlich im Bereich Kunst am Bau. Am 24. Oktober 1961 wurde er zum Präsidenten des Wiener Künstlerhauses gewählt (Gegenkandidat war Hermann Kosel)<ref>Wladimir Aichelburg: Das Wiener Künstlerhaus 1861–2001. Die Künstlergenossenschaft und ihre Rivalen Secession und Hagenbund. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, Wien 2003, ISBN 3-85437-189-6, S. 186.</ref> und übte dieses Amt bis November 1965 aus.
1969 starb Riedel. Er wurde wie sein Lehrer Carl Philipp auf dem Dornbacher Friedhof in Wien beigesetzt.<ref name="Wie" />
Friedensbotschaft
Aufmerksamkeit erregte er 2012, als in der Krypta im Heldentor, einem Soldatendenkmal auf dem Wiener Heldenplatz, unter dem Denkmal des toten Soldaten eine Blechkapsel gefunden wurde. Der Bildhauer Wilhelm Frass hatte darin als Gestalter des Denkmals 1935 bei der Errichtung während des Ständestaats ein Gebet für die Einheit des deutschen Volkes unter dem Sonnenrad (eine Umschreibung für das Hakenkreuz) versteckt und sich dessen nach dem „Anschluss“ Österreichs an das „Dritte Reich“ gerühmt. Die Existenz dieser Kapsel war somit seit Jahrzehnten bekannt, nicht jedoch ihr Inhalt. Für Überraschung sorgte, dass die Kapsel nicht nur Frass' Text enthielt, weil es Riedel, damals Frass' Assistent, offenbar gelungen war, auch seine persönliche, den Frieden beschwörende Botschaft in die Kapsel zu legen, bevor diese zwischen Denkmal und Sockel verschwand.<ref>Heldendenkmal: Huldigungsschreiben in der Krypta entdeckt. auf Vienna-Online. 19. Juli 2012; Präsentation des Ergebnisses der Untersuchungen in der Wiener Krypta auf Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport vom 19. Juli 2012, abgerufen am 19. Juli 2012.</ref> Riedel schrieb:<ref>Zwei Botschaften konträren Inhalts auf ORF-Online vom 19. Juli 2012.</ref><ref>„Gefallener Krieger“: Nazi-Metallkapsel in Burgtor-Krypta gefunden. In: Website der Tageszeitung Der Standard, Wien, 19. Juli 2012; mit Foto der Botschaft Riedels</ref>
- Als Mitarbeiter an dem toten Krieger hat mir das Erlebnis des großen Krieges als Jugendlicher im Hinterland, mit all seinem Heroismus und Schrecken, den nachhaltigsten Eindruck gemacht und hege ich in voller Erkenntnis der heroischen Größe des Kampfes der deutschen Nation um ihr Lebensrecht nur einen Wunsch, der bisher leider nur Wunsch von Generationen war und geblieben ist:
- „Ich wünsche, daß künftige Generationen unseres unsterblichen Volkes nicht mehr in die Notwendigkeit versetzt werden, Denkmäler für Gefallene aus gewaltsamen Auseinandersetzungen von Nation zu Nation errichten zu müssen.“
- Alfons Riedel
- Bildhauer
- Wien im April 1935
Die beiden Schriftstücke wurden am 9. Juli 2013 dem Wiener Heeresgeschichtlichen Museum übergeben,<ref>Nationalsozialistische Jubelschrift aus Heldendenkmal an Museum übergeben auf derstandard.at, abgerufen am 10. Juli 2013.</ref> wo sie als Faksimile<ref>aus konservatorischen Gründen können die originalen Schriftstücke nicht ausgestellt werden, sondern werden im Depot des Heeresgeschichtlichen Museum verwahrt, vgl.: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. auf science.apa.at, abgerufen am 9. Juli 2013.</ref> im Saal Republik und Diktatur über einer Vitrine mit einem Modell des Burgtores und jener Messinghülse, in welcher die Schreiben versteckt waren, ausgestellt sind.<ref>„Heldendenkmal“: Fundstücke an Museum übergeben. auf: wien.orf.at, abgerufen am 9. Juli 2013.</ref>
Werke (Auswahl)
- Franz-Domes-Hof (erbaut 1928–1930): Domes-Reliefporträt (Bronze, 1932)<ref>Wolfgang Czerny, Ingrid Kastel: Wien: II. bis IX. und XX. Bezirk. Dehio-Handbuch Wien, Band 2. Hrsg.: Institut für Österreichische Kunstforschung des Bundesdenkmalamtes (= Kunstdenkmäler Österreichs). Anton Schroll & Co, 1993, ISBN 3-7031-0680-8, S. 223.</ref><ref name="Wie" />
- Wildganshof (erbaut 1931–1933): Pflügender Bauer/Mittag (Terrakottarelief, 1939; das zugehörige Hitler-Zitat<ref>Große Ereignisse spiegeln sich in Gedenkzeichen wider. Die jüngsten Leistungen und Ausschreibungen des Wiener Kulturamtes. In: Neues Wiener Tagblatt, 27. August 1939, S. 10 (online bei ANNO).</ref> wurde nach Kriegsende entfernt)
- Wildganshof: Denkmal für Anton Wildgans (Büste vor halbkreisförmiger Betonwand, enthüllt 1928, neu aufgestellt 1951)<ref>Peter Ernst, Felix Czeike: Wiener Literatur-Gedenk-Stätten. 2. Auflage. J u V Edition, 1990, ISBN 3-85058-039-3, S. 138.</ref>
- Grünanlage beim Künstlerhaus: Danae (1935)<ref>Felix Czeike: Wien: Kunst, Kultur und Geschichte der Donaumetropole. 6. Auflage. DuMont Reiseverlag, 1999, ISBN 3-7701-4348-5, S. 193.</ref>
- Statue Der Boxer (1936)<ref name="Wie" />
- Künstlerhaus-Kino (zum Kino umgebaut 1947–1949): Mahagonimasken neben der Bühne
- Meidling (ehem. Wilhelmsdorf), Wilhelmstraße 20–24: Sandsteinrelief Kinder mit Badeschwamm, Kamm und Zahnbürste (1949/50)<ref name="Klu" />
- Meidling (ehem. Wilhelmsdorf), Rauchgasse 15–17: Relief Wassermann von Wilhelmsdorf (1950)<ref name="Klu" />
- Dornbacher Friedhof, Grabmal und Porträtmaske Prof. Carl Philipp (1950)<ref>Adalbert Stifter-Institut des Landes Oberösterreich: Vierteljahrsschrift, Band 3. Stiasny, 1954, S. 11.</ref>
- Wohnhausanlage 17., Hernalser Hauptstraße 98 (Listeneintrag): Hernalser Allegorie (1951, monumentales Wandrelief aus Betonschnitt über dem Haupteingang)
- Bildnisrelief Jodok Fink, 1952, Terrakotta, Heeresgeschichtliches Museum, Wien<ref>Ilse Krumpöck: Die Bildwerke im Heeresgeschichtlichen Museum. Wien 2004, S. 143.</ref>
- Kopenhagenhof (erbaut 1956–1959): Ruhende Frau (Natursteinplastik)
- Porträtplastik von Robert Danneberg, Standort nicht bekannt
Literatur
- Ilse Krumpöck: Die Bildwerke im Heeresgeschichtlichen Museum. Wien 2004, S. 143 f.
- Josef Seiter: Politik in der Idylle. Die plastischen Monumente der Ersten Republik. In: Das Rote Wien 1918–1934. (Katalog zur Ausstellung 17.6.–5.9.1993). Historisches Museums der Stadt Wien, Wien 1993, ISBN 3-85202-106-5, S. 74–90.
Weblinks
Einzelnachweise
<references> <ref name="Klu">
Christine Klusacek, Kurt Stimmer: Meidling: vom Wienfluss zum Wienerberg. Mohl, 1992, ISBN 3-900272-41-7, S. 226.</ref>
<ref name="Wie">
Katharina Schmidt: Zuerst Sozialdemokrat, dann Mitglied der NSDAP. In: Wiener Zeitung GmbH. Republik Österreich, 24. Juli 2012, abgerufen am 27. Juli 2012.</ref>
</references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Riedel, Alfons |
| ALTERNATIVNAMEN | Riedel, Alphons |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Bildhauer |
| GEBURTSDATUM | 31. Juli 1901 |
| GEBURTSORT | Wien, Österreich |
| STERBEDATUM | 1. April 1969 |