Certo-Kamera-Werk
| Peppel & Lippert, Fabrik photografischer Cameras und Spezialartikel CERTO, Fabrik photografischer Apparate und Bedarfsartikel GmbH Certo-Kamera-Werk GmbH Certo-Camera-Werk von der Gönna & Söhne VEB Certo-Kamerawerk Dresden
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| colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Certo Logo.svg | |
| Rechtsform | |
| Gründung | 1904 |
| Auflösung | 1985 |
| Sitz | Dresden, Deutschland |
| Branche | Optikhersteller |
Das Certo-Kamera-Werk war ein Hersteller für fotografische Kameras und Zubehör in Dresden.
Unternehmensgeschichte
Die Geschichte des Certo-Werkes wurde bislang in der Literatur völlig verfälscht wiedergeben, da die eigentlich sehr gute Quellenlage weitgehend außer Acht gelassen wurde.<ref name=":0">Kröger, Marco: Ein Blick in die Geschichte des Certo-Kamerawerks. In: Zeissikonveb.de. 2026, abgerufen im Jahr 2026.</ref> Die Hauptverantwortung dafür muss wohl dem Buchautor Richard Hummel zugeschrieben werden, der beispielsweise die Gründung des Werkes auf das Jahr 1902 festsetzt, ohne dafür einen Beleg zu liefern.<ref>Hummel, Richard: Spiegelreflexkameras aus Dresden. 1998, S. 97 f.</ref> Herbert Blumtritt, der im Wesentlichen von Hummel abschreibt, gibt zumindest zu, dass er die Übergabe der Firma von Alfred Lippert an Paul Zimmermann im Jahre 1917 nicht genau erklären kann.<ref>Blumtritt, Herbert: Die Geschichte der Dresdner Fotoindustrie. 2000, S. 85 f.</ref> Das liegt daran, dass es diese von Hummel suggerierte Firmenübergabe zwischen diesen beiden Inhabern nie geben hat.
Wirklich quellenbasiert lässt sich nachweisen, dass der ehemalige Eigentümer der Dresdner Zigarettenfabrik Basma<ref>Vgl. u. a. Reichsanzeiger v. 22. 2. 1893, S. 21.</ref> Otto Peppel und der Ingenieur Alfred Lippert aus einer möglicherweise bereits existierenden kleinen Werkstatt für Fotogeräte im Februar 1904 eine offene Handelsgesellschaft mit dem Namen Peppel & Lippert machen.<ref>Vgl. Reichsanzeiger v. 12. 2. 1904, S. 27.</ref> Der kaufmännische Partner Otto Peppel scheidet allerdings bereits nach wenigen Wochen zum 7. Mai 1904 wieder aus der Firma aus.<ref>Vgl. Reichsanzeiger v. 10. 5. 1904, S. 35.</ref> Alfred Lippert wird daraufhin zum Alleininhaber. Als Warenzeichen meldet er zum 20. Dezember 1904 das Wort „Certo“ an<ref>Vgl. Reichsanzeiger v. 28. 03. 1905, S. 38.</ref> und verlegt die Firma zum 10. April 1905 von Dresden in das nahegelegene Großzschachwitz<ref>Vgl. Reichsanzeiger v. 09. 05. 1905, S. 28.</ref>. Doch bereits im November 1905 muss Alfred Lippert Konkurs anmelden<ref>Vgl. Reichsanzeiger v. 21. 10. 1905, S. 21.</ref> und seine „Fabrik photographischer Apparate Alfred Lippert“ wird im März 1906 aus dem Handelsregister gestrichen.<ref>Vgl. Reichsanzeiger v. 26. 03. 1906, S. 40.</ref>
Die Konkursmasse der Firma wird daraufhin zum 14. Februar 1906 von Wilhelm Siedel übernommen, den Lippert im Sommer 1905 als Prokuristen eingesetzt hatte.<ref>Vgl. Reichsanzeiger v. 30. 6. 1905, S. 29.</ref> Es ist dieser Wilhelm Siedel, der das zuvor nur als Produktbezeichnung verwendete „Certo“ zum Namensbestandteil der Firma macht.<ref>Vgl. Reichsanzeiger v. 19. 02. 1906, S. 38.</ref> Im November 1906 wird mit dem Gebrauchsmuster Nummer 293.791 eine „Einer Damentasche gleichende, zum Einschieben eines photographischen Apparats dienende Umhüllung“ angemeldet. Die kleine Plattenkamera wird zu einem ersten Verkaufserfolg des Certo-Werkes.
Doch schon im Juni 1907 erfolgt ein erneuter Besitzerwechsel. Der neue Geschäftsführer ist Max Baumgürtel aus Dresden.<ref>Vgl. Reichsanzeiger v. 22. 06. 1907, S. 22.</ref> Er wird das Unternehmen fast ein Jahrzehnt lang leiten. Unter seiner Ägide werden viele neue Gebrauchsmuster auf die Firma sowie auf seinen eigenen Namen angemeldet.<ref name=":0" /> Vom Ersten Weltkrieg wird das stark auf den Export ausgerichtete Certo-Werk jedoch derart getroffen, dass Max Baumgürtel im Sommer 1916 als zweites Standbein eine Rüstungsfirma gründet.<ref>Vgl. Reichsanzeiger v. 20. 06. 1916, S. 18.</ref> Zum 15. Januar 1917 geht Certo dann an den Kaufmann Emil Zimmermann über.<ref>Vgl. Reichsanzeiger v. 20. 01. 1917, S. 18.</ref>
Dieser im Handelsregister als Emil Zimmermann, in anderen Quellen jedoch als Paul Zimmermann benannte Inhaber, wird die Firma Certo nun fast zwei Jahrzehnte lang mit stetig wachsendem Erfolg leiten. Es kommt zu einer neuen Firmierung als „Certo-Kamera-Werk GmbH“. Unter Zimmermann werden Kameras wie die „Certonett“ entwickelt. Die Holzgehäuse der Kameras werden zunehmend von einem sauber verarbeiteten Metallgehäuse abgelöst. Ab 1935 produzierte das Werk die Kleinbildkamera „Dollina“. Im selben Jahr begann man auch mit der Fertigung des Vergrößerungsapparaten „Certus“.
Paul (Emil) Zimmermanns Schwiegersohn, Fritz von der Gönna, hatte im Oktober 1922 seine eigene „Photo-Großhandlung Fritz v. d. Gönna“ eröffnet.<ref>Vgl. Reichsanzeiger v. 06. 10. 1922, S. 11.</ref> Als aber Paul (Emil) Zimmermann am 17. Juli 1937 verstirbt<ref name=":0" />, ist es nicht sein Schwiegersohn, der die Firma weiterführt, sondern sein Prokurist Hans Voigtländer<ref>Vgl. Reichsanzeiger v. 15. 10. 1937, S. 16.</ref>. Unter seiner Ägide kam im Jahre 1938 die ausgereifte „Super Dollina“ mit gekuppeltem Entfernungsmesser auf den Markt. Wann genau Fritz von der Gönna Geschäftsführer der Firma wird, ließ sich bislang noch nicht ermitteln.
Ab 1940 verlagert der Eigentümer die Fertigung immer mehr in Richtung Rüstungsindustrie. Obwohl das Werk 1945 keinerlei Schaden durch die Bombenangriffe genommen hatte, stand die Firma nach der vollständigen<ref>Vgl. Fotoindustrie, Heft Januar/Februar 1948, S. 5.</ref> Demontage nach dem Krieg vor dem Aus. Danach starteten sie eine Behelfsproduktion von Zigarettenwickelmaschinen mit neu beschafften oder geliehenen Maschinen. Ab 1946 konnte wieder die Produktion der „Super Dollina“ aufgenommen werden.
1953 wurde die GmbH in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt mit der neuen Firmierung „Certo-Camera-Werk von der Gönna & Söhne“. Fünf Jahre später starb Fritz von der Gönna, wonach seine Söhne Armin und Eckart die Leitung übernahmen. Um investieren zu können, ließen sie sich im Jahre 1959 auf eine staatliche Beteiligung im Umfang von 30 % ein, was zur Folge hatte, dass die Firmeneigner während der 1960er Jahre sukzessive ihre Entscheidungsspielräume einbüßten. Ab Jahresende 1966 wurde das Certo-Werk durch Entscheidungsträger auf Ebene des Bezirks Dresden in eine Kooperationsgemeinschaft mit den Wettbewerbern Beier und Pouva gezwungen mit dem Ziel, eine Massenfertigung für billige Kameras des SL-Systems aufzubauen.<ref>Kröger, Marco: Das Certo-Kamerawerk zwischen Staatlicher Beteiligung, Steckenpferdbewegung und Bezirksgeleiteter Industrie. In: Zeissikonveb.de. 2026, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref> Dieser Prozess fand seinen Abschluss im April 1972, als die Inhaber enteignet, der Betrieb in „VEB Certo-Kamerawerk Dresden“ umbenannt und Armin v. d. Gönna zum angestellten Betriebsleiter degradiert wurden. Ab Januar 1980 gehörte der Betrieb zum Kombinat VEB Pentacon, war aber immer noch juristisch selbständig.
Die Certo-Kameras wurden bis Dezember 1982 produziert, danach wurde das Werk zu einem Zuliefererbetrieb für das Kombinat VEB Pentacon. Mit der Eingliederung des VEB Pentacon Dresden in das Kombinat VEB Carl Zeiss Jena im Jahre 1985 wurde die Pentacon-Fertigungsstätte Certo am Ende noch ein Teil von Zeiss.
Bekannte Produkte
- „Certo Nr. 0“
- „Certonett 6 × 9 cm“, 1920/1921
- Baureihe der Certotrop-Plattenkameras<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Baureihe der Certotrop-Plattenkameras ( vom 14. Februar 2017 im Internet Archive)</ref>
- „Certo-phot 6x6“, 1958–1965
- „Certo-matic 6x6“, mit gekuppeltem Nachführbelichtungsmesser 1960–1965
Einzelnachweise
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