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Harold John Ockenga

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Harold John Ockenga (* 6. Juni 1905 in Chicago; † 8. Februar 1985) war ein US-amerikanischer evangelikaler Geistlicher, Mitbegründer und Präsident des Fuller Theological Seminary, des Gordon-Conwell Theological Seminary, der National Association of Evangelicals (NAE) und der Zeitschrift Christianity Today. Er war ein bedeutender Prediger, theologischer Lehrer, ein führender Evangelikaler in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten und wurde auch Park Street Prophet genannt.<ref>Kenneth E. Ortiz: The Lost Giant Among Giants, Lessons from Harold John Ockenga (1905–1985), Website desiringgod.org (30. November 2020, amerikanisches Englisch, abgerufen am 28. November 2025)</ref>

Leben

Ockenga war ein Sohn von Herman und Angie Ockenga und wuchs in Chicago in einer vom Methodismus geprägten Familie auf. Mit elf Jahren machte er ein erstes Glaubenserlebnis in einem methodistischen Kinderferienlager. 1922, sechs Jahre später, nahm ihn Alice Pfafman, eine junge Leiterin, an eine Jugendkonferenz in Galesburg mit, wo er eine zweite Glaubenserfahrung der Heilsgewissheit (englisch: second blessing) machte. 1923 wählte er Theologie statt Recht als Studienfach. Sein Studium an der Taylor University in Indiana schloss er im Jahr 1927 erfolgreich ab. Danach ging er an das Predigerseminar am Princeton Theological Seminary, brach jedoch seine Ausbildung dort ab, um an das Westminster Theological Seminary in Philadelphia zu gehen, wo er 1930 seinen Abschluss machte. Gresham Machen, R. D. Wilson und Cornelius Van Til waren an beiden Seminaren seine prägenden theologischen Lehrer, wobei Machen der wichtigste war.

Ab 1931 war Ockenga Pastor von zwei presbyterianischen Kirchengemeinden in Pittsburgh, der Presbyterian Church und der großen Point Breeze Presbyterian Church.<ref>Garth M. Rosell: America's Hour Has Struck, Website Christian History Institute (2006, amerikanisches Englisch, abgerufen am 24. November 2025)</ref> Daneben führte er sein Studium an der University of Pittsburgh fort und wurde schließlich 1939 zum Ph.D. promoviert.<ref name="EoE"></ref> Ockenga ging 1936 nach Boston, um fortan an der Park Street Congregational Church als Pastor zu arbeiten, die nach wenigen Jahren auf über 1000 Gottesdienstbesucher anwuchs. Durch eine von ihm gegründete Radiosendung und seine Publikationen erlangte Ockenga nationale Bekanntheit und beeinflusste viele jüngere Pastoren, die später Verantwortung an Universitäten und in Kirchen übernahmen. Wayne Grudem, Kenneth Kantzer, George Eldon Ladd, John Gerstner, Samuel Schultz, Merrill Tenney, Roger Nicole, Gleason Archer und J. Harold Greenlee wurden durch ihn maßgeblich geprägt.<ref name="EoE" /><ref>Kenneth E. Ortiz: The Lost Giant Among Giants, Lessons from Harold John Ockenga (1905–1985), Website desiringgod.org 30. November 2020 (englisch, abgerufen am 5. Juni 2023)</ref>

Bei der Gründung am 7. April 1942 der National Association of Evangelicals (NAE), einer Reaktion auf die Gründung von Carl McIntires fundamentalistisch geprägtem American Council of Christian Churches (seinerseits als Gegenorganisation zum liberaleren National Council of Churches gegründet<ref>Stephan Holthaus: Fundamentalismus in Deutschland. Der Kampf um die Bibel im Protestantismus des 19. und 20. Jahrhunderts. 2. Auflage. Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn 2003, ISBN 3-932829-85-9, S. 111.</ref>),<ref></ref><ref>Institute for the Study of American Evangelicals: Carl McIntire. Wheaton College, 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. Mai 2012; abgerufen am 26. Juni 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/isae.wheaton.edu</ref> war er maßgeblich beteiligt. Von 1942 bis 1944 war er der erste Präsident der NAE, deren Ziel es war, die Evangelisation zu fördern, Trennungen innerhalb der evangelikalen Bewegung zu überwinden,<ref name="DJT"></ref> und sich in sozialen und kulturellen Belangen zu engagieren.<ref name="EoE" />

Ockenga war eine der führenden Persönlichkeiten der Neuausrichtung des US-amerikanischen Evangelikalismus nach dem Zweiten Weltkrieg, die man gemäß einem von ihm geprägten Begriff als Neo-Evangelicals bezeichnete.<ref name="EoE-2"></ref> Zusammen waren sie der Ansicht, dass die Evangelikalen sich nur auf wesentliche Punkte wie die biblische Autorität, die Erfahrung von Umkehr und Rettung durch das stellvertretende Erlösungswerk von Jesus Christus, der Auftrag von Mission und Evangelisation konzentrieren sollten, um so die amerikanische Gesellschaft und Kultur wesentlich mitprägen zu können.<ref>Garth M. Rosell: America's Hour Has Struck, Website Christian History Institute (2006, amerikanisches Englisch, abgerufen am 24. November 2025)</ref> Zu dieser Gruppe US-amerikanischer christlicher Leiter gehörte neben Carl F. H. Henry, Harold Lindsell, Wilbur Smith und Edward John Carnell auch der durch christliche Radiosendungen bekannte Charles Edward Fuller.

Fuller wurde der Namensgeber des nach ihm benannten Fuller Theological Seminary in Pasadena.<ref name="EoE-3"></ref> Ockenga gehörte 1947 zu dessen Gründern und war sowohl von 1947 bis 1954 als auch von 1960 bis 1963 dessen Präsident, blieb jedoch während seiner Amtszeiten stets in Boston wohnhaft.

1950 lud Ockenga Billy Graham als Prediger in seine Kirche in Boston und in weitere Kirchen Neuenglands ein, woraus sich eine lebenslange Freundschaft entwickeln sollte. Später wurde er Direktor der Billy Graham Evangelistic Association.<ref>Kenneth E. Ortiz: The Lost Giant Among Giants, Lessons from Harold John Ockenga (1905–1985), Website desiringgod.org 30. November 2020 (englisch, abgerufen am 5. Juni 2023)</ref> 1956 war er bei der Gründung von Christianity Today beteiligt und führte danach rund 25 Jahre den Vorsitz über den Verwaltungsrat der evangelikalen Zeitschrift.

1969 zog sich Ockenga aus der Gemeindearbeit der Park Street Church in den Ruhestand zurück, übernahm jedoch die Präsidentschaft der Gordon College and Divinity School. Aus dem Zusammenschluss des Gordon Seminary und der Conwell School of Theology entstand schließlich in den darauffolgenden Jahren das Gordon-Conwell Theological Seminary,<ref name="EoE-4"></ref> dessen Präsident er danach weiterhin bis 1979 blieb. In seiner Amtszeit entstanden neue Bauten wie die Bromley Hall, das Gregory-Auditorium und das Rhodes-Gymnasium, ebenso wurden die Abteilungen für Ökonomie, Polit- und Naturwissenschaften eingerichtet.<ref>Harold John Ockenga (1905–1985), President 1969–1976, Website gordon.edu (englisch, abgerufen am 5. Juni 2023)</ref>

Am 8. Februar 1985 erlag er an einer Krebserkrankung. Billy Graham würdigte ihn bei der Beerdigung als Gigant unter Giganten (englisch: giant among giants). Niemand außerhalb meiner Familie hätte ihn stärker beeinflusst als Ockenga. Er habe keine große Entscheidung getroffen, ohne ihn anzurufen und um seinen Rat zu fragen.<ref>Kenneth E. Ortiz: The Lost Giant Among Giants, Lessons from Harold John Ockenga (1905–1985), Website desiringgod.org (30. November 2020, amerikanisches Englisch, abgerufen am 28. November 2025)</ref>

Schriften (Auswahl)

  • Our Protestant Heritage, Zondervan, Grand Rapids 1938; Wipf & Stock, Eugene 2017.
  • The Comfort of God: Preaching in Second Corinthians, Fleming H. Revell Co., Ada 1944.
  • Our Evangelical Faith, 1946; Wipf & Stock, Eugene 2019.
  • The Spirit of the Living God, Fleming H. Revell Co., Ada 1947.
  • The Church in God: Expository Values in Thessalonians, Fleming H. Revell Co., Ada 1956.
  • mit John Stott: Power Through Pentecost, Eerdmans Publishing, Grand Rapids 1959.
  • Women Who Made Bible History, Zondervan, Grand Rapids 1961.
  • The Epistles to the Thessalonians. Proclaiming the New Testament, Baker Books House, Ada 1962.
  • mit John R. Richardson und Knox Chamblin: Proclaiming the New Testament, Band III: Containing the Complete Texts of: The Epistle to the Romans & The Epistles to the Thessalonians, 1963.
  • A Christian Primer, 1966.
  • No Other Lord, Gordon Publications, 1969.
  • mit Ralph Turnbull, Hrsg.: The Epistles to the Thessalonians, Preacher's Homiletic Library Proclaiming the New Testament, Matthew, Mark-Luke and John, 4 Bände, Baker Book House, Ada 1972.
  • Harold John Ockenga Sermons, 3 Bände, Wipf and Stock, Eugene 2017.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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