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Moritz David

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Datei:Bochum, Jüdischer Friedhof 3313.jpg
Gedenktafel an der Friedhofskapelle des jüdischen Friedhofs

Moritz David (geboren am 18. Dezember 1875 in Gimbsheim (Rheinhessen); gestorben am 16. Januar 1956 in Manchester)<ref name=":0">Einladung "Matinée für Rabbiner Dr. Moritz David aus Anlass seines 150. Geburtstages"; Evangelische Stadtakademie Bochum, Freundeskreis Synagoge Bochum-Herne-Hattingen; Vita des Dr. Moritz David</ref> war ein deutscher Rabbiner in Bochum.

Leben

David war ein Sohn des Kaufmanns Emil David II. und dessen Ehefrau Amalie (geborene Rüb). Er besuchte zunächst von Ostern 1885 bis Ostern 1894 das Gymnasium in Worms und studierte anschließend von 1894 bis 1896 Theologie am Jüdisch-Theologischen Seminar (Fraenckel’sche Stiftung) in Breslau,<ref>Markus Brann: Geschichte des Jüdisch-Theologischen Seminars (Fraenckel’sche Stiftung) in Breslau. Festschrift zum fünfzigjährigen Jubiläum der Anstalt. Druck von T. Schatzky, Breslau 1904, S. 152 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> wo er unter anderem Vorlesungen bei Markus Brann hörte. Er belegte zugleich ein Studium der semitischen Geschichte, Philologie und Philosophie an der dortigen Universität. Im Herbst 1896 wechselte er an die philosophische Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität nach Erlangen, wo er seine Dissertation Das Targum scheni zum Buch Esther ablieferte und am 22. Februar 1897 zum Dr. phil. promoviert wurde.<ref name=":0" />

1901 wurde er als erster Rabbiner der Synagogengemeinde Bochum berufen. Er war Religionslehrer an höheren Schulen, unter anderen an der Höheren Schule für Mädchen,<ref>Festschrift zum 125jährigen Bestehen der Hildegardis-Schule. Bochum 1985, S. 21.</ref> sowie der Leiter einer hebräischen Sprachschule in der Gemeinde. Er setzte seine Schwerpunkte in der caritativen Betätigung und der Erwachsenenbildung. So lag ein Teil seiner Arbeit ab 1919 in der Mitarbeit in der Jüdischen Wanderarbeitsfürsorge. Er war auch Leiter des Wohlfahrtsamts der Jüdischen Gemeinde. Im Jahr 1924 wurde er Gründer der „Rabbiner Dr. David-Stiftung“, einer Stiftung, die armen Frauen die Brautausstattung finanzierte und zinslose Darlehen gewährte.<ref name=":0" />

Im jüdischen Leben in Bochum spielte er eine große Rolle. Im Jahr 1919 gab es mit dem evangelischen Pfarrer Johannes Zauleck einen Streit um Antisemitismus. In seiner Zeit als Rabbiner fiel die Eröffnung des neuen jüdischen Friedhofs in Wiemelhausen, als ein Teil des Kommunalfriedhofs in Wiemelhausen. Dort wurde 1928 auch eine Trauerhalle errichtet.<ref name=":0" /> Der historische Teil des Friedhofs wurde mit seinen Gräberfeldern, Brunnen und Trauerhalle 2001 als Baudenkmal unter der Nummer A 529 eingetragen.<ref>Denkmalliste der Stadt Bochum, Karteikarte: A 529. (PDF) In: geodatenportal.bochum.de. 22. Juni 2001, abgerufen am 8. Juni 2021.</ref> Im Gegensatz dazu wurde 1925 der Rückbau der Synagoge an der Wilhelmstraße betrieben,<ref name=":0" /> die stark maurisch-orientalistischen Elemente wurden reduziert.

Zu seinen Ämtern und Funktionen gehörte auch eine Mitgliedschaft im Vorstand des „Israelitischen Altenheims in Westfalen e.V.“ in Unna. Dort war er auch von 1905 bis 1939 der Geistliche der Einrichtung. Weiterhin war er tätig in der Gremienarbeit im Verband der Synagogengemeinschaft Westfalen, und als Vorstandsmitglied im Centralverein der Juden in Deutschland sowie im Verein für jüdische Geschichte und Literatur. Im Rheinischen Rabbinerverband war er Vorsitzender.<ref name=":0" />

Er blieb Rabbiner in Bochum bis zu seinem freiwilligen Ruhestand im April 1934. Er blieb aber weiterhin Leiter des Wohlfahrtsamts. Sein Nachfolger in Bochum wurde ab 1936 Josef Kliersfeld. Im Juni bis November 1938 betreute er kurz das vakante Rabbinat in Dortmund.<ref name=":0" /> Nach den Novemberpogromen wurde er verhaftet und für kurze Zeit im KZ Sachsenhausen gefangen gehalten. Im Frühjahr 1939 emigrierte er mithilfe von Leo Baeck nach England. Nach Kriegsbeginn wurde er als „feindlicher Ausländer“ interniert. Im Lager traf er Erich Mendel wieder, einen der Lehrer an der jüdischen Schule in Bochum. Mit ihm feierte er gemeinsam Gottesdienste. 1940 meldete er sich für eine Schiffsreise der Internierten nach Australien; seine Frau wie die der anderen Männer sollte später folgen. In Australien tat er freiwilligen Dienst in einem Internierungslager.<ref name=":0" /> Nach über zwei Jahren hieß es, dass die Frauen doch nicht folgen könnten, und David kehrte nach England zurück.<ref>Hubert Schneider: Leben nach dem Überleben: Juden in Bochum nach 1945. Hrsg.: Verein „Erinnern für die Zukunft e.V.“ in Verbindung mit dem Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte. LIT, 2014, ISBN 978-3-643-12796-9, S. 9.</ref> Er starb am 16. Januar 1956 in Manchester.<ref name="Birkmann et al 1998" />

1959 wurde durch einige Mitglieder der Synagogengemeinde Bochum eine Gedenktafel für Moritz David auf dem jüdischen Friedhof an der Wasserstraße enthüllt.<ref name="Birkmann et al 1998" /> Am 27. Mai 1998 beschloss die Stadt Bochum, Straßen im Ehrenfeld, die nach Protagonisten der Kolonisierung Afrikas benannt waren, umzubenennen: Die Petersstraße in Else-Hirsch-Straße, die Lüderitzstraße in Ottilie-Schoenewald-Straße und die Wißmannstraße in Dr.-Moritz-David-Straße.<ref>Amt für Geoinformation, Liegenschaften und Kataster: Bochumer Straßennamen - Herkunft und Deutung. Hrsg.: Stadt Bochum, Die Oberbürgermeisterin. Eigenverlag, Bochum 2014 (Ausgabe auf einer CD-Rom).</ref>

Schriften (Auswahl)

  • Das Targum Scheni zum Buche Esther. Fischer, Krakau 1898 (archive.org – Dissertation mit Lebenslauf).

Siehe auch

Einzelnachweise

<references> <ref name="Birkmann et al 1998"> Günter Birkmann, Hartmut Stratmann, Thomas Kohlpoth: Bedenke vor wem Du stehst. 300 Synagogen und ihre Geschichte in Westfalen und Lippe. 1. Auflage. Klartext-Verlag, Essen 1998, ISBN 3-88474-661-8, S. 260. </ref> </references>

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