Porno for Pyros
| Porno for Pyros | |
|---|---|
| Allgemeine Informationen | |
| Herkunft | Los Angeles, Kalifornien, Vereinigte Staaten |
| Genre(s) | Alternative Rock, Psychedelic Rock |
| Aktive Jahre | 1993–1997 |
| Letzte Besetzung | |
Gesang |
Perry Farrell |
Gitarre |
Peter DiStefano |
Bass |
Martyn LeNoble |
Schlagzeug |
Stephen Perkins |
| Live- und Session-Mitglieder | |
| Michael „Flea“ Balzary | |
Bass |
Mike Watt |
Bass |
Dave Navarro |
| Matt Hyde | |
Porno for Pyros war eine US-amerikanische Rockband, die zwischen 1993 und 1997 existierte. Sie bestand aus den Jane’s-Addiction-Mitgliedern Perry Farrell und Stephen Perkins sowie dem Gitarristen Peter DiStefano und dem niederländischen Bassisten Martyn LeNoble.
Geschichte
Während es zwischen Perry Farrell und den beiden Saiten-Instrumentalisten Dave Navarro und Eric Avery am Ende bei Jane’s Addiction zu Unstimmigkeiten kam, harmonierten Perry Farrell und Stephen Perkins bestens. Farrell legte bei seiner neuen Band, die er im Mai 1992 gründete, deshalb Wert auf den Schlagzeuger, der die Polyrhythmik beherrscht, das heißt, so klingt, als trommelten zwei Schlagzeuger.<ref name="Gross">Martin Gross: Porn again! Porno for Pyros. In: Metal Hammer. Mai 1993, S. 136 ff.</ref> Den Gitarristen Peter DiStefano hatte Farrell ein Jahr zuvor bei einem Surf-Trip in Mexiko kennengelernt.<ref name="StratmannArt">Holger Stratmann: Porno for Pyros. Paradiesvögel. In: Rock Hard. Nr. 72, Mai 1993, S. 30 f.</ref><ref name="MaginArt">Marco Magin: Porno for Pyros. Surf-Boys auf dem Technologie-Trip. In: Break Out. Das Heavy Rock Magazin. Juni/Juli, Juni 1993, S. 57.</ref><ref name="RHEnz">Holger Stratmann (Hrsg.): Rock Hard Enzyklopädie. 700 der interessantesten Rockbands aus den letzten 30 Jahren. Rock Hard GmbH, Dortmund 1998, ISBN 3-9805171-0-1, Porno for Pyros, S. 302.</ref> DiStefano vermutet, dass er mehr wegen seines „spirituellen“ Stils und weniger wegen des technischen Könnens ausgewählt worden sei.<ref name="Ransom">Kevin Ransom: Porno for Pyros. In: Guitar Player. September 1996, Profile, S. 27–30.</ref> Bassist Martyn LeNoble brachte Erfahrungen aus dem Jazz-Bereich mit.<ref name="Gross" />
In einem Prospekt für Feuerwerkskörper, das einem Pornomagazin beigelegt war, stach Farrell der Slogan „Porno for Pyros“ ins Auge, den er zum Bandnamen erkor.<ref name="StratmannRez">Holger Stratmann: Porno for Pyros. Paradiesvögel. In: Rock Hard. Nr. 72, Mai 1993, 10 x Dynamit. Die Kracher des Monats und die Arschbombe, S. 76.</ref><ref name="Richter">Henning Richter: Porno for Pyros. Harmonie statt Stress. In: Metal Hammer. Juli 1996, Story, S. 118 f.</ref> Er wurde auch für den Titel der ersten Veröffentlichung im April 1993 als passend befunden, da er auf den Sensationsjournalismus im amerikanischen Fernsehen angewendet werden konnte. Der Erscheinungstermin hatte sich wegen des Coverartworks, das umgekehrte Hakenkreuze beinhalten sollte, verzögert: Die Plattenfirma Warner Bros. Records setzte sich mit ihrer Verbotsabsicht durch.<ref name="Jeffries">Neil Jeffries: Kerrang! The Direktory of Heavy Metal. Virgin Books, London 1993, ISBN 0-86369-761-5, S. 175.</ref> Das Album, das einen kleinen Hit namens Pets enthält, verkaufte sich zunächst gut, rutschte aber bald in den Charts ab.<ref name="Erlewine">Stephen Thomas Erlewine: Porno for Pyros Biography by Stephen Thomas Erlewine. In: allmusic.com. Abgerufen am 13. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Nachdem sich LeNoble während der Aufnahmen zum zweiten Album Good Gods Urge (1996) wegen Drogenbesitzes im Gefängnis aufhielt, wurden aus Ungewissheit über seinen Verbleib verschiedene Vertreter engagiert, u. a. Flea von den Red Hot Chili Peppers und Mike Watt (Minutemen, Firehose), der auch als Tourbassist diente. An ausgewählten Terminen der Tour trat Navarro als Überraschungsgast auf.<ref name="Erlewine" /> Zahlreiche Surfausflüge in exotischen Gegenden hatten sich stimmungsmäßig auf die Stücke des Albums ausgewirkt.<ref name="Ransom" /><ref name="Jeffries" /> Aufgrund der seichteren Ausrichtung von Good Gods Urge,<ref name="Richter" /> blieb der Publikumserfolg aus, weshalb das Projekt gestoppt wurde.
Porno for Pyros’ nennenswerteste Auftritte fanden auf dem Reading Festival 1993 (als Headliner) und im Jahr darauf dem Woodstock II statt.<ref name="Larkin">Colin Larkin: The Guinness Who’s Who of Heavy Metal Second Edition. Guinness Publishing, Enfield, Middlesex, England 1995, ISBN 0-85112-656-1, S. 279.</ref>
2023 kündigte die Band eine US-Tournee sowie neues Material an.<ref>Festivals und Touren. In: Ox-Fanzine. Nr. 169, August 2023, S. 5.</ref> Während einige Club-Konzerte im Vorfeld mit Bassist LeNoble gegeben werden konnten, lautet die Besetzung für die im Februar 2024 gestartete „Horns, Thorns En Halos Farewell Tour“ Farrell, DiStefano, Perkins und Watt.<ref>Greg Prato: Perry Farrell: Mike Watt Will Play Bass on Porno for Pyros’ 2024 Farewell Tour. „Mike Watt is in my estimation one of the greatest bass players of all time“. In: consequence.net. 29. November 2023, abgerufen am 13. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Stil
In den Online-Datenbanken Discogs<ref>Porno for Pyros. Profil. In: discogs.com. Abgerufen am 13. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und Allmusic<ref name="Erlewine" /> wird die Musik bei „Alternative Rock“ eingeordnet. In der Musikzeitschrift Musikexpress bezog sich Martina Wimmer in ihrer Beschreibung ebenfalls auf diese gängige Einordnung.<ref name="Wimmer">Martina Wimmer: Porno for Pyros. Porno for Pyros. In: Musikexpress/Sounds. Special 1994. Das Jahr im Griff. Januar 1994, Die fünfzig besten Platten 1993, S. 101.</ref> Ihr Redaktionskollege Wolf Kohl verwendete dagegen die Bezeichnung „Psychedelic Rock“.<ref name="Kohl">Wolf Kohl: Der Zirkus kommt: Porno for Pyros greifen tief in die Theatralik-Kiste. In: Musikexpress/Sounds. 451. August 1993, 22. Juli 1993, Live, S. 42.</ref> Auch Holger Stratmann vom Rock Hard gab Psychedelic Rock an.<ref name="StratmannArt" /><ref name="StratmannRez" /> „[N]eo-psychedelic sound“ nennt Kevin Ransom im Guitar Player die Ausrichtung der Band.<ref name="Ransom" /> Die spezifische Alternative-Spielart von Porno for Pyros machten laut Wimmer „Metal-Repliken und Funk-Rhythmen, sphärische Schönheit und exotische Rhythmen im Spannungsfeld mit scharfen Gitarrenattacken“ aus.<ref name="Wimmer" /> Stephen Thomas Erlewine (AllMusic) entdeckte darin Züge von Artrock, Punk, Heavy Metal und Funk und fand die Mischung kreischend („one shrieking whole“).<ref name="Erlewine" /> In der Rock Hard Enzyklopädie ist von einer „Melange aus Artrock, Weltmusik, Postpunk, Glam-Rock und schräge[n] Keyboardsounds“ die Rede.<ref name="RHEnz" /> Kohl vernahm eine Mischung aus „Psychedelic der 60er“ mit dem „Punk-Funk der 90er“<ref name="Kohl" /> und Stratmann meinte, es läge eine originelle Variante des Psychedelic Rock mit Soundeffekten vor,<ref name="StratmannRez" /> „der selten aggressiv, aber garantiert abgedreht genug ist, um auch den alten Addiction-Fans zu gefallen“.<ref name="StratmannArt" />
Für Erlewine ist die musikalische Ausrichtung eine Fortsetzung, der mit Jane’s Addiction eingeschlagenen Richtung,<ref name="Erlewine" /> was Nick Douglas im Metal Hammer<ref name="Douglas">Nick Douglas: Porno for Pyros, Los Angeles, Cal State Dominguez Hills University. In: Metal Hammer. August 1993, Live, S. 140.</ref> und Ute-Elke Schneider im Fachblatt Musikmagazin<ref>Ute-Elke Schneider: Porno for Pyros. Perry Farrell nach Jane’s Addiction. In: Fachblatt Musikmagazin. Juli 1993, S. 26 f.</ref> bestätigten. Neil Jeffries ging in seinem Buch Kerrang! The Direktory of Heavy Metal weiter, indem er Farrells Fortführung als „Jane’s Addiction für Arme“ bezeichnete.<ref name="Jeffries" /> Ähnlich sah dies Martin Popoff in seinem Buch The Collector's Guide of Heavy Metal Volume 3: The Nineties. Er meinte, beide Alben seien eine Fortsetzung von Jane’s Addiction; das erste träge,<ref>Martin Popoff: The Collector’s Guide of Heavy Metal Volume 3: The Nineties. Collectors Guide Ltd., Burlington, Ontario, Kanada 2007, ISBN 978-1-894959-62-9, Porno for Pyros – Porno for Pyros, S. 347.</ref> das zweite immerhin weniger verkrampft.<ref>Martin Popoff: The Collector’s Guide of Heavy Metal Volume 3: The Nineties. Collectors Guide Ltd., Burlington, Ontario, Kanada 2007, ISBN 978-1-894959-62-9, Porno for Pyros – Good God’s Urge, S. 347.</ref> Die Gemeinsamkeiten von beiden Bands hob Colin Larkin in The Guinness Who’s Who of Heavy Metal Second Edition hervor.<ref name="Larkin" /> Der Unterschied zu Jane’s Addiction, betonte Stratmann, bestehe im „Einsatz von viel Technik und Samples“.<ref name="StratmannArt" /> Break-Out-Mitarbeiter Marco Magin erkannte die grundsätzliche Addiction-Linie, aber auch das hinzugenommene „technische Beiwerk“ sowie „neue Textideen“.<ref>Marco Magin: Porno for Pyros. Porno for Pyros. In: Break Out. Das Heavy Rock Magazin. Juni/Juli, Juni 1993, Platten, S. 44.</ref> Farrell erhob im Interview Samples und Techno-Elemente zum fünften Bandmitglied.<ref name="Gross" /> Es gehe um „Töne, die nicht mit herkömmlicher Rockinstrumentierung zu erzielen sind“. Die Basis bleibe auf jeden Fall Rock. Wichtig sei nicht die Art der Tonerzeugung, „sondern die Emotion, die der Ton auslöst“. Die Erzeugung bestimmter nur einmal vorkommender Sounds stünde live in keinem Verhältnis zum Aufwand – die Bühne wäre sonst voll von nur kurz gebrauchten Gerätschaften, noch dazu wäre es unmöglich, eine Trompeten-Sequenz rückwärts zu spielen.<ref name="StratmannArt" />
Die Musik seiner Band transportiert laut Farrell die Energie von „Gut und Böse“<ref name="Gross" /><ref name="MaginArt" /> – oder wie DiStefano ausführte: „[…] die Melodie Gottes, die Kraft des Teufels“.<ref name="Gross" /> Zur Idee hinter den Porno-for-Pyros-Liedern erklärte Farrell: „Ich verfolge ein kleines Ziel, ich fragte mich, ob man mit Hilfe von Noten einen Menschen chemisch ändern und so eine friedvolle Gesellschaft schaffen kann […].“<ref name="Richter" /> Von diesem Grundgedanken getragen (und gut gelaunt durch die Surf-Ausflüge), fiel das Album Good Gods Urge „ungewöhnlich sanft und ruhig“ aus.<ref name="Richter" /> Dem Debütalbum waren noch „sonderbarste Stimmungswechsel“<ref name="Wimmer" /> attestiert worden, die zu einem „Gesamtkunstwerk“ verschmelzen würden.<ref>Porno for Pyros. Porno for Pyros. In: Musikexpress/Sounds. 448, Mai 1993, 22. April 1993, Rock/Pop, S. 86.</ref>
Eine Art Gesamtkunstwerk bildeten auch die frühen Liveshows, in der illustres, bizarres Zirkuspersonal auftrat: tanzend Spielgeld verteilende Zwerge, ein Hermaphrodit, Stripperinnen, Feuerschlucker, Trapezkünstler, ein Anti-Clown, eine korpulente Ballerina, ein Lesbenakt.<ref name="Larkin" /><ref name="Kohl" /><ref name="Douglas" /> Als Mike Mettler im Guitar Player schrieb, die Band biete gewissermaßen „Porno“, der sowohl oberhalb als auch unterhalb der Gürtellinie wirke, hatte er gar nicht mal die Showelemente im Sinn.<ref>Mike Mettler: Porno for Pyros: Skin and Burns. In: Guitar Player. Juni 1993, Intro, S. 16.</ref>
Diskografie
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- 1993: Porno for Pyros (Warner Bros. Records)
- 1996: Good Gods Urge (Warner Bros. Records)
Singles
- 1993: Sadness (Warner Bros. Records)
- 1993: Pets (Warner Bros. Records)
- 1996: Tahitian Moon (Warner Bros. Records)
- 1997: Hard Charger (Warner Bros. Records)
Auszeichnungen für Musikverkäufe
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Weblinks
Einzelnachweise
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