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Rhodostannit

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Rhodostannit
Datei:Rhodostannite, Andorite-81343.jpg
Etwa 0,5 mm große, pseudo-oktaedrische Rhodostannitkristalle auf Andorit aus der San José Mine, Oruro, Bolivien (Sichtfeld etwa 20 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1968-018<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Rhs<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • Cu1+(Fe2+0,5Sn4+1,5)S4<ref name="BosiBiagioniPasero" /><ref name="IMA-Liste" />
  • Cu2FeSn3S8<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/B.06
II/C.06-150<ref name="Lapis" />

2.DA.10
02.10.03.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol tetragonal-dipyramidal; 4/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe I41/a (Nr. 88)Vorlage:Raumgruppe/88<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 7,31 Å; c = 10,33 Å<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 2<ref name="StrunzNickel" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4 bis 4,5<ref name="Lapis" /> (VHN100 = 243 bis 266<ref name="Handbookofmineralogy" />)
Dichte (g/cm3) berechnet: 4,79<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit Bitte ergänzen!
Farbe rötlich<ref name="Handbookofmineralogy" /> bis rötlichbraun<ref name="Lapis" />
Strichfarbe Bitte ergänzen!
Transparenz undurchsichtig (opak)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Metallglanz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Pleochroismus deutlich: bläulichgrau bis dunkelbraun<ref name="Handbookofmineralogy" />

Rhodostannit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der Endgliedzusammensetzung Cu1+(Fe2+0,5Sn4+1,5)S4 und damit chemisch gesehen ein Kupfer-Eisen-Zinn-Sulfid. Strukturell gehört Rhodostannit zur Spinell-Supergruppe<ref name="BosiBiagioniPasero" /><ref name="IMA-Liste" />

Rhodostannit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form von sehr feinkörnigen, porösen Massen entdeckt werden. Das Mineral ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und zeigt auf den Oberflächen der rötlichen bis rötlichbraunen Aggregate einen metallischen Glanz.

Etymologie und Geschichte

Datei:Rhodostannite-10002 (Sindern, RWTH Aachen).tif
Mikroskop-Aufnahme vom Typmaterial des Minerals Rhodostannit (dunkelgraue bis rötliche Domänen, im Bild links bis zur Mitte), innig verwachsen mit Stannit (hellgraue Domänen rechts und oben). Die schwarzen, unregelmäßigen Flecken sind Poren.

Entdeckt wurde Rhodostannit in einer Mineralprobe (Nr. 12124), die bei Vila Apacheta in der bolivianischen Provinz Rafael Bustillo gesammelt wurde. Die Erstbeschreibung erfolgte durch G. Springer, der das Mineral aufgrund seiner rötlichen Farbe nach dem altgriechischen Wort {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) [rhodon] für Rose und seiner Verwandtschaft mit Stannit, der wiederum nach seinem Zinngehalt (lateinisch stannum) benannt wurde.

Springer reichte seine Analyseergebnisse und den gewählten Namen 1968 zur Prüfung bei der International Mineralogical Association ein (interne Eingangs-Nr. der IMA: 1968-018<ref name="IMA-Liste" />), die den Rhodostannit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Publikation der Erstbeschreibung erfolgte im gleichen Jahr im Fachmagazin Mineralogical Magazine unter dem Titel Electronprobe analyses of stannite and related tin minerals.<ref name="Springer" />

Das Typmaterial des Minerals (Holotyp) wird im Institut für angewandte Mineralogie und Lagerstättenlehre (IML) der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) unter der Sammlungs-Nr. 12124 aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmineralkatalog" /><ref name="Typmineralkatalog-Deutschland" />

Klassifikation

Die strukturelle Klassifikation der IMA zählt den Rhodostannit zur Spinell-Supergruppe, wo er zusammen mit Carrollit, Cuproiridsit, Cuprokalininit, Fletcherit, Florensovit, Malanit und Toyohait die „Carrollit-Untergruppe“ innerhalb der „Thiospinelle“ bildet (Stand 2019).<ref name="BosiBiagioniPasero" />

Die bekannten und zunächst nach chemischer Zusammensetzung ordnenden Mineralsystematiken sortieren den Rhodostannit in die Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ ein.

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Rhodostannit dort zur Abteilung der „Sulfide mit [dem Stoffmengenverhältnis] M(etall) : S(chwefel) = 1 : 1“, wo er zusammen mit Cadmoselit, Greenockit, dem inzwischen diskreditierten Hexastannit und Wurtzit die „Wurtzit-Reihe“ mit der System-Nr. II/B.06 bildete.

Im Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. II/C.06-150. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Abteilung „Sulfide mit [dem Stoffmengenverhältnis] Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo Rhodostannit zusammen mit Barquillit, Briartit, Černýit, Famatinit, Ferrokësterit, Hocartit, Kësterit, Keutschit, Kuramit, Luzonit, Permingeatit, Petrukit, Pirquitasit, Sakuraiit, Stannit, Toyohait und Velikit die „Stannit-Gruppe“ (II/C.06) bildet (Stand 2018).<ref name="Lapis" />

Die seit 2001 gültige und von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Rhodostannit dagegen in die Abteilung der „Metallsulfide mit M : S = 3 : 4 und 2 : 3“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach dem genauen Stoffmengenverhältnis, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : S = 3 : 4“ zu finden ist, wo es zusammen mit Toyohait die „Rhodostannitgruppe“ mit der System-Nr. 2.DA.10 bildet.<ref name="IMA-Liste-2009" />

Die von der Mineraldatenbank „Mindat.org“ weitergeführte Strunz-Klassifikation, die sich im Aufbau nach der 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik richtet, führt in der Gruppe 2.DA auch die nach 2009 neu beschriebenen Spinelle Ezochiit und Grimmit zusammen mit Ferrodimolybdänit (FeMo2S4), Zaykovit (Rh3Se4) und Zolenskyit (FeCr2S4) auf.<ref name="Mindat-Strunz-2.DA" />

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana ist Rhodostannit zusammen mit Toyohait in der unbenannten Gruppe 02.10.03 innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m + n) : p = 3 : 4“ zu finden.

Chemismus

In Endgliedzusammensetzung von Rhodostannit – Cu1+(Fe2+0,5Sn4+1,5)S4 – besteht das Mineral im Verhältnis aus zwei Teilen Kupfer (Cu), einem Teil Eisen (Fe), drei Teilen Zinn (Sn) und acht Teilen Schwefel (S). Zusammengenommen besteht also ein Stoffmengenverhältnis aller Metalle zum Schwefel von 6 : 8 oder auch 3 : 4. Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 15,97 Gew.-% Cu, 7,02 Gew.-% Fe, 44,77 Gew.-% Sn und 32,24 Gew.-% S.

Die analysierten Mineralproben aus der Typlokalität Vila Apacheta in Bolivien hatten mit durchschnittlich 15,9 bis 16,0 Gew.-% Cu, 6,5 bis 6,8 Gew.-% Fe, 45,4 bis 45,5 Gew.-% Sn und 31,3 bis 32,8 Gew.-% S<ref name="Springer" /> nur eine geringe Abweichung von der Idealzusammensetzung.

Mit Toyohait (Ag2FeSn3S8) als silberhaltigem Endglied bildet Rhodostannit eine Mischkristallreihe.<ref name="BosiBiagioniPasero" />

Kristallstruktur

Rhodostannit kristallisiert mit tetragonaler Symmetrie der Raumgruppe I41/a (Raumgruppen-Nr. 88)Vorlage:Raumgruppe/88 mit den Gitterparametern a = 7,31 Å und c = 10,33 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Die Kristallstruktur von Rhodostannit entspricht der Spinellstruktur, wobei das Cu1+-Ion die T-Stelle einnimmt, während Fe2+ und Sn4+ zufällig über die äquivalenten M-Stellen verteilt sind.<ref name="BosiBiagioniPasero" />

Kristallstruktur von Rhodostannit
Farbtabelle: Vorlage:Farbe Cu 0 Vorlage:Farbe Fe 0 Vorlage:Farbe Sn 0 Vorlage:Farbe S

Bildung und Fundorte

Rhodostannit bildet sich als Verwitterungsprodukt aus Stannit und kommt entsprechend mit diesem, aber auch mit Pyrit vergesellschaftet vor.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Weltweit sind bisher (Stand: 2012) nur etwas mehr als 10 Fundorte für Rhodostannit dokumentiert.<ref name="Mindat-Anzahl" /> Neben seiner Typlokalität Vila Apacheta in der Provinz Rafael Bustillo (Departamento Potosí) trat das Mineral in Bolivien noch in der „San José Mine“ bei Oruro, der „Huanuni Mine“ nahe der gleichnamigen Stadt und der „Santa Cruz Mine“ bei Poopó im Departamento Oruro auf.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in der argentinischen Provinz Jujuy (Mina Pirquitas und Cusi Cusi), in der „Tongkeng-Changpo Mine“ im Kreis Nandan im Chinesisch Autonomen Gebiet Guangxi, auf den japanischen Inseln Hokkaidō (Toyoha Mine) und Shikoku (Besshi Mine) sowie in den US-Bundesstaaten Arizona (Campbell Mine, Bisbee) und Nevada (Dean Mine und Lucky Rocks Claim, Lander County).

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="BosiBiagioniPasero"> </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste">Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> <ref name="IMA-Typmineralkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – R. (PDF 169 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 14. Mai 2021. </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat-Anzahl"> Localities for Rhodostannite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 14. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Springer"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Mindat-Strunz-2.DA"> Strunz-mindat (2025) Classification - M:S = 3:4. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 21. April 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Typmineralkatalog-Deutschland"> R. Kurtz: Rhodostannit im Typmineral-Katalog Deutschland. Universität Hamburg, 8. August 2020, abgerufen am 14. Mai 2021. </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Rhodostannite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 11. Mai 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>