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Max Timm

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Max Timm (* 19. März 1898 in Lunden; † 25. April 1979 in Kiel<ref>Max Timm. Unabhängige Historikerkommission zur Geschichte des Reichsarbeitsministeriums 1933–1945, abgerufen am 6. Mai 2025.</ref>) war ein deutscher leitender Verwaltungsbeamter und in der Zeit des Nationalsozialismus als Abteilungsleiter im Reichsarbeitsministerium (RAM) zuständig für die europaweite Zwangsarbeit.

Leben

Nach dem Studium der Volkswirtschaft in Köln, Kiel und Göttingen und der Promotion zum Dr. rer. pol. 1924 begann Timm, in der Industrie und der Landwirtschaft zu arbeiten. 1928 wurde er Leiter des Arbeitsamtes Heide. Im April 1933 wurde er zur Hauptstelle nach Berlin abgeordnet. Hier wurde er zunächst Referent in der Abteilung II (Arbeitsvermittlung und Berufsberatung) und dort nach seinem Parteieintritt am 1. Mai 1933 auch Vertrauensmann der NSDAP. 1934/1935 wurde Timm zum Oberregierungsrat ernannt und 1937/1938 Leiter der Abteilung II (Arbeitseinsatz und Berufsberatung); 1939 Leiter der Abteilung Va (Arbeitseinsatz einschließlich Berufsnachwuchslenkung), mittlerweile als Ministerialrat.

1942 bestellte ihn Fritz Sauckel in seiner Funktion als Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz (GBA) zum Leiter der Hauptabteilung VI (Europaamt für den Arbeitseinsatz), womit Timm der ranghöchste Beamte im RAM wurde. Somit war er für den Arbeitseinsatz, insbesondere für die Rekrutierung der ausländischen Arbeitskräfte zuständig, zuletzt als Ministerialdirigent. Das RAM war seit Einrichtung der Behörde des GBA im März 1942 fachlich und seit März 1943 dieser auch personell unterstellt und damit insgesamt mitverantwortlich für den Einsatz von Zwangsarbeitern.

Vor dem Internationalen Militärgerichtshof wurde Timm am 1. Juni 1946 durch Sauckels Verteidiger Robert Servatius als Zeuge befragt.<ref>Vorlage:HauptkriegsverbrecherIGH1947</ref>

Ab 1950 war Timm Abteilungsleiter (Arbeit) im Sozialministerium in Schleswig-Holstein. Dort war er in eine Affäre um Sozialen Wohnungsbau verwickelt.<ref>Die Herren an der Quelle. In: Der Spiegel. Nr. 42, 1953 (online).</ref> Ab 1953 war er Ministerialrat, ab 1962 Ministerialdirigent, in seinen Arbeitsbereich fiel auch die Zuständigkeit für die Sozialgerichte.<ref name="Klee626f">Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 626 f.</ref> 1964 wurde er pensioniert. Er gehörte zu den Mitwissern der Werner Heyde/Sawade-Affäre um einen untergetauchten Euthanasie-Täter.<ref>Klaus-Detlev Godau-Schüttke: Die Heyde/Sawade-Affäre: Wie Juristen und Mediziner den NS-Euthanasieprofessor Heyde nach 1945 deckten und straflos blieben. 3. Auflage. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2010, ISBN 978-3-8329-5048-4, S. 126 f.</ref>

Privates

Max Timm war seit dem 20. April 1924 mit Luise, geb. Schröder verheiratet. Sie hatten drei gemeinsame Kinder.

Auszeichnungen

Schriften

  • Die Umwandlungen von Genossenschaftsmeiereien in Erwerbsmeiereien in der Provinz Schleswig-Holstein (mit Einschluss v. Provinz u. Stadt Lübeck) unt. Würdigung d. geschichtl. Werdegangs u. d. jetzigen Organisation des Meiereiwesens für dieses Gebiet. Dissertation, Göttingen 1924.
  • Mitautor: Regelung des Arbeitseinsatzes in Stadt und Land: Ein kurzgef., übersichtl. Führer mit Abdruck d. einschläg. Gesetzesbestimmgen. München / Berlin 1934.
  • Die bevorzugte Arbeitsvermittlung für die alten Kämpfer der nationalsozialistischen Revolution. In: Arbeitseinsatz und Arbeitslosenhilfe, 1934, 1, S. 6–8.
  • Der Einsatz ausländischer Arbeitskräfte in Deutschland. In: RABl V; 1941, Nr. 34, S. 609–617; 1941, Nr. 35–36, S. 636–642; 1942, Nr. 1, S. 5–15; 1942, Nr. 2, S. 23–33.

Quellen

  • Bundesarchiv Berlin: Mitgliederkartei der NSDAP.
  • Handbuch (1944), Band I., S. 271.

Literatur

  • Eckhard Hansen, Florian Tennstedt (Hrsg.) u. a.: Biographisches Lexikon zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1871 bis 1945. Band 2: Sozialpolitiker in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus 1919 bis 1945. Kassel University Press, Kassel 2018, ISBN 978-3-7376-0474-1, S. 203 f.; uni-kassel.de/upress (PDF; 3,9 MB).
  • Dieter G. Maier: Anfänge und Brüche der Arbeitsverwaltung bis 1952. Zugleich ein kaum bekanntes Kapitel der deutsch-jüdischen Geschichte. Brühl (Rheinland) 2004, S. 162 (Schriftenreihe der Fachhochschule des Bundes für Öffentliche Verwaltung, Band 43).
  • Walter Naasner: Neue Machtzentren in der deutschen Kriegswirtschaft 1942–1945. Die Wirtschaftsorganisation der SS, das Amt des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz und das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition/Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion im nationalsozialistischen Herrschaftssystem, Boppard 1994, S. 48 (Schriften des Bundesarchivs, 45).
  • Kim Christian Priemel: Arbeitsverwaltung vor Gericht. Das Reichsarbeitsministerium und die Nürnberger Prozesse 1945–1949. In: Alexander Nützenadel (Hrsg.): Das Reichsarbeitsministerium im Nationalsozialismus. Verwaltung – Politik – Verbrechen. Göttingen 2017, S. 461–493.

Weblinks

  • Lebenslauf von Max Timm. Seiten der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Reichsarbeitsministeriums 1933–1945.

Einzelnachweise

<references />

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