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Cadinene

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Datei:Cadalane.svg
Cadinan, die Grundstruktur der Cadinene

Die Cadinene (Betonung auf der dritten Silbe: Cadinene) sind eine Gruppe chiraler Verbindungen, die sich durch die Lage der Doppelbindungen im Molekül, die Konfiguration der Stereozentren und die Verknüpfung der beiden Cyclohexanringe unterscheiden. Es sind ungesättigte bicyclische Kohlenwasserstoffe und gehören zur Reihe der Sesquiterpene. Allen liegt die Struktur der gesättigten Stammverbindung, dem Cadinan, zugrunde.

Die Bezeichnung leitet sich ab von Juniperus oxycedrus (franz. Cade oder Genévrier cade, Stech-Wacholder), aus dessen Holz erstmals Cadinene isoliert wurden.

In Abhängigkeit von der stereochemischen Konfiguration werden die einzelnen Vertreter der Stoffgruppe auch als Muurolene, Amorphene oder Bulgarene bezeichnet.

Vertreter

Die bei drei stereogenen Zentren acht möglichen Stereo-Isomeren sind alle bekannt, das bedeutendste und gleichzeitig das häufigste Sesquiterpen überhaupt ist (−)-β-Cadinen (Spezifischer Drehwert: [α]D20= −251°).<ref name="Römpp"/> Es ist ein Hexahydro-Derivat des 4-Isopropyl-1,6-dimethylnaphthalins (Cadalin), die gesättigte Stammverbindung ist als Cadinan bekannt.

Cadinene
Name α-Cadinen β-Cadinen γ-Cadinen δ-Cadinen ε-Cadinen
Andere Namen (1S,4aR,8aS)- 1-Isopropyl-4,7-
dimethyl- 1,2,4a,5,8,8a-hexahydronaphthalen
γ-Muurolen δ-Amorphen ε-Muurolen
Strukturformel Struktur von α-Cadinen Struktur von β-Cadinen Struktur von γ-Cadinen Struktur von δ-Cadinen Struktur von ε-Cadinen
CAS-Nummer Vorlage:CASRN Vorlage:CASRN Vorlage:CASRN [(–)-γ-Cadinen]
Vorlage:CASRN
Vorlage:CASRN Vorlage:CASRN
Vorlage:CASRN
Vorlage:CASRN
Vorlage:CASRN
? (Isomerengemisch)
PubChem 12306048
101708
3032853 15094
6429304
6432404
92313
10512446
6432308
5315591
10223
441005
12306055
5315590
520461
Summenformel C15H24
Molare Masse 204,39 g·mol−1
Aggregatzustand flüssig
Kurzbeschreibung farbloses Öl von angenehmem Geruch<ref name="Römpp">Eintrag zu Cadinen. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>
Schmelzpunkt
Siedepunkt 275 °C<ref name="Römpp"/>
Dichte 0,92 g·cm−3<ref name="Römpp"/>
Löslichkeit in Wasser nahezu unlöslich<ref name="Römpp"/>
GHS-
Kennzeichnung

<ref>In Bezug auf ihre Gefährlichkeit wurde die Substanz von der EU noch nicht eingestuft, eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.</ref>
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze siehe oben
siehe oben
siehe oben

Stereochemie

Je nach Verknüpfung der beiden Cyclohexan-Ringe des Dekalins werden in Abhängigkeit von der absoluten stereochemischen Konfiguration die einzelnen Vertreter der Stoffgruppe auch als Muurolene, Amorphene oder Bulgarene bezeichnet.

Cadinene sind gegenüber Licht empfindlich und sollten daher an dunklen Orten aufbewahrt werden.

Vorkommen und Gewinnung

Datei:Juniperus oxycedrus Ibiza.jpg
α-Cadinen ist Hauptbestandteil des aus Wacholderholz (Juniperus oxycedrus) gewonnenen Cade-Öls

α-Cadinen findet sich in Gamander (Teucrium cyprium und Teucrium kotschyanum)<ref name="Dr. Duke ALPHA" /> β-Cadinen ist in den Blättern mancher Gamander-Arten, in Ageratum (Ageratum conyzoides),<ref name="Dr. Duke BETA" /> in Beifuß (Artemisia annua)<ref name="Dr. Duke BETA" /> sowie im Wermutkraut<ref name="ZNaturf1981-370"/> zu finden. Es ist der Hauptbestandteil des Cade-Öls, das durch trockene Destillation von Wacholderholz (Juniperus oxycedrus) im Mittelmeerraum gewonnen wird. Das Isomer γ-Cadinen kommt in Anis-Duftnessel,<ref name="FFJ-2004-351" /> Basilikum (Ocimum basilicum),<ref name="Dr. Duke GAMMA" /> Tamarindenbaum (Tamarindus indica),<ref name="Dr. Duke GAMMA" /> Ageratum (Ageratum conyzoides),<ref name="Dr. Duke GAMMA" /> der Waldkiefer (Pinus sylvestris),<ref name="Dr. Duke GAMMA" /> dem Eukalyptus (Eucalyptus globulus)<ref name="Dr. Duke GAMMA" /> und Goldrute-Arten vor. δ-Cadinen findet sich in größeren Mengen in Helmkräutern (Scutellaria lateriflora)<ref name="Dr. Duke DELTA" />, sowie Basilikum (Ocimum basilicum,<ref name="Dr. Duke DELTA" /> Ocimum tenuiflorum<ref name="Dr. Duke DELTA2" />) Waldkiefer (Pinus sylvestris),<ref name="Dr. Duke DELTA" /> Teebaum (Melaleuca alternifolia)<ref name="Dr. Duke DELTA" /> und im Kubeben-Pfeffer (Piper cubeba),<ref name="Dr. Duke DELTA" /> zu finden. Auch in dem von Bienen produzierten Propolis konnten γ- und δ-Cadinen und nachgewiesen werden.<ref>F. Pellati, F. P. Prencipe, S. Benvenuti: Headspace solid-phase microextraction-gas chromatography-mass spectrometry characterization of propolis volatile compounds. In: Journal of Pharmaceutical and Biomedical Analysis. Band 84, Oktober 2013, S. 103–111, doi:10.1016/j.jpba.2013.05.045. PMID 23807002. </ref>

Verwendung

Einzelnachweise

<references> <ref name="ZNaturf1981-370">Otto Vostrowsky, Thorolf Brosche, Helmut Ihm, Robert Zintl, Karl Knobloch: Über die Komponenten des ätherischen Öls aus Artemisia absinthium L.. In: Zeitschrift für Naturforschung C. 36, 1981, S. 369–377 (PDF, freier Volltext).</ref> <ref name="FFJ-2004-351">G. R. Mallavarapu, R. N. Kulkarni, K. Baskaran, S. Ramesh: The essential oil composition of anise hyssop grown in India. In: Flavour and Fragrance Journal. Band 19, Nr. 4, Juli 2004, S. 351–353, doi:10.1002/ffj.1316.</ref> <ref name="Dr. Duke ALPHA">Vorlage:DrDukesDB</ref> <ref name="Dr. Duke BETA">Vorlage:DrDukesDB</ref> <ref name="Dr. Duke GAMMA">Vorlage:DrDukesDB</ref> <ref name="Dr. Duke DELTA">Vorlage:DrDukesDB</ref> <ref name="Dr. Duke DELTA2">Vorlage:DrDukesDB</ref> </references>