Dabendorf (Zossen)
Dabendorf Stadt Zossen
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| Koordinaten: | Vorlage:Deutsches Bundesland/Code_type:city&title=Dabendorf 52° 14′ N, 13° 26′ O
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| Höhe: | 37 m | |||||
| Fläche: | 6,8 km² | |||||
| Eingemeindung: | 1. April 1974 | |||||
| Postleitzahl: | 15806 | |||||
| Vorwahl: | 03377 | |||||
Lage von Dabendorf in Brandenburg
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Dabendorf ist ein Gemeindeteil der Stadt Zossen im Landkreis Teltow-Fläming (Brandenburg).<ref name="Hauptsatzung" /> Es war bis 1974 eine selbständige Gemeinde, bevor es zunächst als Ortsteil nach Zossen eingemeindet wurde. Seit 2003 ist Dabendorf lediglich noch ein Gemeindeteil des Ortsteils Zossen. Der Ort gehörte im Mittelalter zur Herrschaft Zossen.
Geographische Lage
Der alte Kern von Dabendorf liegt knapp drei Kilometer Luftlinie nordnordwestlich vom Zentrum der Stadt Zossen. Dabendorf hat sich von diesem alten Kern nach Norden und nach Osten über die B 96 hinaus ausgedehnt und geht heute nahezu ohne Bebauungslücke in die Stadt Zossen über. In Dabendorf zweigt die K 7234 nach Glienick ab. 300 m südöstlich des alten Kerns liegt der Haltepunkt Dabendorf. Dabendorf grenzt im Norden an Groß Machnow (Gem. Rangsdorf), im Osten an Telz (Stadt Mittenwalde), im Südosten an den alten Stadtkern von Zossen und im Südwesten an Nächst Neuendorf (Ortsteil der Stadt Zossen). Im Nordosten der Gemarkung liegt der Pfählingsee, im Südosten das Naturschutzgebiet Prierowsee. Aus diesem Gebiet heraus führt der Königsgraben Zossen, der die südlich gelegenen Flächen in den Nottekanal entwässert. Das Gelände liegt in Höhe des Haltepunkts auf rund 37 m ü. NHN und steigt in Richtung Nordwesten nur leicht auf 39 Meter an. Dort befindet sich der 46,9 m ü. NHN hohe Railingsberg.<ref>Dabendorf, Brandenburgviewer, abgerufen am 8. Februar 2026.</ref>
Geschichte und Etymologie
15. Jahrhundert
Dabendorf wird 1492 als „Daberndorff“ erstmals urkundlich genannt. Es gehörte damals zur Herrschaft Zossen, die nur kurz zuvor von Georg v. Stein an den brandenburgischen Kurfürsten Johann Cicero verkauft worden war. Die Herkunft des Namens ist aufgrund der späten urkundlichen Erwähnung nicht sicher zu deuten. Gerhard Schlimpert erwägt einen slawisch-deutschen Mischnamen, von einem slawischen Personennamen Dobra/Dobr, Koseform von Dobrogost. Da nur ein einziger Beleg mit -r- vorliegt, ist auch eine Herleitung von einem slaw. Personennamen Doba möglich. Auch ein rein deutscher Name, etwa eine Koseform Dabo, von Dagobert ist nicht völlig auszuschließen<ref name="Schlimpert" />. Auf der Gemarkung Dabendorf ist der Flurname der Dohn überliefert. Die mundartliche Form des Ortsnamens lautet Dondorp; es ist daher möglich, dass dieser Flurname die ursprüngliche Siedelstelle bezeichnet<ref name="Onomastica" />. Eine weitere Deutung gibt Jannermann.<ref name="Deutung" /> Er führt aus, dass der slawische Name der Eiche in zwei Formen auftritt, als damb oder dub. Nach dieser Deutung wäre Dabendorf als Eichendorf zu interpretieren.
Die Dorfform war ursprünglich ein Runddorf oder Sackgassendorf.<ref name="Ortslexikon" /> Nördlich des Dorfes existiert eine Flur „Die Wuckrow“. Auch dieser Name könnte ein Hinweis auf eine ältere slawische Siedlung sein. Nach Schich könnte Wuckrow/Wukro von slaw. ogord = Garten abgeleitet sein.<ref name="Siedlung" /> Runddörfer oder Rundlinge wurden vor allem im 12./13. Jahrhundert im Durchdringungsbereich von slawischen und deutschen Siedlern als Plansiedlung angelegt.<ref name="Rundling" /><ref name="Flurname" />
Im Jahr 1545 erschienen zunächst nur ein Lehnschulze und neun Hufner. Im Jahr 1583 umfasste die Gemarkung 10 Hufen, die von neun Bauern bewirtschaftet wurden, der Lehnschulze bewirtschaftete zwei Hufen, die übrigen Bauern je eine Hufe. Die Hufen maßen etwa 9 ha. 1583 waren außerdem zwei Kossäten ansässig, eine Kossätenstelle war erst 1576 neu eingerichtet worden.<ref name="Enders42">Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg: Teltow (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Band 4). Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1976, S. 42</ref>
16. Jahrhundert
In einer weiteren Statistik aus dem Jahr 1624 erschienen neun Hufner, zwei Kossäten, ein neuer Kossätenhof sowie ein Hirte, die zusammen nach wie vor zehn Hufen bewirtschafteten. Im Jahr 1652 lebte der Meier des Amtsschreibers gemeinsam mit zwei Knechten auf dem Schulzengut. Es gab außerdem sieben Bauern mit drei Knechten sowie zwei Kossäten. Aus dem Jahr 1655 ist bekannt, dass der Ort Fischereirechte besaß, vermutlich im nahegelegenen Pfählingsee.<ref name="Enders42" />
17. Jahrhundert
In Dabendorf lebten im Jahr 1711 neun Hufner, ein Kossät, ein Hirte und ein Knecht.<ref name="Enders42" /> 1745 wird erstmals ein Krug erwähnt, außerdem ein Forsthaus außerhalb des Dorfes. Das Schulzengut mit zwei Hufen war im Besitz des Geheimen Justizrates von Rodenberg. 1755 war das Schulzengut in den Besitz der Gräfin von Posadowski übergegangen, die auch im Dorf wohnte. Der Nachtwächter war zugleich auch Schulmeister im Dorf. Es gab außerdem einen wüsten Kossätenhof beim Schulzengut. In Dabendorf erschienen erstmals auch ein Kuhhirt, ein Kälberhirt und ein Pferdehirt. Im Dorf standen im Jahr 1771 insgesamt 11 Giebel (=Häuser).<ref name="Enders43">Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg: Teltow (= Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Band 4). Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1976, S. 43</ref>
18. Jahrhundert
1801 wurden 17 Feuerstellen im Dorf gezählt. Es gab nach wie vor das Lehnschulzengut, acht Ganzbauern, einen Ganzkossäten, drei Büdner, zwei Einlieger und den Krug. Für 1840 werden 19 Wohnhäuser angegeben. Östlich des Dorfes war an der neuen „Chaussee“ von Berlin nach Zossen, die heutige B 96, ein Chausseehaus entstanden, in dem ein Chausseewärter wohnte, der das Chausseegeld erhob. Eine Statistik führte auf: elf Arbeiter, drei Bediente, zwei Zimmergesellen, ein Tischlergeselle, ein Grobschmiedemeister, einen Krug, einen Beamten und einen Rentner. Im Jahr 1860 gab es in Dabendorf zwei öffentliche, 22 Wohn- und 60 Wirtschaftsgebäude.<ref name="Enders43" /> Die Fläche war 2493 Morgen (Mg) groß: 33 Mg Gehöfte, 12 Mg Gartenland, 839 Mg Acker, 452 Mg Wiese, 957 Mg Weide, 200 Mg Wald.<ref name="Enders42" /> Im Urmesstischblatt von 1869 ist südöstlich des Dorfes ein Fasanengarten verzeichnet.
19. und 20. Jahrhundert
1900 wurden bereits 39 Häuser gezählt, bis 1931 waren es insgesamt bereits 173 Wohnhäuser. Vor allem der Bau des Bahnhofs 1899 beschleunigte die Entwicklung Dabendorfs.<ref name="Bahnhof" /> Dabendorf bestand zu dieser Zeit im Jahr 1930 mit dem Vorwerk Karolinenhof und umfasste im Jahr 1900 eine Fläche von 692 Hektar (ha), 1931 eine Fläche von 680 ha und 173 Wohnhäuser.<ref name="Enders42" /> Im Jahr 1939 gab es sechs land- und forstwirtschaftliche Betriebe mit einer Fläche zwischen 20 und 100 ha. Sechs Betriebe bewirtschafteten 10 bis 20 ha, 14 zwischen 5 und 10 ha sowie 50 zwischen 0,5 und 5 ha.
Im Zuge der Bodenreform nach 1945 wurden 63 ha enteignet und aufgeteilt. 1960 wurde eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) gegründet, die 1961 mit 13 Mitgliedern 71 ha Nutzfläche bewirtschaftete. Außerdem gab es ein Agrochemisches Zentrum (ACZ).<ref>Heimatverein erhielt Chronik von der ZBE ACZ Zossen. Abgerufen am 6. März 2025.</ref>
Zum 1. Januar 1974 wurde Dabendorf nach Zossen eingemeindet und erhielt den Status eines Ortsteils.<ref name="Wietstruck" /> Im Zuge der Gemeindereform von 2003 verlor Dabendorf seinen Ortsteilstatus und ist heute „nur“ noch Gemeindeteil des Ortsteils Zossen innerhalb der Stadt Zossen.<ref name="Hauptsatzung" />
Bevölkerungsentwicklung von 1583 bis 1971 (aus Hist. Ortslexikon<ref name="Ortslexikon" />)
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1583 | ca. 50 bis 60 (9 Bauern, 2 Kossäten) |
| 1734 | 94 |
| 1772 | 108 |
| 1801 | 106 |
| 1817 | 111 |
| 1840 | 143 |
| 1858 | 189 |
| 1895 | 271 |
| 1925 | 1049 |
| 1939 | 1791 |
| 1946 | 2284 |
| 1964 | 1844 |
| 1971 | 1820 |
Wirtschaft und Infrastruktur
Gewerbe
Im Jahre 1939 verlegte die Lorenz AG einige Betriebsbereiche nach Dabendorf.<ref name="Rundfunkindustrie" /> 1945 wurde der Betrieb enteignet und in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt. 1956 hatte der VEB Funkwerk Dabendorf (siehe Rundfunk- und Fernmelde-Technik) 583 Beschäftigte. Anfang der 1970er wurde er an den VEB Funkwerk Köpenick, als Betriebsteil Dabendorf angegliedert. Der Betrieb wurde nach der Wende privatisiert. Die Funkwerk Dabendorf GmbH war bis zum Oktober 2012 ein Unternehmen der Funkwerk AG.<ref name="Funkwerk" /> Seitdem gehört sie unter dem Namen novero dabendorf zu Novero.
Verkehr
Der Haltepunkt Dabendorf liegt an der Bahnstrecke Berlin–Dresden. Dort halten die Züge der Regionalbahnlinie RB 24, betrieben durch die DB Regio AG, und der Regional-Express-Linie RE 8, betrieben durch die Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG).
Die Wlassow-Armee
Nach seiner Gefangennahme 1942 wechselte General Andrei Andrejewitsch Wlassow in die Opposition zu Stalin. Er baute die Russische Befreiungsarmee – Russkaja Oswoboditelnaja Armija, ROA, auch Wlassow-Armee genannt – auf und kämpfte an der Seite des Deutschen Reiches gegen die Sowjetunion.<ref name="Wlassow" /> Das Schulungszentrum für die Führungskader, die dort Deutsch lernten, befand sich in Dabendorf.
Denkmale
Baudenkmale
siehe Liste der Baudenkmale in Zossen
Bodendenkmale
Die Denkmalliste des Landkreises Teltow-Fläming verzeichnet auf der früheren Gemarkung von Dabendorf neun Bodendenkmale<ref name="Denkmalliste" />:
- den Dorfkern (Mittelalter und Neuzeit)
- Rast- und Werkplatz der Steinzeit
- Rast- und Werkplatz aus dem Paläolithikum, Rast- und Werkplatz aus dem Mesolithikum, eine Siedlung des deutschen Mittelalters, eine Siedlung der Urgeschichte
- Gräberfeld Bronzezeit 130708
- Siedlung Steinzeit, Siedlung slawisches Mittelalter, Siedlung Bronzezeit
- Siedlung Ur- und Frühgeschichte
- Gräberfeld Ur- und Frühgeschichte
- Siedlung Bronzezeit, Siedlung Urgeschichte
- Rast- und Werkplatz Steinzeit
Naturdenkmale
In der Liste der Naturdenkmale ist eine Gruppe von Eichen verzeichnet, die 0,6 km nordwestlich des Bahnhofs steht (Kreuzung Triftstr./Rangsdorfer Str., vor der Schule). Die Aufnahme erfolgte wegen ihrer Schönheit und ihrer Eigenart sowie wegen ihres Alters und ihrer Größe.<ref name="Naturdenkmale" />
Vereine
Unter den zahlreichen Dabendorfer Vereinen ist vor allem der Dabendorfer Karnevalsclub (DKC) erwähnswert, der bereits 1971 gegründet worden ist.
Mit Dabendorf verbundene Persönlichkeiten
- Jürgen Melzer (* 1941), Maler und Grafiker, lebt seit 2018 in Dabendorf
Quellen
Einzelnachweise
<references> <ref name="Hauptsatzung"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Hauptsatzung der Stadt Zossen ( vom 13. Dezember 2015 im Internet Archive) (PDF; 44 kB) </ref> <ref name="Rundling"> Rundlinge und Slawen, Beiträge zur Rundlingsforschung, Hrsg.: Wolfgang Jürries, Lüchow, 2004, ISBN 3-9806364-0-2 </ref> <ref name="Siedlung"> Winfried Schich: Zum Verhältnis von slawischer und hochmittelalterlicher Siedlung in den brandenburgischen Landschaften Zauche und Teltow. Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, 26: 53–87, 1977 (abgedruckt in: Klaus Neitmann & Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Wirtschaft und Kulturlandschaft Gesammelte Beiträge 1977 bis 1999 zur Geschichte der Zisterzienser und der „Germanica Slavica“. S. 193–222, Berliner Wissenschaftsverlag 2007 Online bei Google Books) </ref> <ref name="Flurname"> Rudolf Schützeichel: Giessener Flurnamen-Kolloquium: 1. bis 4. Oktober 1984. 762 S. Heidelberg, Winter, 1985 Online bei Google Books (S. 253) </ref> <ref name="Funkwerk"> Dschungelführer 2008 (S. 218) </ref> <ref name="Schlimpert"> Schlimpert (1972: S. 63) </ref> <ref name="Wietstruck"> Siegfried Wietstruck: Zusammenschlüsse von Städten und Gemeinden des Kreises. Heimatkalender für den Kreis Zossen, 1981: 49–52, Zossen, 1981. </ref> <ref name="Rundfunkindustrie"> Bernhard Hein: Die Geschichte der Rundfunkindustrie der DDR, Band 1. 336 S., Funk-Verl. Hein, 2003. [1] </ref> <ref name="Wlassow"> Joachim Hoffmann: Die Geschichte der Wlassow-Armee. 468 S., Rombach, 1984 [2] </ref> <ref name="Deutung"> Oswald Jannermann: Slawische Orts- und Gewässernamen in Deutschland: Von Belgard in Pommern bis Zicker auf Rügen. Norderstedt, Books on Demand, 2009, ISBN 978-3-8370-3356-4 [3] </ref> <ref name="Ortslexikon"> Enders und Beck (1976: S. 42/3) </ref> <ref name="Bahnhof"> Wolfgang Ribbe: Berlin-Forschungen, Band 4. 311 S., Colloquium Verlag, Berlin 1989 Teilweise Online bei Google Books </ref> <ref name="Onomastica"> Onomastica slavica Google Books </ref> <ref name="Denkmalliste"> Denkmalliste des Landes Brandenburg Landkreis Teltow-Fläming, Stand: 30. Dezember 2009 <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF ( vom 28. Mai 2013 im Internet Archive) </ref> <ref name="Naturdenkmale"> Naturdenkmale des Kreises Teltow-Fläming – Bäume <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF ( vom 14. Dezember 2007 im Internet Archive) </ref> </references>
Literatur
- Lieselott Enders und Margot Beck: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil IV. Teltow. 395 S., Hermann Böhlaus Nachfolger Weimar, 1976
- Gerhard Schlimpert: Brandenburgisches Namenbuch Teil 3 Die Ortsnamen des Teltow. 368 S., Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1972.
- Wilhelm Spatz: Der Teltow. Teil T. 3., Geschichte der Ortschaften des Kreises Teltow. 384 S., Berlin, Rohde, 1912.
Weblinks
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