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Susi Singer

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Susi Singer, Susanne Singer, auch Selma Singer, Ehename Susi Schinnerl (* 27. Oktober 1891 als Selma Rosa Singer in Wien;<ref>Geburtenbuch IKG Wien, Band N, Nr. 2000; Singer-Schinnerl Susi (Selma), geb. Singer. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 3: P–Z. Böhlau, Wien 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 3082 f. (fwf.ac.at). Die Literatur nennt auch andere Geburtsdaten: Beim US-Census von 1940 hat sie 1902 als ihr ungefähres Geburtsjahr angegeben und ihren Sohn Peter Schinnerl als zweijährig bezeichnet, sein Geburtsdatum ist der 17. September 1937; als Wohnort Pasadena (Kalifornien); bei einer Bewerbung um die Einbürgerung in die USA gab sie „Selma Rosa Schinnerl“ und Geburtsjahr 1891 an; im späteren Einbürgerungsregister (22. Juni 1945) wird „Suzanne Schinnerl“ notiert</ref> † 24. Jänner 1955 in Los Angeles<ref>Susi Singer, Wheel Chair Sculptor, Dies. In: The Los Angeles Times. 30. Januar 1955, S. 7 (Teil IV). Abweichend häufig 1965.</ref>) war eine österreichisch-US-amerikanische Keramikerin.

Leben und Werk

Datei:Susi singer lady.jpg
Figurine von Susi Singer

Susi Singer studierte von 1905 bis 1915 an der Kunstschule für Frauen und Mädchen unter Tina Blau, Michael Powolny, Adolf Böhm und Otto Friedrich. Danach wurde sie Mitarbeiterin der Wiener Werkstätte (1917–1925). Die Kunstschau Wien 1908 zeigte ihre Exponate, dann noch einmal im Jahr 1920. Im Jahr 1922 veröffentlichte die Fachzeitschrift Deutsche Kunst und Dekoration Skulpturen von Singer. 1925 erhielt sie eine Goldene Medaille bei der Pariser Kunstgewerbeausstellung (Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes) für ihre einen Meter hohe Originalkeramik. Ebenfalls 1925 stellte sie in „Deutsche Frauenkunst“ im Künstlerhaus Wien aus. Im selben Jahr gründete sie eine eigene Keramikwerkstatt in Grünbach am Schneeberg. 1928 stellte sie auf der International exhibition of ceramics, ausgerichtet von der American Federation of Arts, AFA, in den USA an verschiedenen Orten aus, unter anderem im MoMA. Sie gewann in London 1934 und auf der Weltausstellung Brüssel 1935 Kunstpreise.

Singer war Mitglied in den Verbänden „Vereinigung Wiener Frauenkunst“ (seit 1926)<ref>Diese war seit 1926 eine Abspaltung von der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs</ref> und Österreichischer Werkbund; bei der „Frauenkunst“ stellte sie von 1927 bis 1933 aus, beim Werkbund 1930. In den Jahren 1920–1925 war sie korrespondierendes Mitglied, ab 1926 assoziiertes Mitglied im Hagenbund.

Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft<ref>Sie war bereits 1924 aus der IKG ausgetreten, Geburtenbuch IKG Wien, Band N, Nr. 2000. Ihr Vermögen (als Selma Schinnerl), ein Grundstück in Grünbach, wurde nach 1938 vom NS-Staat „eingezogen“, also arisiert, vgl. Niederösterreichisches Landesarchiv, S. 15, Nr. 449 Quelle </ref> emigrierte sie 1938 nach dem in einem Bergwerk erfolgten Unfalltod ihres Mannes Josef Schinnerl, den sie 1924 geheiratet hatte, nach Los Angeles in den USA. Sie erhielt 1946 ein Stipendium einer Stiftung am Scripps College, danach lehrte sie dort für kurze Zeit Bildhauerei. Seit Ende der 1940er Jahre war sie auf einen Rollstuhl angewiesen, da ihr Skelett infolge Mangelernährung nach dem Ersten Weltkrieg in Teilen fehlgebildet war. Sie starb 1955 in Kalifornien.<ref>Waltraud Neuwirth: Wiener Keramik. Klinkhardt und Biermann, Braunschweig 1974, ISBN 3-7814-0163-4.</ref>

Singer wird zu den bedeutendsten figürlich-expressiven Keramikerinnen der Wiener Werkstätte gezählt.<ref name="akl">Anette Brunner: Singer-Schinnerl, Susi (Selma; Susanne). In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 104, De Gruyter, Berlin 2019, ISBN 978-3-11-023270-7, S. 88.</ref> Sie schuf sowohl farbig glasierte als auch nach dem Brand bemalte keramische Plastiken. Ihr Hauptthema ist die Frau, meistens als zart und grazil dargestelltes, teils mystisches Fantasiewesen, oft in Kombination mit Blumen, Früchten, Kindern und Tieren. Während Singer zunächst bis zu lebensgroße Werke schuf, entstanden nach ihrer Emigration in die USA ausschließlich kleinere Arbeiten, darunter nun auch Figuren in Alltagszenen oder seltener Werke mit Bezug zu ihrer Biografie (z. B. Refugee, um 1949).<ref name="akl" />

Bildnachweise

Siehe auch

Archivgut

  • Museum für angewandte Kunst (Wien), Bibliothek, Signatur 2287
  • Scripps College, Fine Arts Foundation Collection: Susi Singer, Collection of Ceramic Sculpture 1946 - 1947, Box 4, Folder 90, 1986<ref>bei dieser Stiftung weitere Materialien, u. a. Briefe von / an S. S.; die Stiftung veranstaltet bisweilen Ausstellungen und Tagungen zu ihren (früheren) Mitarbeitern, zu Singer z. B. zuletzt am 19. März 2010.</ref>
  • Österreichische Galerie Belvedere, Selma Singer-Schinnerl; danach gab es ihre letzte Ausstellung im Vorkriegs-Wien ab 7. März 1937
  • Museenkoeln.de, Kunst-und-Museumsbibliothek Köln, Signaturen 1.46,285,353,415,708; 4.57.2 und K850,893

Literatur

Weblinks

Commons: Susi Singer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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