Precuneus
Die Bezeichnung Precuneus bezieht sich auf denjenigen Teil des medialen Hirnmantels, der zwischen Okzipitallappen und Lobulus paracentralis gelegen ist. Er wird nach rostral und basal durch die verzweigten Ausläufer des Sulcus cinguli vom Lobulus paracentralis und Gyrus cinguli getrennt, nach occipital vom Sulcus parietooccipitalis.<ref>Sobotta, Johannes und H. Becher: Atlas der Anatomie des Menschen. 3. Teil: Blutkreislauf, Herz, Periphere Nerven und Blutgefäße, Lymphgefäße, Zentralnervensystem, Sinnesorgane, Haut. Urban & Schwarzenberg, München - 16 1962, Fig. 210; Text Seite 244</ref> Er wird in neurophysiologischer Hinsicht manchmal als Teil des Lobulus parietalis superior beschrieben.
Topographie
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Lobulus parietalis superior
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Precuneus
Der Precuneus geht an der Mantelkante in den Lobulus parietalis superior über, mit dem er möglicherweise gemeinsame neurophysiologische Aufgaben teilt. Funktionell-anatomisch bildet er den Übergang zwischen dem Default Mode-Netzwerk und dem fronto-parietalen Aufmerksamkeitsnetzwerken<ref>AV Utevsky, DV Smith, SA Huettel: Precuneus is a functional core of the default-mode network. In: Journal of neuroscience. 2014, doi:10.1523/JNEUROSCI.4227-13.2014 (jneurosci.org).</ref>.
Funktion
Der Precuneus spielt eine wichtige Rolle bei visueller Kognition und Aufmerksamkeitsprozessen. Eine zentrale Rolle wird ihm bei der visuellen Vorstellung zugeschrieben<ref>MF Land: Do we have an internal model of the outside world? In: Philos Trans R Soc Lond B Biol Sci. 2014, doi:10.1098/rstb.2013.0045 (royalsocietypublishing.org).</ref>. Als Teil des Default Mode-Netzwerkes ist der Precuneus für den Abruf episodischer, insbesondere autobiographischer Gedächtnisinhalte von Bedeutung<ref>P Fossati: Imaging autobiographical memory. In: Dialogues Clin Neurosci. 2013, PMC 3898686 (freier Volltext).</ref>. Jüngere Forschungen zeigen, dass der Precuneus auch eigenständige Gedächtnisrepräsentationen herausbilden kann. Forscher des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie des Universitätsklinikums Tübingen haben erforscht, wie der Hippocampus mit dem Precuneus beim Lernen zusammenarbeitet<ref>S Brodt, D Pöhlchen, VL Flanagin, S Glasauer, S Gais, M Schönauer: Rapid and independent memory formation in the parietal cortex. In: Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS). 31. Oktober 2016, doi:10.1073/pnas.1605719113 (uni-tuebingen.de [PDF]).</ref> und konnten zeigen, dass der Precuneus den anatomischen Sitz des Engramms darstellen könnte<ref>S Brodt, S Gais, J Beck, M Erb, K Scheffler, M Schönauer: Fast track to the neocortex: A memory engram in the posterior parietal cortex. In: Science. 2018, doi:10.1126/science.aau2528 (sciencemag.org).</ref>. Der Precunues scheint dabei vor allem für die Enkodierung spezifischer räumlicher Information in das Langzeitgedächtnis bedeutsam zu sein<ref>BH Schott BH, T Wüstenberg, E Lücke, IM Pohl, A Richter, CI Seidenbecher, S Pollmann, JM Kizilirmak, A Richardson-Klavehn.: Gradual acquisition of visuospatial associative memory representations via the dorsal precuneus. In: Human Brain Mapping. 2018, doi:10.1002/hbm.24467 (wiley.com).</ref>.
Weblinks
- Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie des Universitätsklinikums Tübingen
Einzelnachweise
<references />