Andreas Goldschmidt
Andreas J. W. Goldschmidt (* 2. November 1954 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Gesundheitswirtschafts- und Humanwissenschaftler. In seinen Forschungsarbeiten geht es vor allem um die Entwicklung der Gesundheitsversorgung und deren Evaluation unter sozialwirtschaftlichen Aspekten.
Leben
Der Gesundheitsökonom, Medizininformatiker und Biostatistiker kam aus der Industrie als Quereinsteiger in die Medizin. Er wurde zusätzlich Arzt und ging nach Tätigkeiten in den Universitäten in Frankfurt/Main und Bonn mit studienbegleitenden Fort- und Weiterbildungsaufenthalten in Cambridge / GB, Cleveland / Ohio und Venedig als Vorstand in die private Wirtschaft zurück nach Luxemburg. Von 2003 bis 2017 lehrte und forschte er im Bereich Gesundheitsmanagement und Logistik an der Universität Trier. Seit 2018 ist er Gastwissenschaftler an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Andreas Goldschmidt ist verheiratet und hat 2 Kinder.
Wissenschaftliche Laufbahn
In seiner Doktorarbeit in der Biomathematik bei Klaus Abt<ref>A. J. W. Goldschmidt: Computergestützte Untersuchung circadianer und wöchentlicher EEG-Schwankungen bei älteren Probanden. Dissertation, J. W. Goethe-Universität Frankfurt am Main 1989.</ref> suchte er nach rhythmischen Mustern bzw. statistischen Auffälligkeiten von Hirnströmen und gewann im Oktober 1988 – quasi als Nebenprodukt einer Eigenentwicklung zum grafischen Ausdruck seiner Ergebnisse – den Programmierpreis eines Computermagazins im Markt&Technik-Fachverlag.<ref>A. J. W. Goldschmidt: Top-Listing: Zur Doktorarbeit ein Druckertreiber. (Preisträger-Beitrag des Top-Listing-Wettbewerbs) In: Computer Persönlich. Fachmagazin für Personal Computer. Markt & Technik, Haar (10) 1988, S. 76–82.</ref> Er entwickelte in den 1990er-Jahren erste valide Methoden zum „Medizincontrolling“.<ref>A. J. W. Goldschmidt, M. Kalbitzer, J. Eckhardt (Hrsg.): Praxishandbuch Medizincontrolling. Hüthig / Economica, Heidelberg 2005, ISBN 3-87081-330-X.</ref> Die Habilitationsschrift bei seinem Mentor Wolfgang Giere enthielt unter anderem wieder einen Beitrag zur Mustererkennung, hier aber zur visuellen Identifizierung von Krebserkrankungen, die als unterschiedliche Kreisverzerrungen dargestellt wurden. Die Ergebnisse wurden zur Republikation im internationalen Medizininformatik-Jahrbuch ausgewählt.<ref>A. J. W. Goldschmidt, C. J. Luz, W. Giere, R. Lüdecke, D. Jonas: Multi-dimensional Visualisation of Laboratory Findings and Functional Test Results for Analysing the Clinical Course of Disease in Medicine. In: IMIA Yearbook of Medical Informatics. Schattauer, Stuttgart 1996, S. 242–248.</ref> Noch vor Verleihung der venia legendi für Medizinische Informatik und Biometrie durch die Goethe-Universität Frankfurt am Main erhielt er 1997 und 1998 jeweils einen Ruf an die Universitäten Halle und Bonn. In Bonn forschte er dann drei Jahre lang in den Bereichen Telemedizin und Gesundheitsmanagement und arbeitete in der Ethikkommission mit.<ref>http://www.uni-trier.de/index.php?id=10896 → GremienarbeitEtc_bis_2011.pdf →Seite 2, Pos. 150 →Mitglied (1998–2000): Ethikkommission der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn.</ref> Er erhielt 2003 einen Ruf an die Universität Trier und die venia legendi für Gesundheitsmanagement und Logistik.<ref>http://idw-online.de/pages/de/news59564 → Infodienst Wissenschaft → Berufung Uni Trier</ref><ref>http://idw-online.de/pages/de/news93017 → Infodienst Wissenschaft → Verbleib in Uni Trier statt TU München</ref> In den letzten Jahren seiner Forschungsarbeiten in Trier untersuchte er mit einem interdisziplinären Forscherteam und dem ideellen Netzwerk 'FnR' von Musikern für das Forschungsprojekt 'Musik statt Pille'<ref>Andreas Goldschmidt: Folk-n-Rock Rhein-Main (Studio DG OF-Bieber) - Home. Abgerufen am 3. Dezember 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Pressemitteilung Universität Trier: Forschungsprojekt: Musik statt Pille. Universität Trier, 18. November 2014, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 31. Dezember 2017; abgerufen am 31. Dezember 2017.</ref><ref>Daniel Conrad: Forschungsvorhaben im Gesundheitsmanagement an der Universität Trier - Beethoven nach dem Krebs? In: Saint-Paul Luxembourg s.a (Hrsg.): Die Warte - Perspectives. Band 6, Nr. 2463. Luxemburger Wort, 12. Februar 2015, ZDB-ID 2421054-7, S. 5–7 (fnr-rhein-main.de [PDF; abgerufen am 31. Dezember 2017]).</ref> die unterstützende Wirkung von Musik auf die Gesundheit.<ref>Andreas Goldschmidt: Folk-n-Rock Rhein-Main (Studio DG OF-Bieber) - Musik+Gesundheit. Abgerufen am 3. Dezember 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Seine Hypothesen dafür basierten auf seinen frühen Untersuchungen von Rhythmen der Gehirnströme. Er verfasste bis Stand 2017 ca. 180 Publikationen in seinen Forschungsschwerpunkten. - Mit Thomas M. Deserno und Alfred Winter gab er 2025 das Buch „KI in der Medizin - Folgenabschätzung für Forschung und Praxis“ heraus. Es adressiert mit 19 eigenständigen Beiträgen – grundlegend sowie anhand von aktuellen Praxisbeispielen – den laufenden Diskurs über Künstliche Intelligenz in der Medizin, sowohl im Hinblick auf die Potenziale als auch die Risiken und die nötigen Maßnahmen, die wir als Gesellschaft treffen müssen. Der Beachtung der Folgen durch die KI-Forschung hat sich die Präsidiumskommission „Ethische Fragen in der Medizinischen Informatik, Biometrie und Epidemiologie“ der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS) mit diesem Buch in besonderer Weise gewidmet.<ref>A. J. W. Goldschmidt, T. M. Deserno, A. Winter (Hrsg.): KI in der Medizin - Folgenabschätzung für Forschung und Praxis. medhochzwei, Heidelberg 2025, ISBN 978-3-9880014-1-2.</ref>
Gesundheitspolitik, Institutionen, Ehrungen und Preise
Goldschmidt wurde 2003/2004 vom Bundesgesundheitsministerium in den Beirat zu Fragen der künftigen Telematikinfrastruktur und elektronischen Gesundheitskarte gewählt.<ref>Pressemitteilung (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive ) → Universität Trier → Pressestelle → Archiv → Mai 2003 → 27. Mai 2003 Bundesgesundheitsministerium beruft Andreas J. W. Goldschmidt in ein Beratergremium für die Projektgruppe Telematik / PG1</ref> Sein Gutachten zur initial erforderlichen, ausreichenden Akzeptanzbildung bei Patienten und Ärzten sah die heftigen Diskussionen zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte der folgenden 10 Jahre voraus, was anfangs aber von einigen Entscheidungsträgern unterschätzt wurde. Bei einer von der Fachzeitschrift „Die Gesundheitswirtschaft“ des Bibliomed-Verlages in den Jahren 2007 und 2008 durchgeführten Leserumfrage wählten die Leser auch zwei Universitätsprofessoren zu den „Top 20“ der deutschen Gesundheitswirtschaft: Andreas Goldschmidt aus Trier und Günter Neubauer aus München.<ref>U. Meurer (Hrsg.): Top 20 Köpfe der Gesundheitswirtschaft 2008. In: Die Gesundheitswirtschaft. Bibliomed, Melsungen, (2) 2008, S. 24–27 (ISSN 1864-3469)</ref><ref>https://web.archive.org/web/20160707113818/http://gesundheitspolitik-forum.de/index.php?menu=view&id=50 → Film von der Preisverleihung des GesundheitsWirtschaft 2008 Award in Berlin zur Leserwahl der Top 20 Persönlichkeiten der deutschen Gesundheitswirtschaft</ref> Goldschmidt gewann 2008 zudem den 1. Platz beim Deutschen GenoAward des Genossenschaftsverbands für seine wissenschaftlichen Untersuchungen und Fortschritte bei der Optimierung von Gesundheitsorganisationen durch neue Prinzipien der Gesundheitslogistik für Patienten, Ärzte und sonstige Gesundheitsberufe.<ref >Aktuelles. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. Dezember 2013. → 2008 → 1. Platz beim GenoPortal AWARD 2008 → Preisverleihung</ref><ref>Verleihung GenoPortal-Award an Gesundheitsregionen der Zukunft. Pressemitteilung von Andramedos eG 5. Dezember 2008.</ref> Für seine Forschungen und Konzepte zur Verbesserung einer wohnortnahen Gesundheitsversorgung „Gesundheitsregion Trier+“ wurde er gemeinsam mit beteiligten Kollegen u. a. seines Instituts vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF in 2008 und 2009 gefördert.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivlink ( vom 30. Mai 2011 im Internet Archive) → Gesundheitsregion Mosel-Saar-Trier+</ref><ref>Aktuelles. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. Dezember 2013. → 2008 → eHealth und Gesundheitslogistikforschung → Urkunde und Bilder</ref> 2012 wurde Goldschmidt in die Klasse „Social Sciences, Law and Economics“ der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste aufgenommen.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Euro-Acad.eu → Andreas J.W. Goldschmidt“ ( vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) 2012 at European Academy of Sciences and Arts</ref><ref>http://www.idw-online.de/de/news492592 → Infodienst Wissenschaft → Aufnahme in Euro-Acad.eu</ref> Er war von 2012 bis 2023 außerordentliches Mitglied im Fachgebiet „Pharmakoökonomie und Biostatistik“, der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Wissenschaftlicher Fachausschuss der Bundesärztekammer.<ref>„AkdAe.de → Andreas J.W. Goldschmidt“ 2012 außerordentliches Mitglied der Arzneimittelkommission</ref>
Wissensförderung
Er setzt sich für die Förderung von Nachwuchsführungskräften in der Gesundheitswirtschaft ein. Im Auftrag der B. Braun Stiftung hat er dafür das seit 2006 alle 2 Jahre von dieser ausgeschriebene Mentoringprogramm entwickelt.<ref>A. J. W. Goldschmidt: Mentoring fördert die jungen Führungskräfte in der Gesundheitswirtschaft. In: Führen und Wirtschaften. (f&w), Bibliomed, Melsungen, 24 (1/2007), S. 52–55 (ISSN 0175-4548)</ref><ref>http://www.bbraun-stiftung.de/ → Programme → Mentoringprogramm; s. a. → Service → Pressespiegel → Mentoringprogramm für Nachwuchskräfte</ref> Dieser Förderungsnahme hat sich als zweiter Partner im Jahre 2010 auch die Stiftung Careum in Zürich / Schweiz angeschlossen.<ref>http://www.stiftung-careum.ch/ → Förderprogramme → Mentoring für Führungskräfte von morgen</ref> Zur besseren Vernetzung aller Akteure in der Gesundheitsversorgung konzipierte er von 2007 bis 2014 den jährlichen Rhein-Main Zukunftskongress: „Krankenhaus und Partner“.<ref>http://www.rhein-main-zukunftskongress.de/</ref>
Verantwortungsbereiche
Im Aufgabenbereich seiner Professur in Trier war er von 2003 bis zu seiner Abschiedsvorlesung im November 2017 geschäftsführender Leiter des Internationalen Health Care Management Instituts – IHCI – sowie Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Gesundheitsökonomie – ZfG.<ref>Uni Trier: Zentrum für Gesundheitsökonomie - Home. Abgerufen am 18. Oktober 2017.</ref> Im Nebenamt war er seit 2006 zudem in der Studienleitung der Hessischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie sowie der Hessischen Berufsakademie in Frankfurt/Main mit seiner Zweigakademie in Offenbach/Main verantwortlich. Seit Wintersemester 2017/2018 lehrt er noch im Gebiet "Gesundheits- und Medizinmanagement" an der privaten, gemeinnützigen FOM Hochschule für Ökonomie und Management in Frankfurt/Main und Essen, in der er im Nebenamt von 2012 bis 2022 auch Sprecher für Gesundheit und Soziales war.<ref>FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige Gesellschaft mbH: FOM Bachelor und Master Studium Gesundheit und Soziales. Abgerufen am 18. Oktober 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Seit 2018 ist er Gastwissenschaftler am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin (IASU) der Goethe-Universität Frankfurt am Main und wurde vom Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS) 2019 und noch einmal seit 2025 mit der Leitung der Präsidiumskommission „Ethische Fragen in der Medizinischen Informatik, Biometrie und Epidemiologie“ beauftragt.<ref>Laudatio für Herrn Prof. Dr. Andreas J.W. Goldschmidt zum 65. Geburtstag (S. 33-35). Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS), 1. April 2019, abgerufen am 15. Januar 2026.</ref><ref>Glückwünsche für Herrn Prof. Dr. Andreas J.W. Goldschmidt zum 70. Geburtstag (S. 33). Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS), 7. Februar 2025, abgerufen am 15. Januar 2026.</ref><ref>Autoren -> Univ.-Prof. Dr. med. habil. Andreas J. W. Goldschmidt. medhochzwei Verlag, Heidelberg, 15. Januar 2026, abgerufen am 15. Januar 2026.</ref><ref>Präsidiumskommissionen -> Ethische Fragen in der Medizinischen Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS), 1. Oktober 2025, abgerufen am 15. Januar 2026.</ref>
Werke
- mit T. M. Deserno und A. Winter (Hrsg.): KI in der Medizin - Folgenabschätzung für Forschung und Praxis. medhochzwei Verlag, Heidelberg 2025, ISBN 978-3-9880014-1-2.
- mit J. Hilbert (Hrsg.): Krankenhausmanagement mit Zukunft – Orientierungswissen und Anregungen von Experten. kma Medien im Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-13-161231-1.
- mit J. Hilbert (Hrsg.): Gesundheitswirtschaft in Deutschland. Die Zukunftsbranche. (Gesundheitswirtschaft und Management, Band 1). Wikom-Verlag, Wegscheid 2009, ISBN 978-3-9812646-0-9.
- mit M. Kalbitzer und J. Eckhardt (Hrsg.): Praxishandbuch Medizincontrolling. Economica, Heidelberg 2005, ISBN 3-87081-330-X.
- mit M. Beck, A. Greulich, M. Kalbitzer, R. Schmidt und G. Thiele (Hrsg.): Management Handbuch DRGs. 1. Auflage. Economica, Heidelberg 2003, ISBN 3-87081-300-8.
- mit C. Ohmann, H. U. Prokosch, J. Stausberg und H. Sippel (Hrsg.): Herausforderungen in der Informationsverarbeitung an den Universitätskliniken des Landes Nordrhein-Westfalen. Bericht 3.-6. Workshop. Shaker, Aachen / Maastricht 1999, ISBN 3-8265-4554-0.
- als Hrsg.: Medizinische Statistik. Klinische Forschung: Von der Idee zum Ergebnis. Springer-Verlag, Berlin u. a. 1996, ISBN 3-540-60053-1.
- mit P. G. Fabricius und J. E. Altwein: Prostatakarzinom. Neue Aspekte der endokrinen Therapie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-13-786701-0.
Quellen
<references />
Weblinks
- Literatur von und über Andreas Goldschmidt im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Pubmed MEDLINE
- www.uni-trier.de/index.php?id=10896
- www.andreas-goldschmidt.com
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Goldschmidt, Andreas |
| ALTERNATIVNAMEN | Goldschmidt, Andreas J. W. |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Gesundheitswirtschafts- und Humanwissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 2. November 1954 |
| GEBURTSORT | Frankfurt am Main |
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- Gesundheitswissenschaftler
- Hochschullehrer (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn)
- Hochschullehrer (Universität Trier)
- Hochschullehrer (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
- Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste
- Deutscher
- Geboren 1954
- Mann