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AGN-211-P

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Datei:Nuclear research reactor AGN-211-P - University of Basel, Switzerland - 25 July 2008 - (4).jpg
AGN-211-P (2008)

AGN-211-P war der Forschungsreaktor der Universität Basel, der von 1959 bis 2013 betrieben wurde. Ursprünglich wurde er als Anschauungsobjekt für die Weltausstellung Expo 58 in Brüssel gebaut, wo er sich unter dem Atomium befand.

Für die Forschung selbst war er seit längerem nicht mehr relevant, er diente noch der Ausbildung der Studierenden, zur Demonstration sowie der Erzeugung von Neutronenstrahlung.<ref name="badische">badische-zeitung.de: Die Kernkraftzwerge, 22. Juni 2011, abgerufen am 7. Januar 2014.</ref><ref name="Gallacchi">Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt: Interpellation Nr. 36 von Remo Gallacchi betreffend «Ausbildungs- und Forschungsreaktor der Uni Basel» vom 30. Mai 2013.</ref>

Der Hersteller des Reaktors war Aerojet General Nucleonics(AGN).<ref name="unibas">Universität Basel: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />550 Jahre Universität Basel – Geschichte des Departements Physik der Universität Basel (Memento vom 27. Juni 2011 im Internet Archive), September 2009.</ref><ref name="iaea">IAEA: Switzerland (Swiss Confederation): Research Reactor Details – AGN 211 P</ref><ref>AGN war eine Tochter der Aerojet General Corporation, die wiederum der General Tire and Rubber Company gehörte (heute als Aerojet Rocketdyne firmierend); Quelle: Journal of the Assembly, Legislature of the State of California, 1959, S. 64.</ref>

Der Reaktor war im Betrieb gut zugänglich und es konnte u. a. das Tscherenkow-Leuchten beobachtet werden.<ref name="forum" />

Bau und Betrieb

Datei:Atomium WA 1958.jpg
Der Reaktor AGN-211-P befand sich 1958 unter dem Atomium.

In den 1950er Jahren stieg auch in der Schweiz das Interesse an einer zivilen Nutzung der Atomenergie. Dem entsprach die zunehmende Bedeutung des Atomkerns als Forschungsgegenstand an der Universität Basel. In seiner Rektoratsrede referierte der damalige Institutsleiter Huber 1958 über die Geschichte der Kernenergie und ihre Bedeutung für den Menschen. Für Huber war die Kernenergie eine der «tiefgreifendsten Entdeckungen der Menschheit». Um eine Ausbildung der Physikstudenten auf diesem Gebiet zu ermöglichen, entwarf Huber 1959 einen aussergewöhnlichen Praktikumsversuch und erwarb dazu einen Kernreaktor vom Typ AGN 211 von der amerikanischen Firma Aerojet General Nucleonics.<ref>Internationalisierung nach dem 2. Weltkrieg. In: Unigeschichte seit 1460. Geschichte der Universität Basel. Abgerufen am 30. November 2025.</ref><ref>David Tréfás: Die Beteiligung der Universität Basel am Schweizer Atomprogramm. In: Unigeschichte seit 1460 (0nline Geschichte der Universität Basel) https://unigeschichte.unibas.ch/fakultaeten-und-faecher/philnat-fakultaet/zur-geschichte-der-philnat-fakultaet/physik/internationalisierung-nach-dem-2-weltkrieg. Basel 2010.</ref>

Der heutige Reaktor AGN-211-P war 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel unter dem Atomium installiert. 1959 wurde er in die Schweiz geholt. Gekauft wurde er bereits 1958 mit Unterstützung des Bundes.<ref name="badische" /><ref name="unibas" /> Als Baubeginn in der Schweiz gilt der 30. April 1959, die Inbetriebnahme erfolgte am 1. August 1959.<ref name="iaea" /> Eingebaut wurde der Reaktor in den ehemaligen Kohlenkeller der Physikalischen Anstalt an der Universität Basel. Auf der Grundlage des Bundesgesetzes über die friedliche Verwendung der Atomenergie wurde per 1. Juli 1960 eine Betriebsbewilligung erteilt. Der Reaktorkern bestand ursprünglich aus einer Polyethylen-Uranoxidmischung. Dieser Kern erwies sich für die Rückhaltung von Spaltprodukten als ungeeignet. Daher wurden die Brennelemente im Jahr 1961 gegen Metallplattenelemente mit 90 Prozent angereichertem Uran ausgetauscht. Seitdem gab es auch kein Vorkommnis gemäss Richtlinien der ENSI. Seit diesem Jahr diente der Versuchsreaktor zu Ausbildungszwecken.<ref name="ensi stilllegungsprojekt">https://www.ensi.ch/de/2017/05/24/ensi-beurteilt-stilllegungsprojekt-des-forschungsreaktors-der-uni-basel-als-vollstaendig/</ref><ref>https://www.ensi.ch/de/themen/forschungsreaktoren/</ref><ref>Internationalisierung nach dem 2. Weltkrieg. Abgerufen am 30. November 2025.</ref>

Die Kontrollanlage wurde 1986 total erneuert.<ref name="baz">bazonline.ch: Das Miniatur-AKW mitten in Basel, 13. April 2011.</ref> Seit 1997 wurden zukünftige Operateure von schweizerischen Atomkraftwerken am Basler Reaktor ausgebildet.  Im Dezember 2000 beauftragte die Regierung Basel-Stadt das Kantonale Laboratorium, die Erdbebensicherheit des Reaktors zu überprüfen. 2003 erfolgte eine Störfallanalyse zur Erdbebensicherheit des Forschungsreaktors. Die Analyse wurde von der Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (heute Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI) durchgeführt. Als Ergebnis bestätigte der Bund, dass bei einem Erdbeben – unabhängig von seiner Stärke – die Dosisgrenzwerte für radioaktive Strahlung nicht überschritten würden, weder für die Bevölkerung noch für das Rettungspersonal.<ref>Gutachten zum Abschlussbericht Stilllegung des Reaktors AGN-211-P der Universität Basel. In: ENSI DE. 9. Juni 2021, abgerufen am 30. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Stilllegung

2006 erhielt der Kanton Basel-Stadt eine neue Verfassung. Darin wandte sich der Kanton gegen die Nutzung von Kernenergie. Die Verfassung untersagte den Behörden jegliche Beteiligungen an Atomkraftwerken. Vor diesem Hintergrund verstärkte sich die öffentliche Kritik am Basler Kernreaktor. Im Parlament wurden kritische Vorstösse zur Sicherheit der Anlage eingereicht. Die Basler Regierung nahm 2011 Stellung und verwies darauf, dass die Anlage als Nullenergiereaktor mit einer Höchstleistung von zwei Kilowatt ungefährlich sei. Die produzierte Energie entspreche der Leistung eines Tauchersieders. Wegen dieser geringen Leistung hätten die Brennstäbe allerdings eine Lebensdauer von mehreren 100 Jahren. Und das verwendete Uran sei atomwaffenfähig – es bräuchte indes weit mehr als die für die Anlage benötigten 2 Kilo, um eine Bombe herzustellen.<ref>S. W. I. swissinfo.ch: Basler Uni-Atommüll in die USA gebracht - aus ältestem CH-Reaktor. In: SWI swissinfo.ch. 17. September 2015, abgerufen am 30. November 2025.</ref>

Die Stilllegung war gleichwohl eine Frage der Zeit. Die Anlage war zu alt, entsprechende Spezialisten gingen in Pension. Die Jahresinspektion im November 2013 ergab zwar keine Beanstandungen. Trotzdem wurde der älteste Atomreaktor der Schweiz seit 2013 nicht mehr benutzt. Experimentelle Kernphysik war an der Universität Basel kein Forschungsschwerpunkt mehr. Zudem waren am Reaktor-Standort Neubauten geplant, denen die Anlage weichen musste.<ref name="Gallacchi" /><ref>tagesanzeiger.ch: Der älteste Atomreaktor der Schweiz schaltet ab, 24. Juli 2013.</ref><ref>S. W. I. swissinfo.ch: Basler Uni-Atommüll in die USA gebracht - aus ältestem CH-Reaktor. In: SWI swissinfo.ch. 17. September 2015, abgerufen am 30. November 2025.</ref> Die Jahresinspektion im November 2013 ergab keine Beanstandungen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Strahlenschutzbericht (Memento vom 1. Januar 2015 im Internet Archive) des ENSI</ref> Seit 2013 wurde der Reaktor nicht mehr betrieben.<ref name="forum" />

Parallel dazu bemühten sich unter der Präsidentschaft Barack Obamas die amerikanischen Behörden um eine globale Abrüstung und damit verbunden um die verstärkte Kontrolle des Handels mit waffenfähigem Uran. Dies betraf auch das Uran im Basler Kernreaktor, das ursprünglich aus den USA stammte. 2015 wurden die 2,2 Kilo hochangereichertes Uran aus dem Forschungsreaktor in die USA gebracht. Der Atommüll sollte dort in nicht-waffenfähiges Material umgewandelt werden. Die Rückführung der 13 bestrahlten Uran-Brennelemente fand im Rahmen eines Rückführungsprogramms der amerikanischen National Nuclear Security Administration statt.<ref>National Nuclear Security Administration (NNSA): Last HEU Removed from Switzerland under NNSA Collaboration, 16. September 2015.</ref> Der Transport fand in enger Zusammenarbeit zwischen schweizerischen und amerikanischen Behörden statt. Das Uran wurde in Spezialbehältern per Schiff in eine Anlage in Savannah River überführt.<ref>S. W. I. swissinfo.ch: Basler Uni-Atommüll in die USA gebracht - aus ältestem CH-Reaktor. In: SWI swissinfo.ch. 17. September 2015, abgerufen am 30. November 2025.</ref>

Die Universität Basel hat Anfang Februar 2017 das Stilllegungsprojekt für den Forschungsreaktor beim Bundesamt für Energie BFE eingereicht. Am 13. Februar 2019 hat das UVEK die Stilllegungsverfügung erteilt,<ref>https://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt/aeltester-schweizer-atomreaktor-an-uni-basel-darf-stillgelegt-werden-134264097</ref> sodass mit dem Rückbau begonnen werden konnte. Rasterförmige Wischtests, Probenahmen sowie Aktivierungsrechnungen hatten ergeben, dass nur in kernnahen Bauteilen Radioaktivität oberhalb der Grenzwerte vorhanden war. Daher war der technische Abbau vergleichsweise unkompliziert für einen Atomreaktor. Es brauchte weder Fernhantierung noch Abschirmung. Zur Demontage der radioaktiv aktivierten Strukturen werden staubarme mechanische Trennverfahren eingesetzt. Alle abgebauten Teile wurden für die spätere Verpackung passend abgelängt. Das verstrahlte Material wurde in etwa zehn 200-Liter-Fässer verpackt.<ref>Alexandra von Ascheraden: Rückbau des Atomreaktors im Kohlenkeller der Uni Basel. In: Baublatt. Abgerufen am 7. Februar 2022.</ref>

Die Rückbauarbeiten wurden 2020 abgeschlossen und der stillgelegte Forschungsreaktor 2021 aus der Aufsicht des Bundes entlassen.<ref>Der stillgelegte Basler Forschungsreaktor untersteht nicht mehr der Aufsicht des ENSI. 26. Dezember 2021, abgerufen am 17. Januar 2022.</ref> 2023 wurde er für die neue Energieausstellung «Experience Energy!»<ref>Energie im Verkehrshaus. In: Verkehrshaus. Abgerufen am 13. September 2023.</ref> dem Verkehrshaus der Schweiz als Schenkung übergeben.

Technische Daten

Der Brennstoff würde für circa 800 Jahre Betrieb reichen.<ref name="baz" />

Weblinks

Commons: AGN-211-P – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="forum"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lehre, Forschung und Nachwuchs in der Schweizer Kernenergie (Memento vom 3. Februar 2015 im Internet Archive)</ref> </references> Koordinaten: 47° 33′ 52,9″ N, 7° 34′ 43,3″ O; CH1903: 610542 / 268231

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