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Phenibut

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Strukturformel
Struktur von Phenibut (β-Phenyl-γ-amino­butter­säure)
1:1-Gemisch aus (R)-Form (links) und (S)-Form (rechts)
Allgemeines
Name Phenibut
Andere Namen
  • β-Phenyl-γ-amino­butter­säure
  • (RS)-4-Amino-3-phenyl­butan­säure (IUPAC)
  • Fenibut
  • Phenybut
  • PhGABA
Summenformel C10H13NO2
Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 214-079-6
ECHA-InfoCard 100.012.800
PubChem 14113
ChemSpider 13491
DrugBank DB13455
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Arzneistoffangaben
ATC-Code

N06BX22

Wirkstoffklasse

Anxiolytikum

Wirkmechanismus

GABAB-Agonist

Eigenschaften
Molare Masse
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

250–253 °C (Zersetzung)<ref>J. Colonge, J.-M. Pouchol: Preparation De Pyrrolidones-2 et de Gamma-Aminoacides. In: Bulletin de la Societe Chimique de France. 1962, S. 598–603.</ref>

Löslichkeit
  • sehr leicht löslich in Wasser, Ethanol und Aceton (Hydrochlorid)<ref name="pat">Patent DE2317180: SS-Phenyl-Kleines Gamma-Aminobuttersaeurehydrochlorid und Verfahren zu seiner Herstellung. Veröffentlicht am 17. Oktober 1974, Erfinder: Perekalin Wsewolod Wasiljewits; Sopowa geb. Krutowa Alexandra S; Lobatschewa geb. Warlamowa Majj; Spunde geb. Gajlite Rasma Janow; Mikstajs Uldis Janowitsch.</ref>
  • praktisch unlöslich in Diethylether (Hydrochlorid)<ref name="pat" />
Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref>Vorlage:CL Inventory/nicht harmonisiertFür diesen Stoff liegt noch keine harmonisierte Einstufung vor. Wiedergegeben ist eine von einer Selbsteinstufung durch Inverkehrbringer abgeleitete Kennzeichnung von Vorlage:Linktext-Check im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum</ref>
Datei:GHS-pictogram-exclam.svg

Achtung

H- und P-Sätze H: 315​‐​319​‐​335
P: ?
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Phenibut (kurz für β-Phenyl-γ-aminobuttersäure, ausgesprochen Betaphenylgammaaminobuttersäure) ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phenylethylamine und der Gabapentinoide. Als Derivat des natürlich vorkommenden hemmenden Neurotransmitters γ-Aminobuttersäure (GABA) wird es als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt. Der zusätzliche Phenylring macht die Verbindung lipophil und ermöglicht ihr die Überwindung der Blut-Hirn-Schranke.<ref name="Phenibut drug review">Izyaslav Lapin: Phenibut (β-Phenyl-GABA): A Tranquilizer and Nootropic Drug. In: CNS Drug Reviews. Band 7, Nr. 4, Dezember 2001, S. 471–481, doi:10.1111/j.1527-3458.2001.tb00211.x, PMID 11830761.</ref> Als Medikament ist Phenibut außerhalb von Staaten der ehemaligen Sowjetunion nicht zugelassen und in Deutschland ist der Umgang mit Phenibut laut dem Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz verboten.

Phenibut wurde in den 1960er Jahren in der Sowjetunion synthetisiert. Seitdem wurde es, zugelassen 1965, in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion unter anderem zur Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen, Angstzuständen und Schlaflosigkeit angewendet.<ref>G. I. Shulgina: On neurotransmitter mechanisms of reinforcement and internal inhibition. In: The Pavlovian Journal of Biological Science. Band 21, Nr. 4, 1. Dezember 1986, S. 129–140, PMID 2431377.</ref> Der Wirkstoff ist nahe verwandt mit dem Muskelrelaxans Baclofen. In den USA wird Phenibut als Nahrungsergänzungsmittel vertrieben.<ref name="DOI10.1136/bcr-2012-008381">Andriy V. Samokhvalov, C. Lindsay Paton-Gay, Kam Balchand, Jürgen Rehm: Phenibut dependence. In: BMJ Case Reports. Band 2013, 7. Februar 2013, S. bcr2012008381, doi:10.1136/bcr-2012-008381.</ref> Es wird in der Bodybuilding-Szene als euphorisierend und entspannend, in niedriger Dosierung auch als leistungssteigernd und stimulierend, angesehen.<ref>Udo Bonnet, Norbert Scherbaum, Andreas Schaper, Michael Soyka: Phenibut – ein illegales Nahrungsergänzungsmittel mit psychotropen Effekten und Gesundheitsrisiken. In: Deutsches Ärzteblatt. Jahrgang 121, Heft 7, 5. April 2024, S. 222–227, hier: S. 222.</ref>

Der Name Phenibut ist vom chemischen Namen β-Phenyl-γ-aminobuttersäure abgeleitet.

Geschichte

Synthetisiert wurde Phenibut erstmals am Pädagogischen Institut A. I. Herzen in Leningrad von Vsevolod Perekalins Team am Institut für Experimentelle Medizin und dann an der Akademie der Medizinischen Wissenschaften der UdSSR getestet.<ref name="Phenibut drug review" />

Klinische Angaben

Anwendungsgebiete

Phenibut ist in Russland, Lettland sowie anderen osteuropäischen Ländern zugelassen zur Behandlung von:<ref name="Noofen leaflet"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Packungsbeilage Noofen 250 mg (Memento vom 6. Januar 2014 im Internet Archive) (PDF).</ref>

und wird vorbeugend eingesetzt<ref name="Noofen leaflet" />

Nebenwirkungen

Vor allem zu Beginn der Behandlung oder bei Überdosierung treten Müdigkeit und Übelkeit auf. Selten kommt es zu allergischen Reaktionen. Bei längerer und höherdosierter Anwendung hat Phenibut ein hepatotoxisches Potential, entsprechend kann eine Kontrolle der Leberwerte erforderlich sein.<ref name="Noofen leaflet" /> Vereinzelt sind bei akuter Überdosierung Fälle von Rhabdomyolyse sowie paradoxe Effekte wie Krampfanfälle und delirante Zustände beschrieben worden.<ref>Matthew I. Hardman, Juraj Sprung, Toby N. Weingarten: Acute phenibut withdrawal: A comprehensive literature review and illustrative case report. In: Bosnian Journal of Basic Medical Sciences. Band 19, Nr. 2, Mai 2019, S. 125–129, doi:10.17305/bjbms.2018.4008, PMID 30501608, PMC 6535394 (freier Volltext).</ref> Ein spezifisches Antidot bei einer Phenibut-Vergiftung gibt es nicht.<ref>Udo Bonnet, Norbert Scherbaum, Andreas Schaper, Michael Soyka: Phenibut – ein illegales Nahrungsergänzungsmittel mit psychotropen Effekten und Gesundheitsrisiken. In: Deutsches Ärzteblatt. Jahrgang 121, Heft 7, 5. April 2024, S. 222–227, hier: S. 224–225.</ref>

Der regelmäßige Gebrauch kann zu Toleranzentwicklung und Abhängigkeit<ref name="DOI10.1136/bcr-2012-008381" /> sowie Entzugserscheinungen<ref>Rhanda Marie M. Magsalin, Ahsan Y. Khan: Withdrawal symptoms after Internet purchase of phenibut (β-phenyl-γ-aminobutyric acid HCl). In: Journal of Clinical Psychopharmacology. Band 30, Nr. 5, Oktober 2010, S. 648–649, doi:10.1097/JCP.0b013e3181f057c8, PMID 20841974.</ref> führen. Letztere sind vergleichbar mit jenen, welche auch bei Benzodiazepinen beobachtet werden können und umfassen u. a. Schlaflosigkeit, Halluzinationen und Angstzustände.<ref>Lauren Geoffrion, M.D.: Phenibut Addiction, Side Effects, Withdrawal, and Treatment. American Addition Centers, abgerufen am 21. November 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Phenibut-Entzugssyndrom wird mit Baclofen<ref>M. Morris, J. Espinosa, A. Lucerna, R. Lahr: A case of phenibut withdrawal and treatment with baclofen. In: World Journal of Emergency Medicine. Band 14, 2023, S. 338–340.</ref> und gegebenenfalls mit Benzodiazepinen behandelt, vermutet wird auch eine vorteilhafte Wirkung von Gabapentin oder Pregabalin.<ref>Udo Bonnet, Norbert Scherbaum, Andreas Schaper, Michael Soyka: Phenibut – ein illegales Nahrungsergänzungsmittel mit psychotropen Effekten und Gesundheitsrisiken. In: Deutsches Ärzteblatt. Jahrgang 121, Heft 7, 5. April 2024, S. 222–227, hier: S. 225.</ref>

Pharmakologie

Phenibut wirkt ähnlich wie das strukturverwandte Baclofen als Agonist am GABAB-Rezeptor. Das unterscheidet den Wirkstoff von den Benzodiazepinen, die als allosterische Liganden am GABAA-Rezeptor wirken. In höherer Dosis bindet Phenibut möglicherweise auch an GABAA-Rezeptoren. Aus Tierversuchen ergeben sich Hinweise auf einen zusätzlichen dopaminergen Wirkmechanismus.<ref name="Phenibut drug review" />

Bei Tierversuchen wurde festgestellt, dass Phenibut die interhemisphärische Übertragung der beiden Gehirnhälften verbessert.<ref>L. E. Borodkina, G. M. Molodavkin, I. N. Tiurenkov: Effect of phenibut on interhemispheric transmission in the rat brain. In: Eksp Klin Farmakol. Band 72, Nr. 1, Januar 2009, S. 57–59, PMID 19334513.</ref>

Ebenfalls wurde in Tierversuchen festgestellt, dass Phenibut-Citrat die schädliche Wirkung von Alkohol durch Erhöhung der oxidativen Phosphorylierung vermindern kann.<ref name="PMID18225758">V. N. Perfilova, O. V. Ostrovskii u. a.: Effect of Citrocard on functional activity of cardiomyocyte mitochondria during chronic alcohol intoxication. In: Bulletin of experimental biology and medicine. Band 143, Nr. 3, März 2007, S. 341–343. PMID 18225758.</ref>

Phenibut ist ein chirales Molekül. Es gibt somit ein (R)- und ein (S)-Enantiomer. Pharmazeutisch verwendet wird es als Racemat. (R)-Phenibut ist das pharmakologisch aktive Enantiomer, das Eutomer. (S)-Phenibut ist nicht aktiv. Die Dissoziationskonstanten am GABAB-Rezeptor für (RS)-Phenibut, (R)-Phenibut und Baclofen betragen jeweils 177±2, 92±3 und 6±1 μM.<ref>Maija Dambrova, Liga Zvejniece, Edgars Liepinsh, Helena Cirule, Olga Zharkova, Grigory Veinberg, Ivars Kalvinsh: Comparative pharmacological activity of optical isomers of phenibut. In: European Journal of Pharmacology. Band 583, Nr. 1, 31. März 2008, S. 128–134, doi:10.1016/j.ejphar.2008.01.015, PMID 18275958.</ref> Das bedeutet, Baclofen hat die höchste Affinität zum Rezeptor und racemisches Phenibut die niedrigste.

Bei Einmalgabe von 250 mg Phenibut wurde eine Plasmahalbwertszeit von 5,3 Stunden ermittelt. 65 % der Dosis wurden unverändert im Urin nachgewiesen.<ref name="Phenibut drug review" /> Einen Labortest zum Nachweis von Phenibut gibt es nicht, hierzu ist eine Hochdruckflüssigkeitschromatographie bzw. Massenspektrometrie erforderlich.<ref>Udo Bonnet, Norbert Scherbaum, Andreas Schaper, Michael Soyka: Phenibut – ein illegales Nahrungsergänzungsmittel mit psychotropen Effekten und Gesundheitsrisiken. In: Deutsches Ärzteblatt. Jahrgang 121, Heft 7, 5. April 2024, S. 222–227, hier: S. 225.</ref>

Rechtslage (Deutschland)

Phenibut ist in Deutschland nicht vom Betäubungsmittelgesetz (BtMG) erfasst. Es könnte sich jedoch um eine von 2-Phenethylamin abgeleitete Verbindung gemäß Anlage Nr. 2 des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes handeln.<ref>Neue psychoaktive Stoffe Gesetz (Volltext im Internet). Bundesamt für Justiz, abgerufen am 29. August 2021.</ref> Der Abschlussbericht des Instituts für Therapieforschung geht hiervon implizit aus.<ref>Ludwig Kraus et al.: Evaluation der Auswirkungen des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes (NpSG): Abschlussbericht. Institut für Therapieforschung, 29. August 2019, abgerufen am 29. August 2021 (Legende von Tabelle 5-5, S. 172.).</ref> Die Folge wäre, dass der Umgang damit verboten<ref>Vgl. Udo Bonnet, Norbert Scherbaum, Andreas Schaper, Michael Soyka: Phenibut – ein illegales Nahrungsergänzungsmittel mit psychotropen Effekten und Gesundheitsrisiken. In: Deutsches Ärzteblatt. Jahrgang 121, Heft 7, 5. April 2024, S. 222–227.</ref> und in gewissen Fällen strafbar wäre.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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