Zum Inhalt springen

Magnesocen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 4. März 2026 um 07:26 Uhr durch imported>Rjh (Herstellung).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Strukturformel
Struktur von Magnesocen
Gestaffelte und ekliptische Konformation
Allgemeines
Name Magnesocen
Andere Namen
  • Bis(η5-cyclopentadienyl)magnesium
  • Di(cyclopentadienyl)magnesium
  • (Cp)2Mg
Summenformel C10H10Mg
Kurzbeschreibung

farbloser kristalliner Feststoff<ref name="Jaenschke">Anja Jaenschke: Basenaddukte des Magnesocens: Darstellung und Strukturuntersuchung von Cyclopentadienyl-, Pentamethylcyclopentadienyl- und Indenyl-Metallocenen des Magnesiums. Dissertation, Uni Hamburg, 2006 urn:nbn:de:gbv:18-30786</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer (Listennummer) 603-275-0
ECHA-InfoCard 100.110.799
PubChem 24942211
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 154,491 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

176 °C<ref name="IS6"></ref>

Löslichkeit

zersetzt sich heftig in Wasser, löslich in polaren und unpolaren Lösemitteln.<ref name = "Jaenschke"/>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 250​‐​261​‐​314
EUH: 014
P: 210​‐​231+232​‐​260​‐​280​‐​303+361+353​‐​305+351+338<ref name="Sigma" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Magnesocen, oder auch Di(cyclopentadienyl)magnesium, Mg(C5H5)2, abgekürzt MgCp2, ist eine metallorganische Verbindung aus der Familie der Metallocene und bildet einen Sandwichkomplex.

Herstellung

Über die erste Herstellung von Magnesocen wurde bereits 1954 unabhängig voneinander von E. O. Fischer und G. Wilkinson berichtet.<ref>E. O. Fischer, W. Hafner: Cyclopentadienyl-vanadin-tetracarbonyl. In: Zeitschrift für Naturforschung B. 9, 1954, S. 503–504 (online).</ref><ref>G. Wilkenson, F.A. Cotton, Chem. Ind.(London) 1954, 307–308</ref> Diese stellten Magnesocen durch Disproportionierung von Cyclopentadienylmagnesiumbromid bzw. durch Reaktion von metallischem Magnesium mit Cyclopentadien bei 500 °C dar. Für erstere Reaktion wurde zunächst Cyclopentadienylmagnesiumbromid durch Umsetzung von Ethylmagnesiumbromid mit Cyclopentadien gewonnen, welches dann bei 220 °C und 10−4 mbar zu MgCp2 und MgBr2 disproportioniert:<ref name="Elschenbroich_65">Christoph Elschenbroich: Organometallchemie. 6. Auflage, Teubner Wiesbaden, 2008, ISBN 978-3-8351-0167-8, S. 65 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>

<math>\mathrm{ Mg(C_2H_5)Br\ \xrightarrow[- C_2H_6]{+ C_5H_6,\ Et_2O} \ Mg(C_5H_5)Br \xrightarrow[- MgBr_2]{x2,\ 220^\circ C,\ 10^ {-4} mbar} \ Mg(C_5H_5)_2}</math>
Et2O = Diethylether
<math>\mathrm{ Mg\ +\ 2\ C_5H_6\ \xrightarrow[- H_2]{500^\circ C} \ Mg(C_5H_5)_2 \ }</math>

Für den Labormaßstab ist auch die Umsetzung von Diorganylmagnesium-Verbindungen mit Cyclopentadien möglich.<ref name = "Jaenschke"/>

<math>\mathrm{ Mg(C_4H_9)_2\ +\ 2\ C_5H_6\ \rightarrow \ Mg(C_5H_5)_2 \ +\ 2\ C_4H_{10} \uparrow \ }</math>

Eigenschaften

Magnesocen ist ein weißes bis hellgelbes, bei 50 °C/10−3 mbar sublimierbares Pulver, welches sich mit Wasser heftig zersetzt und sich bei Luftkontakt spontan entzünden kann.<ref name = "Jaenschke"/> Von den Metallocenen der Erdalkalimetallgruppe zeigt nur Magnesocen die klassische Sandwichstruktur. E. Weiß konnte zeigen, dass Magnesocen im Kristall eine gestaffelte Konformation mit einem Mg-C-Abstand von 230 pm hat; dagegen ist nach A. Haland in der Gasphase die Metall-Cp-Bindung aufgeweitet und das Molekül liegt in ekliptischer Konformation vor.<ref name = "Jaenschke"/><ref name="Elschenbroich_65"/> Wie bei einem Sandwichkomplex mit 12 Valenzelektronen zu erwarten ist, sind die Cp-Ringe parallel angeordnet. Ob die Bindung zwischen Metall und Cp-Ring eher kovalenter oder eher ionischer Art ist, ist noch nicht ganz klar. Die dem Ferrocen analoge Sandwichstruktur lässt nicht zwingend auf eine kovalente Bindung schließen, sie könnte auch durch Van-der-Waals-Wechselwirkungen erklärt werden. Für den eher ionischen Charakter sprechen die elektrische Leitfähigkeit in flüssigem Ammoniak, die heftige Hydrolysereaktion sowie die 13C-NMR Verschiebung von 108 ppm (in Vergleich LiCp = 103,6 ppm; NaCp = 103,4 ppm, FeCp2 = 68,2 ppm).<ref name="Elschenbroich_65"/><ref>Erwin Riedel: Moderne Anorganische Chemie. de Gruyter, 2007, ISBN 978-3-11-019060-1, S. 623 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Dagegen sprechen 25Mg NMR-Daten eher für eine weitgehend kovalente Bindung.<ref name="Elschenbroich_65"/>

Wie die schwereren Homologen bildet auch Magnesocen mit sauerstoff-, stickstoff- und phosphorhaltigen Lewis-Basen entsprechende Addukte. So bildet es mit Ammoniak oder Aminen 1:1 oder 1:2 Komplexe, welche sich im Falle von primären oder sekundären Aminen auch isolieren und kristallographisch untersuchen lassen. In diesen Addukten verändert sich die Haptizität eines Cp-Ringes von η5 auf η2.<ref name="RappoportMg_124">Zvi Rappoport, Ilan Marek: The Chemistry of Organomagnesium Compounds, Band 2. John Wiley & Sons, 2008, ISBN 978-0-470-05719-3, S. 122–129 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Mit THF bilden sich dagegen ein η51-Komplex.<ref name = "RappoportMg_124"/>

Spektroskopische Daten

Im IR-Spektrum zeigt Magnesocen Banden bei 2926 cm−1 (arom. C-H-Valenzschwingungen), 1630 cm−1(arom. Ringschwingung) und 770 cm−1 (C-H-Deformationsschwingung). Das 1H-NMR-Spektrum zeigt ein Singulett-Signal bei 6,00 ppm, das 13C-NMR-Spektrum ein Signal bei 107.8 ppm.<ref name = "Jaenschke"/>

Verwendung

Aufgrund der relativ schwachen Magnesium-Cyclopentadienyl Bindung im Magnesocen – verglichen mit anderen Metall-Cyclopentadienylen – wird dieses vielfach zur Cyclopentadienylierung, d. h. für die Übertragung von Cp-Einheiten auf andere Metalle, unter Bildung des stabilen Magnesiumdihalogenids, verwendet.<ref name="Elschenbroich_65"/>

<math>\mathrm{ Mg( C_5H_5)_2\ +\ MCl_2 \rightarrow \ M(C_5H_5)_2\ +\ MgCl_2\ }</math>

Magnesocen und dessen Addukte werde als leicht sublimierbare Rohstoffe für Gasabscheidungsverfahren, wie MOCVD, mit denen z. B. grüne oder blaue LEDs hergestellt werden, verwendet.<ref name = "Jaenschke"/>

Einzelnachweise

<references />