Koproskopie
Die Koproskopie (deutsch Stuhlschau oder Kotuntersuchung) beschreibt ein bereits in der Antike (bei Hippokrates und Galenos) und im Mittelalter<ref>Konrad Goehl: Zur Stuhlschau des Theophilus. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 2, 1984, S. 29–77.</ref><ref>Ria Jansen-Sieben: Een middelnederlandse koproskopie. In: Gundolf Keil (Hrsg.): „gelêrter der arzenîe, ouch apotêker“. Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte (Festschrift Willem F. Daems). (Pattensen, jetzt:) Würzburg 1982 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 24), S. 255–268.</ref> (beispielsweise bei Theophilus Protospatharius im 7. Jahrhundert<ref>Julius Ludovicus Ideler: Physici et Medici Graeci minores. I–II, Berlin 1841–1842; Neudruck Amsterdam 1963, Band I, S. 397–408.</ref> oder von Avicenna) angewandtes bzw. beschriebenes, neben der Harnschau (Uroskopie) benutztes, diagnostisches Verfahren zur Untersuchung von Kot.<ref>Gundolf Keil: Koproskopie (Stuhlschau). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 778 f.</ref> Die in den hippokratischen Prognosen enthaltenen Stuhlschau-Abschnitte, die einen bevorstehenden Tod aus der Beschaffenheit (Farbe und Geruch) des Patientenkots beurteilen, finden sich auch in einem um 1425, vermutlich von einem hessischen Autoren, verfassten deutschsprachigen Kurztraktat<ref>Wolfgang Wegner: Salzburger Stuhlschautraktat. In: Werner E. Gerabek u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1283.</ref> wieder.<ref>Konrad Goehl: Salzburger Stuhlschau-Traktat. In: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 8, Sp. 568.</ref> Ebenfalls unter Benutzung der Kommentare zu hippokratischen Prognosen von Galenos entstand im 14. oder 15. Jahrhundert ein Lüneburger Stuhlschau-Text.<ref>Franz Knoedler: De egestionibus. 1979, S. 33–42.</ref><ref>Gundolf Keil: Lüneburger (Wiener) Stuhlschau-Text. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 869.</ref>
Koproskopische Verfahren finden heute insbesondere in der Tiermedizin als parasitologische Koproskopie Anwendung. Bei Abgang von Würmern oder Bandwurmgliedern kann ein Parasitenbefall dabei bereits makroskopisch erkannt werden. Einige Parasiten lassen sich bereits durch einen einfachen Kotausstrich mit anschließender mikroskopischer Untersuchung nachweisen. Ergänzend ist zudem mithilfe des Flotationsverfahrens oder des Sedimentationsverfahrens der mikroskopische Nachweis von Parasiteneiern möglich, mit Hilfe des Larvenauswanderungsverfahrens der Nachweis von Larven.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Koproskopie und Entomologie ( vom 19. Januar 2012 im Internet Archive), Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie, Tierärztliche Fakultät, Ludwig-Maximilians-Universität München.</ref> Ein hochgradiger Parasitenbefall ist unter Umständen bereits im Direktausstrich zu erkennen. Oozysten und Zysten sind ebenfalls mit dem Flotationsverfahren nachweisbar.<ref>Julia Gillhuber: Das Vorkommen von Giardien und weiteren Durchfallerregern in Kälbern in Süddeutschland. München 2014, 2.1. Koproskopische Methoden, S. 23–24 (uni-muenchen.de [PDF; 6,9 MB]).</ref> Für Kryptosporidien oder Giardien existiert ein immunchromatografischer Schnelltest.<ref>RIDA®QUICK Cryptosporidium/Giardia/Entamoeba Combi (Kassetten) - R-Biopharm AG. In: www.r-biopharm.com. Abgerufen am 19. November 2016.</ref>
Literatur
- Franz Knoedler: De egestionibus. Texte und Untersuchungen zur spätmittelalterlichen Koproskopie. Wellm, Pattenesen 1979 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 18), jetzt: Königshausen & Neumann, Würzburg.
- Konrad Goehl: Zur Stuhlschau des Theophilus. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 2, 1984, S. 29–77; hier: S. 62–76 (Übersetzung: Theophilus über die Dreckausscheidungen).
Weblinks
- Parasitologische Koprologie bei Nutztieren (PDF; 54 kB), Institut für Parasitologie, Universität Zürich
Einzelnachweise
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