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Bettina van Haaren

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Bettina van Haaren (* 24. November 1961 in Krefeld) ist eine deutsche Malerin, Zeichnerin, Grafikerin und Hochschullehrerin.

Leben

Bettina van Haaren studierte von 1981 bis 1987 Bildende Kunst an der Universität Mainz (Akademie für Bildende Künste) bei Dieter Brembs und Bernd Schwering. 1999 erhielt sie einen Lehrauftrag an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit dem Jahr 2000 lehrt sie als Professorin<ref>Univ.-Prof. Bettina van Haaren. Technische Universität Dortmund, Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft, abgerufen am 10. Februar 2020.</ref> für Zeichnung und Druckgraphik an der Technischen Universität Dortmund am dortigen Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft. Sie ist Mitglied des Deutschen Künstlerbundes.<ref>Deutscher Künstlerbund e.V. - Mitglieder - Liz Bachhuber. Abgerufen am 30. Juli 2025.</ref> Van Haaren lebt und arbeitet in Witten und Dortmund.

Werk

Bettina van Haaren arbeitet als Malerin mit Eitempera und Öl auf Leinwand und mit Aquarell auf Papier, zudem als Zeichnerin mit Bleistift auf Papier, sowie als Druckgrafikerin. Wichtige kunsthistorische Bezugspunkte für Bettina van Haaren sind Matthias Grünewald, Hieronymus Bosch und Manieristen wie Jacopo da Pontormo.

Die multi-perspektivischen Gemälde von Bettina van Haaren sind komponiert aus unterschiedlichen Bildquellen und Motiven und ähneln gemalten Collagen auf weißem Grund. Zentrales Motiv ist meist sie selbst, es sind ihr Gesicht und Teile ihres Körpers, kombiniert mit Darstellungen unterschiedlicher Tiere, kunsthistorischer Zitate und alltäglicher Gegenstände, wie z. B. Plastiktüten. In ihrer schonungslosen Selbstbeobachtung zeigt sie Alter und Vergänglichkeit Jahrzehnte über ihr tatsächliches Alter und Aussehen hinaus. Die ebenfalls fragmentarisch gemalten Pferde, Schweine, Füchse, Schafe, Hasen oder Vögel sind teilweise innig mit dem Körper der Frau verwoben, teilweise tummeln sie sich auf anderen Stellen der großen Leinwände. Ebenso verhält es sich mit gemalten Körperteilen der Künstlerin, z. B. ihren mehrfach beinlos erscheinenden Füßen. Ihr Körper erscheint somit nicht als Eins, sondern bruchstückhaft, zergliedert, anders zusammengesetzt. Die netzartig miteinander verflochtenen, die Leinwand überspannenden, fragmentarischen Motive sind jedes für sich gesehen präzise, fein und detailgetreu gemalt. Dadurch entsteht eine Spannung zwischen Realismus und „Unmöglichkeit“ der disparaten Kombinationen. Die Zusammenhänge der Motive werden wirksam auf einer psychologischen Ebene und indem Betrachter sie auf ihre eigenen Körperempfindungen beziehen. Der letztere Aspekt erinnert auch an die Körper-Wahrnehmung-Bilder von Maria Lassnig. Trotz Darstellungen von Verletzlichkeit und Zerfall eignet den Bildern surrealer Humor und (Selbst-)Ironie.

In ihren linearen Zeichnungen, die teilweise in lockerer Form die Struktur barocker Deckengemälde und somit barocker Himmel annehmen, scheinen manchmal aktuelle oder historische politische Themen auf, wie Rechtsradikalismus oder die RAF.

Die hellen, mit leuchtend-farbigen Linien gemalten Aquarelle deuten Gesicht und Körper der Künstlerin an, in dem sich unzählige kleine Wesen einzunisten scheinen. Das Leben, die Welt, Ereignisse und Lebewesen dringen gleichsam in den eigenen Körper ein.<ref>Roosmarij Deenik und Uwe Haupenthal im Katalog: Bettina van Haaren, Spiegelungen. Hrsg. Jan-Christoph Tonigs. Verlag und Edition Kloster Bentlage, 2019, ISBN 978-3-939812-57-9.</ref>

Bettina van Haaren bildet seit 2022 ein künstlerisches Duo zusammen mit Wolfgang Folmer.<ref>Bülent Gündüz: "Ich will von mir erzählen". In: SaarART 2023. 26. Mai 2023, abgerufen am 30. Juli 2025.</ref> Zusammen bezeichnen sie große Wände wie im Saarlandmuseum (4 × 24 m),<ref>Bülent Gündüz: Künstlergespräch Vis-À-Vis mit Bettina van Haaren und Wolfgang Folmer. In: SaarART 2023. 6. September 2023, abgerufen am 30. Juli 2025.</ref> im Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis (3,6 × 15 m)<ref>Cathrin Elss-Seringhaus: Putins Krieg auf einem Riesen-Wandbild im Saarlouiser Institut für aktuelle Kunst: Der Russische Bär attackiert Rotkäppchen. 22. Juli 2022, abgerufen am 30. Juli 2025.</ref> oder im Dortmunder U (2,6 × 25 m).<ref>Bettina van Haaren und Wolfgang Folmer. In: Dortmunder U. 9. Mai 2024, abgerufen am 30. Juli 2025.</ref> Das Duo behandelt mit der Linie alle Bildgegenstände gleich: Das Komische und Alltägliche ist gleichrangig mit dem Abgründigen. Die Bilder können als Ausgrabungsfelder gelesen werden, als Stillstand einer gesellschaftlichen Situation, die untergegangen und zerbröckelt ist. Bettina van Haaren und Wolfgang Folmer entwickeln zeitgenössische Historienbilder.<ref>Bülent Gündüz: "Ich will von mir erzählen". In: SaarART 2023. 26. Mai 2023, abgerufen am 30. Juli 2025.</ref>

Werke in öffentlichen Sammlungen

Einzelausstellungen (Auswahl)

Auszeichnungen

Literatur

  • Bettina van Haaren/Wolfgang Folmer: Mach doch mal die Sitzheizung aus! Kunstgespräche, mit einem Vorwort von Nana Seeber (Dortmunder Schriften zur Kunst, Band 65, Kataloge und Essays), Dortmund: Technische Universität Dortmund. ISBN 978-3-947323-48-7. Online abrufbar
  • Bettina van Haaren – Spiegelungen, mit Beiträgen von Roosmarij Deenik und Uwe Haupenthal, Hrsg. Jan-Christoph Tonigs, Verlag und Edition Kloster Bentlage, Rheine 2019. ISBN 978-3-939812-57-9
  • Kai Hohenfeld: Bettina van Haaren (*1961) – Experimente am Menschen, in: Die dunkle Seite des Mondes. Schattenbilder aus Kunst und Literatur (Veröffentlichungen des Kunstmuseums Albstadt, Nr. 181/2019), Text von Kai Hohenfeld, Ausst.-Kat. Kunstmuseum Albstadt 2019/20, S. 58–61
  • Bettina van Haaren: Waldwasen durchlöchert, Hrsg. Barbara Auer, Kunstverein Ludwigshafen am Rhein, Andrea Brandl, Kunsthalle Schweinfurt und Anna-Maria Ehrmann-Schindlbeck, Galerie der Stadt Tuttlingen, Kerber Verlag, Bielefeld/Berlin 2016, ISBN 978-3-7356-0279-4 Mit Texten von Barbara Auer, Anna-Maria Ehrmann-Schindlbeck und Erich Schneider, in deutscher und englischer Sprache.<ref>Katalog Bettina van Haaren: Waldwasen durchlöchert, Kerber Verlag, 2016.</ref>
  • Bettina van Haaren: Senkblei, Kunstmuseum Bochum und Richard-Haizmann-Museum Niebüll, Hrsg. Hans Günter Golinski und Uwe Haupenthal, 2015, ISBN 978-3-8093-0304-6 Mit Texten von Hans Günter Golinski, Alfred Gulden, Bettina van Haaren und Uwe Haupenthal.
  • Bettina van Haaren: Häutungen, Malerei und Zeichnung, Hrsg. Gerhard Kilger und Bettina van Haaren Kerber-Verlag, Bielefeld, 2010, ISBN 978-3-86678-361-4, Mit Texten von Michael Freitag, Marcus Starzinger, Philipp Horst und Bernhard Waldenfels
  • Beate Reifenscheid (Text), Kai Uwe Schierz (Text), Clemens Ottnad (Text), Bettina van Haaren (Illustrationen): Partikel und Membranen. Hrsg.: Ludwig-Museum im Deutschherrenhaus, Ausstellung Bettina van Haaren – Partikel und Membranen {2008 - 2010: Koblenz u. a.}. modo Verlag, Freiburg 2008, ISBN 978-3-86833-003-8.
  • Bettina van Haaren: Der vierte Gesang, Mit Texten von Martin Schick und Gunnar Schmidt. Hrsg. Martin Schick, Wolfgang Zemter, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-88423-274-3
  • Christoph Wagner: Geburtsversuche – Die Leibbilder von Bettina van Haaren, in: Bettina van Haaren. Holzschnitte 19931996 (Ausst.-Kat. Stiftung Demokratie Saarland), Saarbrücken: Stiftung Demokratie Saarland 1997. S. 7–11. ISBN 978-3-9237-5552-3. Online abrufbar

Weblinks

Einzelnachweise

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