Van Bo Le-Mentzel
Van Bo Le-Mentzel (* 18. Februar 1977 in Thailand;<ref name="halbekatoffl">Frank Young: Ep. 5: Van Bo Le-Mentzel (LAO): Filmreife Flucht, A wie Architektur & Lehrer-Experiment, halbekatoffl.de, 30. April 2017, abgerufen am 7. Januar 2021</ref><ref name="reflecta">Daniela Mahr: Van Bo Le-Mentzel über neue Formen von Architektur und Produkten als Trojanische Pferde für eine gerechtere Welt. reflecta.org, Dezember 2018, abgerufen am 7. Januar 2021</ref> ursprünglich Le Jumbo Jet<ref name="art-magazin"/>) ist ein deutscher Architekt laotischer Herkunft. Er wurde bekannt durch das Design der „Hartz-IV-Möbel“ zum Selbstbau mit geringem Kostenaufwand. 2015 war er Gastprofessor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg.<ref>Susanne Lenz: Van Bo Le-Mentzel. Der Professor, der jedem Studenten eine Eins gibt. In: Berliner Zeitung. 2. Januar 2015, abgerufen am 23. April 2019.</ref>
Leben
Van Bo Le-Mentzel ist der Sohn eines chinesischen Vaters und einer vietnamesischen Mutter, die in Laos lebten und nach der Ausrufung der Demokratischen Volksrepublik Laos zunächst nach Thailand flüchteten, wo Van Bo in einem Flüchtlingslager zur Welt kam.<ref name="halbekatoffl" /><ref name="reflecta" /> 1979 kam er mit seinen Eltern nach Deutschland und wuchs in Berlin-Wedding auf, wo er die Humboldthain-Grundschule besuchte. Später betätigte er sich in Berlin unter dem Namen „Prime Lee“ als Rapper und Graffiti-Künstler und studierte Architektur an der Beuth Hochschule für Technik Berlin.<ref name="taz"/> 2010 absolvierte der junge und arbeitslose Architekt Van Bo Le-Mentzel einen Tischler-Wochenendkurs an der Berliner Volkshochschule. Diese handwerkliche Erfahrung inspirierte ihn dazu, selbst eine Möbelkollektion zu entwerfen. Sein erster Entwurf war der sogenannte „24 Euro Chair“. Vorbilder für dessen Gestaltung waren Designarbeiten der niederländischen Gruppe De Stijl und im deutschen Bauhaus, zum Beispiel von Gerrit Rietveld, Mies van der Rohe, Marcel Breuer und Erich Dieckmann.<ref name="art-magazin"/>
Seit 2025 ist Le-Mentzel Mitgründer des Wohnungsbauunternehmens Gemeinwohlbau COB 01 GmbH, das nach eigenen Angaben bezahlbaren Wohnraum durch Nachverdichtung urbaner Baulücken schaffen will.<ref>Gemeinwohlbau. Abgerufen am 1. Februar 2026.</ref> Das Ziel soll durch serielles Bauen von Kleinst- und Clusterwohnungen erreicht werden.<ref>Karin Schütte: Kleine Grundrisse, großer Anspruch: So will Gemeinwohlbau bezahlbar bauen. In: Entwicklungsstadt. 29. Januar 2026, abgerufen am 1. Februar 2026.</ref><ref>Gemeinwohlorientiertes Bauen – „Wir bauen Kleinstwohnungen mit bezahlbaren Mieten“. In: Berliner Mieterverein e.V. 28. Januar 2026, abgerufen am 1. Februar 2026.</ref>
Projekte
Hartz-IV-Möbel
Van Bo Le-Mentzel entwickelte eine Möbelkollektion, die mittlerweile aus einem Stuhl, Sessel, Schlafsofa, Regal und Tisch besteht. 2010 stellte Van Bo Le-Mentzel im Rahmen des Internationalen Design-Festivals (DMY) in Berlin seine 21 Quadratmeter große „Hartz-IV-Wohnung“ vor.<ref name="dmy"/>
100-Euro-Wohnung
Sein Projekt „100-Euro-Wohnung“ ist eine Wohneinheit, die ein Tiny House ist und als Teil eines gemeinschaftlichen Wohnens dienen soll, das er „Co-Being House“ nennt. Menschen sollen dabei gemeinsam unter einem Dach in einzelnen Wohnungen leben, von denen die kleinste nur 100 Euro Miete pro Monat kosten soll. Die 6,4 m² kleine, auf einen Anhänger aufgestellte Wohnung umfasst Küche, Bad, Büro, Schlafzimmer und Wohnstube. Im „Co-Being House“ sollen auch Menschen mit wenig Geld in der Innenstadt leben können.<ref name="dlf"/>
Bauhaus Campus Berlin
Vom 10. März 2017 bis 9. März 2018 kuratierte Van Bo den „Bauhaus Campus Berlin“ auf dem Freigelände vor dem Museum für Gestaltung Bauhaus-Archiv im Berliner Stadtteil Tiergarten. Das Projekt sollte ein künstlerisches Experiment sein unter dem Motto „Study. Build. Research.“ und Möglichkeitsräume für demokratische Utopien von Menschen mit und ohne deutsche Staatsangehörigkeit schaffen. Akteure aus Design, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und der Startup-Szene studierten und forschten auf einem temporären Campus. Alle beteiligten Projekte waren im Tiny House Movement organisiert, das sich mit mobilen Architekturen befasst, die in der Regel nicht größer als ein Parkplatz sind, also 10 m². Vorbild für dieses Experiment sei das Bauhaus als schulische Institution, in der vor 100 Jahren Bildung und Bauen neu gedacht wurde.
Open Academy Of The Fine Hearts
Als Gastprofessor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg begründete er 2015 mit Studierenden symbolisch die Hochschule als Open Academy of the Fine Hearts neu. Da Le-Mentzel seinen Lehrauftrag durch Crowdfunding finanzierte, gab er die Einkünfte seiner Professur an die Studierenden ab. Die Lehrveranstaltungen waren öffentlich zugänglich und von Zwiegesprächen und Eigeninitiative geprägt, einem Prozess, den Le-Mentzel als „Crowducation“ beschrieb. Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Vorgehen, da er zur Förderung der Eigeninitiative im Vornherein allen Studierenden die Bewertung „1,0“ gab.<ref>Van Bo Le-Mentzel. In: re:publica – The most inspiring Festival for the Digital Society. Abgerufen am 23. April 2019.</ref><ref>Reinhard Kahl: Lernen durch die Crowd. In: FUTURZWEI.org. Stiftung Zukunftsfähigkeit, 11. März 2019, abgerufen am 23. April 2019.</ref>
Andere Projekte
Der Architekt ist in verschiedenen Projekten engagiert. Er ist Mitbegründer des Berliner Vereins „Kiez-Tank-Stelle“, der sogenannte „Schooltalks“ organisiert. Interessante Persönlichkeiten werden dazu in die Schulen eingeladen, um den Jugendlichen zu erzählen, wie sie es geschafft haben, trotz schlechter Startbedingungen im Leben weiter zu kommen.<ref name="kultur"/>
Unter dem Motto „Konstruieren statt Konsumieren“ will Van Bo Le-Mentzel Menschen mit wenig Geld aber Stilbewusstsein dazu motivieren, selbst Hand anzulegen.<ref name="arte"/> Van Bo Le-Mentzel lebte eine Zeit lang selbst von staatlicher Unterstützung und experimentierte in dieser Zeit mit selbstgebauten Möbeln. Der Architekt verschickt seine Baupläne auf Anfrage und bittet im Gegenzug darum, anschließend darüber zu berichten, wie das Projekt verlaufen sei.
Auszeichnungen
- ZeitWISSEN-Preis Mut zur Nachhaltigkeit (2015)<ref>Die Preisträger 2015. Abgerufen am 20. August 2019.</ref>
- Bayreuther Vorbildpreis der bayreuther dialoge dem Zukunftsforum für Ökonomie, Philosophie und Gesellschaft (2015)<ref>Bayreuther Vorbildpreis. Abgerufen am 27. August 2023.</ref>
Werke
- Der Kleine Professor: 34 Dinge, die mich mein Sohn über das Leben, die Liebe und die Welt gelehrt hat. Ecowin, Wals 2016, ISBN 978-3-7110-5171-4
- Mit Silke Helfrich: Der Architekt Van Bo Le-Mentzel lebt Offenheit, Commons und bedingungslose Grundarbeiten. In: Silke Helfrich, David Bollier und Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Die Welt der Commons. Muster gemeinsamen Handelns. transcript Verlag, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3245-3 (online verfügbar).
- Ich bin dein neuer Prof. In: Haus Bartleby (Hrsg.): Sag alles ab! Plädoyers für den lebenslangen Generalstreik. Edition Nautilus, Hamburg 2015, ISBN 978-3-89401-824-5. S. 47–51.
- Als Hrsg. (mit Birgit S. Bauer): Hartz IV Moebel.com. Build more, buy less! Konstruieren statt konsumieren. Hatje Cantz, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7757-3395-3
Literatur
- Elisabeth von Thadden: Die berührungslose Gesellschaft. München 2018. Seiten 100–104
Weblinks
- Van Bo Le-Mentzel. Radio-Interview mit Nicole Köster in der SWR1-Reihe Leute am 9. Juni 2016, 29 min., auch als MP4-Download (68 MB)
- Wie viele Quadratmeter braucht ein Mensch zum guten Leben? Van Bo Le-Mentzel und Niko Paech Ende 2018 bei werkstatt-zukunft.org, 18 min. (YouTube)
- bauhauscampus.org
- hartzIVmoebel.de
- Wohnen ist politisch. Radiointerview mit Maja Ellmenreich in der Sendung Deutschlandfunk „Zwischentöne“ von 21. September 2025
Einzelnachweise
<references>
<ref name="art-magazin"> Bauhausdesign für Hartz-IV-Empfänger? Art, 8. Juni 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. Oktober 2017; abgerufen am 26. März 2019.</ref>
<ref name="arte"> Van Bo Le-Mentzel: Hartz-IV-Möbelbau. 23. April 2011, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 24. Juli 2012; abgerufen am 26. März 2019.</ref>
<ref name="dlf"> Dieter Kassel: Architekten suchen Ideen gegen Platzmangel. Interview. Deutschlandradio Kultur, 10. März 2017, abgerufen am 26. März 2019.</ref>
<ref name="dmy"> Open Design City feat. Le Van Bo. DMY Internationales Design-Festival, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. August 2014; abgerufen am 29. März 2019.</ref>
<ref name="kultur"> Le Van Bo. kultur-im-quartier.de, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. April 2011; abgerufen am 26. März 2019.</ref>
<ref name="taz"> „Ich stelle mir Berlin als Spielwiese vor“. Die Tageszeitung, 7. Juni 2010, abgerufen am 29. März 2019.</ref>
</references>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Le-Mentzel, Van Bo |
| ALTERNATIVNAMEN | Le, Van Bo; Le, Jumbo Jet (ursprünglicher Name); Prime (Pseudonym) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Architekt laotischer Herkunft |
| GEBURTSDATUM | 18. Februar 1977 |
| GEBURTSORT | Thailand |