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Adrian Koerfer

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Adrian H. Koerfer (* 1955 in Bern) ist ein Schweizer Kunsthistoriker, Germanist und Kunstsammler. Seine Sammlung umfasst etwa 850 Arbeiten aus der Zeit von 1960 bis in die Gegenwart. Größere Bekanntheit erlangte Koerfer durch sein langjähriges Engagement für die Aufarbeitung des Missbrauchssystems an der 2015 geschlossenen Odenwaldschule. Für seinen Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch und insbesondere auch für dessen Prävention sowie für sein großes Engagement zur Unterstützung der hessischen Kulturszene erhielt Koerfer 2023 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.<ref>Ehrung - Adrian Hubert Koerfer erhält Verdienstkreuz am Bande kultus.hessen.de</ref>

Leben und beruflicher Werdegang

Adrian Koerfer kam als Sohn des Unternehmers und Kunstsammlers Jacques Koerfer 1955 in Bern zur Welt. Zu seinen sieben Geschwistern gehören der Filmregisseur Thomas Koerfer und der Historiker Daniel Koerfer. Der Kölner Architekt Jacob Koerfer ist sein Großvater.

Koerfer kam bereits als Kind mit Werken der bildenden Kunst in Berührung. In seinem Elternhaus hingen zahlreiche Meisterwerke der Moderne mit Arbeiten von Künstlern wie Pierre Bonnard, Vincent van Gogh und Pablo Picasso. Seine eigene Sammlung, der er den Namen Mondstudio gab, baute er ab 1982 auf. Er gehört dem Vorstand des Freunde des Museums für Moderne Kunst, Frankfurt am Main e. V. an und war Mitglied im Vorstand der Freunde der Schirn Kunsthalle Frankfurt e. V. und des Verein Städelschule Portikus e. V.<ref>Missbrauch an der Odenwaldschule: Adrian H. Koerfer erzählt seine Geschichte. 12. März 2026, abgerufen am 13. März 2026.</ref>

Nach dem Besuch der Primarschule in der Schweiz wechselte Koerfer 1968 an die Odenwaldschule, die er 1975 mit dem Abitur verließ. In dieser Zeit ist er von mehreren Lehrern missbraucht worden, wie er in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau mitteilte.<ref>Katja Irle, Peter Michalzik: Ich glaube an die Ideale dieser Schule. In: Frankfurter Rundschau. 24. März 2010 (Artikel online [abgerufen am 23. September 2011] Interview mit Adrian Koerfer).</ref> 2010 war er kurzzeitig selbst im Vorstand der Schule.<ref>Jörg Schindler: Sonnenuntergang. In: Berliner Zeitung. 9. Februar 2011 (online – Artikel über Missbrauchsfälle in der Odenwaldschule).</ref> Als erster Vorsitzender des Vereins Glasbrechen e.V. in den Jahren 2010–2016 setzte er sich „für die Betroffenen sexualisierter Gewalt auf der Odenwaldschule“ ein.<ref>Glasbrechen e. V. Wir über uns. Abgerufen am 2. September 2016 (Angaben zur Zielsetzung des Vereins).</ref>

Von 1975 bis 1977 hat Koerfer an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert. Von 1977 bis 1979 absolvierte er eine Ausbildung zum Verlagsbuchhändler beim Klett-Cotta Verlag in Stuttgart. Anschließend studierte Koerfer bis 1984 Germanistik und Kunstgeschichte und beendete das Studium an der FU Berlin mit dem akademischen Grad Magister Artium (M.A.). In den Folgejahren arbeitete er für den Suhrkamp Verlag, den Insel Verlag und den Deutschen Klassiker Verlag als Werbeleiter und Prokurist. Im Jahre 2024 war Koerfer in der Immobilienbranche tätig.<ref name="Huther">Christian Huther: Auf der Klinge tanzen. In: Kunstforum international. Band 193, 2008 (Artikel online [abgerufen am 2. August 2019] Gespräch mit Adrian Koerfer über die Sammlung Mondstudio).</ref>

Koerfer ist Vater einer Tochter.<ref>Das glaubt mir doch kein Mensch. Erinnerungen an eine andere Welt Edition W GmbH, Frankfurt am Main 2026, 1. Auflage ISBN 978-3-949671-25-8, S. 111</ref>

Mahnmal nahe der ehemaligen Odenwaldschule

Ein von Koerfer entworfenes, nahe der Einfahrt zur ehemaligen Odenwaldschule errichtetes Mahnmal für die Opfer sexualisierter Gewalt wurde am 18. November 2024 der Öffentlichkeit vorgestellt. Es besteht aus drei aneinander gelehnten Stahltüren mit unerreichbaren Türgriffen und Schlüssellöchern, die die Hilflosigkeit der kindlichen und jugendlichen Opfer symbolisieren sollen.<ref>Pitt von Bebenburg: Mahnmal für die Opfer der Odenwaldschule, Frankfurter Rundschau, 18. November 2024.</ref><ref>hessenschau de, Frankfurt Germany: Mahnmal soll an Missbrauch an der Odenwaldschule erinnern. 18. November 2024, abgerufen am 14. März 2026 (deutsch).</ref>

Die Sammlung Mondstudio

Zur Zeit seines Studiums in Berlin lernte Koerfer den Maler Ingo Meller kennen, der den Anstoß zu seiner Sammlung gab und dessen Arbeiten er seitdem auch sammelt. Zudem ist der Kölner Galerist Rolf Ricke ein wichtiger Berater des Sammlers. Unter der Bezeichnung Sammlung Mondstudio zeigte er im Jahr 2008 rund 80 Werke aus seinem Besitz in einer Ausstellung mit dem Titel „There is desire left (Knock, Knock)“ im Kunstmuseum Bern und im Museum Wiesbaden. Den Begriff Mondstudio wählte Koerfer, um auf „die unterschätzte Funktion des Mondes“ hinzuweisen und den Begriff Sonnenstudio zu karikieren.<ref name="Huther" /> 2010 stellte er wiederum im Museum Wiesbaden Arbeiten von Alan Uglow aus seiner Sammlung vor.<ref>Museum Wiesbaden, Alan Uglow Werke aus der Sammlung Mondstudio. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. März 2014; abgerufen am 2. August 2019.</ref> Darüber hinaus stellt er einige seiner Kunstwerke dem Kunstmuseum Bonn als Dauerleihgabe zur Verfügung.<ref>Kunstmuseum Bonn, Sammlungen. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 30. September 2011; abgerufen am 23. September 2011 (Informationen zu den Leihgaben von Adrian Koerfer).</ref>

Insgesamt umfasst die Sammlung Mondstudio mehr als 650 Arbeiten, die aus der Zeit um 1960 bis in die Gegenwart stammen. Die Kollektion umfasst sowohl abstrakte als auch leicht gegenständliche Malerei, wohingegen eher realistische Tendenzen fehlen. Zudem hat der Sammler einige skulpturale Werke und Installationen erworben. Neben Werken bekannter Künstler wie Gerhard Richter, Andy Warhol, Herbert Brandl, Alex Katz, David Reed, Jerry Zeniuk, Katharina Grosse und Joseph Marioni finden sich auch Namen wie Tim Ayres, Andreas Exner, Bernard Frize, Dadamaino und Günther Umberg in seiner Sammlung.<ref name="Huther" />

Schriften (Auswahl)

  • Das glaubt mir doch kein Mensch. Erinnerungen an eine andere Welt. Edition W GmbH, Frankfurt am Main 2026, (1. Auflage) ISBN 978-3-949671-25-8

Literatur

  • Adrian Koerfer, Beatrice von Bismarck: Blasser Schimmer, Sammlung Mondstudio. Gimlet, Köln 2001, ISBN 3-9803661-3-8.
  • Ingo Meller: Brot und Butter mit Beiträgen von Jens Peter Koerver und Adrian Koerfer. Verlag für Moderne Kunst, Nürnberg 2003, ISBN 3-936711-19-4.
  • Toni Schönenberger (Hrsg.): Horizonte des Sammelns mit Beiträgen von Christina Weiss und Adrian Koerfer. Wolfsberg, Ermatingen 2007.
  • Adrian Koerfer, Matthias Frehner: There is Desire Left (Knock, Knock). Ausstellungskatalog Kunstmuseum Bern, Museum Wiesbaden, Bern 2008, ISBN 978-3-89258-074-4.
  • Volker Rattemeyer: Alan Uglow: on - off reality. Ausstellungskatalog Museum Wiesbaden, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-89258-084-3.

Einzelnachweise

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