Stratfor
Strategic Forecasting, Inc (abgekürzt Stratfor) ist ein US-amerikanischer Informationsdienst, der Analysen, Berichte und Zukunftsprojektionen zur Geopolitik, zu Sicherheitsfragen und Konflikten anbietet.
Produkte und Unternehmensgeschichte
Täglich veröffentlicht Stratfor Länderberichte sowie Analysen zu globalen und regionalen Konflikten. In seinen Analysen bringt Stratfor nicht nur Hintergrundinformationen zu aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, sondern erschließt aus den Bestimmungsfaktoren einer Konfliktlage oder Ländersituation zugleich Prognosen für die Zukunft.
Das Expertenteam des Unternehmens besteht aus Politologen, Ökonomen und Sicherheitsexperten, die über „Informanten“ in allen Regionen der Welt verfügen und eine Vielzahl von allgemein zugänglichen und verdeckten Quellen auswerten. Das US-Magazin Barron’s bezeichnete Stratfor aufgrund seiner nachrichtendienstlichen Eigenschaften 2010 als „Schatten-CIA“.<ref name="Barrons">Jonathan R. Laing: The Shadow CIA. In: Barron’s. 15. Oktober 2001, abgerufen am 19. Dezember 2010 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Stratfor wurde 1996 von dem US-amerikanischen Geopolitik- und Sicherheitsexperten George Friedman gegründet.<ref>Autor George Friedman. goodreads.com. Abgerufen am 20. April 2017 (englisch)</ref> Den Unternehmenssitz legte er bewusst nicht in die US-Hauptstadt Washington, sondern in die zu politischen Querelen distanziertere Universitätsstadt und Wirtschaftsmetropole Austin/Texas. Vor seinem Rücktritt im Mai 2015 war Friedman fast 20 Jahre lang CEO und dann Vorsitzender von Stratfor.
George Friedman steht heute dem Unternehmen Geopolitical Futures vor, das er auch gründete.<ref>Homepage. Abgerufen am 2. Juni 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Dienste
Seit 1996 publiziert Stratfor einen täglichen Bericht mit Kommentaren zu aktuellen Entwicklungen. Dieser Service wird heute über das Internet angeboten und steht für ein Bezahlabo jedem Interessierten zur Verfügung.
Kunden
Die Liste der Kunden wurde bisher von Stratfor nicht veröffentlicht, ist aber teilweise über WikiLeaks einsehbar. Es greifen beispielsweise einige internationale Konzerne, insbesondere aus der Rohstoffbranche, auf Stratfor zurück. Außerdem werden auch staatliche Organisationen mit Informationen versorgt. Viele größere US-amerikanische Medien verwenden Stratfor für Hintergrundinformationen oder als Quelle.<ref>Stratfor: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />STRATFOR in the news ( vom 29. Oktober 2011 im Internet Archive) (letzter Abruf am 20. Oktober 2011)</ref> Auch deutschsprachige Medien nutzen Stratfor.<ref>Thomas Frankenfeld: Analyse des US-Geheimdienstes Stratfor – Der Euro ist Instrument deutscher Dominanz. In: Hamburger Abendblatt. 19. März 2010</ref>
Hackerangriff
Am 24. Dezember 2011 wurde nach einem Hackerangriff, der Mitgliedern des Kollektivs Anonymous im Rahmen der Aktion LulzXmas zugeschrieben wurde, eine Kundenliste mit rund 4000 Einträgen veröffentlicht. Die Hacker verschafften sich eigenen Angaben zufolge Zugriff auf mehr als 200 Gigabyte Daten und kündigten an, mit den erbeuteten Kreditkartennummern, die unverschlüsselt abgespeichert waren, Überweisungen an Hilfsorganisationen zu tätigen.<ref>Tyler Durden: Stratfor Hacked, 200 GB Of Emails, Credit Cards Stolen, Client List Released, Includes MF Global, Rockefeller Foundation. In: ZeroHedge. 24. Dezember 2011, abgerufen am 31. Dezember 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Insgesamt wurden mehr als 10.000 Karten verwendet, um mindestens 700.000 US-Dollar illegal zu überweisen.<ref name="ho1">Zehn Jahre Haft für Anonymous-Mitglied, Heise online. Abgerufen am 17. November 2013.</ref> Am 31. Dezember wurden 75.000 Namen, Adressen, Kreditkartennummern und Passwörter von Kunden und 860.000 Benutzernamen und Passwörter ins Netz gestellt.<ref>Spiegel Online: Angriff auf Stratfor: Anonymous veröffentlicht Hunderttausende Daten. 31. Dezember 2011.</ref><ref>Jan Jirát: Die Unfassbaren. In: WOZ Die Wochenzeitung. 5. Januar 2012.</ref>
Verursacher
Andreas Bogk, Sprecher des Chaos Computer Clubs und als Abonnent des Stratfor-Newsletters selbst von der Aktion betroffen, kritisierte die mangelhaften Vorkehrungen des Unternehmens zur Wahrung der Informationssicherheit.<ref>Stephan Dörner: Anonymous-Hack: „Die Website war schlicht schlecht gesichert“. In: Handelsblatt. 27. Dezember 2011.</ref> Ungewissheit bestand über die Identität der Angreifer. In einer am 25. Dezember 2011 veröffentlichten „Pressemitteilung“ von Anonymous wurde jegliche Beteiligung abgestritten und der Hack als Missachtung der Pressefreiheit verurteilt.<ref>Press Release: Stratfor hack NOT Anonymous. In: Pastebin.com. 25. Dezember 2011, abgerufen am 31. Dezember 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>heise online: Viele Fragen nach Hacker-Angriff auf US-Sicherheitsberatung. 27. Dezember 2011.</ref>
Sicherheitslücken
Nach Mitte Juni 2014 in einschlägigen Medien veröffentlichten Erkenntnissen wurde das Hacken des Stratfor-Servers durch erhebliche Sicherheitsmängel bei Stratfor erleichtert.<ref>Stratfor-Hack: „Gravierende Sicherheitslücken“ (Heise Security)</ref> So sei weder eine wirksame Firewall noch eine Protokollierung der über die Fernwartung erfolgten Zugriffe eingerichtet gewesen. Die Server waren durchgängig über Remote-Access-Ports per Secure Shell und Windows Remote Desktop zugänglich gewesen.<ref>Verizon Business: Stratfor Computer Forensic Investigation</ref>
Wikileaks
Am 27. Februar 2012 begann Wikileaks in Kooperation mit 25 Medienpartnern mit der Veröffentlichung von über fünf Millionen unternehmensinternen E-Mails unter dem Namen The Global Intelligence Files.<ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name Vorlage:Cite book/URL In: Wikileaks, 27. Februar 2012 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>WikiLeaks veröffentlicht neue Daten – E-Mails des Unternehmens Statfor. In: tagesschau.de. 27. Februar 2012, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. Juni; abgerufen am 26. April 2022.</ref> WikiLeaks verfolgt das Ziel, das Informantennetz des Unternehmens zu enttarnen sowie die aus Sicht von WikiLeaks fragwürdigen oder illegalen Methoden von Stratfor darzustellen.
„Um zu belegen, dass Stratfor eher ein privat und unkontrolliert arbeitender Geheimdienst sei, führt WikiLeaks etwa eine E-Mail des Stratfor-Gründers und Chefs George Friedman an eine Mitarbeiterin an.“
Darin heißt es:
„Wenn dies eine Quelle ist, von der du glaubst, dass sie wertvoll sein könnte, musst du die Kontrolle über sie gewinnen. Kontrolle heißt finanzielle, sexuelle oder psychologische Kontrolle.“<ref>Bei WikiLeaks veröffentlichte E-Mail Nr. 201031 an George Friedman. Abgerufen am 27. Februar 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im November 2013 wurde der mutmaßliche Hacker Jeremy Hammond nach seinem Geständnis<ref>Andre Meister: Hacktivist Jeremy Hammond bekennt sich zu Hack von Stratfor: „Ich tat, was ich für richtig halte.“ In: netzpolitik.org. 29. Mai 2013, abgerufen am 16. September 2020.</ref> zu einer Haftstrafe von 10 Jahren verurteilt.<ref name="ho1" />
Weblinks
- Offizielle Website (englisch)
Einzelnachweise
<references />