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Gasland

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Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2010
Länge 104 Minuten
Stab
Regie Josh Fox
Drehbuch Josh Fox
Produktion Trish Adlesic
Molly Gandour
Josh Fox
David Roma
Kamera Josh Fox
Schnitt Matt Sanchez

Gasland ist US-amerikanischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2010 über die Auswirkungen der Tiefbohrtechnik Fracking, mit der Erdgasvorkommen erschlossen werden. Er wurde von dem Filmemacher Josh Fox geschrieben und in Szene gesetzt.

Fox reiste durch mehrere betroffene Regionen der USA. Der Film präsentiert Aussagen und Erlebnisse der von negativen Auswirkungen betroffenen Anwohner und lässt zahlreiche Experten zu Wort kommen.

Der Film erhielt 2011 eine Oscar-Nominierung als „Bester Dokumentarfilm“, einen Emmy und weitere Preise. Daneben gab es auch kritische Stimmen: es wurden ihm eine tendenziöse Darstellung und inhaltliche Fehler vorgeworfen.<ref name="FAZ" /> 2013 folgte Gasland Part II.

Inhalt

Im Mai 2008 wurden Josh Fox schriftlich 100.000 US-$ (ca. 85.455 Euro bzw. 78.534 CHF) angeboten. Diese Summe wollte ihm eine Firma bezahlen, um sein Land zu pachten und dort mit einer international als Hydraulic Fracturing bekannten Methode Gasvorkommen zu erschließen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Australia's Special Broadcasting Service (SBS) film page on Gasland (Memento des Vorlage:IconExternal vom 6. Mai 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sbs.com.au. 19. November 2010</ref> Daraufhin informierte er sich in vier Bundesstaaten (Pennsylvania, New York, Ohio und West Virginia) darüber, welche Folgen es für ihn haben könnte, dieses Angebot zu akzeptieren. Im Verlauf dieser Reise wurde er in Wohnungen eingeladen, in denen die dort lebenden Familien ihr mittlerweile ungenießbares Leitungswasser anzünden konnten.

In der Annahme, dies stünde in Zusammenhang mit Hydraulic Fracturing, reiste Fox in vier weitere Bundesstaaten (Colorado, Wyoming, Utah und Texas) und besuchte Gegenden, in denen schon seit mindestens zehn Jahren mit Hydraulic Fracturing Gas gewonnen wird. Auch dort sprach er mit Anwohnern und erforschte Auffälligkeiten. Die Farmer in den Fracking-Gebieten klagen über Grundwasserverschmutzung und Häufung von Krankheiten sowie Luftverunreinigung. Verschmutztes Wasser landet in Flüssen und im Meer oder verdunstet von den Feldern und gerät in die Atmosphäre. Nur wenigen Farmern wurde aktiv geholfen.

Nachdem Josh Fox im Rahmen der Dokumentation mit Wissenschaftlern, Politikern und Vertretern der Industrie gesprochen hatte, wurde ihm zur Kenntnis gebracht, dass das Thema seines noch unfertigen Films inzwischen offiziell im Kongress diskutiert wurde.<ref>111th United States Congress. S. 1215: Fracturing Responsibility and Awareness of Chemicals (FRAC) Act. 27. April 2010</ref><ref>Energy Policy Act of 2005. Pub. L. 109-58, TITLE III, Subtitle C, SEC. 322. Hydraulic fracturing (PDF; 3,2 MB). 6. Februar 2011</ref> Hier fielen eine Reihe von Aussagen durch Lobbyisten, die eine Gesundheitsgefährdung ausschlossen. Der Regisseur blickt mit Sorgen in die Zukunft, was wohl wäre, wenn auch Europa das Fracking für sich entdecke.

Produktion

Die Erstellung des Films dauerte 18 Monate, in denen insgesamt 200 Stunden Filmmaterial entstanden. Josh Fox hatte zunächst nur einen einzigen Helfer, mit der Zeit wuchs das Produktionsteam.<ref>MakingOf. Interview: Josh Fox. 25. Februar 2010. 4. Mai 2010.</ref> Für die Filmmontage kam der Editor Matt Sanchez dazu.<ref>IndieWire. Sundance ’10: Gasland Director Josh Fox on Being a One Man Crew. 22. Januar 2010. 24. April 2010.</ref>

Rezeption

Positiv

Robert Koehler vom Magazin Variety nannte die Dokumentation „einen der effektivsten und eindrucksvollsten Umweltfilme der vergangenen Jahre“ („one of the most effective and expressive environmental films of recent years“). Der Film „könnte für die Gefahren der Erdgasförderung werden, was Der stumme Frühling für DDT war“ („Gasland may become to the dangers of natural gas drilling what Silent Spring was to DDT“).<ref>Robert Koehler: Gasland Movie Review from the Sundance Film Festival. In: Variety. 25. Januar 2010, abgerufen am 24. April 2010.</ref>

Stewart Nusbaumer schrieb in der Huffington Post, dass der Film die Zuschauer empören und damit gleich zu Aktivisten machen könne. („Gasland… just might take you from outrage right into the fire of action.“)<ref>Stewart Nusbaumer: Big Sky Doc Film Fest: Gasland Fuel for Justice. In: The Huffington Post. 18. Februar 2010, abgerufen am 24. April 2010.</ref>

Die australische Filmkritikerin Julie Riggs bezeichnete die Dokumentation als „Horrorfilm“ und „Weckruf“. („A horror film, and a wake-up call.“)<ref>Movietime – 19 November 2010 – Gasland. In: Abc.net.au. 19. November 2010, abgerufen am 13. Juli 2011.</ref>

Negativ

Die Oil & Gas Conservation Commission des US-Bundesstaates Colorado reklamierte, dass dem Filmemacher bei der Darstellung von Vorkommnissen in Colorado mehrere Fehler unterlaufen seien.<ref name="cogcc"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Statement of the State of Colorado Oil & Gas Conservation Commission (COGCC) regarding Gasland (Memento vom 5. September 2013 im Internet Archive) (PDF; 46 kB)</ref> Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen den im Film gezeigten Umweltschäden und dem Fracking wird angezweifelt oder gar bestritten.

In einem Artikel im Magazin Forbes kommentierte Michael Economides, ein vormals in der Ölindustrie beschäftigter Technik-Professor an der Universität Houston und Mitglied beim klimawandelleugnenden Heartland Institute<ref>Michael Economides. The Heartland Institute. Abgerufen am 7. Januar 2020.</ref>, die brennenden Wasserhähne. Die Darstellung sei extrem irreführend. Zwischen den Trinkwasserschichten und den gasführenden Schichten lägen hunderte bis tausende Meter undurchlässigen Gesteins. Jeder Austausch zwischen den Schichten geschehe daher, wenn überhaupt, in geologischen Zeiträumen über Jahrmillionen.<ref>Michael Economides: Slurring Natural Gas with Flaming Faucets and Other Propaganda. In: Forbes.com. 22. April 2010, abgerufen am 1. März 2022.</ref>

Kritik kam auch von Energy in Depth (EID), einer von der Erdöllobbygruppe Independent Petroleum Association of America gegründete und von mindestens 14 Erdölunternehmen finanzierte Kampagnenorganisation, die sich gegen Umweltschutzvorschriften, insbesondere beim Fracking einsetzt und immer wieder industriekritische Wissenschaftler angreift.<ref>Fossil Fuel Giants Claim To Support Climate Science, Yet Still Fund Denial. In: Huffington Post, 18. Dezember 2019. Abgerufen am 31. Dezember 2019.</ref><ref>Edith Honan: Film challenges safety of U.S. shale gas drilling. Reuters, 17. Juni 2010, abgerufen am 28. Juni 2010.</ref> Die Organisation veröffentlichte eine Liste, nach der der Film faktische Ungenauigkeiten enthalte<ref>Debunking GasLand. (PDF) In: Energy in Depth. 9. Juni 2010, abgerufen am 17. Dezember 2011.</ref>, und produzierte darauf aufbauend einen eigenen Film namens TruthLand.<ref>A project of IPAA and Energy In Depth. In: TruthLand Movie. Abgerufen am 9. März 2013.</ref> Die Macher von Gasland reagierten mit einer Gegenschrift.<ref>Affirming Gasland. (PDF) Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. September 2014; abgerufen am 5. Dezember 2014.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/1trickpony.cachefly.net</ref>

Der Dokumentarfilmer Phelim McAleer konfrontierte Gasland-Regisseur Josh Fox auf einer Veranstaltung in Chicago mit historischen Aufzeichnungen über entzündliches Erdgas im Leitungswasser in Burning Springs, lange bevor dort mit Fracking begonnen wurde. Fox antwortete, diese Information komme in Gasland nicht vor, weil sie ihm nicht relevant erschien.<ref>McAleer confronts Gasland Director auf YouTube</ref> Nach Veröffentlichung des Videos der Konfrontation erreichten Fox und dessen Anwälte eine Löschung des Videos auf YouTube und Vimeo. Die FrackNation-Macher klagten jedoch erfolgreich auf Wiedereinstellung.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gasland director tries to ban journalism (Memento vom 5. Dezember 2016 im Internet Archive). 3. Juni 2011</ref> All dies inspirierte McAleer zum Dokumentarfilm FrackNation, welche die Motive und Glaubwürdigkeit von Fox hinterfragt.<ref>Vorlage:IMDb/1</ref>

Wirkung

Nach der Veröffentlichung der Dokumentation kam es in Europa verstärkt zu Widerstand gegen geplante Tiefenbohrungen.<ref>Filmemacher Josh Fox erreichte mit seiner investigativen Dokumentation weltweit Millionen Menschen. Seit der Premiere des Films wächst auch in Europa der Widerstand. Abgerufen am 13. Oktober 2011.</ref>

Am 17. November 2014 berichtete die FAZ über einseitige Berichterstattung und Desinformation im Internet am Beispiel von Fracking und Gasland.<ref name="FAZ">Brennende Wasserhähne – Desinformation im Internet. In: faz.net. 17. November 2014, abgerufen am 1. März 2022.</ref>

Auszeichnungen und Nominierungen

Auszeichnungen

Nominierungen

  • 2011 Academy Award for Best Documentary Feature
  • 2011 Writers Guild of America Award for Best Documentary Screenplay.
  • 2011 Primetime Emmy Award for Outstanding Cinematography for Nonfiction Programming (Josh Fox)
  • 2011 Primetime Emmy Award for Outstanding Writing for Nonfiction Programming (Josh Fox)
  • 2011 Primetime Emmy Award for Exceptional Merit in Nonfiction Programming (Josh Fox)

Weblinks

Einzelnachweise

<references />