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Physarum polycephalum

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Physarum polycephalum
Datei:Physarum polycephalum plasmodium.jpg

Physarum polycephalum, Plasmodium (gelb)

Systematik
ohne Rang: Amoebozoa
ohne Rang: Myxogastria
Ordnung: Physarida
Familie: Physaridae
Gattung: Physarum
Art: Physarum polycephalum
Wissenschaftlicher Name
Physarum polycephalum
Schwein.

Physarum polycephalum (griechisch πολύς polys ‚viel, mehrere‘, κεφαλή kephalē ‚Kopf‘) ist eine Schleimpilz-Art aus der Ordnung der Physarida und lässt sich somit den Myxogastria (auch Myxomyceten oder Echte Schleimpilze) zuordnen. Das vielkernige, von einer einzigen Zelle gebildete Phaneroplasmodium ist aufgrund seiner Größe (bis zu mehreren Quadratmetern<ref name="zeit" />) mit bloßem Auge erkennbar. Diese Art ist gut beschrieben, da sie als Modellorganismus häufig in Laboren zu Studienzwecken eingesetzt wird.

Der Schleimpilz wurde von der Deutschen Gesellschaft für Protozoologie (DGP) zum „Einzeller des Jahres“ 2021 gekürt.<ref>Einzeller des Jahres 2021: Physarum polycephalum, auf: Deutsche Gesellschaft für Protozoologie, zuletzt abgerufen am 10. November 2021.</ref><ref>Gesellschaft für Protozoologie – Darm-Erreger ist "Einzeller des Jahres 2022", auf: zdf.de vom 8. November 2021.</ref>

Merkmale

Die gelben bis grauen (selten weißen), unregelmäßig linsen- bis scheibenförmigen oder aufgerollt bis gewunden-zusammenfließenden Sporokarpe sind 1 bis 1,5 Millimeter breit, 1,5 bis 2 Millimeter hoch, gestielt und stehen gehäuft zusammen. Die Hülle des Sporokarps, die Peridie, ist häutig, brüchig, weiß oder blassgelb und mit gelben bis weißen Kalkknötchen besetzt. Der gelbe, durchscheinende Stiel ist lang, schlank, biegsam und ineinander verdreht, gelegentlich am Ansatz abgeflacht und verbreitert. Das feine, dichte Capillitium ist physaroid, bildet also ein Netzwerk, in dem verdickte, unregelmäßig geformte, gelbe bis weiße, kalkhaltige Knoten durch schlanke, durchscheinende und kalkfreie Fäden miteinander verbunden sind.<ref name="myxo" />

Die im Durchmesser 8 bis 11 Mikrometer messenden, aufgerauten bis feinstachligen Sporen sind in der Masse schwarz-braun, einzeln im Durchlicht violett.<ref name="myxo" />

Verbreitung

Datei:Blob (Physarum polycephalum).jpg
Physarum polycephalum auf einem gefällten Stamm im Grunewald (Berlin)

Physarum polycephalum besiedelt verrottendes Holz und die Fruchtkörper fleischiger Pilze. Gelegentlich werden Fruchtkörper auch auf lebenden Pflanzen gebildet.<ref name="myxo" />

Verwendung

Physarum polycephalum dient in der Biologie häufig als Modellorganismus zur Untersuchung von Zellmotilität, Zellwachstum und Zelldifferenzierung. Vorteilhaft für die Handhabung sind die leichte Kultivierbarkeit und die Größe der Zelle.<ref name="myxo2" />

Im Jahr 2000 konnte nachgewiesen werden, dass Physarum polycephalum den kürzesten Weg zwischen zwei Punkten in einem Irrgarten finden kann,<ref name="irr" /> Anfang 2006 wurde die Art an der japanischen Universität Kōbe in einer technischen Anwendung für die zentrale Steuerung eines Schleimpilzroboters eingesetzt.<ref name="robi" /> Im Jahr 2010 konnte nachgewiesen werden, dass die Netzbildungsfähigkeit von Physarum polycephalum ein sehr gutes Gleichgewicht zwischen Redundanz und Effizienz aufzeigt. Dafür wurde im Labor anschaulich das japanische Bahnnetz um Tokio mit einem von Physarum polycephalum gebildeten Netzwerk (Steinerbaumproblem) verglichen.<ref></ref><ref>Manon Bischoff: Die fabelhafte Welt der Mathematik: Schleimpilze sind die besseren Mathematiker. Abgerufen am 7. April 2023.</ref>

Das größte bekannte Exemplar der Art ist zugleich die größte Einzelzelle der Welt überhaupt: 1987 züchteten Bonner Forscher anlässlich des Ruhestands von Karl-Ernst Wohlfarth-Bottermann ein 5,54 Quadratmeter großes Exemplar in W-Form.<ref name="zeit" />

Im Oktober 2019 wurde für den Einzeller ein eigener Raum im Parc zoologique de Paris eingerichtet, wo er als „faszinierendes Lebewesen mit ungeahnten Möglichkeiten“ präsentiert wird.<ref>David Differdange: Aliens aus der Petrischale. In: tagesschau.de. 22. Oktober 2019, abgerufen am 28. Oktober 2019.</ref>

Weblinks

Commons: Physarum polycephalum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Nachweise

<references> <ref name="myxo"> Henry Stempen, Steven L. Stevenson: Myxomycetes. A Handbook of Slime Molds. Timber Press, 1994, ISBN 0-88192-439-3, S. 148–149. </ref> <ref name="myxo2"> Henry Stempen, Steven L. Stevenson: Myxomycetes. A Handbook of Slime Molds. Timber Press, 1994, ISBN 0-88192-439-3, S. 19–21. </ref> <ref name="irr"> Toshiyuki Nakagaki, Hiroyasu Yamada, Ágota Tóth: Intelligence: Maze-solving by an amoeboid organism. In: Nature. Band 407, September 2000, S. 470, Online. </ref> <ref name="robi"> S. Tsuda, K.-P. Zauner, Y.-P. Gunji: Robot Control with Biological Cells. In: Proceedings of Sixth International Workshop on Information Processing in Cells and Tissues. St. William’s College, York 2005, S. 202–216. </ref> <ref name="zeit"> Wolfgang Richter: Alter Schleimer. In: ZEIT–Wissen. 01/2007, Online. </ref> </references>

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