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Formicait

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Formicait
Datei:Formicaite.jpg
Formicaitkristall vom Alkali Lake, Lake County (Oregon), USA
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1998-030<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Fmc<ref name="Warr" />

Chemische Formel Ca(CHOO)2<ref name="IMA-Liste" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Organische Verbindungen
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IX/A.02-005<ref name="Lapis" />

10.AA.05
50.02.06.01
Ähnliche Minerale Dashkovait, Calclacit
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol tetragonal-trapezoedrisch; 422<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe (Nr.) P41212 (Nr. 92)Vorlage:Raumgruppe/92<ref name="Webmineral" /> (Nr. 92)
Gitterparameter a = 6,770 Å; c = 9,463 Å<ref name="Webmineral" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="Webmineral" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1<ref name="Handbookofmineralogy" />
Dichte (g/cm3) gemessen: 1,9(1); berechnet: 1,93(2)<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit vollkommen nach {100}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität spröde<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe weiß bis blassblau<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe weiß<ref name="Handbookofmineralogy" />
Transparenz durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω 1,553<ref name="Mindat" />
nε 1,573<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,020<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter einachsig positiv
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten leicht löslich in Wasser
Besondere Merkmale hellblaue Fluoreszenz im kurzwelligen UV-Licht<ref name="Handbookofmineralogy" />

Formicait ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Organischen Verbindungen“ mit der chemischen Zusammensetzung Ca(CHOO)2<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein Calciumformiat.

Formicait kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt tafelige Kristalle bis etwa 30 µm Größe. Das Mineral ist durchscheinend und von weißer bis blassblauer Farbe.

Etymologie und Geschichte

Der Name Formicait geht zurück auf das lateinische Wort formica für Ameise zurück. Der gleiche Wortstamm finden sich auch in seiner chemischen Bezeichnung Calciumformiat, der es als Salz der Ameisensäure (lat. acidum formicum) kennzeichnet.

Erstmals entdeckt wurde Formicait in der Bor-Lagerstätte „Solongo“ auf dem zum Baikal-Graben gehörenden Witimplateau in der russischen Republik Burjatien. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch N. W. Tschukanow, Swetlana Wjatscheslawowna Malinko, A. Je. Lissizyn, W. T. Dubintschuk, O. W. Kusmina und A. Je. Sadow ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)). Das Mineralogenteam sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1998 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummere der IMA: 1998-030), die den Formicait als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde im Folgejahr im russischen Fachmagazin Записки Всероссийского Минералогического Общества (Transkription: Sapiski Wserossijskogo Mineralogitscheskogo Obschtschestwa). Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Formicait lautet „Fmc“.<ref name="Warr" />

Das Typmaterial des Minerals wird im Mineralogisches Museum, benannt nach A. J. Fersman (FMM) in Moskau (Russland) unter der Inventarnummer 89505 aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />

Klassifikation

Da der Formicait erst 1998 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz war der Formicait noch nicht aufgeführt.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IX/A.02-005. Dies entspricht der Klasse der „Organische Verbindungen“ und dort der Abteilung „Salze organischer Säuren“, wo Formicait zusammen mit Abelsonit, Calclacit, Chanabayait, Dashkovait, Earlandit, Hoganit, Joanneumit, Julienit, Kafehydrocyanit, Mellit, Paceit und Pigotit die Gruppe der „Andere organische Salze, darunter Mellate, Citrate und Acetate“ mit der Systemnummer IX/A.02 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Formicait ebenfalls in die Abteilung „Salze von organischen Säuren“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der salzbildenden Säure. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Acetate“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 10.AA.05 bildet.<ref name="IMA-Liste-2009" />

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Formicait die System- und Mineralnummer 50.02.06.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Organische Minerale“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Salze organischer Säuren (Mellitate, Citrate, Cyanate und Acetate)“ in der Gruppe „Formicait-Reihe“, in der auch Dashkovait eingeordnet ist.

Kristallstruktur

Formicait kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe P41212 (Raumgruppen-Nr. 92)Vorlage:Raumgruppe/92 mit den Gitterparametern a = 6,770 Å und c = 9,463 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle. Gut ausgeprägte, tafelförmige Kristalle sind selten. Meistens kommt es als kleine kugelförmige Aggregate vor. Alle bisher gefundenen Proben waren mikroskopisch klein.

Eigenschaften

Formicait ist leicht wasserlöslich und daher nicht beständig. Die hygroskopischen Kristalle können an der Luft bei zu hoher Feuchtigkeit zerfließen.

Formicait zeigt bei Bestrahlung mit kurzwelligem UV-Licht eine blau-weiße Fluoreszenz.

Bei Formicait handelt es sich chemisch gesehen um das Calciumsalz der Ameisensäure. Auch wenn es sich bei Formicait um das Salz einer organischen Säure handelt, ist seine Entstehung nicht notwendigerweise an biologische Organismen gebunden. Die Bildung von Calciumformiat kann durch rein anorganische Verbindungen erfolgen (siehe Darstellung von Calciumformiat).

Bildung und Fundorte

Formicait wurde bisher nur in borhaltigen Skarnen in Sibirien nachgewiesen. Hier kommt es überwiegend als dünne, grauweiße Adern vor, wo es vermutlich hydrothermal abgeschieden wurde. Als Begleitminerale treten unter anderem Calcit, Lizardit, Frolovit und die verschiedenen Hydroborite auf.

Neben seiner Typlokalität „Solongo“-Lagerstätte auf dem Witimplateau konnte das Mineral bisher (Stand: 2012) nur noch in der ebenfalls in Ostsibirien liegenden „Titovskoe“-Lagerstätte in der Tas-Khayakhtakh-Gebirgskette in der Republik Sacha (Jakutien) sowie in der „Novofrolovskoye“-Bor-Kupfer-Lagerstätte bei Krasnoturjinsk in der Oblast Swerdlowsk gefunden werden.<ref name="Fundorte" />

Verwendung

Auch wenn es viele Verwendungen für Calciumformiat gibt, so sind diese, aufgrund der extremen Seltenheit von Formicait für das Mineral nur hypothetisch.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Formicait beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 4. Oktober 2025. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 4. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Vorlage:IMA-Liste </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – F. (PDF 633 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 4. Oktober 2025 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Formicaite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 4. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Formicaite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 4. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>