Zum Inhalt springen

Beate Jessel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 29. April 2026 um 08:08 Uhr durch imported>Gallagher 00.
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Datei:Beate Jessel, 2022.jpg
Beate Jessel, 2022

Beate Jessel (* 25. Mai 1962 in Bad Cannstatt, Deutschland; † 13. April 2026 in Bern, Schweiz) war eine deutsche Landespflegerin und von November 2007 bis August 2021 Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).<ref name="REF-BFN-DE"/> Von September 2021 bis Juli 2023 war sie Direktorin der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) sowie Professorin an der ETH Zürich und der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL). Von August 2023 bis zu ihrem Tod im Jahr 2026 war sie als Professorin für Landschaftsentwicklung an der EPFL tätig.<ref>Bundesrat wählt Beate Jessel zur neuen WSL-Direktorin. Abgerufen am 4. Juni 2021.</ref><ref>Direktorin der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) tritt zurück. Abgerufen am 8. August 2023.</ref>

Leben

Jessel studierte von 1982 bis 1989 Landespflege an der Technischen Universität München. Anschließend arbeitete sie in einem Planungsbüro bei Freising. Von 1992 bis 1999 war Jessel Leiterin des Referats „Ökologisch orientierte Planungen“ an der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen/Salzach. 1997 promovierte sie in München zum Dr. agr. mit dem Thema Landschaften als Gegenstand von Planung. Betrachtungen über die Theorie ökologisch orientierten Planens bei Wolfgang Haber an der TU München-Weihenstephan.<ref name="REF-BFN-DE"/>

1999 wurde sie zur Professorin für Landschaftsplanung an das Institut für Geoökologie der der Universität Potsdam berufen. Im Jahr 2006 wechselte sie zur Technischen Universität München auf den von der Allianz-Stiftung finanzierten Lehrstuhl für „Strategie und Management der Landschaftsentwicklung“.<ref name="REF-BFN-DE"/> Von 2007 bis 2021 war sie Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) in Bonn. In ihrer Amtszeit trieb sie die Verbindung von ökologischer Forschung und praktischer Umsetzung voran, etwa durch ein Bundeskonzept Grüne Infrastruktur,<ref>Neue Vorfahrtsregelung für die Natur? Interview zum Bundeskonzept Grüne Infrastruktur. Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung in Deutschland, abgerufen am 26. Dezember 2025.</ref><ref>Bundesamt für Naturschutz legt Handlungsprinzipien für urbane grüne Infrastruktur vor. Neue Landschaft, 15. April 2017, abgerufen am 26. Dezember 2025.</ref> und betonte zugleich die notwendige Verankerung und Akzeptanz von Naturschutz in der Gesellschaft.<ref>Interview mit Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Deutsche Bundesregierung, abgerufen am 26. Dezember 2025.</ref>

2021 wählte der Schweizerische Bundesrat Beate Jessel zur Direktorin der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). In dieser Zeit stellte sie die Weichen für die zukünftige strategische Entwicklung der WSL, u. a. indem sie einen umfassenden partizipativ angelegten Strategieentwicklungsprozess initiierte.<ref>Beate Jessel gibt die Leitung der WSL ab und wechselt zur EPFL. WSL Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, 28. Juni 2023, abgerufen am 26. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zugleich war sie Inhaberin einer Doppelprofessur für Landschaftsentwicklung an der ETH Zürich und der EPFL Lausanne.<ref>Bundesrat wählt Beate Jessel zur neuen WSL-Direktorin – ETH-Rat. Abgerufen am 15. September 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Per 31. Juli 2023 legte sie die Funktion als Direktorin nieder und nahm vollzeitlich ihre Professur für Landschaftsentwicklung an der EPFL wahr.<ref>Beate Jessel gibt die Leitung der WSL ab und wechselt zur EPFL - WSL. Abgerufen am 8. August 2023.</ref>

Am 13. April 2026 starb Beate Jessel im Alter von 63 Jahren unerwartet in Bern.<ref>Avis mortuaires /. Abgerufen am 16. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Nachruf: Frühere BfN-Präsidenten Beate Jessel mit 63 Jahren gestorben. In: neuelandschaft.de. 21. April 2026, abgerufen am 25. April 2026.</ref><ref>B. Sc. Tina Kissinger: Nachruf auf Beate Jessel. Hochschule Geisenheim University, Pressemitteilung vom 17. April 2026 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de), abgerufen am 18. April 2026.</ref>

Gremientätigkeit

Fachliche Positionen

Bauprojekte

Jessel kritisierte 2013, dass Naturschutz auch benutzt werde, um unliebsame Bauprojekte zu verhindern.<ref>Die ausgleichende Umweltschützerin: Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz. www.swr.de, 12. September 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. Juli 2018; abgerufen am 21. Juli 2018.</ref>

Energiewende

In Bezug auf die Energiewende forderte Jessel eine offene Diskussion über die Folgen für Natur und Landschaft. Bis zum Ausstieg aus der Kernenergie sollten „Leitplanken“ für Natur und Landschaft definiert werden. Beim Bau von neuen Stromleitungen sei eine genaue Abschätzung des Bedarfs und dann eine sorgfältige Trassenwahl notwendig. Auf hoher See müsse beim Ausbau von Offshore-Windkraft auf die Standorte geachtet werden, um Wale und Seevögel nicht zu beeinträchtigen.

In Bezug auf den Anbau von Biomasse forderte Jessel im Jahr 2011 Nachhaltigkeitskriterien. Mais wird in aller Regel in Monokultur angebaut und Jessel forderte, den Anbau von Mais in der Fruchtfolge zu beschränken und die klimarelevante Umwandlung von Grünland zu Anbaufläche von Biomasse zu unterbinden.<ref>Beate Jessel im Interview: Beate Jessel: Klimaschutz nicht gegen Naturschutz ausspielen. www.deutschlandfunkkultur.de, 14. Mai 2011, abgerufen am 21. Juli 2018.</ref>

Großschutzgebiete in Deutschland und der Schweiz

Jessel begrüßte 2011 die Diskussion um einen Nationalpark in Baden-Württemberg. Nach ihrer Ansicht bedürfe es in Deutschland der Neuausweisung von weiteren Nationalparks, um das Fünf-Prozent-Ziel einer natürlichen Waldentwicklung der Nationalen Biodiversitätsstrategie zu erreichen und zu gewährleisten, dass alle Großlandschaften exemplarisch durch Nationalparke erfasst sind.<ref>BfN-Präsidentin begrüßt die Nationalparkinitiative in Baden-Württemberg. www.bfn.de, 21. September 2011, abgerufen am 21. Juli 2018.</ref> Der Schweiz attestierte sie 2022 im internationalen Vergleich einen Mangel an strengen Schutzgebieten und sprach sich für eine schweizweite Potenzialanalyse aus, um landesweit aufzuzeigen, welche Gebiete aus ökologischer und sozioökonomischer Hinsicht für neue Nationalparke prinzipiell in Frage kommen würden.<ref>NZZ Neue Zürcher Zeitung: Beate Jessel, WSL-Direktorin, zum Klimawandel, Wölfen und Bienen. NZZ Neue Zürcher Zeitung, 10. Januar 2022, abgerufen am 31. Januar 2025.</ref>

Insektensterben

Jessel sah 2018 einen Zusammenhang zwischen der überwiegenden Art der Landbewirtschaftung und dem Insektensterben.<ref>Jost Maurin: Naturschutzamt zu EU-Agrarsubventionen: „Kein Geld mehr für Direktzahlungen“. In: Die Tageszeitung: taz. 31. Mai 2018, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 1. Juni 2018]).</ref>

Publikationen (Auswahl)

  • Landschaften als Gegenstand von Planung (1998)<ref name="REF-DNB-DE"/>
  • Umsetzungsstrategien und Instrumente für Erfordernisse von Naturschutz und Landschaftspflege (2000)<ref name="REF-DNB-DE"/>
  • Die UVP – ein Instrument zur Verbesserung der Umweltvorsorge? (2001)<ref name="REF-DNB-DE"/>
  • Beate Jessel, Kai Tobias: Ökologisch orientierte Planung: Eine Einführung in Theorien, Daten und Methoden. Uni-Taschenbücher ISBN 978-3-8252-2280-2 (2002)<ref name="REF-DNB-DE"/>
  • Die Integration von Umweltbelangen in die Entscheidungsfindung der Bauleitplanung und die Abschichtung zwischen verschiedenen Planungsebenen (2004)<ref name="REF-DNB-DE"/>
  • Beate Jessel, Olaf Tschimpke, Manfred Walser: Produktivkraft Natur (2009)<ref name="REF-DNB-DE"/>

Weblinks

Einzelnachweise

<references responsive> <ref name="REF-BFN-DE">Professor Dr. Beate Jessel. www.bfn.de, abgerufen am 19. Juli 2018.</ref> <ref name="REF-DNB-DE">Suche: Beate Jessel: Autor von Publikationen. portal.dnb.de, abgerufen am 20. Juli 2018.</ref> </references>

Vorlage:Hinweisbaustein