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Groupie

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Als Groupie (von engl. group, ‚Gruppe‘) wird ein meistens weiblicher Fan bezeichnet, der seine Aufmerksamkeit einem Idol oder Star, meist aus dem Bereich der Kunst, Kultur, Sport oder Politik, widmet, oft auch in sexueller Hinsicht. Groupies gehen über das weitgehend als normal zu bezeichnende Verhalten eines Fans hinaus, ohne jedoch als Stalker zu gelten.

Geschichte

Die ersten Groupies gab es Mitte der 1940er Jahre, als Frank Sinatra bei öffentlichen Auftritten von tausenden kreischenden weiblichen „Bobby-Soxern“ im Teenageralter umschwärmt wurde. Zu einem kulturellen Phänomen wurden sie in den 1960er Jahren mit dem Aufkommen der Popkultur und der sexuellen Revolution. Das Wort ‚groupie‘ ist im Englischen seit den 1960er-Jahren in Gebrauch.<ref>groupie | Etymology, origin and meaning of groupie by etymonline. Abgerufen am 9. Juni 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Eine bekannte Groupiegruppe waren die GTO’s aus den späten 1960er Jahren im Umfeld von Frank Zappa. Pamela Des Barres, die zu ihnen gehörte, dokumentierte diese Zeit später in ihrem Buch. Es kam ihr zufolge vor, dass sich Groupies durch die Roadcrew eines Stars bis zu diesem ,hochschliefen‘. Frank Zappa prägte dafür in seinem gleichnamigen Stück des Albums Joe’s Garage 1979 den abfälligen Ausdruck crew slut (etwa: „Mannschaftsschlampe“). Wenn sich Groupies in Kriminelle verlieben, ist von Hybristophilie die Rede, Groupies von Serienmördern werden murder groupies genannt.<ref>Christine M. Sarteschi: Mass and Serial Murder in America. Springer, 2016, ISBN 978-3-319-44281-5, S. 11.</ref>

Kritik

Der Umgang mit Groupies von Seiten der Rockbands und ihrer Crews war und ist wiederkehrend von Abwertung, Verachtung und teilweise körperlicher Gewalt bestimmt (häufig unter Einwirkung von Drogen), es gab jedoch Ausnahmen, bei denen die von einem Machtgefälle bestimmten Begegnungen zu echten Liebesbeziehungen führten. Im Zuge der MeToo-Bewegung wurde das Groupie-Phänomen kritisiert,<ref>Thea De Gallier: 'I wouldn’t want this for anybody’s daughter': will #MeToo kill off the rock'n'roll groupie? In: The Guardian. 15. März 2018, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 6. Juni 2023]).</ref> insbesondere nach den 2023 bekannt gewordenen Vorwürfen gegen den Rammstein-Sänger Till Lindemann.<ref>Stefan Weiss im Interview mit der Soziologin Nadia Shehadeh: Rammsteins Groupie-System: "Das hat nichts mehr mit Befreiung zu tun". In: Der Standard. 5. Juni 2023, abgerufen am 6. Juni 2023.</ref><ref>Rafaela Roth: Die Rache der Kayla Shyx: Wie Groupies plötzlich zurückschlagen. 17. Juni 2023, abgerufen am 18. Juni 2023.</ref><ref>Der Aufschrei der Groupies. Abgerufen am 18. Juni 2023.</ref>

Die Zuordnung als Groupie in der öffentlichen Wahrnehmung setzt die Betroffenen einem erhöhten Missbrauchsrisiko und Schmälerung ihrer Glaubwürdigkeit aus,<ref>Jeffrey R. Benedict: Athletes and Acquaintance Rape (= Sage Series on Violence against Women. Nr. 8). Sage Publications, Thousand Oaks, Calif. 1998, ISBN 0-7619-0966-4, S. 8 ff.</ref> weshalb die Aufdeckung bisheriger Vergehen selten zu sozialen, finanziellen oder strafrechtlichen Konsequenzen für die Täter führte.<ref>Monika Holzbecher, Katharina Alexi: Sexuelle Grenzverletzungen in der Musikausbildung sowie in der Aufführung und Produktion von populärer Musik. Aktuelle Forschungsansätze und Gegenmaßnahmen. In: Michael Ahlers, David-Emil Wickström (Hrsg.): Samples. Online-Publikationen der Gesellschaft für Populärmusikforschung. Band 19, Nr. 1. Justus-Liebig-Universität Gießen, Gießen 2021, doi:10.22029/JLUPUB-7400 (uni-giessen.de [abgerufen am 7. Juni 2023]): „Einige junge Erwachsene und Jugendliche empfanden es als Privileg, Groupie sein zu dürfen und für die sexuellen Wünsche der bewunderten Stars zur Verfügung zu stehen. Selbst jetzt, Jahrzehnte später, wird den Größen in der Musikszene immer noch »nachgesehen«, dabei sexuelle Grenzen überschritten zu haben. Fälle des Missbrauchs selbst minderjähriger Opfer wurden bekannt, wie sie der Sänger und Produzent R. Kelly beging, doch freimütige Bekenntnisse von Grenzüberschreitungen ohne Unrechtsbewusstsein in Songtexten (vgl. Huffman/Huffman 1987) werden kaum hinterfragt und führen auch in der Gegenwart selten zu Sanktionen und Einbußen auf der Beliebtheitsskala.“</ref> In einer Studie über Groupies in der Heavy-Metal-Szene der 1980er-Jahre gaben 25 Prozent der Befragten an, sexuell missbraucht oder vergewaltigt worden zu sein.<ref>Tasha R. Howe, Howard S. Friedman: Sex and Gender in the 1980s Heavy Metal Scene: Groupies, Musicians, and Fans Recall Their Experiences. In: Sexuality & Culture. Band 18, Nr. 3, September 2014, ISSN 1095-5143, S. 608–629, doi:10.1007/s12119-013-9218-x.</ref>

Groupies im Film

1970 erschien der deutsche Sexploitationfilm Ich – ein Groupie. Der Film This Is Spinal Tap nahm 1984 auf satirische Art unter anderem auch das „Groupieleben“ aufs Korn. Auch der 1999 gedrehte Film Almost Famous – Fast berühmt mit Kate Hudson spielt im selben Milieu. Der 1998 gedrehte Film De Fögi isch en Souhund handelt von einem schwulen Groupie. In der 2002 gedrehten Komödie Groupies Forever (Originaltitel: The Banger Sisters) spielen Goldie Hawn und Susan Sarandon zwei in die Jahre gekommene ehemalige Groupies. Die mögliche Abwertung und körperliche Gewalt an einem Groupie visualisiert Alan Parkers Film The Wall. In Deutschland erschienen die Filme Groupies bleiben nicht zum Frühstück (2010) und Das wilde Leben (2007), ein Film über Uschi Obermaier.

Bekannte Groupies

Lieder über Groupies

Literatur

Memoiren und Romane

  • Pamela Des Barres: I'm with the Band: Confessions of a Groupie. New English Library, 1989, ISBN 0-450-50637-1.
  • Pamela Des Barres: Take Another Little Piece of My Heart: A Groupie Grows Up. William Morrow & Co, 1992, ISBN 0-688-09149-0.
  • Connie Hamzy: Rock Groupie: The Intimate Adventures of „Sweet Connie“ from Little Rock. Spi Books, 1995, ISBN 1-56171-361-9.
  • Bebe Buell: Rebel Heart: An American Rock 'n' Roll Journey. St. Martin's Press, 2001, ISBN 0-312-26694-4.
  • Jenny Fabian: Groupie. Roman. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1972, ISBN 3-499-11477-1.

Forschung

Weblinks

Wiktionary: Groupie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />