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Hollandit

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Hollandit
Datei:Hollandite-95021.jpg
Traubiger Hollandit aus der „Grube Sauberg“ bei Ehrenfriedersdorf im sächsischen Erzgebirge (Sichtfeld: 5 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

2012 s.p.<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Hol<ref name="Warr" />

Chemische Formel
  • Ba(Mn4+6Mn3+2)O16<ref name="IMA-Liste" />
  • BaMn4+6(Mn3+,Fe3+)2O16<ref name="Lapis" />
  • Ba(Mn4+,Mn3+)8O16<ref name="Handbookofmineralogy" />
  • (Ba,K,Ca,Sr)(Mn4+,Mn3+,Ti,Fe3+)8O16<ref name="IMA-Liste-2009" />
  • (Ba,K)(Mn,TiFe)8O16<ref name="StrunzNickel" />
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IV/D.03b
IV/D.08-060<ref name="Lapis" />

4.DK.05
07.09.01.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe I2/m (Nr. 12, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/12.3<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 10,01 Å; b = 2,87 Å; c = 9,75 Å
β = 91,2°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 1<ref name="StrunzNickel" />
Zwillingsbildung üblicherweise nach {101} oder {lO1}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,95; berechnet: [4,93]<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit deutlich, prismatisch
Bruch; Tenazität spröde
Farbe schwarz, grauschwarz bis silbergrau
Strichfarbe schwarz
Transparenz undurchsichtig
Glanz Halbmetall- bis Metallglanz, erdig matt

Hollandit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der idealisierten, chemischen Zusammensetzung Ba(Mn4+6Mn3+2)O16<ref name="IMA-Liste" /> und damit chemisch gesehen ein Barium-Mangan-Oxid.

In der Natur kommt Hollandit allerdings immer mit geringen Anteilen anderer Metallionen vor, daher wird die Formel in verschiedenen Quellen mit (Ba,K)(Mn,TiFe)8O16<ref name="StrunzNickel" /> oder mit (Ba,K,Ca,Sr)(Mn4+,Mn3+,Ti,Fe3+)8O16<ref name="IMA-Liste-2009" /> angegeben, wobei die in den Klammern angegebenen Elemente Barium, Kalium, Calcium und Strontium bzw. Mangan, Titan und Eisen sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten können (Substitution, Diadochie), jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals stehen.

Hollandit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, ist in jeder Form undurchsichtig (opak) und entwickelt meist radialstrahlig-faserige, traubige bis nierige oder massige Mineral-Aggregate, aber auch prismatische Kristalle mit flachen, pyramidalen Enden von mehreren Zentimetern Länge. Auch in Form stalaktitischer Aggregate und als sternförmige Einschlüsse in Quarz kann Hollandit gefunden werden. Die Farbe von Hollandit schwankt zwischen schwarz, grauschwarz bis silbergrau, die Strichfarbe ist allerdings immer schwarz. Auf den Oberflächen frischer Proben zeigt sich ein halbmetallischer bis metallischer Glanz. Ältere und verwitterte oder massige Proben sind dagegen erdig matt.

Mit einer Mohshärte von 6 gehört Hollandit zu den mittelharten bis harten Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Apatit mit einem Messer gerade noch ritzen lassen.

Etymologie und Geschichte

Datei:Thomas Henry Holland.jpg
Namensgeber Thomas Henry Holland

Erstmals entdeckt wurde Hollandit in Mineralproben aus der Manganerz-Lagerstätte „Kajlidongri“ im Distrikt Jhabua des indischen Bundesstaates Madhya Pradesh. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte 1906 durch den Briten Lewis Leigh Fermor (1880–1954), der das Mineral nach Thomas Henry Holland (1868–1947) benannte, dem damaligen Direktor der „Geological Survey of India“.<ref name="Fermor-76" />

Hollandit war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Hollandit theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der 2012 erfolgten Publikation der IMA: Commission on new minerals and mineral names wurde allerdings die chemische Zusammensetzung des Minerals als Ba2+-Mn3+-Endglied der Coronaditgruppe innerhalb der Hollandit-Obergruppe ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) neu definiert (Antrag IMA 11-F).<ref name="IMA-2012" /> Da diese Neudefinition automatisch eine nachträgliche Ankerkennung für den Hollandit bedeutete, wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 2012 s.p.“ (special procedure) geführt.<ref name="IMA-Liste" />

Als Typlokalität gilt inzwischen die „Gowari Wadhona Mine“ im Distrikt Chhindwara, der ebenfalls im Bundesstaat Madhya Pradesh liegt.<ref name="Mineralienatlas" /><ref name="Mindat" />

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung des Muséum national d’histoire naturelle (MHN-Paris; auch Museum, Paris) in Paris unter der Katalognummer 129.214<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" /> und in der Mineralogischen Sammlung der Ruhr-Universität Bochum unter den Katalognummern 22629 und 22630 aufbewahrt.<ref name="SchreyerFransoletBernhardt" />

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Hollandit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung „MO2- und verwandte Verbindungen“, wo er gemeinsam mit Coronadit, Kryptomelan, Manjiroit, Todorokit, Vernadit und Woodruffit in der „Kryptomelan-Reihe“ mit der Systemnummer IV/D.03b steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer IV/D.08-033. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 2 (MO2 und verwandte Verbindungen)“, wo Hollandit zusammen mit Cesàrolith, Coronadit, Ferrihollandit, Henrymeyerit, Kryptomelan, Manjiroit, Mannardit, Priderit, Redledgeit und Strontiomelan die „Kryptomelangruppe“ mit der Systemnummer IV/D.08 bildet.<ref name="Lapis" />

Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hollandit ebenfalls in die Abteilung „Metall : Sauerstoff = 1 : 2 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Kristallstruktur. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung und seinem Aufbau in der Unterabteilung „Mit großen (± mittelgroßen) Kationen; Tunnelstrukturen“ zu finden, wo es zusammen mit Akaganeit, Coronadit, Henrymeyerit, Manjiroit, Mannardit, Priderit und Redledgeit die „Hollanditgruppe“ mit der Systemnummer 4.DK.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Henrymeyerit die System- und Mineralnummer 07.09.01.06. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort der Abteilung „Mehrfache Oxide“. Hier findet er sich innerhalb der gleichnamigen Unterabteilung „Mehrfache Oxide“ in der „Kryptomelangruppe (Hart, schwarz, feinkörnig)“, in der auch Hollandit, Kryptomelan, Manjiroit, Coronadit und Strontiomelan eingeordnet sind.

Kristallstruktur

Hollandit kristallisiert in der monoklinen Raumgruppe I2/m (Raumgruppen-Nr. 12, Stellung 3)Vorlage:Raumgruppe/12.3 mit den Gitterparametern a = 10,01 Å; b = 2,87 Å; c = 9,75 Å und β = 91,2° sowie einer Formeleinheit pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Bildung und Fundorte

Datei:Vanadinite-Baryte-Hollandite-267005.jpg
Beeindruckende Mehrfachparagenese aus Hollandit (schwarz), Baryt (weiß) und Vanadinit (rot) aus El Kwal am Moulouya bei Midelt in der marokkanischen Region Meknès-Tafilalet (Größe: 14,3 × 9,6 × 7,9 cm)
Datei:Hollandite-44394.jpg
Netzwerkartiges, stalaktitisches Hollandit-Aggregat aus Bisbee (Arizona), USA (Größe: 7,8 × 6,0 × 5,6 cm)
Datei:Kwarc, hollandyt1, Madagaskar.jpg
Sternförmige Hollanditinklusion in Quarz aus Madagaskar

Hollandit bildet sich als Primärmineral in kontaktmetamorph veränderten Manganerz-Lagerstätten, kann aber auch sekundär als Verwitterungsprodukt früher entstandener Manganminerale entstehen. Begleitminerale sind unter anderem Bixbyit-(Mn), Braunit, Piemontit, Scheelit und Vanadinit.

Als eher seltene Mineralbildung kann Hollandit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Insgesamt sind bisher (Stand: 2011) rund 200 Fundorte bekannt.<ref name="Fundorte">Mindat - Anzahl der Fundorte für Hollandit. Abgerufen am 8. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Neben seiner Typlokalität „Kajlidongri Mine“ bei Jhabua in Madhya Pradesh trat das Mineral in Indien noch in mehreren Lagerstätten in der Umgebung von Vizianagaram in Andhra Pradesh; bei Balaghat, Bhandara und Chhindwara im Typgebiet Madhya Pradesh; bei Nagpur in Maharashtra sowie bei Sundargarh in Orissa.

In Deutschland wurde Hollandit vor allem im Schwarzwald gefunden, so unter anderem bei Langenbrand, Wittichen, Eisenbach, Hammereisenbach und in der bekannten Grube Clara bei Oberwolfach. Des Weiteren konnte das Mineral auch bei Wölsendorf (Oberpfalz) in Bayern, Ober-Rosbach in Hessen, Allendorf (Sundern) und Müsen in Nordrhein-Westfalen, am Königsberg in Rheinland-Pfalz sowie bei Ehrenfriedersdorf in der historischen Bergbaulandschaft Graul und bei Kamenz in Sachsen nachgewiesen werden.<ref name="Fundorte"/>

In Österreich fand sich das Hollandit bisher bei Badersdorf im Burgenland; im Friesacher Bürgergiltsteinbruch, am Hüttenberger Erzberg und am Sonntagsberg bei St. Veit an der Glan in Kärnten sowie auf der Huteralm im Tiroler Ködnitztal.<ref name="Fundorte"/>

In der Schweiz trat das Mineral bisher nur bei Falotta in der Bündner Gemeinde Tinizong-Rona und bei Pipjitälli am Pipji-Gletscher im Turtmanntal (Kanton Wallis) auf.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Angola, Australien, Belgien, Bolivien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, Bulgarien, China, Costa Rica, Fidschi, Frankreich, Griechenland, Irland, Israel, Italien, Japan, Jordan, Kanada, Kasachstan, Madagaskar, Marokko, Mexiko, Namibia, Norwegen, Pakistan, Polen, Russland, Schweden, Slowakei, Spanien, Südafrika, Tansania, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte"/>

Verwechslungsgefahr

In der Fachliteratur wird mitunter eine Hochdruckmodifikation von Plagioklas (Ca,Na)(Si,Al)4O8 verkürzt oder ungenau als „Hollandit“ bezeichnet.<ref name="Gillet-et-al" /><ref name="Ciocco-et-al" /> Es handelt sich jedoch um Stöfflerit, der eine hollanditartige Struktur besitzt.<ref name="Tschauner-et-al" />

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Ciocco-et-al"> Marine Ciocco, Mathieu Roskosz, Béatrice Doisneau, Olivier Beyssac, Smail Mostefaoui, Laurent Remusat, Hugues Leroux, Matthieu Gounelle: Impact dynamics of the L chondrites' parent asteroid. In: Meteoritics & Planetary Science. Band 57, Nr. 4, April 2022, ISSN 1086-9379, S. 759–775, doi:10.1111/maps.13793. </ref> <ref name="Fermor-76"> </ref> <ref name="Gillet-et-al"> Philippe Gillet, Ming Chen, Leonid Dubrovinsky, Ahmed El Goresy: Natural NaAlSi3O8-Hollandite in the Shocked Sixiangkou Meteorite. In: Science. Band 287, Nr. 5458, 3. März 2000, S. 1633–1636, doi:10.1126/science.287.5458.1633. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-2012"> </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 11. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: November 2024. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, November 2024, abgerufen am 10. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – H. (PDF 217 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 11. November 2024 (Gesamtkatalog der IMA). </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Hollandite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 12. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Hollandit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 10. November 2024. </ref> <ref name="SchreyerFransoletBernhardt"> Werner Schreyer, André-Mathieu Fransolet, Heinz-Jürgen Bernhardt: Hollandite-strontiomelane solid solutions coexisting with kanonaite and braunite in late quartz veins of the Stavelot Massif, Ardennes, Belgium. In: Contributions to Mineralogy and Petrology. Band 141, Nr. 5, 2001, S. 560–571, doi:10.1007/s004100100260. </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Tschauner-et-al"> Oliver Tschauner, Chi Ma, John G. Spray, Eran Greenberg, Vitali B. Prakapenka: Stöfflerite, (Ca,Na)(Si,Al)4O8 in the hollandite structure: A new high-pressure polymorph of anorthite from martian meteorite NWA 856. In: American Mineralogist. Band 106, Nr. 4, 1. April 2021, ISSN 0003-004X, S. 650–655, doi:10.2138/am-2021-7563. </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> Hollandite Mineral Data. Abgerufen am 8. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>