Mellini-Theater
Das Mellini-Theater in Hannover galt um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert als eines der führenden Varietétheater in Deutschland.<ref name="SLH S. 437">Hugo Thielen: Mellini-Theater. In: Stadtlexikon Hannover (s. Abschnitt „Literatur“), S. 437</ref>
Geschichte
Der Zauberkünstler und Artist Hermann Mehl (1843–1923) kam in den 1870er Jahren nach Hannover und trat dort unter dem Künstlernamen „Mellini“ auf.<ref name="HBL Mehl">Hugo Thielen: Mehl, Hermann In: Hannoversches Biographisches Lexikon (s. Abschnitt „Literatur“), S. 248</ref> Im Jahr 1889 ließ er in der damaligen Artilleriestraße 10<ref>Die Artilleriestraße 10 wurde später zur Kurt-Schumacher-Straße 25/27.</ref> in Hannover ein „Spezialitäten-Theater“ mit 1667 Plätzen<ref>https://www.andreas-praefcke.de/carthalia/germany/hannover_mellinitheater.htm</ref> errichten. Das Bauwerk wurde nach Plänen von Theodor Hecht und H. Siepmann errichtet<ref>In vielen Quellen wird der Vorname des zweiten Architekten nur mit H. abgekürzt; hier ist er als Heinrich ausgeschrieben, bei Hugo Thielen im Artikel Mehl, Hermann In: Hannoversches Biographisches Lexikon (s. Abschnitt „Literatur“), S. 237, allerdings als „Herm.“</ref> und am 7. September 1889 eröffnet. Sein Giebel war mit symbolischen Darstellungen des Tanzes, des Gesangs und der Akrobatik von Carl Dopmeyer geschmückt.<ref>https://glass-portal.hier-im-netz.de/hs/a-f/dopmeyer_carl.htm</ref> Das Deckengemälde des Theaters schuf der Maler Ernst Pasqual Jordan.<ref>Klaus Mlynek: Jordan, (2) Ernst Pasqual. In: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 189; online:</ref>
Das Haus wurde zunächst für Artistik- und Ballettvorführungen sowie Varieté-Veranstaltungen, Kleinkunst und Operetten genutzt. Ab 1897 wurden auch „laufende Bilder“ bzw. „lebende Riesen-Photographien“ der Madame Olinka gezeigt, woraus sich bald die Tradition entwickelte, zum Abschluss der Varieté-Veranstaltungen Kinovorführungen zu zeigen.<ref>Klaus Mlynek: Kunst und Kultur der Weimarer Jahre / Das Kino. In: Geschichte der Stadt Hannover..., S. 470f.</ref> Im Jahr 1900 wurde das Haus verkauft; Hermann Mehl blieb aber künstlerischer Leiter.<ref>http://www.mzleipzig.de/hokus-art/zauberei/html-geschichte/mellini.htm</ref>
1910 wurde das Theater neu gebaut, vor allem aber erfolgte ein „völliger Innenumbau.“<ref>Dieter Brosius: 1910. In: Hannover Chronik (s. Abschnitt „Literatur“), S. 148</ref>
1930 ging das Haus in den Besitz von Anton Lölgen über, der es als reines Operettentheater weiterführte.<ref name="SLH S. 437"/> Zu Beginn der 1930er Jahre soll das Haus auch von den Berliner Theaterdirektoren Fritz und Alfred Rotter bespielt worden sein.<ref>Peter Kamber: Fritz und Alfred Rotter. Ein Leben zwischen Theaterglanz und Tod im Exil. Henschel Verlag in E.A. Seemann Henschel, Leipzig 2020, S. 18.</ref>
Im Dritten Reich wurde das Theater durch den Göttinger Architekten Diez Brandi umgebaut<ref name="HC S. 183">Waldemar R. Röhrbein: 1939. In: Hannover Chronik (s. Literatur), S. 183</ref> und erhielt eine Fassade im Stil der Architektur im Nationalsozialismus.<ref name="SLH S. 437"/> Das Haus wurde zum Kraft-durch-Freude-Theater erklärt.<ref name="HC S. 183"/>
1943 wurde das Gebäude infolge der Luftangriffe auf Hannover schwer beschädigt.<ref name="HBL Alten">Hugo Thielen: Alten, (2) Jürgen Claus Eugen von. In: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 28; online:</ref> 1946 schaufelten junge Schauspieler die Kellerräumlichkeiten frei und eröffneten unter der Leitung von Jürgen von Alten die „Junge Bühne“ mit Fred Dengers Schauspiel „Wir heißen euch offen“.<ref>Waldemar R. Röhrbein: 1946, in Hannover Chronik (s. Literatur), S. 209</ref> Im selben Jahr nutzte von Alten gemeinsam mit Hans Günther von Klöden die Keller für die „Kammerspiele Hannover“<ref name="HBL Alten"/> und führte hier unter anderem Bertolt Brechts Dreigroschenoper auf.<ref name="SLH S. 437"/>
1954 wurde der Bau abgerissen.<ref name="SLH S. 437"/>
Künstler
Adolf Wohlauer war noch während seiner Studienzeit 1913 Kapellmeister im Mellini-Theater,<ref>http://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00002499</ref> Rudolf Senius war dort von 1915 bis 1918 beschäftigt,<ref>Rudolf Senius bei Operissimo auf der Basis des Großen Sängerlexikons</ref> Walter Jankuhn hatte einige seiner ersten Engagements dort.<ref>http://www.rudolfjankuhn.de/index_walter.htm</ref> Mit ihm und seiner Ehefrau „Tutti“ (Karin, geborene Ahrens) blieb die am Mellini-Theater arbeitende Operettensängerin Emmi Wöbbeking ein Leben lang in Freundschaft verbunden.<ref>o.V.: Operetten Legende „Walter Jankuhn“ / Berlin 20/30er Jahre / Kollegen, Freunde, Fans auf der Seite walter.jankuhn.2fix.de, zuletzt abgerufen am 10. Dezember 2016</ref>
In den 1920er oder 1930er Jahren war Fritz Eckhardt am Mellini-Theater engagiert.<ref>https://www.oepb.at/menschen/fritz-eckhardt.html</ref> Von 1939 bis 1941 wirkten Brigitte Mira<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie ( des Vorlage:IconExternal vom 8. Dezember 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> und Hans Beirer<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie ( des Vorlage:IconExternal vom 20. Oktober 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> am Mellini-Theater.
Literatur
- R. Lange: Kleiner Spaziergang durch Hannovers Theatergeschichte, 1994 (prinzenstraße. Heft 2), S. 73, 76
- Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein: Hannover Chronik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Zahlen Daten Fakten, Schlütersche, Hannover 1991, ISBN 3-87706-319-5, online:
- Hugo Thielen: Mehl, Hermann. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 248.
- ders.: Mellini-Theater. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 437.
Weblinks
- Mellini-Theater auf alten Ansichtskarten, Sammlerseite (wwwpostkarten-archiv.de) von Andreas-Andrew Bornemann
- Mellini-Theater auf alten Ansichtskarten, Sammlerseite von Andreas Praefcke
- Die Mellini-Affaire 1932 beim Netzwerk Erinnerung und Zukunft e. V.
Einzelnachweise
<references />
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