Harald Thiel
Harald Thiel (* 28. September 1931 in Gebirgsneudorf, Tschechoslowakei; † 4. November 2002 in Dresden) war ein deutscher Maler und Grafiker.
Leben
Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges zogen seine Eltern mit ihm aus dem Sudetenland nach Dresden. Dort wurde er als 13-Jähriger Augenzeuge der Luftangriffe auf Dresden am 13. Februar 1945, was auch sein Leben und sein Werk prägte. Nach 1945 absolvierte er eine Berufsausbildung zum Möbeltischler. Seinen Armeedienst leistete er von 1950 bis 1953 ab. In dieser Zeit lernte er seine spätere Frau Laura-Lonny Queck kennen. Beide heirateten 1952. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.
Von 1954 bis 1959 studierte er an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Rudolf Bergander und Erich Fraaß Malerei. 1957 reiste er zu Studienzwecken nach Bulgarien. Für sein Diplom schuf er das Ölgemälde Kinderkrippe am Wochenende (110 × 145).<ref>Rudolph Kramer: Kinderkrippe am Wochenende. 1959, abgerufen am 7. September 2022.</ref>
Wirken
Thiel war in Dresden freischaffend tätig. Anfangs arbeitete er im Stil des Sozialistischen Realismus. In den 1970er-Jahren wandte er sich, indem er seine Motive facettenartig auflöste, einer individuelleren gegenständlichen Darstellungsweise zu.
Thiel und Christian Rost schlossen 1960 Honorarverträge mit der in Dresden stationierten 7. Panzerdivision der NVA ab, in dem die Darstellung der Truppe im Stil des Sozialistischen Realismus vereinbart wurde. „Der Politoffizier der Division meldete: ‚Innerhalb der abgeschlossenen Verträge trat die NVA erstmalig als Auftraggeber in Erscheinung. […] Damit ist die bildende Kunst durch ein neues, entscheidendes Aufgabengebiet, die neue sozialistische Soldatenthematik, bereichert worden.‘“<ref>Harald Thiel – Fahneneid. In: Ausstellung Auftrag: Kunst, 1949–1990. Deutsches Historisches Museum</ref><ref>Monika Flacke: Auftrag: Kunst. 1949–1990. Bildende Künstler der DDR zwischen Ästhetik und Politik. Deutsches Historisches Museum 1995; ISBN 978-3-7814-0380-2, S. 143</ref>
Das Bild Fahneneid (Diptychon, Öl, 190 × 150 cm, 1968/1969)<ref>Rudolph Kramer: Fahneneid. 1968, abgerufen am 7. September 2022.</ref> war eines seiner Auftragswerke. Es gibt die Szene wieder, in der die Soldaten schwören „[…] Der Deutschen Demokratischen Republik, meinem Vaterland, allzeit treu zu dienen und sie auf Befehl der Arbeiter- und Bauernregierung gegen den Feind zu schützen […].“<ref>Manfred Görtemaker: Grundkurs deutsche Militärgeschichte: Die Zeit nach 1945. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2008, ISBN 978-3-486-58100-3, S. 141 (mit Abbildung)</ref>
Von 1963 bis 1969 war er Meisterschüler bei Rudolf Bergander. 1964 erhielt er den Kunstpreis der NVA. 1968 war er mit der Kreidezeichnung Volksarmist an der Kunstmappe „Soldaten“ beteiligt, die von der Politische Hauptverwaltung der Nationalen Volksarmee herausgegeben wurde.<ref>Lizenz-Nr. 5 (8/05-30)</ref> Ab 1978 war er Fachschullehrer an der Hochschule für Bildende Künste Dresden in der Fachrichtung Bühnenbild, Trickfilm, Maskenbild und zeichnerisches Naturstudium und seit 1986 Fachschuldozent für das Grundstudium der Maskenbildner.
Neben der freien Malerei und Grafik schuf er für öffentliche Aufträge Entwürfe für architekturbezogene Werke, von denen einige in Dresden und im Umkreis erhalten sind.
Werkbeispiele
Tafelbilder
- Begegnung im August (Öl, 105 × 125 cm, um 1962)<ref>Rudolph Kramer: Begegnung im August. Januar 1963, abgerufen am 7. September 2022.</ref>
- Porträt eines Offiziers der NVA (Öl, 90 × 100 cm, 1964)<ref>Thiel, Harald: Porträt eines Offiziers der NVA. Abgerufen am 7. September 2022.</ref>
- Das Konzert (Öl, 99,8 × 116 cm, 1967; Kunstfonds des Freistaates Sachsen)<ref>Das Konzert. In: Online Collection. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, abgerufen am 7. September 2022.</ref>
- Die Koppelung (Diptychon, Öl, 140,5 × 212 cm, 1976/1977; Kunstfonds des Freistaates Sachsen)<ref>Die Koppelung. In: Online Collection. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, abgerufen am 7. September 2022.</ref>
Architekturbezogene Werke
am Objekt erhalten
- 1968 Kindergarten Dürerstraße; Deutsche Märchen (Entwurf für vierteiliges Glasfenster, je Fenster 2,75 × 2,20 m; Ausführung Fa. Rudolf Beier)<ref>Ruth Pape et al. (Bearbeitung): Bildende Kunst + Architektur. Katalog Teil 5 Dresden, Cottbus, Frankfurt. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1973, S. 60/61</ref>
- 1974 Kindersanatorium Schloss Neuhirschstein: „Jugendsport/Jahreszeiten“
- 1976 Hotel Bärenfels bei Altenberg: „Erzgebirgische Folklore“
- 1977 Ärztehaus Dresden Bönischplatz: „Lebensstationen“
- 1977 Altersheim in Seifersdorf: „Jahreszeiten-Lebensalter-Lebensbaum“
- 1978 Apotheke Johannstadt, Dresden: „Heilpflanzen“
- 1980 Komplex Waldschänke Moritzburg bei Dresden: „Historische Jagdmotive“, „Nach der Jagd“
eingelagert
- 1984 Komplex Kreiskrankenhaus Dippoldiswalde bestehend aus Wandbild, Antikbleiverglasung, Suppraporte
Literatur
- Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Seemann, Leipzig, 1962, Bd. VI, S. 446.
Weblinks
- Virtuelle Galerie des Dresdner Künstlers Harald Thiel 1931–2002 (englisch, deutsch)
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Thiel, Harald |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Künstler, Maler und Grafiker |
| GEBURTSDATUM | 28. September 1931 |
| GEBURTSORT | Gebirgsneudorf |
| STERBEDATUM | 4. November 2002 |
| STERBEORT | Dresden |