Abernathyit
| Abernathyit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Abn<ref name="Warr"></ref> |
| Chemische Formel | K2[UO2|AsO4]·6H2O<ref name="StrunzNickel" /> |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Phosphate, Arsenate und Vanadate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VII/D.20b VII/E.02-150 8.EB.15 40.02a.09.01 |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | tetragonal |
| Kristallklasse; Symbol | ditetragonal-dipyramidal; 4/m2/m2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | P4/ncc (Nr. 130)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 7,18 Å; c = 18,13 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="StrunzNickel" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2 bis 3 |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: > 3,32; berechnet: 3,572<ref name="Handbookofmineralogy" /> |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {001} |
| Bruch; Tenazität | spröde |
| Farbe | gelb |
| Strichfarbe | hellgelb |
| Transparenz | durchsichtig |
| Glanz | schwacher Glasglanz |
| Radioaktivität | sehr stark radioaktiv |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nω 1,597 bis 1,608<ref name="Mindat" /> nε 1,570<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,027 bis 0,038<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | einachsig negativ |
| Achsenwinkel | 2V = gemessen: 5°<ref name="Mindat" /> |
| Pleochroismus | sichtbar:<ref name="Mindat" /> ω = gelb; ε = hellgelb bis farblos |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | gelbgrüne Fluoreszenz |
Abernathyit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung K2[UO2|AsO4]·6H2O<ref name="StrunzNickel" /> und damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Kalium-Uranyl-Arsenat.
Abernathyit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem und entwickelt meist durchsichtige, dicktafelige Kristalle bis etwa drei Millimeter Größe von gelber Farbe und hellgelber Strichfarbe.
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde Abernathyit 1953 in der „Fuemrol No. 2 Mine“ (Fuemrole Mine) am Temple Mountain im San Rafael Swell im Emery County im US-Bundesstaat Utah. Beschrieben wurde das Mineral 1956 von M. E. Thompson, Blanche Ingram und E. B. Gross, die es nach dem Minenbesitzer Jess Abernathy benannten, der auch die ersten Stücke des neuen Minerals fand.
Das Typmaterial des Minerals wird im National Museum of Natural History in Washington, D.C. (USA) unter der Katalog-Nr. 112650 aufbewahrt.<ref name="Handbookofmineralogy" />
Klassifikation
In der mittlerweile veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Abernathyit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, Arsenate und Vanadate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Meta-Ankoleit, Meta-Autunit, Metabassetit (diskreditiert, da identisch mit Bassetit), Metaheinrichit, Metakahlerit, Metakirchheimerit, Metanatroautunit, Metanatrouranospinit, Metanováčekit, Metatorbernit, Metauranocircit, Metauranospinit, Metazeunerit, Sincosit und Trögerit die „Meta-Uranit-Reihe“ mit der System-Nr. VII/D.20b bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich aus Rücksicht auf private Sammler und institutionelle Sammlungen noch nach dieser klassischen Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VII/E.02-150. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies der Abteilung „Uranyl-Phosphate/Arsenate und Uranyl-Vanadate mit [UO2]2+-[PO4]/[AsO4]3− und [UO2]2+-[V2O8]6−, mit isotypen Vanadaten (Sincosit-R.)“, wo Abernathyit zusammen mit Bassetit, Chernikovit, Lehnerit, Meta-Ankoleit, Meta-Autunit, Metaheinrichit, Metakahlerit, Metakirchheimerit, Metanatroautunit, Metasaléeit, Metalodèvit, Metanováčekit, Metarauchit, Metatorbernit, Metauranospinit, Metauranocircit, Metazeunerit, Natrouranospinit, Pseudo-Autunit, Ulrichit, Uramarsit und Uramphit die „Meta-Autunit-Gruppe“ bildet.<ref name="Lapis" />
Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) bis 2009 aktualisierte<ref name="IMA-Liste-2009" /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Abernathyit ebenfalls in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Uranylphosphate und Arsenate“ ein. Diese Abteilung ist allerdings weiter unterteilt nach dem Verhältnis von Uranoxidkomplex (UO2) zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex (RO4), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „UO2 : RO4 = 1 : 1“ zu finden ist, wo es zusammen mit Chernikovit, Meta-Ankoleit, Natrouranospinit, Trögerit und Uramphit die unbenannte Gruppe 8.EB.15 bildet.
Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Abernathyit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserhaltigen Phosphate etc.“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 40.02a.09 innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) × x(H2O), mit (UO2)2+“ zu finden.
Kristallstruktur
Abernathyit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe P4/ncc (Raumgruppen-Nr. 130) mit den Gitterparametern a = 7,18 Å und c = 18,13 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Eigenschaften
Das Mineral ist durch seinen Urangehalt von bis zu 45,8 % als sehr stark radioaktiv eingestuft und weist eine spezifische Aktivität von etwa 81,9 kBq/g<ref name="Webmineral" /> auf (zum Vergleich: natürliches Kalium 31,2 Bq/g).
Unter UV-Licht zeigt Abernathyit eine gelblichgrüne Fluoreszenz, ähnlich der von neonfarbenen Textmarkern.
Bildung und Fundorte
Abernathyit bildet sich als seltenes Sekundärmineral in ausgebleichtem, bituminösem Sandstein. Begleitminerale sind unter anderem Skorodit, Heinrichit und Zeunerit.
Bisher (Stand: 2011) konnte das Mineral nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden (Anzahl registrierter Fundorte bei mindat.org rund 20<ref name="MindatAnzahl" />). Neben seiner Typlokalität „Fuemrol No. 2 Mine“ in Utah trat Abernathyit bisher noch bei Tuba City in Arizona, in der „West Mine“ im Saguache County und Elk Park im San Juan County in Colorado, in der „Deer Strike and Elk Mine“ im Custer County in Idaho, in der „White King Mine“ bei Lakeview im Lake County in Oregon und an mehreren Orten im Harding County in South Dakota.
In Deutschland fand sich Abernathyit unter anderem in der „Grube Sophia“ bei Wittichen und der „Grube Segen Gottes“ bei Haslach-Schnellingen im Schwarzwald in Baden-Württemberg, bei Dörrmorsbach und an der Hartkoppe im Spessart in Bayern sowie in der „Grube Vater Abraham“ bei Lauta im Bauer Morgengang im sächsischen Erzgebirge.
Des Weiteren sind noch die Fundorte Riviéral bei Le Bosc in der französischen Region Languedoc-Roussillon, Kopaniec in der niederschlesischen Gemeinde Stara Kamienica in Polen und Beaufort West in Südafrika bekannt.<ref name="Mindat" />
Vorsichtsmaßnahmen
Aufgrund der Toxizität und der Radioaktivität des Minerals sollten Mineralproben vom Abernathyit nur in staub- und strahlungsdichten Behältern, vor allem aber niemals in Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräumen aufbewahrt werden. Ebenso sollte eine Aufnahme in den Körper (Inkorporation, Ingestion) auf jeden Fall verhindert und zur Sicherheit direkter Körperkontakt vermieden sowie beim Umgang mit dem Mineral Atemschutzmaske und Handschuhe getragen werden.
Siehe auch
Literatur
Weblinks
- Mineralienatlas:Abernathyit (Wiki)
Einzelnachweise
<references> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="Mindat"> Abernathyite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 27. September 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Localities for Abernathyite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 27. September 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 526. </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Abernathyite Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 27. September 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>