Zum Inhalt springen

Rupprecht Bernbeck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 18. Februar 2026 um 13:40 Uhr durch imported>Invisigoth67 (typo).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Rupprecht Bernbeck (* 15. September 1916 in Neumünster; † 29. November 2003) war ein deutscher Sanitätsoffizier und Orthopäde.

Leben

Bernbeck studierte In den 1930er Jahren an der Ludwig-Maximilians-Universität München Medizin und Philosophie. Am 1. April 1936 trat er in die Kriegsmarine ein. Im Zweiten Weltkrieg fuhr er als Schiffsarzt auf U 124 (Mai–September 1941), UIT 21 Finzi (Oktober–Dezember 1943) und U 155 (Januar–August 1944). 1944/45 war er in Lorient Flottillenarzt der 2. U-Flottille. Vom 10. Mai bis zum 10. Dezember 1945 war er in Lorient Kriegsgefangener.<ref>Nachruf der U-Boot-Kameradschaft München 1926</ref> In München erlangte er 1942 den Dr. med., 1943 den Dr. phil.<ref>Dissertation 1942: Über eine seltene amniogene Mißbildung</ref><ref>Dissertation 1943: Der Seemann und seine Welt – eine rassenpsychologische Untersuchung der Beziehung des Menschen zu Meer und Seefahrt unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Volkes.</ref> und 1952 den Dr. rer. nat.<ref>Dissertation 1952: Vergleichende anatomische Untersuchung des Beckenskelettes zum Problem des aufrechten Gangs und die speziellen Geburtsmechanik beim Menschen.</ref> Zum Orthopäden ausgebildet wurde er wohl bei Georg Hohmann. Seit 1955 Professor, wurde er 1963 zum Chefarzt der Orthopädie im Hamburger AK Barmbek gewählt. Er engagierte sich in der (konservativen) Kinderorthopädie. In Hamburg war er Landesarzt für Körperbehinderte. Zur Pensionierung (1981) ehrte ihn die Stadt mit dem Portugaleser. Von 1953 bis 1986 war Bernbeck Mitglied des Corps Hubertia München.<ref>Kösener Corpslisten 1996, 80/1087</ref> Beerdigt wurde er auf dem Keitumer Friedhof auf Sylt.

In Hamburg hatte Bernbeck mit veralteten und falschen Operationsmethoden und schlechter Hygiene gearbeitet.<ref>Gabi Raas: Flinkes Messer vor Gericht In Hamburg findet ein Kunstfehler -Prozeß gegen den ehemaligen Orthopädie-Professor Bernbeck statt 108 Fälle von Fehlheilungen sind bisher nachgewiesen und staatlich entschädigt worden. In: Die Tageszeitung: taz. 30. Mai 1988, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 18. Februar 2026]).</ref><ref>Letztes Wort. In: Der Spiegel. 10. Juni 1984, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 18. Februar 2026]).</ref> Auf Initiative von ca. 200 Betroffenen in Zusammenarbeit mit der Hamburger Morgenpost<ref>MOPO Redaktion, Florian Quandt, qua9684-512-scaled: Der Schrecken der Pfuscher im OP: MOPO-Reporter deckte historischen Skandal auf. In: MOPO. 13. September 2024, abgerufen am 18. Februar 2026.</ref> kamen im Januar 1984 zahlreiche Behandlungsfehlervorwürfe an die Öffentlichkeit. In der Folge gab es außergerichtliche Schadensregulierungen in über hundert Fällen. Fünf damals noch unverjährte Fälle wurden vor Gericht verhandelt, doch kam es nur in zwei Fällen zu Verurteilungen des Arztes wegen fahrlässiger Körperverletzung.<ref>Gabi Haas: Kunstfehler kosten wenig. In: Die Tageszeitung: taz. 9. Mai 1989, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 18. Februar 2026]).</ref> Die Prozesse gingen in die bundesdeutsche Rechtsgeschichte ein und sensibilisierten die Öffentlichkeit für Patientenrechte. Die Freie und Hansestadt Hamburg als Bernbecks Arbeitgeber musste 1987 insgesamt 30 Millionen Deutsche Mark an Entschädigungen auszahlen.<ref>Festschrift 100 Jahre AK Hamburg-Barmbek u. a. Fall Bernbeck (S.41ff.)</ref>

Werke

  • mit Georg Hohmann und Matthias Hackenbroch: Spezielle Orthopädie = Rumpf (Wirbelsäule und Becken). Thieme, Stuttgart 1958.
  • mit Alexander Sinios: Neuro-orthopedic screening in infancy : schedules, examinations, and findings. Urban & Schwarzenberg, Baltimore 1978.
  • mit Jürgen Pramschiefer und Herbert D. Stolle: Technische Kinderorthopädie. Thieme, Stuttgart New York 1982.
  • mit Günter Dahmen: Kinderorthopädie. Thieme, Stuttgart New York 1983.
  • mit Ottmar Bengert und Herbert D. Stolle: Orthopädie-Geschichte in Hamburg : zur historischen Entwicklung der Hamburger Orthopädie und Rehabilitation Körperbehinderter / 1 Anfänge der Hamburger Orthopädie im 19. Jahrhundert. Belhadi, Kassel 1998.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein